Samstag, 19. Dezember 2009

Früher war alles anders...

Teenager. So lange ist es doch noch nicht her, seit ich selber einer war? Und doch ist heute irgendwie alles anders...

Natürlich lässt sich das Leben eines heutigen Teenagers nicht mit dem eines hormongetriebenen Pubertierenden aus den Achtzigern vergleichen. Damit meine ich nicht die grässlichen Outfits, Sounds und Frisuren. Aber damalas gab es beispielsweise keine keine Coffee Shops, in denen man den halben Tag rumhängen konnte. Das einzige Lokal, in dem man nicht schief angesehen wurde, war das Migros Restaurant des Sportzentrums. Denn da gab es auch keinen Alkohol und wir tarnten den Auslfug dahin mit vorherigen Tanzstunden. Aber das ist natürlich nicht der einzige Unterschied.

Als ich gestern im ganzen Xmas-Shopping-Stress (den Ausdruck gab es in den Achtzigern bestimmt auch noch nicht) im Coffee Shop einkehrte, staunte ich nicht schlecht über die Anzahl Teenager, die dort rumhingen. Ja, ich kann es nicht anders beschreiben, denn die bequemen Sessel waren übersät mit flezenden Mädchen (fast keine Jungs), die ihre Low-Cut-Jeans und Mini-Handtäschchen vorführten, an irgendeinem süssen Getränk nippten und sehr laut ihre Teenager-Themen diskutierten. Und der Verdacht wird wohl berechtigt sein, dass sie nur rumhingen und nicht etwa richtig konsumierten. Denn welcher Teenager kann sich schon einen Latte für knappe sieben Franken leisten? Aber vielleicht ist auch das heute anders.

Die Gespräche hörten sich etwa so an: "Mann, dä isch total abdräht, hat eifach ufghänkt und sich nüme blicke la!" "So en Vollidiot, Mann!" Und so weiter. Die Häufigkeit, in der das Wort "Mann" fiel, hätte jede Feministin auf die Palme gebracht.

Doch schockierte mich vielmehr die Art und Weise, wie die Girls heute auftreten. Sie sind extrem selbstbewusst. So selbstbewusst, dass es bei einer 13-jährigen schon fast lächerlich wirkt. Spätestens als das eine Girlie-Grüppchen dem anderen Girlie-Grüppchen hinterhergaffte und meinte "Wir sind viel hübscher als die" und mir dabei in die Augen schaute, hatten sie meine Aufmerksamkeit. Dieses Mädchen fühlte sich nicht etwa ertappt, als sie merkte, dass die Alte (knapp Vierzig ist als Teenie uralt) das mitangehört hatte. Schliesslich war sie ja hübscher als die andere!

Ich hätte mich damals nie getraut, das so offen auszussprechen, wahrscheinlich auch darum, weil ich im Zweifelsfalle andere Mädchen immer hübscher fand als mich selbst. Bescheiden? Ich weiss nicht, eher realistisch. Denn ehrlich gesagt, der optische Hammer waren diese selbstüberzeugten Girls nicht, mit ihren knappen 1.50 Meter, zu engen Jeans und zu kurzen Jacken. Und natürlich viel zu sehr geschminkt.

Liegt es an den zahlreichen Casting-Shows, dass sich die Mädels heute schon mit 13 als Topmodel wahrnehmen und denken, sie hätten der Welt mehr zu bieten, als ihre Freundinnen? Und wird diese Arroganz sie weiter bringen als unsereins, der eher beschämt zu Boden geschaut hat, wenn sie bei einer "eingebildeten" Aussage erwischt wurden? Dieses Adjektiv scheint überhaupt aus dem Wortschatz verschwunden zu sein: Eingebildet. Als ich jung war, galt man bereits als eingebildet, wenn man gerade ging und sein gegenüber direkt in die Augen schaute.

Offensichtlich merkt man sein Alter nicht nur an den Rückenschmerzen und den längeren Erholungsphasen nach feuchtfröhlichen Parties, sondern auch an der Art, wie man die heutigen Jugendlichen sieht. Jetzt fühle ich mich richtig alt!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Oh du selige...Undankbarkeit!

Die Adventszeit “schmeckt” nach Vielem: Zimt, Orangen, Vick’s und ..Undankbarkeit! Ich liebe es ja, die Vorfreude meiner Kinder in deren Augen wiedergespiegelt zu sehen. Doch fürchte ich jedes Jahr dem Moment, wenn es einschlägt. Das Gefühl, verdammt verwöhnte Saugoofen zu haben.

Dieses Jahr hatte ich mir geschworen, den Adventskalender bescheiden zu füllen. Keine hundert Sächelchen und Spielsachen, die dann doch nur rumliegen und einen Nachts die Tränen in die Augen treiben, wenn man wiedermal darauf getreten ist. Also findet Sohnemann dieses Jahr vorwiegend Schoko-Herzen und Gummibärli drin.

Aber die viel anstrengendere Nebenwirkung eines Adventskalenders besteht darin, dass unsere Kinder, die meist in Wohlstand aufwachsen, sich deren Glück gar nicht bewusst sind. Am liebsten hätte ich besagten Kalender aus dem Fenster geworfen, als ich meinen grossen eines Morgens sagen höre: “Das isch jetzt aber nöd so cool”, als er eine Trudi-Gerster-CD mit Weihnachtsgeschichten rausholt. Ein paar Tage davor hatte er mir nämlich gesagt, es sei ja immer nur Schoggi im Kalender, ob das Christkind vielleicht zu faul gewesen sei, was anderes zu kaufen (nein, mein lieber, das war deine werte Mutter).

So kam es, dass ich ihm von den armen Kindern berichtete, die an Weihnachten nicht 1000 und ein Geschenk erhalten und die froh wären, auch nur EINE Trudi-Gerster-CD unter dem Christbaum zu finden. Und die noch nie im Leben einen Adventskalender gesehen haben! Als Kind habe ich die „Arme-Kinder-haben-viel-weniger-als-du-Argumentation“ gehasst und heute höre ich mich den genau gleichen Wortlaut gebrauchen wie damals meine Mutter! Aber es funktioniert immer noch.

Wir vereinbarten also, dass er drei seiner Spielsachen an weniger wohlhabende Kinder verschenkt. Er fragte mich, ob wir denn dafür nach Afrika reisen müssten, worauf ich ihm gestehen musste, dass es sogar in unserer eigenen Stadt Kinder gäbe, die sich über seine Geschenke sehr freuen würden. Die Mütterhilfe Zürich nimmt immer gerne Spielsachen, Kleider und Mobiliar für bedürftige Familien an.

Er hat dann ganz gewissenhaft nach Spielsachen gesucht und drei gefunden. Nicht die kaputten oder den Mist von Mac Donalds, sondern wirklich gute Sachen, an denen Kinder Freude haben werden.

Ich brauche euch nicht zu sagen, wie stolz ich auf ihn bin.

Frohe Weihnachten!

Montag, 14. Dezember 2009

Intelligente Geschenke

Wer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke hat und die Shopping-Tour mit einem netten Ausflug zum Bodensee kombinieren möchte, besucht den rasselfisch in Konstanz. Nicht nur für Gottis und Grosseltern.

Bei rasselfisch in Konstanz stehen die ganz Kleinen im Mittelpunkt. Die Kindersachen erfüllen einen hohen qualitativ und ästetischen Anspruch und machen nicht nur den Kids Freude. Doch die Liebe zu Kindern geht bei rasselfisch noch einen großen Schritt weiter: alle Produkte, egal ob Designer-Hochstuhl, Kinderwagen oder Kuscheltier, sind mit dem Fair Trade-Siegel oder einem Design-Preis ausgezeichnet. Ausserdem haben für die Laufräder, Fahrradsitze und Möbel keine anderen Kinder irgendwo hart arbeiten müssen. Hier ist immer klar, woher die Sachen kommen. Weiter unterstützt rasselfisch auch das Projekt Wildwasser, indem ein Prozent des Umsatzes an die Organisation gegen sexuelle Gewalt geht.

Und uns Schweizer Shoppern zahlt rasselfisch die MWSt zurück!

Viel Spass beim Christmas-Shopping!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Es schneielet...

Wie alle Kinder, war auch mein Sohn diese Woche total aufgeregt über den neuen Schnee. Und obwohl es mir ferner nicht liegen könnte, die Spassbremse zu sein, muss ich jetzt und hier zugeben: Ich hasse Schnee!

Das war nicht immer so. Ich erinnere mich gerne an romantische Wochenenden in einem kleinen Hotel in den verschneiten Bergen. Manchmal war sogar Wellness inbegriffen. Dort taten wir nichts anderes als im Bademantel rumzuhängen. Ein paar Behandlungen, feines Essen, guter Wein und noch bessere Gespräche. Manchmal kamen wir sogar raus für einen romantischen Spaziergang in der verschneiten Landschaft.

Vielleicht habt ihr den nostalgischen Ton bemerkt. Richtig: Dieses schöne Bild ist vollkommen frei von Kindern! Der Winter ist wunderbar, solange du keine kleinen Hände in winzige Handschuhe stecken musst. Wenn da keine Babies sind, die ihre Mützen von ihren verschwitzten Köpfchen runter reissen wollen oder grosse Jungs, die UNBEDINGT sofort pinkeln müssen, obwohl sie angezogen sind wie Reinhold Messner als er den Everest erklomm.

Aber ich muss zugeben, wenn sie endlich angezogen sind, ist es wunderbar, den Kindern beim Spielen im Schnee zuzuschauen. Wie stolz sie sind, wenn sie ihren Schneemann endlich fertig haben, auch wenn dieser als solcher schwer zu erkennen ist.

Und dann gehst du nach Hause und der Horror geht von vorne los…

Ich wünsche allen einen wundervollen Winter!

Freitag, 27. November 2009

Ist Essen der neue Sex?

Elterliche Moralpredigten im Laufe der Geschichte: "Werd ja nicht schwanger!" in den 60ern, "Lass die Finger von Drogen!" in den 70ern und "Achtung, AIDS!" in den 80ern. Und unsere Kids? Besteht die Moralpredigt des zweiten Jahrtausends wirklich aus "Ernähr dich gesund!"? Mir geht das zu weit und Nicole Althaus vom Mamablog des Tages Anzeigers ebenfalls.

Ich kann mich noch gut erinnern an meinen ersten Fez in der fünften Klasse. Ein Freund hatte sturmfrei und wir Mädchen und Buben machten Flirtversuche auf dem blauen Ledersofa, torkelten mit Spaghetti im Mund und den allerersten Schmetterlingen im Bauch zu Barbra Streisands «Woman in Love» über den schon arg strapazierten Flokati und losten mit der Flasche aus, wer, wen, wohin küssen musste, durfte. Der Fez war so unbedarft wie unser Musikgeschmack, so unschuldig wie wir selbst. Trotzdem durften zwei meiner Klassenkameradinnen nicht daran teilnehmen und die Mutter meiner besten Freundin nahm uns im Vorfeld das Versprechen ab, nicht mit den älteren Jungs in einem Zimmer zu verschwinden. In der vorangehenden Moralpredigt ging es um Sex.

Letzthin war meine Zehnjährige zum ersten Mal zu einer Party eingeladen, an der ältere Jungs teilnahmen. Es war die Abschiedsfeier eines ihrer Kollegen aus dem Sportclub, sie fand im Keller statt und beim Abholen der Tochter erhaschte ich durchs kleine Fenster ein Auge voller Gliedmassen, die sich zu Robbie Williams «Bodies» schüttelten. Nichts als ungelenkes Wachstum, das die Fremdheit im eigenen Körper und gegenüber dem anderen Geschlecht mit überdimensionierter Lässigkeit übertünchte. Ich sinnierte gerade über den Klassiker nach, der seit Jahrzehnten mit immer neuer Besetzung und vor immer neuer Kulisse gegeben wird, als ich hörte, wie eine andere Mutter ihre Tochter ins Gebet nahm: «Chips, Brownies, Cola. Was Gesundes gabs nicht? » Die Moralpredigt, die folgte, drehte sich ums Essen.

Kulisse und Besetzung waren offenbar nicht das Einzige, was sich an diesem pubertären Schauspiel geändert hatte. Auch die Regieanleitungen sind neu: Die moderne Mutter sorgt sich nicht mehr, dass die Tochter richtig küsst, sondern dass sie falsch isst. «Is Food the New Sex?», fragte die konservative Standford-Soziologin Mary Eberstadt im Frühling in einem Aufsatz. An ihre These musste ich denken, als ich zuhörte, wie die Mutter den Mageninhalt ihrer Tochter sezierte und bewertete. «Das Essen hat in der Moralvorstellung unserer Gesellschaft den Sex verdrängt.», behauptet die Autorin. Ich kenne tatsächlich keine Mutter und keinen Vater, die den Nachwuchs nicht über gute und schlechte Nahrungsmittel aufklärten, aber viele, denen es nicht mehr in den Sinn käme, die Tochter mit sexuellen Normen zu belästigen.

Auch wenn man - im Gegensatz zu Mary Eberstadt – die Aufhebung der rigiden Sexualmoral nicht betrauert, muss man zugeben, dass wertende Ausdrücke heute hauptsächlich im Zusammenhang mit Lebensmitteln und ihren Folgen für die Figur fallen: Man sündigt, wenn man Schokolade ist. Wer das Fitnessabo nicht nutzt, hat ein schlechtes Gewissen. Und seit Neuestem muss sich ein Kind schämen, wenn Mama statt des Apfels eine Banane ins Znünitäschli packt.

Natürlich ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder gesund ernähren. Aber ist die moralingeschwängerte Dauerpräsenz des Themas nicht auch mitschuldig, dass Dreijährige heute aus jeder Mahlzeit ein Mordsdrama machen, Siebenjährige sich fett finden, Elfjährige zum ersten Mal auf Diät sind und immer mehr Fünfzehnjährige mit Magersucht zu kämpfen haben?

Text: Nicole Althaus für den Mamablog


Mittwoch, 25. November 2009

Kontrollverlust

Seit uns die Pisa-Studie im Nacken sitzt, werden wir Eltern regelmässig dazu angehalten, unsere Kinder zu "fördern". Beobachtungen am lebenden Objekt.

An besagtem Besuchstag wurde wie gesagt viel gebastelt. Schneiden, malen, kleben. Da mir basteln ein Gräuel ist, bin ich sehr froh, diese Art der Kreativität unserem Schulsystem zu überlassen. Also schaue ich gerne zu.

Nicht so die meisten anderen Eltern. Während wir vorwiegend auf die Kindergespräche achteten, bei denen es entweder um Fussball, Super-Helden oder Super-Kräfte ging (wie gesagt, es sind fast nur Jungs in der Klasse), waren andere Väter und Mütter mit viel intensiveren Aufgaben beschäftigt.

"Schau jetzt, Sandro, da hast du nicht so schön geschnitten. Hör jetzt auf zu schwatzen und konzentrier dich." "Gib dir bitte etwas mehr Mühe, komm ich zeig's dir." So klang es aus fast jeder Ecke. Mein Mann und ich kamen uns schon langsam seltsam vor, weil wir nicht mit unserem Kind am Tisch sassen und bastelten. Der Morgen endete mit Eltern, die das Mandala ihrer Tochter oder den Turm ihres Sohnes fertigstellten...

Ähnliches hörte ich von einer Freundin, deren Tochter die erste Klasse besucht. Da flüsterten die Eltern ihren Sprösslingen sogar die richtigen Antworten zu oder ermunterten sie, sich zu melden!

Bei aller Liebe zu unseren Kindern und dem Bedürfnis, aus ihnen gute Schüler zu machen: Geht es denn in der Schule nicht genau darum, dass sie als Individuen etwas lernen? Kann es sein, dass wir ihnen alles vorkauen, damit sie in der Klasse gut dastehen? Ganz davon abgesehen, dass die Lehrerin ja auch mitbekommt, dass die Leistung nicht auf den Kindern selber beruht, sondern von Mami und Papi eingeflüstert wurde.

Ich höre auch immer wieder Horrorgeschichten von Eltern, die stundenlang mit ihren Kindern Hausaufgaben lösen und Voträge schreiben. Mir ist bewusst, dass man nicht mit früher vergleichen soll, aber unsere Eltern machten doch keine Hausaufgaben mit uns, oder doch?

Deshalb finde ich die SP-Initiative "Aufgabenstunden statt Hausaufgaben" gar nicht schlecht. Schüler sollen ihre Hausaufgaben in der Schule erledigen, unter Aufsicht. So erarbeiten Kinder ihre Lösungen selber, ohne die ungleichen Verhältnisse von Alpha-Eltern vs. Raben-Eltern, die ihren Kindern nicht helfen können. Oder sogar wollen.

Doch genau die Alpha-Eltern kämpfen dagegen an, den Schulstoff in der Schule zu erledigen. Sie beklagen sich, keine Kontrolle mehr zu haben, was ihre Kinder lernen. Vielmehr hätten sie dann keine Kontrolle mehr, was ihre Kinder wiederkauen! Kinder elitärer Eltern müssten wieder selber denken, ui nei! Das Mantra heist "Chancengleichheit".

Oder sehe ich das falsch?

Montag, 23. November 2009

No show, no fun?

Neues Schuljahr, neuer Besuchstag, neue Erkenntnisse.

Bei meinem Sohn war wiedermal Besuchstag angesagt. Ich freue mich immer darauf, zu sehen, was er denn im Kindergarten so macht. Denn, wie wohl die meisten Jungs, schildert er seinen Alltag nur ungern.

Also pilgert die gesamte Familie - der Papa nahm sich nämlich extra den Tag frei - in den Kindergarten, um der Show beizuwohnen. Natürlich gehe ich davon aus, dass es nicht ein ganz normaler Tag sein wird, die Lehrerin wird uns wohl demonstrieren wollen, was sie den Kindern in der kurzen Zeit schon beibringen konnte.

Falsch. Sie zieht das gewöhnliche Programm durch, dass sie den Rest des Jahres auch hat. Die Kinder kommen morgens an und dürfen erst einmal etwas spielen, jeder für sich oder in Gruppen. Ich warte vergeblich auf den Show-Effekt, denn als sie sich endlich in den Kreis setzen, wird gerade mal ein Lied gesungen und das Wetter besprochen. Danach geht es an die Bastelarbeiten, die sie Tags zuvor angefangen hatten.

Ich bin hin und her gerissen zwischen Bewunderung für die Lehrerin, die sich von all den Eltern nicht beeindrucken lässt und Enttäuschung, dass nicht mehr läuft. Ihr wisst, wie sehr ich mich für Bastelarbeiten begeistern kann. Genau, ziemlich wenig.

Es ist dennoch interessant, den Jungs (in der Klasse sind gerade mal drei Mädchen) zuzuschauen, wie sie plaudern und bluffen ("Min Papi isch vill stärcher als dine!"), während dem sie ihre Arbeit machen. Im Verhältnis zur Menge Testosteron läuft es sogar ziemlich ruhig ab, was bei mir wiederum eine gewisse Bewunderung der Lehrerin gegenüber weckt, die ihre Kinder wirklich im Griff zu haben scheint.

Alles in allem war es ein sehr interessanter Besuchsmorgen, auch wenn ich gerne mehr davon gesehen hätte, was die Kinder "lernen". Aber vielleicht bin ich einfach verbildet und zu wenig pädagogisch veranlagt...

Was meint ihr? Soll ein Besuchstag wirklich 1:1 die Realität reflektieren oder darf auch etwas Show dabeisein?

Dienstag, 3. November 2009

Willkommen im System

Mit dem Kindergarten kommen unsere Kinder zum ersten Mal in Kontakt mit dem "System". Doch mit den ersten Hausaufgaben kamen bei mir die ersten Tränen. Willkommen im Leben, kleiner Mann.

Gestern kam mein Grosser fast platzend vor Stolz mit seinen ersten Hausaufgaben nach hause. Er war so aufgeregt darüber, dass er kaum die Jacke auszog und sich sofort an die Aufgabe in seinem brandneuen Heft machen wollte. Für den z'Vieri hätte er keine Zeit, seine Lehrerin hätte gesagt, er müsse die Uffzgi s o f o r t erledigen.

Also verschwand er in sein Zimmer - ich musste sogar die Türe schliessen, er brauche Ruhe - und machte sich mit hängender Zunge und konzentrierter Stirnfalte an die Aufgabe. Er war sooo klein mit seinen grossen Augen, die ganz aufgeregt und stolz schauten. Gleichzeitig war er sooo gross an seinem mittlerweile etwas winzigen Kinderzimmertisch. Mir kamen die Tränen.

Jetzt ist er Teil des Systems. Dieses System, das viele von uns schulisch so vergrault hat. Das uns die Freude an Literatur und Mathematik-Rätseln nahm. Nicht immer und nicht allen, zugegeben, aber viele von uns erinnern sich bestimmt an die todlangweiligen Deutschstunden, in denen die zweite indogermanische Lautverschiebung besprochen wurde. Oder Chemie-Stunden, in denen nur theoretisch über Atome und Moleküle diskutiert wurde, anstatt echte kleine Bomben zu basteln. Wie langweilig waren die Französisch-Stunden mit den noch langweiligeren Simone und wie-hiess-der-Cousin-de-Genève-nochmal? Die mittelalterlichen Bauern hingen mir zum Hals raus und langwierige Erklärungen über Kalkgesteine im Jura liessen mich regelmässig einnicken. Ihr wisst, was ich meine.

Meine Hoffnung ist gross, dass mein kleiner Grosser Lehrer findet, die ihn begeistern können. ob für Literatur, Mathematik, Musik, Sport, egal, Hauptsache Begeisterung für irgend etwas, das ihm die Schule beibringen will. Und meine grösste Sorge? Dass ich ihm bei so vielen Aufgaben nicht helfen kann, weil ich eine Pfeife in fast allen Fächern war.

Hoffen wir, die momentane Begeisterung meines kleinen Jungen hält noch ein paar Jahre an. Zumindest bis in die Pubertät, wenn sowieso alles uncool wird.

Sonntag, 1. November 2009

Muttertier oder Rassistenschwein?

Wie bereits erwähnt, ziehen wir auf's Land. In unserem Dorf herrscht ein Ausländeranteil von gerade mal 7,5%. Finde ich nicht so toll, ehrlich gesagt.

Ich hatte schon mit diversen Personen Diskussionen über den Ausländeranteil in der Schweiz allgemein und in unserem Kreis (Zürich 11, ca. 30%) im speziellen. Jedesmal ärgerte ich mich über die Heuchlerei, wenn es früher oder später hiess: "Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber..." und dann irgendwelche scheinheiligen Erklärungen kamen, die schliesslich immer darauf hinauslaufen, dass pauschalisiert wird. Und das ist Rassismus, das kann man drehen und wenden, wie man es will.

Nun geht es mir jedoch manchmal auch nicht anders als Michèle Rothen in ihrer neusten Kolumne "I love Ausländer". Es gibt Momente, da frage ich mich, wie rassischtisch ich selber bin. Vielleicht muss ich hier noch erwähnen, dass ich selber Ausländerin bin, mit einem halben Ausländer verheiratet und meine Kinder kennen nicht einmal die Hälfte ihrer Nationalitäten. Unsere Freunde sind vorwiegend Schweizer oder Secondos. Da fängt es eben schon an. Wieso habe ich keine Nigerianer, Pakistaner oder Letten unter meinen Freunden? Hat sich nie so ergeben, das die billige Ausrede. Habe ich nie bewusst gesucht, so meine ehrliche Antwort.

Je älter ich werde und vor allem, seit ich Kinder habe, merke ich, dass auch ich reflexartige Vorurteile habe, wenn es um Ausländer geht. Ein Beispiel: Gepäckkontrolle am Flughafen Zürich. Ein olivhäutiger Mann (für das Banausenauge ein Araber, Türke oder ähnlich) steht mit uns in der Schlange. Ich erschrecke ab meinen eigenen Gedanken, die zwar nur den Bruchteil einer Sekunde dauern, nichtsdestotrotz da sind. Was will der Mann in unserem Flugzeug? Gehört er einer Terrorgruppe an? Hat er eine Hightech-Bombe dabei, die noch keiner kennt und deshalb niemand danach sucht? Ich gebe es zu, solchen Scheiss habe ich mir überlegt. Denn als Mutter wurde ich zum Tier, dem es nur darum geht, seinen Nachwuchs wenn nötig mit Gewalt zu beschützen.

Ein weiteres Beispiel: Gespräch mit einem Bankberater. Ostschweizer in den Fünfzigern mit Familie und Eigentumswohnung. Ich war begeistert von ihm und seiner Art, denn ich dachte, wir hätten in etwa dieselben Wertvorstellungen. Und ertappe mich dabei, dass ich froh bin, keinen 25-jährigen Secondo vor mir zu haben mit Gel-Frisur, dessen Akzent seine Wurzeln nie und nimmer vertuschen wird und der mir was zu verkaufen versucht. In diesem Fall habe ich sogar zwei Vorurteile: In Bezug auf seine Herkunft UND sein Alter. Ich finde mich grässlich bünzlig in diesem Moment. Und doch werde ich weiterhin lieber unser Geld bei 50-jährigen Schweizern als 25-jährigen Secondos anlegen. Sorry.

Gleichzeitig befürchte ich, dass meine Kinder in einem Dorf mit 7,5% Ausländeranteil einen etwas engen Horizont haben könnten. Werden sie zu Landeiern, wenn sie nicht mehr täglich Frauen mit Kopftüchern und kleine Jungs mit blauen Fussball-Shirts sehen? Kindern bringt eine Multi-Kulti-Gesellschaft doch extrem viel. Mein Grosser wusste bereits in der Krippe, dass gewisse Kinder kein Säulifleisch essen und dass Afrikaner manchmal auch französisch sprechen. Er hatte nie das Gefühl, diese Menschen seien "anders" im negativen Sinn. Und dass gewisse Krippenleiterinnen einen Akzent hatten, war ihm erst recht egal. Ich nahm mir damals vor, ihm das abzuschauen und eben mit offenem Blick auf alle zuzugehen. Dank der negativen Berichterstattungen gelingt mir das aber immer weniger.

Die meisten finden, ich solle mich freuen, dass ich mich wahrscheinlich nie mit Sprachproblemen in der Schule werde herumschlagen müssen. Ich glaube aber trotzdem, dass ich unser buntes Quartier vermissen werde, auch wenn die Italos meinem Mann (er ist Franzose) dauernd unter die Nase reiben, sie seien "Campioni del mondo" und Zidane ein Idiot...


Montag, 26. Oktober 2009

Meine Affäre mit IKEA

Die Rabenmutter bloggt jetzt auch für IKEA. Auf playreport.tumblr.com findet ihr den gewohnten rabenmutter.ch-Stil - jedoch auf Englisch. Enjoy!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Die besseren Mütter

Vielleicht kümmern sich Väter doch besser um ihre Kinder als wir (Raben)mütter.

Das viel besprochene Thema der Hausmänner und Homestay-Dads nimmt für mich in letzter Zeit neue Züge an. Obwohl dieses Konzept in meinen Augen schon immer seine Richtigkeit hatte, dachte ich insgeheim doch meistens, die Kinder brauchen ihre Mutter
doch mehr oder weniger zu hause. Also kam immer nur ein Teilzeit-Job für Mama in Frage.

Je länger ich mir das aber überlege, umso mehr merke ich, dass meine Kinder mindestens so gut dran wären, wenn nicht sogar besser, wenn Papa die ganze Woche zu hause wäre. Denn sind wir ehrlich: Wir Mütter spielen relativ wenig mit den Kindern, wir lassen nicht alles stehen, um ihnen zu helfen, ein Puzzle zu beenden und am wenigsten freuen wir uns auf das gemeinsame Kochen. Bei uns muss es meistens schnell gehen, also lieber alleine erledigen, ohne dass die Kids einem im Weg stehen. Und Rollenspiele mit Playmobil und Barbie sind einfach nicht so unser Ding. Zumindest in meinem Fall ist das so.

Der Vater hingegen spielt mit ihnen und verbringt einfach viel mehr Zeit mit dem Nachwuchs. Nun mag es sein, dass ein Hausmann dafür natürlich weniger Musse hätte, schliesslich würde er den Haushalt alleine schmeissen müssen. Dennoch glaube ich ehrlich, dass Väter einfach besser geeignet sind, Zeit mit den Kindern zu verbringen und mehr als einfach nur anwesend sind. Statt die Kinder bei erster Gelegenheit ins Spielparadies des Einkaufszentrums zu verfrachten.

Das Argument, ein Vater sei selten so lange zu hause, bis die Kinder aus dem Haus sind, lasse ich auch nicht mehr gelten. Das ist bei den Müttern heute auch nicht anders, irgendwann arbeiten beide wieder mehr oder weniger. Also ist die Zeit als Hausmann auch nicht spezieller für die Kinder, als wenn Mami zu hause geblieben wäre und entsprechend muss sie auch nicht ausdrücklicher "genossen" werden.

Was meint ihr, sind Väter doch die besseren Mütter?

Montag, 19. Oktober 2009

Daddy's girl

Dass unsere Kinder eines Tages eine Libido entwickeln werden, stellen wir uns nur ungern vor. Vor allem Mädchenväter.

Beim Schreiben meines letzten Textes "Obligatorische Sexualerziehung" fiel mir auf, dass es für Väter schwieriger sein muss, über ein zukünftiges Sexleben ihrer Töchter nachzudenken, als für uns Mütter. Auch wenn es um unsere Söhne geht. Oder spricht da nur die Sizilianerin aus mir? Aber irgendwie finde ich die Vorstellung, dass mein Sohn irgendwann seiner Libido freien Lauf lässt, ziemlich natürlich. Es stört mich nicht, zu wissen, dass er einen grossen Teil seines Taschengeldes für Kondome ausgeben wird (hoffentlich!) und den Rest, um das Mädchen zu beeindrucken, mit der er eben diese Kondome ausprobieren wird.

Ganz anders verhält es sich im Falle unserer Tochter. Zumindest für ihren Vater. Denn auch da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass mein kleines Mädchen sich wahnsinnig verliebt und ihr erstes Mal mit einem hoffentlich anständigen Jungen erlebt. Und ich hoffe, sie hat Spass dabei.

Für ihren Vater sieht das ganz anders aus. Wir lachen oft über die Tatsache, dass wir unsere Kleine, weil sie ja die Schönste ist, bis 35 Jahre zu hause einsperren. Nicht, dass irgendein daher gelaufener Typ das Gefühl hat, er dürfe etwa mit ihr ausgehen. Und natürlich wird sie sich nie so anziehen, wie die jungen Mädchen das heute tun. Ihr Outfit wird sein: Ungeschminkt, Rollkragen und lange Hose, auch im Sommer! Mich beschleicht jedoch immer mehr das Gefühl, dass mein Mann nicht wirklich darüber "lacht". Er meint es latent ernst. Er bestreitet es natürlich und doch...

Für die Väter scheint das Thema schwieriger zu sein. Vielleicht, weil sie sich daran erinnern, was für hormongetriebene Schurken sie selber waren. Und die Vorstellung, dass ein flaumtragender, pickeliger Halbwüchsiger dieselben schweinischen Gedanken im Zusammenhang mit seiner Tochter hat, lässt einem Vater wohl das Blut in den Adern gefrieren.

Deshalb hier ein Aufruf an alle Väter: vertraut euren Töchtern, schliesslich bringt ihr Ihnen Selbstvertrauen bei, womit sie ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln werden. Und erzieht eure Söhne entsprechend!

Samstag, 17. Oktober 2009

Obligatorische Sexualerziehung?

Die "Generation Porno" ist ein Mythos. Trotz Internet, Handys und Tangas sind Jugendliche heute scheinbar nicht aufgeklärter als wir es waren. Sollten sie?

Die Studie "Jugendsexualität im Wandel der Zeit" stellt fest, dass heutige Jugendliche nicht aufgeklärter sind, als wir es vor 20 Jahren waren. Der Durchschnitt macht mit 17 seine ersten sexuellen Erfahrungen, knapp die Hälfte empfand das erste Mal als schön und über 80% verhüten dabei! Also nichts mit unverantwortlich und oversexed. Was mich als Mutter zweier Kinder natürlich überaus freut.

Aufklärung im Kindergarten?
Einzig über das Wissen der Kids bin ich überrascht. Offenbar sind sie heute nicht besser über Fellatio & Co. informiert als wir es waren. Und überschätzen ihr Wissen dennoch masslos. Deshalb will die Eidgenössische Jugendkommission den Sexualunterricht bereits im Kindergarten unterbringen.

Mich stört nicht grundsätzlich, dass unsere ganz kleinen aufgeklärt werden sollen. Seit dem ersten Kindergarten benutzen sie schon Ausdrücke wie "knutschen", "sexen" oder sonstige Worterfindungen, die sie selber nicht wirklich verstehen. Im Gegenteil, vielleicht hören sie bei entsprechendem Sexualunterricht endlich auf, solchen Unsinn in falschen Zusammenhängen von sich zu geben. Aber wäre das nicht Aufgabe der Eltern? Und zwar erst dann, wenn die Kinder danach fragen?

Ich gebe zu, wir drücken uns auch vor dieser Aufgabe. Nicht weil es uns peinlich wäre, darüber mit unseren Kindern zu sprechen, sondern weil ich persönlich Angst habe, nicht die richtigen Worte zu finden und meine Kinder zu traumatisieren, anstatt aufzuklären. Gleichzeitig will ich Sex nicht nur in Diminutiven und süsslichen Wörtern ausdrücken, da sträubt sich einfach alles in mir.

Gefühle oder Technik?
Zugegeben, ich bin ein gebranntes Kind. Meine Mutter war der Meinung, sie müsse ihrer Sechsjährigen den Geschlechtsakt mechanisch beschreiben, damit ich weiss, was wo rein geht und was dabei rauskommt. Nicht gut. Jahrelang fand ich die Vorstellung einfach nur eklig, und dass ich zwei Kinder zeugen konnte, grenzt eigentlich an ein Wunder.

Dennoch glaube ich, es ist nicht Aufgabe der Schule, unsere ganz Kleinen aufzuklären. Das soll zu hause, mit einiger Vorsicht und dem Kind entsprechender Wortwahl geschehen. Die Grossen hingegen sollen auf jeden Fall umfassenden Sexualunterricht geniessen. Die sollen verstehen, was in den jeweiligen Körpern genau abgeht und wieso man sich Geschlechtskrankheiten holen bzw. schwanger werden kann.

Und mal ganz ehrlich: Wer stellt sich bei einem Fünfjährigen schon gerne ein eventuelles Sexleben in Zukunft vor? Irgendwie schaudert's doch jede Mutter und jeden Vater, nicht?

Oder wie habt ihr eure Kinder aufgeklärt?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Auf dem Lande

Wie sich eine urbane Mutter (doch, der Kreis 11 liegt auch in der Stadt Zürich!) mit der Tatsache beschäftigt, die Stadt bald weit, weit hinter sich zu lassen.

Wir ziehen auf’s Land. Nicht, dass wir jetzt Downtown Zürich leben würden, wir sind ungefähr das letzte Haus der Stadt, danach kommen nur noch Wiesen und Felder. Doch meine Postleitzahl und Telefonnummer suggerieren, dass ich eine urbane Mutter bin. Und das gefällt mir.

So, wie es aussieht, ziehen wir jedoch nächsten Frühling weg. Weit weg. Zumindest psychologisch. War ja klar, wir suchten ein grosses, schönes Haus mit Garten und Aussicht. Aber es sollte natürlich nichts kosten. Wir fanden also unser neues Heim am Sonnenhang in den Weinbergen. Für die Kinder wird’s toll!

Sie werden unbesorgt draussen spielen können, alleine zur Schule gehen und sie werden mit Sicherheit wissen, woher die Milch kommt, die sie aus der Tetrapackung schlürfen. Und vor allem werden sie bessere Menschen, weil sie nicht im Grossstadtdschungel aufwachsen mussten. Ich freue mich, mit ihnen die Natur zu erkunden, ohne dass wir dafür erst ins Auto steigen müssen.

So weit so gut. Das Problem ist nur, dass Natur eigentlich nicht so mein „Element“ ist. Ich gehe gerne spazieren, brauche hierfür aber ein Ziel. Am besten ein Shopping-Center. Oder den Coiffeur. Das Käffchen, in das wir ziehen hat natürlich weder das eine noch das andere. Und sooo gerne spaziere ich ja nun auch wieder nicht, als dass ich eine Stunde Weg in Kauf nehmen würde. Wie werde ich mit der Tatsache klarkommen, dass die einzige Shopping-Möglichkeit der Bauernhof-Laden im Dorf ist? Werde ich unter den Weinbauern so etwas wie Freunde finden? Wird man uns mögen, uns, die Stadtzürcher? Und das Wichtigste? Werden unsere Freunde uns besuchen kommen, wenn sie Gefahr laufen, den Heimweg im Dunkeln nicht mehr zu finden?

Der erste Eindruck ist bekanntlich der Wichtigste. Und den hinterliess mein Sohn gestern nachmittag, als wir seiner Grossmutter das Haus und das Dorf zeigten. Als wir an einem der zahlreichen Bauernhäuser vorbeigingen und neugierig reinschauten, hupte mein begeisterungsfähiges, urbanes Kind: „Lueg Mami, es Buurehofchind!“ Bin nicht überzeugt, dass unser Beliebtheitsgrad dadurch im Dorf gestiegen ist.

Freitag, 9. Oktober 2009

Papa will nicht

Moderne Väter teilen alles mit ihren Frauen und Müttern ihrer Kinder. Haushalt, Kinderbetreuung, Brötchen verdienen. Keine Situation, indem er sie nicht ersetzen könnte. Ausser bei der Geburt. Und dort ist der moderne Mann ja immer dabei. Immer?

Ein Bekannter ist gerade Vater geworden. Er wollte bei der Geburt nicht dabeisein. Das sei nicht nötig, weder seine Frau noch sein Kind hätten etwas davon. Und ausserdem hätte er Angst, er würde sie danach nicht mehr attraktiv finden. Gebären sei schon immer Frauensache gewesen, wieso sollte das bei seinem Kind anders sein? Wider Erwarten ist dieser Mann noch nicht einmal vierzig. Er gehört also nicht einer Generation an, bei der man noch sagen könnte, er wisse es nicht besser. Der Zeitpunkt, in dem eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist, bildet den Anfang einer neuen Zeitzählung. Übelkeit, Müdigkeit, Schwangerschaftsmode, Frauenarztbesuche, Babyschühchen bestimmen den Rythmus ihrer Tage, Nächte, Mahlzeiten und Toiletenbesuche. Sie freut sich - oder auch nicht- und denkt auf jeden Fall jede Sekunde über die Tatsache nach, dass sie in ein paar Monaten eine Wassermelone aus ihrer golfballgrossen Öffnung pressen wird. Vielleicht hat sie Angst, vielleicht verdrängt sie die Schmerzen, die sie haben wird. Auf jeden Fall beschäftigt es sie intensiv. Und der angehende Vater? Der kriegt weder einen dicken Bauch (obwohl es da ja Ausnahmen geben soll), noch Wassereinlagerungen, und schon gar nicht muss er sich überlegen, ob und wie lange er stillen wird. Für ihn ist alles Theorie. Anfangs sieht man ja nicht einmal etwas. Die Frau ist immer noch dieselbe, nur dass sie jetzt dauernd von diesem Alien spricht, der angeblich in ihrem Bauch schwebt. Eigentlich wird das ganze "Wir kriegen ein Baby" doch erst mit der Geburt real. Weshalb es mir eben ein Rätsel ist, dass es heute immer noch Männer gibt, die das verpassen möchten. Oder liege ich falsch? Was bringt es dem zukünftigen Papa, wenn er mitkriegt, wie seine Liebste vor Schmerzen schreit und nach ein paar Stunden hysterisch "ich kann nicht mehr, holt es raus" heult? Vielleicht nichts. Aber vielleicht ist es das schönste Erlebnis seines Lebens.

Mittwoch, 30. September 2009

Sind Eltern hormonbeduselt?

Es gibt Menschen, die sind neidisch. Sogar auf ihre eigenen Kinder. Weil diese besser aussehen, erfolgreich sind oder einfach sympathischer. Aber was, wenn der Nachwuchs hässlich und uninteressant ist?

Jüngst warf Michèle Binswanger im mamablog die Frage auf, ob Mütter ihre Töcher beneiden dürfen. Weil sie schöner, schlanker, erfolgreicher sind. Klar dürfen sie. Die Frage ist nur, wie man Neid definiert.

Nun frage ich mich wiederum wie es aussieht, wenn das eigene Kind nicht besonders beneidenswert ist? Wenn der Nachwuchs weder gut aussieht, noch intellektuell ausfällt und schon gar keine soziokompetenten Fähigkeiten ausweist? Schämt Mutti/Vati sich dann, statt stolz und eben vielleicht etwas neidisch zu sein? Oder wird dieses Kind trotzdem hochgejubelt, es hätte eben innere Werte?

Gibt es das überhaupt? Eltern, die ihren Kindern wirklich nichts abgewinnen können, keinen Stolz und erst recht keinen Neid empfinden?

Als hormonbeduselte Mutter eines Säuglings dachte ich schon bei meinen Sohn, er sei doch der Allerschönste (mittlerweile sehe ich selber, dass er ein ganz normal süsses Baby war, aber eben - die Hormone). Als er heranwuchs, ertappte ich mich oft dabei zu denken, er sei doch besonders hübsch/begabt/intelligent
(bitte ankreuzen). So wie mir geht es wahrscheinlich den meisten Eltern.

Nun gibt es aber objektiv betrachtet wirklich Kinder, die hässlich oder unsympathisch oder beides sind. Wie ist das für die Eltern? Ich rede nicht von punktueller Unsympathie, wie vor kurzem hier besprochen, sondern von dauernden Gefühlen der Abneigung und des Unverständnisses für das eigene Kind.

Oder sind wir Eltern einfach von Natur aus so programmiert, dass wir unsere Kinder toll und schön finden?

Dienstag, 29. September 2009

Mathematik für Anfänger

Mein Leben lang war ich überzeugt, das ich den Mathe-Stoff, den ich nächtelang büffeln musste und nie wirklich verstand, im Leben nie und nimmer brauchen würde. Seit meine kleine Tochter auf dieser Welt ist, wurde ich eines Besseren belehrt.

Mein Sohn war ein kleiner fauler Buddha. Was ich anfangs manchmal etwas besorgniserregend fand, stellte sich mit der Zeit als extrem stressfrei heraus. Man konnte ihn einfach hinsetzen, ein paar Spielsachen zum "gfätterlen" hinlegen und er war bis zur nächsten Mahlzeit zufrieden. Und dies bis 16 Monaten, als er direkt vom Sitzen ins Gehen überging!

Meine kleine Tochter sieht das mit der Mobilität jedoch gaaaanz anders. Obwohl sie nicht einmal selber vom Liegen ins Sitzen kommt, bewegt sie sich ungehindert durch die gesamte Wohnung, weshalb nun nichts mehr in Sicherheit ist, bis ich es verschwinden lasse und
wegschliesse.

Und wenn ich in Mathematik etwas besser aufgepasst hätte, könnte ich heute vielleicht berechnen und besser abschätzen, wie schnell es gehen kann bis:

- Sie vom Wohnzimmer ins Badezimmer wetzt, um das WC-Bürsteli genauestens auf seine Beschaffenheit zu inspizieren. Mit der Zunge.

- Sie ihren versch... Hintern so hin und her bewegt, dass der Brei sich über ihre Beine auf ihren Bauch verteilt. Während ich verzweifelt versuche, ein verdammtes Feuchttuch aus der Box zu klauben.

- Der Radius um ihren Hochstuhl den Meter überschritten hat, indem feuchte Brösmeli, alte Reiskörner und klebrig-kleistrige Breireste zu finden sind.

- Sie ihren Teller selber packt und wie ein Lasso rumzuschwingen versucht.

- Sämtliche Bücher des untersten Regals offen auf dem Boden rumliegen, um eingehend von ihr untersucht zu werden. Natürlich auch hier wieder mit Zunge.

Ich hoffe nun, dass es für mein weiteres Leben nichts ausmacht, dass mich Sport weitgehend einen Dreck interessierte. Zumindest nicht, bis Töchterchen gehen kann...

Montag, 28. September 2009

Das Leben mit Schwiegermama

Es war nicht Eva, die die Legende der schwierigen Beziehung zur Schwiegermutter ins Leben gerufen hat, schliesslich hatte Adam kein Mami. Doch kurz darauf muss diese Geschichte geschrieben worden sein, denn seither ist allgemein bekannt: Sein Mami kann mit seinem Schatzi nicht. Punkt. Immer? Nicht immer, aber immer....

Es gab Tage, da hätte ich meine Schwiegermutter auf den Mond schiessen können. Und das sage ich, obwohl ich weiss, dass sie den rabenmutter.ch-Newsletter abonniert hat und diesen Eintrag früher oder später lesen wird. Wieso ich am liebsten den Mond als ihre neue Heimat erklärt hätte, möchte ich hier lieber nicht auflisten, ich habe eine mittlerweile gute Beziehung zu verlieren. Doch natürlich schreibe ich dies hier überhaupt nur, weil wir heute gut miteinander können.


Doch nicht alle haben dieses Glück, viele SchwM machen ihren SchwT das Leben schwer und umgekehrt. Dass es auch anders geht, lest ihr diese Woche im Migros-Magazin. (Wenn ihr aber weiterlest, entdeckt ihr auch ein paar Horrorgeschichten. Ehrlich gesagt, finde ich diese spannender).

Eine Frage: Ist das Verhältnis zwischen Schwiegersöhnen und -vätern auch so kompliziert?

Vater, sei ein Mann!

Weichgespülte Väter werfen offensichtlich Fragen auf, die Kommentare auf den Artikel beweisen es. Hier ein paar Antwort-Versuche:

Obwohl es mir fern lag, mit dem Eintrag "Moderne Väter spülen weicher" irgendjemandem auf den Schlips zu treten, fühlten sich einige Leser/innen, wie soll ich sagen, angegriffen. Hierzu möchte ich nochmals betonen: Jede/r soll sein Leben so leben, wie sie/er es für richtig hält, solange sie/er glücklich dabei ist.

Wie denn für mich ein emanzipierter, männlicher, eben NICHT weichgespülter Vater zu sein hat, wurde ich gefragt. Nun gibt es zwei diverse Sichtweisen: Die der Frau bzw. Mutter und die des Kindes. Ich werde versuchen, die Antwort auf diese Frage aus sicht einer Frau zu finden. Auf die Gefahr hin nochmal ins Fettnäpfchen zu treten, hier also ein Versuch:

1. Besagtes Tragetuch! Ein ähnliches No-Go ist in meinen Augen das Tragen von Gummihandschuhen beim Abwaschen.

2. Überdimensionierte Sorge auf dem Spielplatz/Schulweg/Gumpiburg etc. Die meisten Mütter sorgen sich schon für zwei, da braucht das Kind wenigstens den Vater/Mann, der ihm sagt "Super, du kannst das!" Wenn die Rollen diesbezüglich vertausch sind, geht das natürlich auch.

3. Erzählungen über die Blähungen der schwangeren Frau, die Frequenz, in der das Baby die Windeln füllt und das Essverhalten des Kindergärtners sind schon bei Müttern langweilig, bei Vätern einfach unmöglich!

4. Viele liebevolle Väter machen aus ihren Kindern Zirkusäffchen. "Und, Janis, wie macht das Entlein?" und ähnliche Fragen sind für ein Kind und seine Mutter demütigend.

5. Dauernd wiederholen, wie toll es ist, Kinder zu haben und sie aufwachsen zu sehen. Klingt oft nach Rechtfertigung für ... ja, wofür eigentlich?

6. Allen erzählen, was für ein toller Hausmann man(n) ist. Das darf nur der Bänz, der verdient nämlich sein Geld damit. Alle anderen sollen ihren Frauen einfach Arbeit abnehmen, ohne dafür gelobt werden zu wollen.

7. Auf das Bierchen in der Landbeiz verzichten, bloss weil die Kinder dabei sind. Kinder und Genuss schliessen einander doch nicht aus!

8. Den Kumpels für das kinderlose Bierchen immer wieder absagen, weil man die Kinder ins Bett bringen will/muss. Die Kids schlafen auch bei Mami wunderbar ein!

Ich merke gerade, dass viele dieser No-Gos in meinen Augen auch für Frauen gelten. Dennoch finde ich sie bei Männern schlimmer, sorry!



Freitag, 25. September 2009

Moderne Väter spülen weicher

Nicht erst seit Bänz Friedli wissen wir, dass Väter heutzutage etwas mehr bieten sollten, als die Brötchen zu verdienen. Frau möchte auch einen präsenten Vater und patenten Hausmann zu hause vorfinden - v.a. wenn sie von der (bezahlten) Arbeit nach hause kommt. Doch ist es sexy, 2009 ein moderner Vater zu sein?

Erklärungen eines modernen Vaters letzthin in einer Diskussionsrunde: „Ich habe mein Arbeitspensum reduziert, um mehr von der Familie zu haben und öfter für sie dazusein. Anfangs dachte ich, ich helfe an diesem zusätzlichen Tag in der Woche meiner Frau auch beim Haushalt. Doch ich habe festgestellt, dass mir das Spielen und zusammensein mit meinem Sohn viel wichtiger ist.“ Klar, uns Müttern ist der Haushalt wichtiger, deshalb machen wir ihn auch mit soviel Begeisterung und Elan(!).

Besagter Vater erklärte mir dann weiter, wie wichtig und bereichernd das Spielen mit seinem Sohn sei. Er verbringe ganze Tage mit ihm draussen und hat unglaublichen Quality-Time. Und als er das sagt, klingt er so weichgespült wie ein Nicki-Plüschtier.

Ein anderes Beispiel im Bekanntenkreis: der Allwissende. Er weiss einfach alles über Pekip, Triple P, Mekonium, wunde Brustwarzen und die perfekte Zubereitung eines Schopppens. Und er erklärt es auch jedem, der es hören will – und auch denen, die es eben nicht interessiert.

Irre ich mich, oder sind allzu liebe, besorgte und zuvorkommende Väter doch irgendwann unsexy, weil ihnen etwas Männliches fehlt? Neue Studien besagen zwar das Gegenteil. Biologisch gesehen suchen sich Frauen angeblich die lieben Familientypen aus und nicht so die machoiden Muskelpakete. Im Extremfall mag diese Regel sogar stimmen. Doch wie attraktiv finden wir einen Mann, der 16 Stunden am Tag das Tragetuch umgebunden hat? Oder der sämtliche Schwangerschafts- und Babyratgeber liest, so dass er besser über unsere Schwangerschaft bescheid weiss als wir? Oder eben der, der sich sooo sehr mit unseren Kleinen beschäftigt, dass er sein versabbertes T-Shirt erst abends wechselt und auch noch heimlich dran riecht?

Versteht mich nicht falsch, natürlich möchte ich auch einen präsenten Vater für meine Kinder, der sich um sie kümmert und so weiter. Doch ich sehe nichts schlimmes daran, wenn er dies abends und am Wochenende tut, solange er dann wirklich anwesend ist und mitdenkt.

Ich kann nichts Attraktives daran finden, einen Mann zu hause zu haben, der genau die Fehler macht, die ich eben zu vermeiden suche. Ihr?

War das nicht schon mal Thema auf rabenmutter.ch? Toller Vater oder Samenspender?

Dienstag, 15. September 2009

Das unsympathische Kind

Es gibt Kinder, die sind nicht süss. Die sind nervig. Mehr als das. Unsympathisch. Aber es sind immer die Kinder der anderen. Oder nicht?

Diese Woche kümmern wir uns um zwei zusätzliche Kinder, sind also Tag und Nacht zu Sechst. Da wir die zwei Mädchen sehr gut kennen und wirklich lieb haben, ist dieser Zustand an sich kein Problem, im Gegenteil.

Tatsache ist aber auch, dass wir es uns nicht gewohnt sind, Kinder soviel streiten zu hören. Schon, wenn man sich halt mal Mittwoch nachmittags sieht. Dann gibt's manchmal Reibereien, aber man kann ja wieder verschwinden. Nicht so, wenn die Reiberei-Macher im selben Zimmer schlafen, am selben Tisch essen und mit denselben Spielsachen spielen. Jeden Tag.

Nun kommt da eine Seite meines Sohnes zum Vorschein, die ich so nur in geringen Mengen kannte. Sein AK-Ich. AK steht hier nicht etwa für etwas Radioaktives, es bedeutet schlicht und ergreifend "Arschloch-Kind". Natürlich meine ich das nicht so derb, wie es jetzt klingt. Ich liebe meinen Sohn, er ist der süsseste, liebste und überhaupt blablabla... Dass er aber auch anders sein konnte, wusste ich zwar, musste es bis anhin jedoch nicht in derart massiven Dosen ertragen. Nur tröpfchenweise sozusagen.

Doch bekanntlich hölt der stetige Tropfen... Weinerlichkeit, Gemeinheiten den anderen Kindern gegenüber, schlagen, fluchen, das volle Programm. Und manchmal bringe ich sogar Verständnis für seine ungewohnte Lage auf. Er war viereinhalb Jahre lang Einzelkind, die kleine Schwester stört eigentlich noch nicht so, die Anwesenheit von zwei fast gleichaltrigen Mädchen ist jedoch schwer zu ertragen, vor allem, wenn man keine Rückzugsmöglichkeiten hat.

Meistens jedoch finde ich sein Benehmen einfach nur unmöglich. Und stelle erstaunt fest, dass nicht nur die Kinder anderer unsympatisch sein können.

Sonntag, 13. September 2009

Mutter Natur vs. mein Lebenskonzept?

Wieviele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Der Schweizer Durchschnitt von Zweien scheint mir eigentlich vernünftig. Wir haben uns zumindest auf diese Anzahl geeinigt und die Produktion eingestellt. Aber was, wenn Mutter Natur das anders sieht?

Letzte Woche wachte ich sehr früh morgens auf, weil mir unglaublich schlecht war. Ich hatte nichts Spezielles gegessen, noch war mir ein Virus bekannt, der zur Zeit den Magen-Darm-Trakt durcheinander bringt. Und da schoss mir völlig unerwartet die Möglichkeit durch den Kopf, ich könnte schwanger sein. An einschlafen war dann nicht mehr zu denken.

Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Kindern. Für mich als Einzelkind war es immer wichtig, nicht bei nur einem zu bleiben, mehr als zwei wollte ich mir aber auch nie antun. Zur Zeit sind gerade mein Gotten-Meitli und ihre Schwester bei uns, es ist toll, wir haben Spass, aber es ist ja dann auch schön, sie wieder abgeben zu können.

Aber was, wenn uns Mutter Natur trotz sicherer Verhütung ein Schnäppchen schlägt? Wie würde ich, wie mein Mann reagieren, wenn ich wirklich wieder schwanger wäre?

Denn als Frau ist es doch so, dass man sich insgeheim freut, wenn der Körper so gut "funktioniert". Schwangerschaftstests als junge Frau machten einen ja schon nervös, hinter der Erleichterung darüber, nicht mit 20 Mutter zu werden, steckte bei mir jedoch immer auch etwas Enttäuschung, dass mein Körper "versagt" hatte.

Ich war auch nie gegen Abtreibung. Selber hätte ich eine Abtreibung zwar nur in Betracht gezogen, wenn die Umstände untragbar gewesen wären. Meine Familie hätte mich auch als junges Mädchen unterstützt und ich bin optimistisch (oder naiv) genug, um ein Leben unter erschwerten Bedingungen in Angriff zu nehmen. Doch ich war immer der Meinung, dass jede Frau selbst entscheiden darf.

Aber eine Abtreibung, wenn man bereits zwei Kinder in die Welt gesetzt hat? Zwei wunderbare Kinder, die einen täglich zum Lachen bringen, zu Tränen rühreren und ja, auch, zum Wahnsinn treiben? Kinder, die einem beigebracht haben, das Leben ganz anders zu sehen und die einen jede Sorge für 5 Minuten vergessen lassen, weil sie einfach das wunderbarste Lachen haben? Die einen ziemlich anderen Menschen aus mir gemacht haben, in dem Moment, indem ich ihnen zum ersten Mal in die Augen geschaut habe?

Könnte ich ein weiteres Kind einfach nicht austragen, weil es nicht mehr in unser Lebenskonzept passt? Ich bezweifle es. Und doch bin ich froh, dass mir seither nicht mehr schlecht war.

Donnerstag, 10. September 2009

Eine weitere Geduldsprobe

Mütter und Väter werden täglich an ihrer Geduld gemessen. Meistens gelingt es uns, diese zu bewahren, manchmal nicht...

Die täglichen Geduldsproben, denen wir Eltern ausgesetzt sind, lassen sich kaum aufzählen: Vom schneckenhaften Anziehen frühmorgens, über das laaaangsaaaame Essen Mittags, bis hin zu den zahlreichen "Räum dein Zimmer auf" und "Jetzt geht's ins Bett und basta"! Eigentlich würden diesen vielen kleinen, aber sehr nervenaufreibenden Geduldspröbchen unseren Tag ja schon mehr als genug füllen. Doch da gibt es Tage, da scheint das irgendwie doch nicht zu reichen.

So geschehen gestern Abend. Vorgeschichte: Mein Sohn - sagen wir, er ist nicht der schmerz-resistenteste - hat sich vor ein paar Tagen den Ellbogen aufgeschürft. Soweit nichts besonderes für einen Fünfjährigen. Dass er tags darauf dieselbe Stelle nochmal aufschürft war wirklich Pech. Seine Lehrerin desinfiziert alles wunderbar und klebt ihm ein Pflaster auf die wunde Stelle. Stolz präsentiert er mir am Abend den Ellbogen. Bis hierhin nichts auszusetzen. Beim Baden jedoch löst sich das doofe Pflaster natürlich, was meinen Sohn, der beim Anblick von etwas Aufgeschürftem total die Contenance verliert, wieder daran erinnert, dass er ja ganz fest weeeeh hat. Okay, weg mit dem Pflaster. Bin sowieso der Meinung, dass Schürfwunden am besten an der Luft trocknen sollen.

Ich nehm das Pflaster also (mehr oder weniger) vorsichtig weg (unter lautstarken auauaua und uiuiui seitens meines Nachwuchses) und sehe, dass es doch sehr sabbert und gruselig aussieht. Damit nicht doch etwa die Kleider daran kleben bleiben, finde ich in unserem puffigen Apothekerschrank ein paar Gazen, die ich ihm auflege und festklebe. Zu meiner Verteidigung: Ich dachte wirklich immer Gazen sind dazu da, dass das Wunden-Zeugs eben nicht daran kleben bleibt, schliesslich benutzt man die Dinger doch bei richtig schlimmen Wunden!

Lasst euch gesagt sein: Dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Gestern abend also kommt der Kleine und das Pflaster hält hinten und vorne nicht mehr, nur die Gaze klebt noch an dem Wunden-Gesabber. Also weg damit, sage ich mir. NEIENEIENEI! sagt mein Sohn. Und es klingt, als müsste er etwas ohne Narkose amputieren. Und zwar sich selber.

Also wird die Chose eingeweicht. Schüssel, Wasser, viiiiiel Geduld. Soviel Geduld wie ein Fussballspiel dauert. Doch, ihr lest richtig 90 verd... Minuten!! Aber die Gaze kam immer noch nicht weg! Mit Eiswürfel und noch mehr Geduld des Papas haben wir das Ding kurz vor acht Uhr abends weggekriegt.

Das schlimmste dabei? Während dieser ganzen Zeit versuchte ich dem Drang zu widerstehen, das Ding einfach abzureissen. Doch mein Sohn hat mich nicht einmal in die Nähe seines Ellbogens gelassen. Ich habe so ein Gefühl, dass er mir nicht richtig vertraut. Und das macht AUA!

Montag, 7. September 2009

Kinderfreie Zone

Es gibt sie also doch noch: die Partys, bei denen Kinder nicht ohne wenn und aber dabei sein dürfen, wo Alkohol nicht nur unter dem Tisch hervorgezaubert werden muss und bei denen der Sound laut sein darf, sehr laut.

Am Wochenende war Party angesagt. Party? Früher Apéro, frühes Abendessen, wenig Alkohol und frühes Nach-hause-gehen zwecks Kinder-ins-Bett-bringen? Nein! Eine echte Party mit Buffet, erwachsene Getränke und Sound bis in die Nacht!

Doch, das gibt’s noch, ehrlich! Wir hatten ja sowieso profilaktisch die Kinder für jenen abend untergebracht, wussten aber im vornherein, dass das leider nicht alle Eltern tun würden. Es würden solche dabei sein, die ihren Nachwuchs immer überallhin mitnehmen und mit etwas Pech, wären das dieselben, die ihren Nachwuchs auch wie Zirkusäffchen ihren Zuschauern präsenterieren. „Luna, wie macht das Entchen?“ „So, Livio, wieviel gibt denn 2+2?“

Dieselben Kinder, denen man lauter unbekannte Gesichter, Lärm, nicht jugendfreie Gespräche (sofern diese in ihrem Beisein geführt werden dürfen) und oft auch Zigarettenrauch zumutet, sind unendlich lange auf und schlafen im besten Fall auf zwei nebeneinander gestellte Stühle ein. Oder ihre Eltern gehen sehr früh, denn der Kleine wird ja sonst unausstehlich. Am schlimmsten sind jedoch die, die bleiben, obwohl die Kleinen unausstehlich werden und sich schon lange keiner mehr für die Zirkusaffennummer interessiert.

Jetzt muss man dazu sagen, dass es der kinderlose Gastgeber schon sehr schwer hat. Macht er eine Party MIT Kids, müssen er sich an die uncoolen Zeiten und Gebräuche anpassen. Steht in seiner Einladung jedoch ausdrücklich, dass es sich um ein kinderloses Fest handelt, riskiert er, als kinderfeindlich und frustriert dazustehen. Kinderfeindlich, weil Kinder ja schliesslich zum Leben gehören und entsprechend überall dabeizusein haben. Frustriert, weil man ab einem gewissen Alter - besonders bei Frauen – denkt, die Person hätte bestimmt gerne Kinder, möchte sich also nicht die Laune mit fremden Kindern verderben, die ihr vor der Nase durchgezogen werden.

Wir waren entsprechend überaus dankbar, als das Geburtstagskind, das Samstag feierte, seine Party als kinderlose Zone bezeichnete und uns bat, die Bengel zu Hause zu lassen! Yeah!

Als ernst zu nehmende Rabenmutter hatte ich meine Kinder wie gesagt schon untergebracht. Zum ersten Mal sollte auch die Kleine die ganze Nacht auswärts schlafen. Leider wurde daraus – und aus der tollen Party, die die ganze Nacht hätte dauern sollen – nichts. Unser geliebter Nachwuchs weinte und weinte und vermisste ihre Eltern. Schön, wenn wir ihr so viel bedeuten. Aber ich hätte es auch erst Sonntag nachmittag schön gefunden...

Sonntag, 6. September 2009

Regeln, Listen und andere Naivitäten

Immer wieder fällt mir ein, was ich alles NICHT tun wollte, oder wie ich NICHT sein wollte, wenn ich mal Kinder habe. Wie naiv und besserwisserisch ich damals war! Ihr glaubt mir nicht? Lest selber:

Regeln für ein gutes Zusammenleben mit meinem Kindern:


- Zulassen, dass sie in unmöglichen Farbkombinationen rumlaufen, bloss weil mir die Diskussionen um guten Style morgens um 7 zu anstrengend sind. Mein Kind zieht gefälligst an, was ich sage!

- Aussagen zu machen wie "mein Sohn nervst mich" oder "meine Tochter ist eine solche Zicke". Sind sind doch nur Kinder!

- Sofort ein Zäpfchen zu geben, kaum hat es über 38 Fieber, nur damit die Nacht ruhig verläuft. Lieber vorher mit Essigsocken und Zwiebelwickel probieren.

- Kein TV vor 5 Jahre, ein Kind soll sich selber beschäftigen können!

- Meine Ferien sind mir heilig. Ich nehme doch keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kleinen! Die sollen sich gefälligst anpassen!

- Gesundes Essen! Mein Kind kriegt im Restaurant nicht jedesmal Schnipo!

Sätze, die ich zu meinem Kindern NIE sagen würde:

- Du nervst!

- Sei jetzt still!

- Gleich gehst du ohne Z'Nacht ins Bett!

- Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie Bohnen zu essen bekämen!

- Und wenn andere Kinder aus dem Balkon springen, springst du dann auch?

- Wenn du schmollst, siehst du aus wie dein Vater!

Die Listen können beliebig erweitert werden...


Kleine Kinder, kleine Sorgen, kranke Kinder grosse Sorgen?

Ist die Schweinegrippe bei euch noch Thema? Bei mir nicht. Dachte ich.

Meine kleine Tochter ist krank. Schnieft, niesst, tropft aus (fast) allen Körperöffnungen und ihre Stirntemperatur deutet auf erhöhte Temperatur hin. Diese würde ich sogar mittels Thermometer überprüfen, wäre da nur nicht das Problem mit der endlosen Warterei auf das schrille "Piep", das meine Tochter aus ihrer misslichen "was-steckt-da-eigentlich-in-meinem-Hintern?-Lage" erlösen soll. Aber es gibt Schlimmeres als etwas Schnupfen.

Dennoch baut sich seit heute morgen ein Mantra in meinem Gerhirn auf: Pandemie, PANDEMIE, P A N D E M I E! Das Thema war für mich nach der ersten Kindergartenwoche erledigt, waren die erkrankten Kinder im Kollegenkreis meines Grossen nach ein paar Tagen gesund und munter doch noch in der Schule erschienen. Und auch die Medien sprechen - Qadhafi sei dank - weniger über Schweine, Grippe und Händewaschen. Doch wie mit allem im Leben, wenn es dich betreffen könnte, rückt das Unwahrscheinlichste sofort in den Vordergrund.

Nun bin ich ausserdem jemand, der sich gerne diese amerikanischen "Doktor-schläft-mit-Krankenschwester-während-die-Frau-des-Patienten-ein-grosses-Geheimnis-verbirgt-und-der-Sohn-sein-Coming-Out-hat"-Serien. Und da stehen Krankheiten und unmögliche Zufälle an der Tagesordnung, dass man bei der eigenen Familie jeden Furz forensisch untersuchen möchte. Tut man aber nicht.

Genauso wenig glaube ich wirklich, meine Tochter hätte die Schweinergrippe erwischt. Vielmehr liegt ihr Zustand wieder einmal an der Unvorsicht ihrer Eltern, sie nicht im Durchzug sitzen zu lassen bzw. sie genügend warm anzuziehen. Oder einfach daran, dass sie noch nie krank war und das irgendwann mal kommen musste. Also ignoriere ich die Stimme in meinem Ohr. Den sie ertönt weiterhin: Pandemie, PANDEMIE, P A N D E M I E...

Donnerstag, 30. Juli 2009

Nicht jede Mutter ist die Beste

Gehören Mütter nicht in wirtschaftliche Führungspositionen? Ist es die biologische Bestimmung des Weibes, nur für den eigenen Nachwuchs da zu sein? Erstaunlich, wie unlogisch die Weltwoche argumentiert. Die Rolle der leiblichen Mutter bei der Erziehung wird krass überschätzt. Von Julia Onken für die Weltwoche

Die ABB-Chefin Jasmin Staiblin hat sich erlaubt, ausgerechnet in einer schwerwiegenden Wirtschaftskrise schwanger zu werden und in Mutterschaftsurlaub zu gehen. Darf sie das? Ja, sie muss dürfen können, dröhnt es empört nicht nur von der feministischen Liga. Nein, sie darf nicht, kontert die Gegenseite, denn «der Kapitän gehört im Sturm auf die Kommandobrücke».

Auf den ersten Blick klingt das durchaus einleuchtend: Es geht wahrlich nicht, sich aus der Verantwortung abzumelden. Und trotzdem gleicht die Argumentation einem aufgescheuchten Kaninchen auf der Jagd, das verzweifelt Haken schlägt.

Es geht wieder einmal um die Frage nach der biologischen Bestimmung des Weibes. Mit dem Mutterwerden sei ihr Tätigkeitsbereich naturgegeben und deshalb vorgezeichnet und klipp und klar abgesteckt. Frauen, die Kinder haben wollen, gehörten nicht in Führungspositionen, sondern an den Wickeltisch. Es sollte endlich Schluss sein mit der «Fünfer und Weggli»-Mentalität. Das Wohl des Kindes stehe doch im Vordergrund, und dieses gedeihe nur gut, wenn es in der pausenlosen Fürsorge einer emotional warmen Mutter-Kind-Beziehung eingebettet sei. Zudem müssten «sich Frauen bewusst sein, dass die Rolle der Mutter die wichtigste und exklusivste Rolle ihres Lebens ist» (Roger Köppel).

Wenn kluge Männer unklug denken

Wenn Eva Herman sich in abstruses Gedankengut versteigt, mag das noch angehen. Schliesslich hat das Leben sie ziemlich durchgebeutelt da kann es zu einem Kurzschluss im Hirn kommen. Wenn aber ein Denker wie Roger Köppel, dessen Markenzeichen schnörkellose und vor allem logische gesellschaftspolitische Analysen sind, sich in unlogischen Argumentationen verfängt, dann ist dies eine ernstzunehmende Angelegenheit. Mag sein, dass die bevorstehende Vaterschaft zur romantischen Verklärung der Mutterrolle verführt. Aber hier scheint Schillers «Glocke» (1799) Alarm zu schlagen:

[. . .] Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehrte die Mädchen
Und wehret den Knaben
Und reget ohn Ende
Die fleissigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.

Wenn kluge Männer unklug argumentieren, muss ein triftiger Grund dahinterstecken, hier wird er benannt: Die Mutterschaft ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Denn damit landen die meisten Frauen in einem Einpersonenunternehmen, mit ihnen als alleiniger Arbeitskraft. Mutterschaft impliziert die familiäre Dienstleistung aller Art. Da ist die Betreuung, Umsorgung und Pflege des Kindes, die Zuständigkeit für den Putz-, Wasch- und Kochservice sowie Verrichtungen der Krankenpflege. Wenn Kinder grösser werden, gehören Chauffeurdienste für aushäusige Aktionen wie Musik-, Sportunterricht und sonstige Förderprogramme zum Pflichtenheft. Auch Hilfestellung bei Hausaufgaben sowie animatorische Aktivitäten für die Freizeit gehören zum Mutteramt.

Die zeitliche Beanspruchung ist mit derjenigen einer Führungsperson vergleichbar. Während der berufliche Einsatz in der Wirtschaft in der Regel mit gesellschaftlicher Anerkennung quittiert wird, bleibt das Morgenständchen des Dorfmusikvereins am Muttertag für die meisten die einzige Würdigung für ihren Jahraus-jahrein-Einsatz. Während eine im wirtschaftlichen Bereich tätige Person via Rentenansprüche usw. bis an das Lebensende ausgesorgt hat, fängt die Sorge um die Existenz bei vielen Frauen dann an, wenn der Mann – aus welchen Gründen auch immer – jäh von Bord geht und die Frau als havariertes Mutterschiff ohne Besatzung durch die Wellen kreuzt. Schliesslich wird jede zweite Ehe geschieden.

Das grösste Armutsrisiko für die Frau besteht, wenn sie alleinerziehend ist. Zudem: Ein Drittel der geschiedenen Väter bezahlen ihre Alimente pünktlich, ein Drittel unregelmässig und ein Drittel überhaupt nicht. So ist die Mutterschaft nicht nur als die «wichtigste und exklusivste Rolle im Leben einer Frau» zu verstehen, sondern gleichzeitig auch als die risikoreichste. Wichtig allerdings ist ihr Einsatz für den Mann. Wäre die Frau nicht rund um die Uhr zu Diensten, müsste er im Haushalt selbst Hand anlegen. Und – so viel ist inzwischen bekannt – sein Einsatz hält sich in Grenzen. So wird auch das Motiv für die Verherrlichung der Mutterrolle transparent: Je mehr sich Frau mit der Rolle der Mutter identifiziert – «Und reget ohn Ende / Die fleissigen Hände [. . .] Und ruhet nimmer» –, umso grösser der männliche Freiraum zur Umsetzung seiner Interessen und der beruflichen Karriere.

Das Argument, es gehe schliesslich um das Wohl der Kinder, ist ebenfalls falsch. Es gibt zweifellos Frauen, deren höchstes Glück darin besteht, von einer eigenständigen beruflichen Laufbahn abzusehen, um sich ganz und gar der Familienarbeit zu widmen. Sie verrichten ihre Arbeit mit viel Freude und Hingabe. Die Tätigkeit entspricht ihren Neigungen und Begabungen. An einer solchen Entscheidung gibt es nichts zu rütteln – wenngleich die Sorge um die wirtschaftliche Absicherung im Hintergrund bestehen bleibt. Andere sehen in einer Kombination von Familie und Beruf (meist Teilzeitarbeit) ein geeignetes Modell. Aber es gibt auch Frauen, die sowohl in der Erziehungsaufgabe als auch in der Familienarbeit keine Befriedigung finden. Ihr Interessengebiet liegt nicht im familiären Dienstleistungsbereich. Sie sind kreuzunglücklich und fühlen sich in keiner Weise wohl in ihrer Haut. Alles in ihnen drängt danach, ihre Fähigkeiten in anderen Berufsbereichen einzubringen, sie möchten Aufgaben übernehmen, wo sie Verantwortung für die Gestaltung in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur tragen! Sie möchten dort ihre Kompetenzen einsetzen, wo sie auch etwas zu bieten haben! Aber sie wünschen sich gleichzeitig auch eine Familie mit Kindern. Was ist daran so verwerflich?

Schliesslich wählen die meisten Männer dieses Modell, und niemand kommt auf die Idee, sie auf das biologische Programm festnageln zu wollen. Der männliche Beitrag bei der Zeugung eines Kindes beträgt immerhin die Hälfte. Somit müsste er ja auch hinterher mit fünfzig Prozent operativem Einsatz im Kinderzimmer in die Pflicht genommen werden.

Gebären ist nicht gleich erziehen

Ist es nicht auch für Frauen ein Menschenrecht, an allen möglichen Lebensbereichen vollumfänglich zu partizipieren? Weshalb sollten Frauen nur jene beruflichen Perspektiven in Angriff nehmen, die es ihnen erlauben, mit der einen Hand – so nebenbei ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen und mit der anderen Hand die Familienarbeit auszuüben?

Die Tatsache, dass Frauen Kinder gebären können, heisst noch lange nicht, dass sie begabte Erzieherinnen sind. Nicht wenige geraten an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, wenn sie sich den ganzen Tag mit einem Kind beschäftigen müssen. Sie wären vielleicht grossartige Bildhauerinnen, aber für die Bastelarbeit mit Klo-Rollen haben sie zwei linke Hände. Sie würden vielleicht als Wissenschaftlerinnen beachtenswerte Leistungen erbringen, aber um den Schüttelreim eines Kinderliedes x-mal zu wiederholen, fehlt ihnen die Geduld.

Wenn uns das Wohl der Kinder tatsächlich am Herzen liegt, dann sollte man nur das Beste für die Kinder ins Auge fassen. Es gibt Mütter, da wünscht man sich, dass sie sich in jenen Bereichen betätigen, die ihnen tatsächlich mehr entsprechen, als sich auf die Welt eines Kindes einzulassen. Da genügen Feldstudien beim Warten an der Kasse im Supermarkt, wenn einem Mutter-Kind-Dialog beigewohnt werden kann. Da stelle man sich ernsthaft die Frage: «Würde ich das Kind dieser Frau sein wollen?» Nebenbei bemerkt, die Frage darf auch ruhig in Bezug auf die Väter gestellt werden. Und plötzlich werden Nietzsches Worte bildhaft vor Augen geführt: «Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen.»

Es geht nicht darum, qualifizierten Top-Frauen das Kinderkriegen ausreden zu wollen, sondern darum, grundsätzlich umzudenken und den Mythos «Mutter ist die Beste» endgültig zu verabschieden. Die Mutter kann für das Kind tatsächlich das Beste sein, aber es trifft nicht für alle Kinder zu. Wenn Mütter unglücklich sind, wird sich ihre Stimmung auf das Kind übertragen, es wird quasi unbewusst Schuldgefühle mit der Muttermilch aufnehmen. Es spürt, dass es für die Mutter mehr Last als Freude ist. Da wäre es besser, wenn sich Menschen um es kümmern würden, die sich als Bezugspersonen eignen, weil sie ihm emotionale Zuwendung, kontinuierliche Verlässlichkeit und Liebe zu geben vermögen. Damit jedes Kind die Erfahrung macht, geliebt, gewollt und begleitet zu sein, damit es spürt: «Es ist schön, dass es mich gibt.» Dies ist die beste Voraussetzung, um sich den Begabungen und Interessen entsprechend zu entfalten.

Im 21. Jahrhundert muss es zur selbstverständlichen Sache der Welt gehören, dass gezielt ausgebildete Personen Betreuungsaufgaben übernehmen, sich mit viel Liebe und Einfühlung um das Wohl des Kindes kümmern, während die Mutter ihren Dienst auf der Kommandobrücke versieht, dort, wo sie stark und kompetent ist. Dies ist das Beste für Mutter und Kind!

Anmerkung der Redaktion rabenmutter.ch: Danke, Julia!

Die Psychologin Julia Onken hat mehrere Bücher und Essays zur Rolle der Frau verfasst, darunter auch «Hilfe, ich bin eine emanzipierte Mutter – Ein Streitgespräch zwischen Mutter und Tochter».

Donnerstag, 2. Juli 2009

Sonny Crockets erster Schultag

Obwohl mein Grosser erst in den zweiten Kindergarten kommt, sollte ich für die Schulzeitung eine Kolumne mit dem Thema "Abschied" verfassen. Für die Schüler, bei denen Nach den Sommerferien der Ernst des Lebens beginnt. Nun konnte ich also nicht aus dem Erfahrungsfundus einer Mutter sprechen, der Schulwechsel meiner Kinder ist noch in weiter Ferne. Also gab es wieder einmal eine kleine Anekdote aus dem Leben einer heutigen Rabenmutter.

In ein paar Wochen nehmen wir Abschied von unseren Sechstklässlern. Lassen sie ziehen, in eine neue Schule, zu neuen Freunden, kurz: zu neuen Abenteuern. Sicher erinnern sich auch die Eltern an die bangen Wochen in den (damals) Frühlingsferien, bevor man wusste, was einen in der Oberstufe wohl erwarten würde. Ob die Lehrer da auch so nett sein würden? Und die anderen Schüler?

Ich erinnere mich noch lebhaft an meinen ersten Tag an der Kanti. Vor den Ferien noch Kind, fühlte ich mich an diesem ersten Schultag wie eine „Grosse“. Die Angst war ebenfalls gross, denn ich kannte niemanden, kam ich doch vom Lande in die grosse, abenteuerliche Stadt ans Gymi. Schnell merkte ich jedoch, dass es nicht nur mir so ging. Die nette Blondine neben mir kriegte ihr angestrengtes Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, die meisten anderen schauten nur bemüht auf den Boden, während uns ein paar ältere Schüler erklärten, wie die Schule hier so läuft.

Diese älteren Schüler waren zwei Jungs, die Aussahen wie ein Abklatsch von Sonny Crocket in „Miami Vice“. (Hier werden sich nur die Eltern unter euch noch ein Bild machen können. Tja, die lieben Achtziger...) Ich war sehr eingeschüchtert von dem coolen Auftreten, auch wenn sie mehr kicherten, als dass sie uns wirklich etwas erklärten.

Meine riesige Angst, hier vielleicht keine Freunde zu finden und die gesamte Schulzeit alleine in der Kantine essen zu müssen, verflog bereits am zweiten Tag. Die coolen Jungs und die grinsende Blondinen wurden meine besten Freunde und wir erlebten so manch tolles, lustiges und aufreibendes Schuljahr. Das ist jetzt 21 Jahre her und diese ersten Schüler, denen ich damals begegnete gehören heute noch zu meinen besten Freunden!


Dienstag, 23. Juni 2009

Der Stuhl

In einem Blog wie rabenmutter.ch stellt sich immer die Frage, wie persönlich die Posts sein dürfen/sollen/müssen. Meine sind sehr persönlich, doch achte ich immer darauf, meine Privatsphäre und die meiner Familie zu schützen. Das eine Erlebnis beim Frauenarzt - obwohl doch sehr intim - muss ich aber einfach loswerden:

Mein Gynäkologe gehört der neuen Generation an. Er ist der Nachfolger meines ersten Frauenarztes, der weder einen Computer, noch ein Handy besass. Man konnte froh sein, wenn man zur Terminvereinbarung keine Brieftaube oder Rauchzeichen schicken musste. Deshalb fällt es so auf, dass mein neuer Arzt eben New Generation ist.

Bei meiner ersten Schwangerschaft war er der allererste, der in der Schweiz ein 3D-Ultraschallbilder machen konnte. Und er tat es mit viel Begeisterung! Mein Sohn glich auf praktisch jedem Bild, dass ich während jener neun Monate mit nach Hause nahm, einem genmanipulierten Ausserirdischen, der dehydriert und erschöpft sein Antlitz in die Kamera streckt. Meine Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen, ich liess den Herrn Doktor aber gewähren, er freute sich wirklich sichtlich wie ein kleiner Junge über seinen ersten Gameboy.

Seine neuste Anschaffung jedoch betrifft mich und meinen durch zwei Schwangerschaften lädierten Körper, weshalb ich nicht einfach so darüber hinwegsehen kann. Mein moderner Arzt hat sich einen modernen Untersuchungsstuhl in die Praxis gestellt. Zugegeben: Das Design ist klasse. Wie ein Macbook schimmert es weiss und doch ist es etwas durchsichtig. Schööön!

Also setze ich mich rein. Na ja, ihr wisst schon, Hintern vorrücken, Beine spreitzen, das übliche eben. Nur dass ich üblicherweise keine Mühe habe, meine Füsse in die dafür vorgesehenen Ablagen zu stellen. Doch diesmal ist der Winkel derart, dass ich es fast nicht hinkriege. Ächzend versuche ich mich so hinzulegen, dass es sich nicht mehr anfühlt, als würde ich in mittelalterlicher Weise geviertelt. Das ganze halb nackt, was meiner Demütigung noch eins draufsetzt. Als ich endlich drin sitze/liege und der Arzt noch meint, ich solle mich entspannen, kommen mir die Tränen...

Wie schon so oft beobachtet in Küchen und anderen frauenspezifischen Orten (sehr sexistisch, ich weiss), werden offenbar auch Frauenarzt-Untersuchungs-Liegen von Männern konzipiert. Und das, meine Damen ist die reinste Zumutung!

Freitag, 19. Juni 2009

Supermom - aber nur fast

Kindergeburtstag, stricken, basteln... In letzter Zeit lief ich einige Male Gefahr, meinem Image als Rabenmutter nicht mehr gerecht zu werden. Seit gestern darf ich es wieder sagen: My name's Mutter. Raben Mutter.

Nachdem ich für meinen Grossen vor einem Monat eine tolle Piratenparty organisiert und für meine Kleine eine Patchwork-Decke angefangen habe (ja, ich sage bewusst "angefangen", denn wer weiss, ob ich sie auch zu Ende bringe?), riskierte ich spätestens diese Woche mein Image als Rabenmutter zu versauen. Die Nonna hatte Geburtstag, und da ich meinem Sohn versprochen hatte, mit ihm was für sie zu basteln, haben wir das auch getan. Um sieben Uhr morgens. Denn natürlich hatte ich mein Versprechen (und auch den Geburtstag meiner Mutter) total vergessen. Also fingen wir an einem Dienstag morgen um 6.50 Uhr an, eine Mühle zu basteln. Zeichnen, ausschneiden, kleben. Alles, was ich soooo sehr liebe...

Deshalb dachte ich schon, ich müsse einen neuen Blog starten: "Supermom.ch". Gestern wurde ich eines besseren belehrt. Im Chindsgi war Waldtag. Und das wusste ich eigentlich schon seit den Frühlingsferien. UND Luc sagte es mir noch am Tag davor. Doch gestern morgen hatte ich einen leichten Hangover von einer sehr netten, feucht-fröhlichen Grillparty am Vorabend. Weshalb der Waldtag, sagen wir, etwas in den Hintergrund rückte. O.k. ich geb's zu, habe den Mist total vergessen!

Ich schickte meinen Sohn also wetterbedingt (es war extrem heiss) in kurzen Hosen und Sandalen in den Kindergarten. Was mir natürlich abends einen mehr als nur vorwurfsvollen Blick seines Vaters einbrachte. Ihr wisst schon, die Zeckenpanik. Und schon war es wieder da, mein SCHLECHTES GEWISSEN!

Eine gute Mutter würde schon abends alles vorbereitet haben, damit es erstens morgens keinen Stress gibt und zweitens nichts vergessen geht. Und sie hätte auch keinen Hangover, weil sie spontan mit beiden Kindern bei Freunden sitzen bleibt. Denn spontan heisst: keine Zahnbürste dabei, kein Piji und den Z'Nacht für die Kleine auch nur per Zufall vom Vortag noch in der Wickeltasche.

Also, liebe Leserinnen, werde diesen Blog wohl oder übel noch etwas weiterführen, "Supermom.ch" muss warten.

Montag, 15. Juni 2009

Superkids

Mit grossem Vergnügen las ich dieses Wochenende wiedermal die "Miss Universum" im Magazin. "Menschenskinder" betitelt Frau Roten ihre Kolumne und beschreibt darin, wie die Kinder in ihrem Umfeld "talentiert" und "begabt" sind. Bescheidenheit - nicht einmal falsche - scheint unter heutigen Eltern in der Tat keine Tugend mehr zu sein.

Kürzlich sass eine andere Rabenmutter bei mir und beklagte sich darüber, ihre Nachbarin gehe ihr mächtig auf den Senkel, wie sie ihren Sohn in den Himmer lobe, obwohl es ihres Erachtens gar nicht sooo viel zu loben gäbe. Er könne mit seinen vier Jahren doch schon soo gut sprechen, meinte jene stolze Mama, obwohl er zweisprachig aufwachse etc. etc. blablabla.

Ich musste zugeben, diese Rabenmutter war tatsächlich keine dieser Mütter, die ihre eigenen Kinder auf ein Podestchen stellt, als hätten sie bereits in der ersten Klasse den Nobelpreis verdient. Deshalb sass sie schliesslich auch an meinem Tisch. Sonst hätte sie nämlich regelrechtes Hausverbot.

Wenn ich nämlich darüber nachdenke, verkehre ich mit keiner einzigen Mutter, die allen Ernstes denkt, ihre Kinder seien schlauer, schneller, schöner als andere. Meine Freundinnen sind alle recht bescheiden und objektiv, was ihren Nachwuchs angeht. Alles andere wäre mir einfach zu anstrengend.

"Was, dein Kleiner schläft immer noch nicht durch? Keine Ahnung, was du falsch machst, bei mir ist das seit Monaten kein Thema mehr!" "Eure Kinder mögen euer Essen nicht? Verstehe ich nicht, meine freuen sich immer auf Fenchel und Broccoli!" Solche Statements musste ich mir natürlich auch schon anhören, kann diese Frauen jedoch wirklich nicht meine Freundinnen nennen. Solche Aussagen bewirken bei mir ein akutes "Bye-Bye-Syndrom": Lass dich ja nie wieder bei mir blicken!

Als würde es nicht reichen, dass man ab Geburt der Kinder sowieso schon immer ein schlechtes Gewissen hat, man müsse mehr mit den Kindern unternehmen, sie fördern und überhaupt mehr spielen, da brauche ich nicht noch Mit-Mütter, die mir so kommen!

(Bild:
HQubed Stuff)

Sonntag, 7. Juni 2009

Und ewig putzt die Frau

Jüngst habe ich mich doch darüber aufgeregt, dass viele Männer Memmen sind. Natürlich bin ich nicht die einzige. Unter dem Deckmantel eines "Väter-Specials" hat die annabelle ein paar "Men-Bashing"-Artikel publiziert. Unbedingt lesen! Übrigens: heute ist Vatertag!



Erwerbs- und Familienarbeit teilen: Das Modell, das sich so attraktiv anhört, birgt viele Tücken. Unbequeme Wahrheiten über ein viel versprechendes Modell.

Von Franziska Schutzbach
Foto: Caspar Martig

Das Ideal moderner Eltern, sich die Betreuung der Kinder gleichberechtigt zu teilen, ist seit ungefähr zehn Jahren im Gespräch, und skandinavische Länder wie Schweden haben den bezahlten Vaterschaftsurlaub bereits in den Siebzigerjahren eingeführt. Dass Mütter und Väter sich die Elternzeit teilen, wird von verschiedenen Seiten als hoffnungsvolles Modell angesehen. Die Gesamtidee scheint logisch: Wenn wir eine ausgeglichenere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern erreichen wollen, reicht es nicht aus, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, zusätzlich müssen Männer Familienarbeit übernehmen.

Aber wie weit sind wir mit der Umsetzung dieses Ideals?

In der Schweiz gibt ein Viertel der Väter an, dass sie sich aktiv um den Nachwuchs kümmern oder kümmern möchten. In Deutschland sind es sogar siebzig Prozent. In kreativen, künstlerischen oder akademischen Berufsmilieus sind viele Väter einen oder zwei Tage die Woche zu Hause, andere versuchen, möglichst oft in den Randzeiten, am Wochenende oder in den Ferien präsent zu sein. Auch US-Väter gaben in Studien an, dass sie sich aus beruflichen und finanziellen Gründen zwar nicht in der Lage sehen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, sich aber trotzdem aktiv mit ihren Kindern beschäftigen und in der Familie präsent sind: 97 Prozent der US-Väter von Kindern bis zu drei Jahren behaupten, täglich im Durchschnitt drei bis vier Stunden für Familienarbeit aufzubringen. Die meisten dieser Väter sagen, dass sie die Zeit mit ihren Kindern als Bereicherung empfinden und die enge Beziehung ihrem Leben Sinn gibt.

So weit, so rührend. Die Ernüchterung folgt mit dem Blick auf die Realität: Die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung führt keineswegs zu einer ausgeglicheneren Verteilung von Berufs- und Familienarbeit. Gleich mehrere Studien belegen, dass selbst in den skandinavischen Vorbildländern der institutionalisierte Vaterschaftsurlaub nicht die erhoffte Wirkung zeigt: In Schweden nimmt ein Grossteil der Väter gerade mal 2 von 15 Monaten Elternzeit in Anspruch. Was nichts anderes heisst, als dass selbst in Schweden, einem Land mit optimalen Bedingungen für eine ausgeglichenere Arbeitsverteilung, die allermeisten Eltern eine traditionelle Rollenverteilung leben.

Die schwedischen Forscherinnen Lisbeth Bekkengen und Karin Sardavar haben ausserdem beobachtet, dass Frauen im Mutterschaftsurlaub normalerweise und wie gehabt auch für den Hauptteil des Haushalts verantwortlich sind. Das gilt für Männer im Vaterschaftsurlaub meist nicht. Vielmehr etabliert sich eine umgekehrte Dynamik: Gerade weil Männer sich schon um das Kind kümmern, können sie die Hausarbeit ihren Frauen überlassen. Lisbeth Bekkengen fand zudem heraus, dass es in Beziehungen oft eine Art Paradoxie der Anerkennung gibt. Dank ihr erhalten Männer in der Regel für ihren Beitrag besonderen Beifall. Wenn dieselbe Arbeit von Frauen verrichtet wird, gilt sie jedoch als selbstverständlich.

Wir kennen das alle, wenn wir ehrlich sind: die begeisterten Blicke, wenn der Vater seiner Tochter Zöpfe flechtet, das überschwängliche Theater der Schwiegermutter, wenn ihr Sohn früh nach Hause kommt und für die Kinder kocht. Bei einem Mann heisst es «Du Armer, arbeitest so viel und musst noch kochen!». Eine berufstätige Mutter bekommt diesen Satz wohl ihr ganzes Leben nicht zu hören. Ganz zu schweigen von der Situation, wenn der Vater bei Familientreffen den ganzen Abend bei den Kindern im Spielzimmer hockt - «Er ist ja so wunderbar im Umgang mit Kindern». Täten wir es ihm gleich, wären wir entweder Übermütter oder schlechte Gastgeberinnen. Das Mindeste, was von uns erwartet wird, ist die aufwändige Weihnachtsgans, der perfekt geschmückte Tannenbaum und dass wir uns stundenlang die Probleme der allein stehenden Tante anhören. Das Dumme: Mit Ironie ist dem kaum beizukommen, selbst wenn wir es wollten. Das Etikett der Nörglerin ist uns so sicher wie den aktiven Vätern das des Superhelden. Damit die Nörgelei nicht zu sehr auffällt, betonen Frauen lieber mit Nachdruck, wie bemerkenswert es sei, dass heutige Väter für ihre Kinder sorgen oder sorgen wollen. In der neueren Familiensoziologie gilt dieses Verhalten als mit «Ökonomie der Dankbarkeit» bezeichnete Gesetzmässigkeit. Übersetzt heisst das: Frauen, deren Partner sich engagiert an der Kinderbetreuung beteiligen, sind dafür in der Regel dankbar. Und trauen sich deshalb oft nicht, von ihren Partnern in Sachen Haushalt ebenfalls mehr einzufordern.

Lisbeth Bekkengen hat ein weiteres Indiz dafür ausgemacht, dass Elternurlaub allein die Rollenverteilung nicht revolutioniert. Selbst wenn Frauen und Männer sich wie in Schweden den bezahlten Elternurlaub teilen können, ist es für Männer eine freiwillige Option. Wenn Väter aus verschiedenen Gründen die Elternzeit nicht in Anspruch nehmen wollen, wird vorausgesetzt, dass die Mütter diese Lücke füllen und die gesamte «Urlaubszeit» übernehmen. Umgekehrt ist das keineswegs so.

Alles in allem kann man also sagen: Eine gleichberechtigt geteilte Kinderbetreuung verstärkt oft alte Ungleichheiten unter dem Deckmantel des guten Willens. Interessant ist, dass die Zementierung von Ungleichheiten in der Hausarbeit bei weitem nicht nur in Familien stattfindet, in denen die Frau sowieso mehrheitlich zu Hause ist: Gerade dann, wenn beide gleichermassen berufstätig sind oder die Frau sogar mehr arbeitet, ist das Ungleichgewicht besonders ausgeprägt. Berufstätige Mütter versuchen abends immer rechtzeitig zu Hause zu sein, um noch Zeit mit der Familie zu haben. Das bedeutet aber auch kochen, aufräumen, Kinder ins Bett bringen, Grosseltern zurückrufen, Altpapier bündeln. Umgekehrt kommen berufstätige Väter erst dann nach Hause, wenn das Gröbste erledigt ist. Die engagierten Väter begründen das späte Nach-Hause-Kommen meistens mit ihrer ansonsten aktiven Rolle («Montag und Mittwoch bin ich ja zu Hause»). Mütter, die ebenfalls zwei Tage die Woche zu Hause sind, bezeichnen sich selbst weder als aktiv, noch legitimieren sie damit Freiräume (wie spätes Nach-Hause-Kommen).

Unabhängig davon, ob das Ideal des aktiven Vaters alte Ungleichheiten verstärkt - man muss gerechterweise sagen, dass die Umsetzung des Ideals bereits viel früher gefährdet ist. Es gibt für Männer kaum Teilzeitjobs. Eine Studie des IAIZ (Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung in Berlin) zeigt, dass auch Männer ein Vereinbarkeitsproblem haben. Die befragten Väter nannten alle als zentrales Hindernis für mehr familiäres Engagement die vorherrschende «Anwesenheitskultur». Selbst wenn sich ein Betrieb vordergründig als familienfreundlich bezeichnet, unterschwellig werden Leistung und Loyalität stark mit physischer Präsenz am Arbeitsplatz gleichgesetzt.

Familienarbeit hat in dieser Kultur keinen Stellenwert. In den USA befragte Führungskräfte bewerten Kinderbetreuung mehrheitlich nach wie vor als Frauenarbeit - im Stil von «Frauen bringen Babys zur Welt, also sind Babys Frauensache». In diesem Sinn zeigen alle vorliegenden Studien, dass Väter vor allem aus beruflichen Gründen Elternzeit nicht in Anspruch nehmen, selbst wenn sie dies könnten, also selbst in Schweden. Auch dort geben 46 Prozent der befragten Männer als Grund für die geringe oder Nicht-Inanspruchnahme der Elternzeit die berufliche Karriere an. Fragt man die Mütter, so halten sie eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit des Vaters zu Gunsten von Elternzeit ebenfalls häufig für unmöglich. Die Karriere der Männer als fest stehende Konstante wird weder von Männern noch Frauen wirklich in Frage gestellt. Dass die berufliche Laufbahn von Frauen Unterbrüche aufweist, gilt hingegen als selbstverständlich.

Frauen wie Männer tragen also letztlich zur Aufrechterhaltung der Geschlechterungleichheit in der Familienarbeit bei, ihre Argumente speisen sich aus strukturellen Bedingungen, aber auch aus den Vorstellungen darüber, was die Rolle des Manns oder der Frau in der Familie ist.

Versucht man, die Begründungen der Familien für ihre Arbeitsteilung in einem Satz zusammenzufassen, so würde der am ehesten lauten: «Es geht nicht anders.» Es geht nicht anders, weil beispielsweise Frauen durchschnittlich weniger verdienen (was sich bisher nicht geändert hat) oder weniger qualifiziert sind als Männer (was sich gerade ändert) oder weil sich eine Teilzeitstelle steuertechnisch nicht lohnt. Wenn schon, müssten die Frauen Vollzeit arbeiten, was wiederum nicht mit dem gängigen Mutterideal vereinbar ist. Genauso, wie die Rolle des Ernährers einen Mann zum Mann macht, macht die Rolle der fürsorglichen Mutter eine Frau zur Frau: Hausarbeit wird zur sinnstiftenden Tätigkeit stilisiert. Die Frau übernimmt sie aus Liebe, für die Kinder, für die Familie.

Der Versuch, eine nicht-traditionelle Aufteilung der familiären Arbeiten zu verwirklichen, erweist sich als schwierig, genau genommen ist die angeblich bevorstehende Neuordnung der Geschlechterbeziehungen ein Märchen. Zumindest ab dem Moment, in dem Paare das erste Kind bekommen. Nach wie vor werden die traditionellen Wertvorstellungen bezüglich der familiären Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern von einer Mehrheit vorbehaltlos akzeptiert. Nur eine Minderheit versucht, eine partnerschaftlichere Arbeitsteilung zu verwirklichen.

Und: Männer entdecken für sich bereits die Opferrolle, obwohl die Umwälzung nicht stattfindet, gesamtgellschaftlich gesehen. Der Medienwissenschafter Norbert Bolz, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, öffentlich aufzuzeigen, «wo Männer überall zu kurz kommen», warnte jüngst, Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschafter würden an einer Umerziehung der Männer arbeiten. Sie bürdeten ihnen Verantwortung für Haushalt und Familie auf und machten sie damit für Frauen unattraktiv. Was soll man dazu sagen?

rabenmutter.ch abonnieren