Mittwoch, 30. September 2009

Sind Eltern hormonbeduselt?

Es gibt Menschen, die sind neidisch. Sogar auf ihre eigenen Kinder. Weil diese besser aussehen, erfolgreich sind oder einfach sympathischer. Aber was, wenn der Nachwuchs hässlich und uninteressant ist?

Jüngst warf Michèle Binswanger im mamablog die Frage auf, ob Mütter ihre Töcher beneiden dürfen. Weil sie schöner, schlanker, erfolgreicher sind. Klar dürfen sie. Die Frage ist nur, wie man Neid definiert.

Nun frage ich mich wiederum wie es aussieht, wenn das eigene Kind nicht besonders beneidenswert ist? Wenn der Nachwuchs weder gut aussieht, noch intellektuell ausfällt und schon gar keine soziokompetenten Fähigkeiten ausweist? Schämt Mutti/Vati sich dann, statt stolz und eben vielleicht etwas neidisch zu sein? Oder wird dieses Kind trotzdem hochgejubelt, es hätte eben innere Werte?

Gibt es das überhaupt? Eltern, die ihren Kindern wirklich nichts abgewinnen können, keinen Stolz und erst recht keinen Neid empfinden?

Als hormonbeduselte Mutter eines Säuglings dachte ich schon bei meinen Sohn, er sei doch der Allerschönste (mittlerweile sehe ich selber, dass er ein ganz normal süsses Baby war, aber eben - die Hormone). Als er heranwuchs, ertappte ich mich oft dabei zu denken, er sei doch besonders hübsch/begabt/intelligent
(bitte ankreuzen). So wie mir geht es wahrscheinlich den meisten Eltern.

Nun gibt es aber objektiv betrachtet wirklich Kinder, die hässlich oder unsympathisch oder beides sind. Wie ist das für die Eltern? Ich rede nicht von punktueller Unsympathie, wie vor kurzem hier besprochen, sondern von dauernden Gefühlen der Abneigung und des Unverständnisses für das eigene Kind.

Oder sind wir Eltern einfach von Natur aus so programmiert, dass wir unsere Kinder toll und schön finden?

Dienstag, 29. September 2009

Mathematik für Anfänger

Mein Leben lang war ich überzeugt, das ich den Mathe-Stoff, den ich nächtelang büffeln musste und nie wirklich verstand, im Leben nie und nimmer brauchen würde. Seit meine kleine Tochter auf dieser Welt ist, wurde ich eines Besseren belehrt.

Mein Sohn war ein kleiner fauler Buddha. Was ich anfangs manchmal etwas besorgniserregend fand, stellte sich mit der Zeit als extrem stressfrei heraus. Man konnte ihn einfach hinsetzen, ein paar Spielsachen zum "gfätterlen" hinlegen und er war bis zur nächsten Mahlzeit zufrieden. Und dies bis 16 Monaten, als er direkt vom Sitzen ins Gehen überging!

Meine kleine Tochter sieht das mit der Mobilität jedoch gaaaanz anders. Obwohl sie nicht einmal selber vom Liegen ins Sitzen kommt, bewegt sie sich ungehindert durch die gesamte Wohnung, weshalb nun nichts mehr in Sicherheit ist, bis ich es verschwinden lasse und
wegschliesse.

Und wenn ich in Mathematik etwas besser aufgepasst hätte, könnte ich heute vielleicht berechnen und besser abschätzen, wie schnell es gehen kann bis:

- Sie vom Wohnzimmer ins Badezimmer wetzt, um das WC-Bürsteli genauestens auf seine Beschaffenheit zu inspizieren. Mit der Zunge.

- Sie ihren versch... Hintern so hin und her bewegt, dass der Brei sich über ihre Beine auf ihren Bauch verteilt. Während ich verzweifelt versuche, ein verdammtes Feuchttuch aus der Box zu klauben.

- Der Radius um ihren Hochstuhl den Meter überschritten hat, indem feuchte Brösmeli, alte Reiskörner und klebrig-kleistrige Breireste zu finden sind.

- Sie ihren Teller selber packt und wie ein Lasso rumzuschwingen versucht.

- Sämtliche Bücher des untersten Regals offen auf dem Boden rumliegen, um eingehend von ihr untersucht zu werden. Natürlich auch hier wieder mit Zunge.

Ich hoffe nun, dass es für mein weiteres Leben nichts ausmacht, dass mich Sport weitgehend einen Dreck interessierte. Zumindest nicht, bis Töchterchen gehen kann...

Montag, 28. September 2009

Das Leben mit Schwiegermama

Es war nicht Eva, die die Legende der schwierigen Beziehung zur Schwiegermutter ins Leben gerufen hat, schliesslich hatte Adam kein Mami. Doch kurz darauf muss diese Geschichte geschrieben worden sein, denn seither ist allgemein bekannt: Sein Mami kann mit seinem Schatzi nicht. Punkt. Immer? Nicht immer, aber immer....

Es gab Tage, da hätte ich meine Schwiegermutter auf den Mond schiessen können. Und das sage ich, obwohl ich weiss, dass sie den rabenmutter.ch-Newsletter abonniert hat und diesen Eintrag früher oder später lesen wird. Wieso ich am liebsten den Mond als ihre neue Heimat erklärt hätte, möchte ich hier lieber nicht auflisten, ich habe eine mittlerweile gute Beziehung zu verlieren. Doch natürlich schreibe ich dies hier überhaupt nur, weil wir heute gut miteinander können.


Doch nicht alle haben dieses Glück, viele SchwM machen ihren SchwT das Leben schwer und umgekehrt. Dass es auch anders geht, lest ihr diese Woche im Migros-Magazin. (Wenn ihr aber weiterlest, entdeckt ihr auch ein paar Horrorgeschichten. Ehrlich gesagt, finde ich diese spannender).

Eine Frage: Ist das Verhältnis zwischen Schwiegersöhnen und -vätern auch so kompliziert?

Vater, sei ein Mann!

Weichgespülte Väter werfen offensichtlich Fragen auf, die Kommentare auf den Artikel beweisen es. Hier ein paar Antwort-Versuche:

Obwohl es mir fern lag, mit dem Eintrag "Moderne Väter spülen weicher" irgendjemandem auf den Schlips zu treten, fühlten sich einige Leser/innen, wie soll ich sagen, angegriffen. Hierzu möchte ich nochmals betonen: Jede/r soll sein Leben so leben, wie sie/er es für richtig hält, solange sie/er glücklich dabei ist.

Wie denn für mich ein emanzipierter, männlicher, eben NICHT weichgespülter Vater zu sein hat, wurde ich gefragt. Nun gibt es zwei diverse Sichtweisen: Die der Frau bzw. Mutter und die des Kindes. Ich werde versuchen, die Antwort auf diese Frage aus sicht einer Frau zu finden. Auf die Gefahr hin nochmal ins Fettnäpfchen zu treten, hier also ein Versuch:

1. Besagtes Tragetuch! Ein ähnliches No-Go ist in meinen Augen das Tragen von Gummihandschuhen beim Abwaschen.

2. Überdimensionierte Sorge auf dem Spielplatz/Schulweg/Gumpiburg etc. Die meisten Mütter sorgen sich schon für zwei, da braucht das Kind wenigstens den Vater/Mann, der ihm sagt "Super, du kannst das!" Wenn die Rollen diesbezüglich vertausch sind, geht das natürlich auch.

3. Erzählungen über die Blähungen der schwangeren Frau, die Frequenz, in der das Baby die Windeln füllt und das Essverhalten des Kindergärtners sind schon bei Müttern langweilig, bei Vätern einfach unmöglich!

4. Viele liebevolle Väter machen aus ihren Kindern Zirkusäffchen. "Und, Janis, wie macht das Entlein?" und ähnliche Fragen sind für ein Kind und seine Mutter demütigend.

5. Dauernd wiederholen, wie toll es ist, Kinder zu haben und sie aufwachsen zu sehen. Klingt oft nach Rechtfertigung für ... ja, wofür eigentlich?

6. Allen erzählen, was für ein toller Hausmann man(n) ist. Das darf nur der Bänz, der verdient nämlich sein Geld damit. Alle anderen sollen ihren Frauen einfach Arbeit abnehmen, ohne dafür gelobt werden zu wollen.

7. Auf das Bierchen in der Landbeiz verzichten, bloss weil die Kinder dabei sind. Kinder und Genuss schliessen einander doch nicht aus!

8. Den Kumpels für das kinderlose Bierchen immer wieder absagen, weil man die Kinder ins Bett bringen will/muss. Die Kids schlafen auch bei Mami wunderbar ein!

Ich merke gerade, dass viele dieser No-Gos in meinen Augen auch für Frauen gelten. Dennoch finde ich sie bei Männern schlimmer, sorry!



Freitag, 25. September 2009

Moderne Väter spülen weicher

Nicht erst seit Bänz Friedli wissen wir, dass Väter heutzutage etwas mehr bieten sollten, als die Brötchen zu verdienen. Frau möchte auch einen präsenten Vater und patenten Hausmann zu hause vorfinden - v.a. wenn sie von der (bezahlten) Arbeit nach hause kommt. Doch ist es sexy, 2009 ein moderner Vater zu sein?

Erklärungen eines modernen Vaters letzthin in einer Diskussionsrunde: „Ich habe mein Arbeitspensum reduziert, um mehr von der Familie zu haben und öfter für sie dazusein. Anfangs dachte ich, ich helfe an diesem zusätzlichen Tag in der Woche meiner Frau auch beim Haushalt. Doch ich habe festgestellt, dass mir das Spielen und zusammensein mit meinem Sohn viel wichtiger ist.“ Klar, uns Müttern ist der Haushalt wichtiger, deshalb machen wir ihn auch mit soviel Begeisterung und Elan(!).

Besagter Vater erklärte mir dann weiter, wie wichtig und bereichernd das Spielen mit seinem Sohn sei. Er verbringe ganze Tage mit ihm draussen und hat unglaublichen Quality-Time. Und als er das sagt, klingt er so weichgespült wie ein Nicki-Plüschtier.

Ein anderes Beispiel im Bekanntenkreis: der Allwissende. Er weiss einfach alles über Pekip, Triple P, Mekonium, wunde Brustwarzen und die perfekte Zubereitung eines Schopppens. Und er erklärt es auch jedem, der es hören will – und auch denen, die es eben nicht interessiert.

Irre ich mich, oder sind allzu liebe, besorgte und zuvorkommende Väter doch irgendwann unsexy, weil ihnen etwas Männliches fehlt? Neue Studien besagen zwar das Gegenteil. Biologisch gesehen suchen sich Frauen angeblich die lieben Familientypen aus und nicht so die machoiden Muskelpakete. Im Extremfall mag diese Regel sogar stimmen. Doch wie attraktiv finden wir einen Mann, der 16 Stunden am Tag das Tragetuch umgebunden hat? Oder der sämtliche Schwangerschafts- und Babyratgeber liest, so dass er besser über unsere Schwangerschaft bescheid weiss als wir? Oder eben der, der sich sooo sehr mit unseren Kleinen beschäftigt, dass er sein versabbertes T-Shirt erst abends wechselt und auch noch heimlich dran riecht?

Versteht mich nicht falsch, natürlich möchte ich auch einen präsenten Vater für meine Kinder, der sich um sie kümmert und so weiter. Doch ich sehe nichts schlimmes daran, wenn er dies abends und am Wochenende tut, solange er dann wirklich anwesend ist und mitdenkt.

Ich kann nichts Attraktives daran finden, einen Mann zu hause zu haben, der genau die Fehler macht, die ich eben zu vermeiden suche. Ihr?

War das nicht schon mal Thema auf rabenmutter.ch? Toller Vater oder Samenspender?

Dienstag, 15. September 2009

Das unsympathische Kind

Es gibt Kinder, die sind nicht süss. Die sind nervig. Mehr als das. Unsympathisch. Aber es sind immer die Kinder der anderen. Oder nicht?

Diese Woche kümmern wir uns um zwei zusätzliche Kinder, sind also Tag und Nacht zu Sechst. Da wir die zwei Mädchen sehr gut kennen und wirklich lieb haben, ist dieser Zustand an sich kein Problem, im Gegenteil.

Tatsache ist aber auch, dass wir es uns nicht gewohnt sind, Kinder soviel streiten zu hören. Schon, wenn man sich halt mal Mittwoch nachmittags sieht. Dann gibt's manchmal Reibereien, aber man kann ja wieder verschwinden. Nicht so, wenn die Reiberei-Macher im selben Zimmer schlafen, am selben Tisch essen und mit denselben Spielsachen spielen. Jeden Tag.

Nun kommt da eine Seite meines Sohnes zum Vorschein, die ich so nur in geringen Mengen kannte. Sein AK-Ich. AK steht hier nicht etwa für etwas Radioaktives, es bedeutet schlicht und ergreifend "Arschloch-Kind". Natürlich meine ich das nicht so derb, wie es jetzt klingt. Ich liebe meinen Sohn, er ist der süsseste, liebste und überhaupt blablabla... Dass er aber auch anders sein konnte, wusste ich zwar, musste es bis anhin jedoch nicht in derart massiven Dosen ertragen. Nur tröpfchenweise sozusagen.

Doch bekanntlich hölt der stetige Tropfen... Weinerlichkeit, Gemeinheiten den anderen Kindern gegenüber, schlagen, fluchen, das volle Programm. Und manchmal bringe ich sogar Verständnis für seine ungewohnte Lage auf. Er war viereinhalb Jahre lang Einzelkind, die kleine Schwester stört eigentlich noch nicht so, die Anwesenheit von zwei fast gleichaltrigen Mädchen ist jedoch schwer zu ertragen, vor allem, wenn man keine Rückzugsmöglichkeiten hat.

Meistens jedoch finde ich sein Benehmen einfach nur unmöglich. Und stelle erstaunt fest, dass nicht nur die Kinder anderer unsympatisch sein können.

Sonntag, 13. September 2009

Mutter Natur vs. mein Lebenskonzept?

Wieviele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Der Schweizer Durchschnitt von Zweien scheint mir eigentlich vernünftig. Wir haben uns zumindest auf diese Anzahl geeinigt und die Produktion eingestellt. Aber was, wenn Mutter Natur das anders sieht?

Letzte Woche wachte ich sehr früh morgens auf, weil mir unglaublich schlecht war. Ich hatte nichts Spezielles gegessen, noch war mir ein Virus bekannt, der zur Zeit den Magen-Darm-Trakt durcheinander bringt. Und da schoss mir völlig unerwartet die Möglichkeit durch den Kopf, ich könnte schwanger sein. An einschlafen war dann nicht mehr zu denken.

Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Kindern. Für mich als Einzelkind war es immer wichtig, nicht bei nur einem zu bleiben, mehr als zwei wollte ich mir aber auch nie antun. Zur Zeit sind gerade mein Gotten-Meitli und ihre Schwester bei uns, es ist toll, wir haben Spass, aber es ist ja dann auch schön, sie wieder abgeben zu können.

Aber was, wenn uns Mutter Natur trotz sicherer Verhütung ein Schnäppchen schlägt? Wie würde ich, wie mein Mann reagieren, wenn ich wirklich wieder schwanger wäre?

Denn als Frau ist es doch so, dass man sich insgeheim freut, wenn der Körper so gut "funktioniert". Schwangerschaftstests als junge Frau machten einen ja schon nervös, hinter der Erleichterung darüber, nicht mit 20 Mutter zu werden, steckte bei mir jedoch immer auch etwas Enttäuschung, dass mein Körper "versagt" hatte.

Ich war auch nie gegen Abtreibung. Selber hätte ich eine Abtreibung zwar nur in Betracht gezogen, wenn die Umstände untragbar gewesen wären. Meine Familie hätte mich auch als junges Mädchen unterstützt und ich bin optimistisch (oder naiv) genug, um ein Leben unter erschwerten Bedingungen in Angriff zu nehmen. Doch ich war immer der Meinung, dass jede Frau selbst entscheiden darf.

Aber eine Abtreibung, wenn man bereits zwei Kinder in die Welt gesetzt hat? Zwei wunderbare Kinder, die einen täglich zum Lachen bringen, zu Tränen rühreren und ja, auch, zum Wahnsinn treiben? Kinder, die einem beigebracht haben, das Leben ganz anders zu sehen und die einen jede Sorge für 5 Minuten vergessen lassen, weil sie einfach das wunderbarste Lachen haben? Die einen ziemlich anderen Menschen aus mir gemacht haben, in dem Moment, indem ich ihnen zum ersten Mal in die Augen geschaut habe?

Könnte ich ein weiteres Kind einfach nicht austragen, weil es nicht mehr in unser Lebenskonzept passt? Ich bezweifle es. Und doch bin ich froh, dass mir seither nicht mehr schlecht war.

Donnerstag, 10. September 2009

Eine weitere Geduldsprobe

Mütter und Väter werden täglich an ihrer Geduld gemessen. Meistens gelingt es uns, diese zu bewahren, manchmal nicht...

Die täglichen Geduldsproben, denen wir Eltern ausgesetzt sind, lassen sich kaum aufzählen: Vom schneckenhaften Anziehen frühmorgens, über das laaaangsaaaame Essen Mittags, bis hin zu den zahlreichen "Räum dein Zimmer auf" und "Jetzt geht's ins Bett und basta"! Eigentlich würden diesen vielen kleinen, aber sehr nervenaufreibenden Geduldspröbchen unseren Tag ja schon mehr als genug füllen. Doch da gibt es Tage, da scheint das irgendwie doch nicht zu reichen.

So geschehen gestern Abend. Vorgeschichte: Mein Sohn - sagen wir, er ist nicht der schmerz-resistenteste - hat sich vor ein paar Tagen den Ellbogen aufgeschürft. Soweit nichts besonderes für einen Fünfjährigen. Dass er tags darauf dieselbe Stelle nochmal aufschürft war wirklich Pech. Seine Lehrerin desinfiziert alles wunderbar und klebt ihm ein Pflaster auf die wunde Stelle. Stolz präsentiert er mir am Abend den Ellbogen. Bis hierhin nichts auszusetzen. Beim Baden jedoch löst sich das doofe Pflaster natürlich, was meinen Sohn, der beim Anblick von etwas Aufgeschürftem total die Contenance verliert, wieder daran erinnert, dass er ja ganz fest weeeeh hat. Okay, weg mit dem Pflaster. Bin sowieso der Meinung, dass Schürfwunden am besten an der Luft trocknen sollen.

Ich nehm das Pflaster also (mehr oder weniger) vorsichtig weg (unter lautstarken auauaua und uiuiui seitens meines Nachwuchses) und sehe, dass es doch sehr sabbert und gruselig aussieht. Damit nicht doch etwa die Kleider daran kleben bleiben, finde ich in unserem puffigen Apothekerschrank ein paar Gazen, die ich ihm auflege und festklebe. Zu meiner Verteidigung: Ich dachte wirklich immer Gazen sind dazu da, dass das Wunden-Zeugs eben nicht daran kleben bleibt, schliesslich benutzt man die Dinger doch bei richtig schlimmen Wunden!

Lasst euch gesagt sein: Dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Gestern abend also kommt der Kleine und das Pflaster hält hinten und vorne nicht mehr, nur die Gaze klebt noch an dem Wunden-Gesabber. Also weg damit, sage ich mir. NEIENEIENEI! sagt mein Sohn. Und es klingt, als müsste er etwas ohne Narkose amputieren. Und zwar sich selber.

Also wird die Chose eingeweicht. Schüssel, Wasser, viiiiiel Geduld. Soviel Geduld wie ein Fussballspiel dauert. Doch, ihr lest richtig 90 verd... Minuten!! Aber die Gaze kam immer noch nicht weg! Mit Eiswürfel und noch mehr Geduld des Papas haben wir das Ding kurz vor acht Uhr abends weggekriegt.

Das schlimmste dabei? Während dieser ganzen Zeit versuchte ich dem Drang zu widerstehen, das Ding einfach abzureissen. Doch mein Sohn hat mich nicht einmal in die Nähe seines Ellbogens gelassen. Ich habe so ein Gefühl, dass er mir nicht richtig vertraut. Und das macht AUA!

Montag, 7. September 2009

Kinderfreie Zone

Es gibt sie also doch noch: die Partys, bei denen Kinder nicht ohne wenn und aber dabei sein dürfen, wo Alkohol nicht nur unter dem Tisch hervorgezaubert werden muss und bei denen der Sound laut sein darf, sehr laut.

Am Wochenende war Party angesagt. Party? Früher Apéro, frühes Abendessen, wenig Alkohol und frühes Nach-hause-gehen zwecks Kinder-ins-Bett-bringen? Nein! Eine echte Party mit Buffet, erwachsene Getränke und Sound bis in die Nacht!

Doch, das gibt’s noch, ehrlich! Wir hatten ja sowieso profilaktisch die Kinder für jenen abend untergebracht, wussten aber im vornherein, dass das leider nicht alle Eltern tun würden. Es würden solche dabei sein, die ihren Nachwuchs immer überallhin mitnehmen und mit etwas Pech, wären das dieselben, die ihren Nachwuchs auch wie Zirkusäffchen ihren Zuschauern präsenterieren. „Luna, wie macht das Entchen?“ „So, Livio, wieviel gibt denn 2+2?“

Dieselben Kinder, denen man lauter unbekannte Gesichter, Lärm, nicht jugendfreie Gespräche (sofern diese in ihrem Beisein geführt werden dürfen) und oft auch Zigarettenrauch zumutet, sind unendlich lange auf und schlafen im besten Fall auf zwei nebeneinander gestellte Stühle ein. Oder ihre Eltern gehen sehr früh, denn der Kleine wird ja sonst unausstehlich. Am schlimmsten sind jedoch die, die bleiben, obwohl die Kleinen unausstehlich werden und sich schon lange keiner mehr für die Zirkusaffennummer interessiert.

Jetzt muss man dazu sagen, dass es der kinderlose Gastgeber schon sehr schwer hat. Macht er eine Party MIT Kids, müssen er sich an die uncoolen Zeiten und Gebräuche anpassen. Steht in seiner Einladung jedoch ausdrücklich, dass es sich um ein kinderloses Fest handelt, riskiert er, als kinderfeindlich und frustriert dazustehen. Kinderfeindlich, weil Kinder ja schliesslich zum Leben gehören und entsprechend überall dabeizusein haben. Frustriert, weil man ab einem gewissen Alter - besonders bei Frauen – denkt, die Person hätte bestimmt gerne Kinder, möchte sich also nicht die Laune mit fremden Kindern verderben, die ihr vor der Nase durchgezogen werden.

Wir waren entsprechend überaus dankbar, als das Geburtstagskind, das Samstag feierte, seine Party als kinderlose Zone bezeichnete und uns bat, die Bengel zu Hause zu lassen! Yeah!

Als ernst zu nehmende Rabenmutter hatte ich meine Kinder wie gesagt schon untergebracht. Zum ersten Mal sollte auch die Kleine die ganze Nacht auswärts schlafen. Leider wurde daraus – und aus der tollen Party, die die ganze Nacht hätte dauern sollen – nichts. Unser geliebter Nachwuchs weinte und weinte und vermisste ihre Eltern. Schön, wenn wir ihr so viel bedeuten. Aber ich hätte es auch erst Sonntag nachmittag schön gefunden...

Sonntag, 6. September 2009

Regeln, Listen und andere Naivitäten

Immer wieder fällt mir ein, was ich alles NICHT tun wollte, oder wie ich NICHT sein wollte, wenn ich mal Kinder habe. Wie naiv und besserwisserisch ich damals war! Ihr glaubt mir nicht? Lest selber:

Regeln für ein gutes Zusammenleben mit meinem Kindern:


- Zulassen, dass sie in unmöglichen Farbkombinationen rumlaufen, bloss weil mir die Diskussionen um guten Style morgens um 7 zu anstrengend sind. Mein Kind zieht gefälligst an, was ich sage!

- Aussagen zu machen wie "mein Sohn nervst mich" oder "meine Tochter ist eine solche Zicke". Sind sind doch nur Kinder!

- Sofort ein Zäpfchen zu geben, kaum hat es über 38 Fieber, nur damit die Nacht ruhig verläuft. Lieber vorher mit Essigsocken und Zwiebelwickel probieren.

- Kein TV vor 5 Jahre, ein Kind soll sich selber beschäftigen können!

- Meine Ferien sind mir heilig. Ich nehme doch keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kleinen! Die sollen sich gefälligst anpassen!

- Gesundes Essen! Mein Kind kriegt im Restaurant nicht jedesmal Schnipo!

Sätze, die ich zu meinem Kindern NIE sagen würde:

- Du nervst!

- Sei jetzt still!

- Gleich gehst du ohne Z'Nacht ins Bett!

- Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie Bohnen zu essen bekämen!

- Und wenn andere Kinder aus dem Balkon springen, springst du dann auch?

- Wenn du schmollst, siehst du aus wie dein Vater!

Die Listen können beliebig erweitert werden...


Kleine Kinder, kleine Sorgen, kranke Kinder grosse Sorgen?

Ist die Schweinegrippe bei euch noch Thema? Bei mir nicht. Dachte ich.

Meine kleine Tochter ist krank. Schnieft, niesst, tropft aus (fast) allen Körperöffnungen und ihre Stirntemperatur deutet auf erhöhte Temperatur hin. Diese würde ich sogar mittels Thermometer überprüfen, wäre da nur nicht das Problem mit der endlosen Warterei auf das schrille "Piep", das meine Tochter aus ihrer misslichen "was-steckt-da-eigentlich-in-meinem-Hintern?-Lage" erlösen soll. Aber es gibt Schlimmeres als etwas Schnupfen.

Dennoch baut sich seit heute morgen ein Mantra in meinem Gerhirn auf: Pandemie, PANDEMIE, P A N D E M I E! Das Thema war für mich nach der ersten Kindergartenwoche erledigt, waren die erkrankten Kinder im Kollegenkreis meines Grossen nach ein paar Tagen gesund und munter doch noch in der Schule erschienen. Und auch die Medien sprechen - Qadhafi sei dank - weniger über Schweine, Grippe und Händewaschen. Doch wie mit allem im Leben, wenn es dich betreffen könnte, rückt das Unwahrscheinlichste sofort in den Vordergrund.

Nun bin ich ausserdem jemand, der sich gerne diese amerikanischen "Doktor-schläft-mit-Krankenschwester-während-die-Frau-des-Patienten-ein-grosses-Geheimnis-verbirgt-und-der-Sohn-sein-Coming-Out-hat"-Serien. Und da stehen Krankheiten und unmögliche Zufälle an der Tagesordnung, dass man bei der eigenen Familie jeden Furz forensisch untersuchen möchte. Tut man aber nicht.

Genauso wenig glaube ich wirklich, meine Tochter hätte die Schweinergrippe erwischt. Vielmehr liegt ihr Zustand wieder einmal an der Unvorsicht ihrer Eltern, sie nicht im Durchzug sitzen zu lassen bzw. sie genügend warm anzuziehen. Oder einfach daran, dass sie noch nie krank war und das irgendwann mal kommen musste. Also ignoriere ich die Stimme in meinem Ohr. Den sie ertönt weiterhin: Pandemie, PANDEMIE, P A N D E M I E...

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