Montag, 22. September 2008

Keine Freiräume für Mütter


Mütter möchten mehr Freiraum, Väter tendieren zu altem Rollenverständnis. So sieht es trotz gegenteiligen Berichten in der Presse die "Vorwerk Familienstudie 2008".

Zwei Drittel der 1800 Frauen im Alter von 16 bis 29 Jahre wünschen sich mehr Raum für die eigenen Interessen, weg von Kind und Küche. Was zu erwarten war. Umso erstaunlicher scheint die Meinung der gleichaltrigen Männer. Nur jeder Dritte findet Freiräume für Mütter wichtig. Der Ehekrach ist vorporgrammiert.

Bei der Hausarbeit ist das Ergebnis wie erwartet: Drei Viertel der Frauen bewältigen den Haushalt vorwiegend alleine, 30% gibt zu, dass dies schon zu ernsthaften Krisen mit dem Partner geführt hat. Sonst was Neues?

Studie: www.vorwerk.com


Ratschläge einer Grossmutter


Wir lieben unsere Mütter. Vor allem seit wir selber Kinder haben, weil wir hoffen, dass uns unsere Kinder auch als Erwachsene noch lieben werden. Aber manchmal...


Nerv!!!! Habe wiedermal zuviel Zeit mit meiner Mutter verbracht. Versteht mich nicht falsch, wir haben ein super Verhältnis. Telefonieren jeden Tag und erzählen uns viel. Aber sie ist ja jetzt nicht mehr nur meine Mutter, nein, sie ist auch Grossmutter. Und da hört der Spass auf.

Seit wir Nachwuchs haben, lässt sie mich wieder vermehrt spüren, dass ich doch noch nicht ganz so erwachsen bin, wie sie es sich wünschen würde. Bzw. nicht so verantwortungsbewusst. Und zwar weil es schon mal vorgekommen ist, dass mein Sohn seine Unterhose verkehrt rum anhat. Dazu möchte ich nur erwähnen, das sich mein Viereinhalbjähriger eben selber anzieht und nicht wie ich noch mit 7 nicht wusste, wie man die Beine nacheinander in eine Hose steckt.

Aber dieses Wochenende hat sie "den Vogel abgeschossen". "Darf ich dir mal was sagen, dass mir seit ein paar Tagen auf dem Herzen liegt?" Da weiss ich jeweils schon, dass etwas kommt, was entweder mit meiner Figur oder mit meiner Rolle als Mutter zu tun hat. Letzteres traf diesmal zu.

"Als ich letzte Woche bei dir auf den Kleinen wartete (sie holte ihn bei uns zu hause ab, da er bei ihr essen sollte, ich war nicht da), sass ich auf dem Sofa. Als ich aufstehen wollte, blieb mein Fuss fast auf dem Parkett kleben."

O.k. Und?

"Na ja", fuhr sie fort, "schliesslich kommen andere Mütter manchmal zu dir nach Hause."

Stimmt. Und?

"Also ich würde mein Kind nicht gerne in eine Wohnung mitbringen, in der der Boden klebrig ist."

???

Nach erster Sprachlosigkeit (kein häufiger Zustand bei mir), konnte ich nur noch erwidern, dass die Mütter, mit denen ich verkehre, genauso klebrige Böden und Brösmeli aufzuweisen haben wir ich. Habe ich recht?

Normalerweise schalte ich bei solchen hirnverbrannten Bemerkungen auf Durchzug, da ich aber als Schwangere hormongesteuert durch die Gegend rennen, will mir das zur Zeit einfach nicht so gelingen. Und deshalb: NERV!!!

Mittwoch, 17. September 2008

Weggezappt!

Immer mehr Schweizer Familien verzichten bewusst auf den Altar im Wohnzimmer. Ihr Alternativ-Programm? Leben!


Fernsehen macht Kinder dumm, dick, lese- und spielfaul, ihr Vorstellungsvermögen und ihre Sprachfähigkeit leidet, ihre Intelligenzentwicklung stagniert, ausserdem ruft es Asthma, Seh- und Haltungsschäden hervor – das alles kann man in Studien lesen. Auch wenn da manches ein bisschen übertrieben klingt, so kann der Griff zur Fernbedienung jedenfalls nicht als Sport bezeichnet werden und das Auswendig-Kennen des TV-Programms gilt nicht als intellektuelle Höchstleistung. Für einige Pädagogen ist schon lange klar, was Eltern zu tun haben: "Schafft den Fernseher ab!"

Doch sind sich nicht alle Experten über die Schädlichkeit des Fernsehens einig. Für Céline Langeberger, Kinderpsychologin an der Universitätsklinik in Lausanne, ist Fernsehen nur für Kleinkinder unter drei Jahren wirklich schädlich – dass einige Sender eigene Programme für Babies ab dem ersten Lebensjahr ausstrahlen, ändert an Langebergers Ablehnung nichts. Ab dem vierten Lebensjahr dagegen komme es sehr darauf an, wie das Medium genutzt wird, sagt die Psychologin. Kleine Portionen könnten dem Kleinkind viel bringen, sofern auf altersgerechte Sendungen geachtet werde. Wichtig sei, das Gesehene mit dem Kind zu besprechen, um dessen Eindrücke wahrzunehmen. Hierfür kommen Eltern nicht daran vorbei, die Sendungen mit den Kindern zusammen anzusehen.

Statt mit ihren Kleinen Kinderkanal zu schauen, verzichten jedoch manche Eltern auf ihre eigenen Lieblingssendungen und schaffen den Fernseher ganz ab. Die Einschaltquoten sinken, die Zahl der freiwilligen Nichtfernseher steigt, auch wenn sie niemand genau beziffern kann. Offizielle Statistiken existieren nicht. Wer sind denn die Nichtfernseher des dritten Jahrtausends? Weltfremde, fortschrittfeindliche, birkenstocktragende Moralapostel? Intellektuelle, denen die Gebühren zu schade sind, nur um ARTE zu sehen?

Lieber etwas unternehmen
Die Vermutung liegt nahe, dass Nichtfernseher bereits ohne TV aufgewachsen sind, sie dieses Medium also gar nie als Teil ihres Lebens sahen. Yvonne Guldimann aus Seewen kann sich jedoch sehr wohl an den Fernseher in ihrem Wohnzimmer erinnern, als sie noch ein Kind war. Sie durfte jedoch nur sehr wenig schauen. In den Wohngemeinschaften ihrer Studentenzeit hat sie dann einen ganz anderen Umgang mit dem Fernseher kennengelernt: Kaum waren ihre Mitbewohner zu Hause, schalteten sie schon die Kiste ein. Der Fernseher war für sie nichts anderes als Radio mit Bild. Yvonne Guldimann fand es eher schrecklich. Sie selber konnte sich für dieses Medium nie begeistern. «Mir nimmt diese Dauerberieselung Raum und Aufmerksamkeit, diese Pseudo-Betriebsamkeit verhindert in meinen Augen tolle Unternehmungen und echte Erlebnisse.»

Heute lebt Yvonne Guldimann mit zwei Kindern (das dritte ist unterwegs) und dem Vater der letzten beiden auf einem Bauernhof am Stadtrand. Sie gehören zu der Sorte Nichtfernseher, die ihre Freizeit lieber anders gestalten als mittels TV-Programm. Regelmässig reisen die Eltern von Iria und Orienga nach New York und treten mit ihrer Ethno-Pop-Band "1001Ways" auf. Wenn sie nicht gerade singt, arbeitet Frau Guldimann als Lektorin und ist "nebenbei" noch Hausfrau.

Auf die Frage, wie denn ihr "Alternativprogramm" zum Fernsehen aussehe, antwortet die bald dreifache Mutter: "Programm? So etwas haben wir nicht! Wir leben einfach!" Ihre Kinder doppeln nach mit einer nicht enden wollenden Liste von Aktivitäten, bei denen man sich fragt, ob andere Familien denn nicht die gleichen Dinge tun: Gartenarbeit, zeichnen, lesen, Musik hören oder musizieren, telefonieren, klettern, Fussball spielen, Briefe schreiben, im Stall helfen, Computerspiel spielen, Traktor fahren.

Ob sie denn nichts vermisse? Die 12-jährige Iria zuckt die Schultern. "Nein, eigentlich nicht. Meine Freundinnen erzählen mir in der grossen Pause die letzte Folge von 'Wege zum Glück' und so kann ich mitreden. Es nervt nur manchmal, dass Freunde von mir viel später ins Bett müssen, weil sie noch 'CSI' sehen dürfen." Ob sie denn die besprochenen Figuren nicht auch mal sehen möchte? "Als Leseratte bin ich es gewohnt, meine Fantasie spielen zu lassen", meint sie abgeklärt. Schockiert über das Fehlen eines Fernsehers sei bis jetzt nur ein Freund des 7-jährigen Orienga gewesen. Worauf dieser seinen fernsehlosen Kameraden zu sich einlud, fern zu sehen. Orienga wollte aber lieber noch länger draussen spielen.

Zufriedene Menschen
Familie Guldimann mag ein bisschen aussergewöhnlich sein. Doch in einem ist sie ganz typisch: Der deutsche Kommunikationswissenschaftler Peter Sicking hat nämlich festgestellt, dass Nichtfernseher ausgesprochen zufriedene Menschen sind. Manche hätten schlicht keine Zeit, fern zu sehen. Andere verzichten bewusst auf den Konsum, weil sie andere "Hobbies" bevorzugten. Allerdings existiert laut Sicking auch eine Gruppe von Nichtfernsehern, die sich zwingen, aufs Fernsehen zu verzichten: Sie wissen, sie würden sonst süchtig.

Eliane Schneider beschreibt ihren neunjährigen Robin manchmal als "für die Aussenwelt nicht mehr erreichbar". Robin hockt dann auch vor einem Bildschirm, aber es ist kein Fernseher, sondern ein Computer, und Robin guckt dann nicht "Die wilden Kerle", sondern spielt ein Game. Der 9-jährige darf mit einer gewissen Regelmässigkeit an den Computer, um zu spielen. Fernsehen dagegen kann Robin nicht, genauso wenig wie seine beiden Geschwister – bei den Schneiders gibt es keinen Fernseher. Ist das nicht inkonsequent? Überhaupt nicht, findet Eliane Schneider: "Bei seinen Computerspielen ist er im Gegensatz zum Fernseher wenigstens aktiv und trainiert seine Reaktionsfähigkeit."

Wie steht es denn mit dem Vorurteil, Nichtfernseher seien fortschrittsfeindlich und technophob? Peter Sickings Studie unterstützt dies jedenfalls nicht. Die meisten Nichtfernseher nutzen Computer & Co. und wissen, dass auch ihre Kinder früh den Umgang mit den neuen Kommunikations-Techniken üben müssen.

Doch der Fernseher gehört eben für manche Eltern nicht unbedingt dazu. Die Familie Schneider lebt seit jeher ohne Fernseher, einen zu besitzen war nie ein Thema. Studium, Reisen und ein reges soziales Leben brachten den Fernseher einfach nie auf den Plan, so dass es auch nie etwas zu vermissen gab.

"Die Kinder dürfen bei Nachbarn und Freunden schauen, wenn auch bitte nicht zuviel", meint Jean-Daniel Fivaz, der Vater der Schneider-Kinder. Überraschenderweise hat der 9-jährige Robin eine sehr vernünftige Einstellung dazu. "Fernsehen ist nicht alles im Leben, ich habe auch andere Hobbies", meint er dann auch ziemlich selbstsicher. Obwohl es auch schon Phasen gab, in denen er sich seine Freunde bewusst nach deren TV-Konsum ausgesucht hat. Heute diskutiert er mit Freunden einfach mit, auch wenn er besagte Sendung gar nicht kennt. "Ein paar Mail zuhören und du weisst Bescheid. Ich möchte ja kein Outsider sein." In Sachen Filmen ist er sogar ein Insider, denn er schaut sich mit der Familie einmal wöchentlich einen neuen Film auf DVD an.

Keine vernünftigen Gründe
Merlin (6) und Jasper (2) dürfen ebenfalls ab und zu eine DVD sehen, oder bei den Grosseltern auch mal länger vor der Kiste sitzen. Besonders der grössere ist begeisterter TV-Gucker, "Bob der Baumeister" sein Liebling. Nach diesen Fernseh-Marathons merke sie aber jedes Mal, wie "abgelöscht" ihre Kinder seien, sagt Aleksandra Crossan. Für den Besuch der Reporterin hat sie extra eine Broschüre rausgelegt: "Neugeborene unter dem Einfluss von TV und Handy" steht auf dem Titel. Die 32-jährige Choreographin und ihr Mann sind überzeugt, es gebe "keinen einzigen vernünftigen Grund", einen Fernseher zu besitzen: "Die meiste Zeit kommt nichts Schlaues und es hält uns davon ab, interessante Gespräche zu führen und unseren Kindern die Welt näherzubringen!"

Vor allem für ganz kleine Kinder sei der Fernseher (und auch andere elektronische Apparate) doch einfach nur schädlich, findet die Zürcherin amerikanischer Herkunft. Bereits die Tatsache, dass sie ihr Büro im Wohnzimmer hat, sei eigentlich schon zuviel. Ihren Handy-Konsum möchte sie in Zukunft sowieso einschränken.

Wie steht es denn um den Informations-Stand? Weiss man in einem Leben ohne Fernseher überhaupt noch Bescheid, was in der Welt läuft? Da haben Merlins Eltern die gleiche ruhige Einschätzung wie die Familien Guldimann und Schneider: In Sachen Aktualität verpassten sie nicht das Geringste. Sie informierten sich in Zeitungen, Zeitschriften und oft auch im Internet über das Tagesgeschehen. "Die täglichen News im Fernsehen informieren auch nicht umfassender, sie beeinflussen einen höchstens negativ", ist Aleks Crossan überzeugt.

Das sollte sie vielleicht nicht unbedingt Annette Huber erzählen. Die 28-Jährige wuchs zwar ebenfalls ganz ohne Fernseher auf. Und sie bereut die fernsehlose Kindheit nicht. Sie las viel, unternahm täglich etwas mit dem Hund und das Grösste waren dann immer die Geschichten ihres Vaters, abends, bevor sie ins Bett musste. Allerdings: Ihre Mutter erinnert sich, dass Annette aus einer Kartonschachtel einen Fernsehapparat gebastelt hatte. "Hinter diesem Bildschirm las sie dann die Nachrichten." Annette ist heute Journalistin beim Schweizer Fernsehen.

Erstmals erschienen in der Balser Zeitung, September 2008
Text: Nathalie Sassine

Experten-Interview mit Daniel Süss, Medienpsychologe.

Experten-Interview

"Der Fernseher kann einen gewissen "Nährwert" haben."

Daniel Süess ist Medienpsychologe an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.



Von Nathalie Sassine

baz: Ist der Fernseher im Leben eines Kindes gleichzustellen mit Süssigkeiten: Je weniger, desto besser?

Daniel Süess: Nein, denn im Gegensatz zu Süssigkeiten kann der Fernseher einen gewissen "Nährwert" beinhalten, schliesslich gehört er zu unserer Medienlandschaft und prägt die Gesellschaft nachhaltig. Auch Kinder sollten eine gewisse Medienkompetenz erlernen und hierfür muss ihnen der Umgang mit dem Fernseher gestattet sein. Ein Kind kann sich auch eine Sprache nur aneignen, wenn mit ihm gesprochen wird, anders geht es nicht. Kinder bringen grundsätzlich alles mit, um mit audiovisuellen Medien umzugehen, wenn man sie jedoch davon abschirmt, verhindert man diesen Lernprozess.

Gibt es Nachteile für Kinder, die ohne Fernseher aufwachsen?

Es kommt heute natürlich darauf an, wie ihre Medienwelt sonst aussieht. Eine Familie, die überdurchschnittlich viel ins Kino geht, viel liest oder viele Hörspiele hört, vermittelt ihren Kindern ja auch Geschichten, die Kinder verpassen nichts. Ausser vielleicht den fehlenden Umgang mit dem Fernseher, der in unserer Gesellschaft auch ein Leitmedium darstellt.

Fernsehen ist also nicht nur Unterhaltung und Berieselung?

Keineswegs. Für Schulkinder gibt es heute gute Info-Sendungen, von denen sie sehr viel lernen können. Die Frage ist eher, ob der Fernseher sehr zentral in der Familie ist und das abendliche Schauen ein unumstössliches Ritual. Kinder müssen wissen, dass es auch andere Aktivitäten gibt, als fern zu sehen.

Wo fängt Fernsehsucht bei Kindern an und wie weit kann sie gehen?

Sucht wird immer ähnlich klassifiziert. Indikatoren für eine Sucht sind etwa ein Unwohlsein, das sich einstellt, sobald man eben mal nicht vor dem Fernseher sitzt. Oder wenn man die Anzahl Stunden, die man fern sieht, vertuscht oder gar die Familie anlügt und heimlich anderswo schauen geht. Auch das Vernachlässigen von Beziehungen, Hygiene und Nahrungsaufnahme sind ein sicheres Indiz für eine Sucht. Ein weiterer Indikator sind mehrere Geräte im Haushalt, um ja nichts zu verpassen.

Haben Sie konkrete Tipps für Eltern, wie mit dem Fernseher in der Familie umzugehen ist?

Sie sollten generell Regeln aufstellen, wann und wie oft der Fernseher eingeschaltet werden soll. Mit DVDs und Videos anfangen und zusammen mit den Kindern schauen. Gerade Kleinkinder brauchen Wiederholungen, um den Sinn einer Sendung zu erfassen. Ausserdem sollte man die Zeit im Griff behalten. Kleinkinder eine halbe Stunde, Schulkinder ab einer Stunde, je grösser, je länger, aber nicht jeden Tag. Man sollte die Limiten und Programm zusammen besprechen, konsequent einhalten und die gesehene Sendung besprechen. Und, ganz wichtig: Fernsehen ist kein Mittel gegen Langeweile! Diese gehört zum Leben manchmal einfach dazu.

TV-Tipps für die Kleinen: www.flimmo.tv

Ohne mich – Virtuelle Freunde

Ich habe Freunde. Eine Hand voll. Früher hatte ich mehr, viel mehr. Aber mit dem Alter kommt die Karriere, dann die Kinder, was auf viel Zeitaufwand und wenig Zeit für Freunde hinausläuft. Das Internet bietet jedoch – wie für Kaninchenzüchter, Gesundheitsapostel und Abmagerungsfanatiker – auch für Menschen mit wenig Freunden eine Lösung: facebook.com.


Da finden Sie im Null-Komma-Nichts vieeeeele Freunde. Und erfahren alles über ihre Hobbies, Jobs, persönliche Favoriten in jedem Bereich. Sogar über die Aktivitäten dieser “Freunde” finden Sie allerlei Infos. Und sehen, wieviele “Freunde” Ihre “Freunde” haben. Da gibt es Leute, die haben über 2000 solcher “Friends”! Aber keine Zeit, sie zu treffen… Virtual Reality vom Feinsten.

Nun frage ich mich aber: Wieso sollte sich irgend jemand dafür interessieren, dass ich am liebsten Büchsen-Pfirsiche esse, während ich “Desperate Housewives” schaue? Oder dafür, “wer ich in meinem früheren Leben war”? Oder gar dafür, “was ich tue, wenn mich niemand sieht”, nämlich Büchsen-Pfirsiche vor dem Fernseher essen?

Ist es denn nicht so, dass ich die Zeit, die ich mit facebook.com vergeude, lieber beim Apéro mit echten Freunden verbringen sollte? Mit echten Gesprächen, echten Drinks und echten Lachern? Ich finde schon, und deshalb werden Sie mich nie auf einer solchen Plattform finden, für meine Freunde brauche ich kein Verzeichnis. Was facebook.com nämlich nicht kann, ist mich in den Arm nehmen und trösten, wenn die aktuelle Staffel von “Desperate Housewives” schon wieder zu Ende ist.

Erstmals erschienen in der Balser Zeitung, August 2008
Text: Nathalie Sassine


Baby-Tagebuch: Nestbauer

Trotz Schlafmangel, Rückenschmerzen und allen Unannehmlichkeiten des dritten Drittels, etwas Gutes kann ich den letzten zwei Monaten Schwangerschaft abgewinnen: den Nestbauer-Trieb. Ausser, dir ist ein iPhone wichtiger.


Noch ganze zwei Monate bis zum grossen Tag. Mir reicht’s jetzt schon. Ohne undankbar klingen zu wollen, schliesslich habe ich eine wirklich einfache Schwangerschaft (bis jetzt) ohne Komplikationen, aber die letzten acht Wochen würde ich mir schenken. Atemnot, Schlafstörungen, das Gefühl, einen Medizinball verschluckt zu haben... es gibt schöneres, glaubt mir!

Der einzig nützliche Nebeneffekt des letzten Schwangerschafts-Drittels ist dieser Nestbauer-Trieb, den angeblich jede schwangere Frau entwickelt. Bei mir ist er sehr ausgeprägt. Was sich darin spiegelt, dass ich am liebsten jeden Tag die Wohnung putzen würde (wenn mein Rücken mitmachen würde). Und zwar auch die hintersten Ecken und die versteckten Dreckablagerungen.

Ausserdem „bastle“ ich täglich am Kinderzimmer unserer zukünftigen Tochter herum. Ich habe schon angefangen, Baby-Sachen zu waschen, Schubladen zu ordnen und natürlich war ich auch schon beim Schweden wegen der süssen und bezahlbaren Baby-Accessoires. (Boutiquen habe ich ebenfalls durchforstet, aber eine Patchwork-Decke für CHF 450.-??? Heute nicht, danke!)

A propos Baby-Accessoires: wir hatten bereits den grössten Streit mit meinem Grossen (dem ganz Grossen), über die Dringlichkeit meiner Einkäufe. Wäschekorb: nötig. Süsse Ente mit Taschen für an die Wand: unnötig. Kleiderschrank: nötig. Klitzekleine Boxen für allerlei Ware: unnötig. So zumindest sein Urteil. Aber was weiss ein Mann schon? Er denkt schliesslich auch, sein iPhone sei wirklich unbedingt dringend nötig...


Mittwoch, 10. September 2008

SVP bringt Kids zum heulen

Die SVP trägt wiedermal dick auf. Mittels einer Plakatkampagne stellt die Luzerner Partei das HarmoS-Projekt als Kindesmisshandlung dar. Und behauptet erst noch (auch dies nicht zum ersten Mal) Unwahrheiten in Bezug auf diese Schulreform, über die viele Kantone in den nächsten Monaten abstimmen werden. Tages Anzeiger von heute:In ihrem Kampf gegen moderne Schulen behauptet die SVP, Problemkinder würden künftig das Niveau der Schulen nach unten reissen. Stimmt das so?

Von David Schaffner

Wer durch die Strassen im Kanton Luzern geht, könnte meinen, die Schweizer Kinder würden nächstens von einem grässliches Schicksal ereilt werden: Auf Plakatwänden sind überall weinende Mädchen und Buben zu sehen, die die Passanten mit flehentlichen Blicken fixieren. Wer dabei denkt, es handle sich um eine Kampagne gegen häusliche Gewalt, sieht sich aber getäuscht: Der Absender der Botschaft, die SVP, kämpft mit den heulenden Kleinen gegen Harmos und will so moderne und einheitliche Schulen verhindern. In Luzern findet am 28. September nach Glarus die zweite Abstimmung über die interkantonale Vereinbarung statt. Weitere Kantone wie Zürich folgen im November.

Die Luzerner SVP macht aber nicht nur mit weinenden Kindern Stimmung, sondern auch mit irreführenden Argumenten. So behauptet die Partei in einem Inserat, dass in den Luzerner Zeitungen erschienen ist: «Das Leistungsniveau wird schlechter, denn die Sonderklassen werden aufgehoben, die Sonderschüler in die Normalklassen gesteckt. Die normalen Kinder erhalten somit schlechtere Bildungschancen.» Tatsächlich hat das Konkordat mit der Aufhebung von Sonderklassen nichts zu tun. «Die SVP vermischt in ihrer Kampagne alle möglichen Reformen, die keinen Zusammenhang mit Harmos haben», stellt Olivier Maradan klar. Er ist bei der Konferenz der kantonalen Bildungsdirektoren zuständig für Harmos.

Ganzer Artikel auf tagesanzeiger.ch

Ausserdem: Daniel Binswanger zum Thema im Magazin

Die Befürworter von Harmos

Die Gegner von Harmos


Montag, 8. September 2008

Mutter prägt Babys Schlafmuster

Wichtige Infos für Schwangere: Seid gut gelaunt! sonst schläft euer Baby nicht! Eine neue Studie besagt, dass die seelische Stimmung der Mutter beeinflusst, ob ihr Baby einen gesunden Schlaf entwickelt. Das Schlafmuster entsteht in den ersten sechs Lebensmonaten. Und wieder mal tragen wir die gesamte Verantwortung...

Focus-Online: Das erste Lebenshalbjahr eines Kindes bestimmt darüber, ob es einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus entwickelt. Er ist wichtig für seine gesunde Entwicklung.

Babys, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft eine Depression erleiden, haben eine schlechte Ausgangsposition, einen gesunden Biorhythmus zu entwickeln. Das haben Wissenschaftler der Universität von Michigan in Ann Arbor herausgefunden. Die Säuglinge schlafen in ihrem ersten Lebenshalbjahr unruhiger und unregelmäßiger als die Kinder seelisch gesunder Mütter. Sie schlafen abends schlecht ein, machen tagsüber häufiger kurze Nickerchen und wachen nachts sehr oft auf.

Ganzer Artikel auf focus.de

Donnerstag, 4. September 2008

Roger hat wieder zugeschlagen!

Lang ist's her, als wir Roger Köppels (unmassgebliche) Meinung hier kundgetan haben. Aber in Sachen HarmoS hat er wieder dermassen zugeschlagen, dass wir euch sein Editorial der neusten Weltwoche einfach nicht vorenthalten wollten. Kommentare sehr willkommen!

Von Roger Köppel

HarmoS setzt falsche Anreize.

Das von der eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) an Volk und Parlamenten vorbei ausgeheckte Standardisierungskonkordat zur Schule (HarmoS) widerspricht nicht nur demokratischen Grundsätzen; es zementiert Fehlentwicklungen. Die EDK hatte den Auftrag, die vom Stimmvolk abgesegneten Harmonisierungsbestimmungen im Bildungsartikel vom 21. Mai 2006 umzusetzen, doch sie ging mit ihrem Vorstoss weit darüber hinaus. Einer der strittigsten Punkte ist die im Gesetz nicht vorgesehene flächendeckende Einführung von Blockzeiten und Tagesstrukturen. Der Staat soll die Aufgabe übertragen bekommen, eine erzieherische Vollbetreuung jener Kinder zu garantieren und bei Bedarf zu übernehmen, deren Eltern diese Pflicht nicht erfüllen wollen oder können. Faktisch ist es nur ein Angebot, aber Signal und Wirkung sind fatal.

Ein freiheitlicher Staat beruht auf dem Prinzip der Eigenverantwortung. Die Erziehung ist/war mit ihren Belastungen und Freuden stets eine private Domäne. Die fliessbandmässige Früherfassung der Kinder zum Zweck ihrer Erziehung durch staatlich besoldete Experten galt bisher nicht als Merkmal liberaler Ordnungen. Der Staat hielt sich von totalitären Versuchungen fern, weil er keine falschen Anreize schaffen wollte. Es ist ein kleiner Schritt vom freiwilligen Angebot zum allseits gern genutzten, da bequemen Ausweg aus den Zwängen elterlicher Pflichten. Wo die private Eigenverantwortung bröckelt, kommt die Demokratie ins Wanken. In der DDR wurden Eltern ins Kombinat gesteckt, während der Staat die Kinder bewirtschaftete. Der von HarmoS verfügte Zwang zu Tagesstrukturen verdankt sich der gleichen kollektivistischen Ideologie.

Wagen wir ein paar unmodisch gewordene Überlegungen: Wollen ein Mann und eine Frau eine Familie gründen, sollten sie sich zuerst überlegen, ob sie es sich überhaupt leisten können. Wenn beide arbeiten müssen, ist die Kinderbetreuung zu regeln mit Verwandten oder Bekannten. Fehlt das nötige Personal, kann man sich nach einer Krippe umsehen und die entsprechenden Kosten tragen. Es gibt keinen Grund dafür, dass der Staat Krippen bauen sollte. Im Gegenteil. Er kann, ja muss dieses Feld der gesellschaftlichen Selbstorganisation überlassen, sonst schwächt er sie. Früher oder später werden staatliche Dienstleistungen auch von denen gebraucht, für die sie nicht gedacht waren. Der Erziehungsapparat wird, zwangsläufig, zum Vollzugshelfer kollektiver Verantwortungslosigkeit im Namen der Gleichheit.

Es hat sich eingebürgert, in gesellschaftspolitischen Fragen behördlichen Aktivismus für unbedenklich zu halten. Die Kampfzone wird aggressiv besetzt von Bildungsbürokraten, Pädagogen, Journalisten, angeblichen Frauenrechtlern, der Psycho-Branche und jenen Leuten, die immer dabei sind, wenn die öffentliche Sphäre vergrössert werden kann. Die Gesellschaftspolitik ist das Trojanische Pferd der Etatisten, die mit erstaunlichem Erfolg auch in freisinnige Stammlande vordringen. Niemand hat etwas gegen eine gewisse Harmonisierung von Schulplänen und Bildungsstandards, obschon es fraglich ist, wieweit eidgenössisch durchgesetzt werden kann, was oft auf kantonaler Ebene scheitert. Nichts ist dagegen einzuwenden, wenn Eltern oder Privatfirmen Tagesstrukturen aufbauen. Gefährlich allerdings ist die kritiklose, unschweizerische Aufrüstung des Staats zur Erziehungskolchose, die unsere Kinder schon ab dem vierten Lebensjahr einzieht und in Konkurrenz tritt zur Familie. Bereits werkelt eine Nationalratskommission an Tagesstrukturen für Kleinstkinder zwischen 0 und 4 Jahren.

Erziehung bedeutet die Vermittlung von Werten und Erfahrungen, die im Rahmen intimster verwandtschaftlicher Beziehungen gepflegt werden müssen. Es ist ein Sündenfall, wenn sich der Staat proaktiv nach vorne drängt, um die Eltern von dieser Verantwortung zu befreien. Um den berühmten Satz des Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde abzuwandeln: Gerade in Erziehungsfragen lebt der liberale Rechtsstaat von Voraussetzungen, die er selber weder garantieren noch unmittelbar beeinflussen kann. Das ist das Risiko, das er um der Freiheit willen eingegangen ist. Man sollte die Kinderverstaatlicher endlich bremsen.

Nun stellt sich der Rabenmutter, die ich bin, die Frage, ob dieser Herr überhaupt Kinder und eine Frau hat. Näheres demnächst in diesem Theater...

Volksinitiative gegen Hochdeutsch im Chindsgi

Wir hatten schon darüber berichtet, wie es um das "Niveau" des Hochdeutschen in hiesigen Kindergärten steht: "Überzeugt überzogen". Nun verlangt eine Volksinitiative "Ja zur Mundart im Kindergarten", das in den Kindergärten des Kantons Zürich das Hochdeutsche auch künftig keine Pflicht werden soll.


Die Initiative verlangt, dass in den Zürcher Kindergärten wie bisher grundsätzlich Mundart gesprochen wird. Sie bekämpft die Durchsetzung eines Entscheides des Bildungsrates, der künftig für mindestens einen Drittel der Unterrichtszeit Hochdeutsch verlangt.

Der Verzicht auf Hochdeutsch im 1. Kindergarten diene dem «sinnvollen altersgerechten Sprachenerwerb» begründen die Initianten ihren Vorstoss. Und im zweiten Jahr sei höchstens ein geringer Hochdeutsch-Anteil sinnvoll.

Hinter der Initiative steht EVP-Kantonsrat Thomas Ziegler. Im Komitee sind aber auch verschiedene Politiker diverser anderer Parteien vertreten.

Welche Sprache die Kindergärtler im Unterricht sprechen sollen, ist auch im Kantonsparlament umstritten: Im Frühjahr wurde zwar ein Vorstoss gegen die Einführung des Hochdeutschen im Kindergarten dringlich erklärt. Gleichzeitig sprach sich das Parlament aber dagegen aus, Mundart zur Hauptsprache zu erklären.

Eine ähnliche Initiative wurde bereits auch in Basel lanciert.

Wir sind gespannt, inwiefern das Volk "überzogen" werden kann.


Quelle: SDA/ATS

rabenmutter.ch abonnieren