Montag, 27. Dezember 2010

Zwischen Hochzeit und Beerdigung


Wer denkt nicht gerne an seine Hochzeit zurück? Und da heute weniger getauft wird, bleiben die Gelegenheiten, grosse Feste zu feiern nach dem Ehegelübde meistens aus. Das muss aber nicht sein.


Heiraten, Sterben und alles was zwischendurch so läuft: Ja, ich will immer noch.

Noch 362 Tage...

Habt ihr Weihnachten gut überstanden? Nicht? Ja, habt ihr denn keine Weihnachts-Tipps gelesen, die Medien waren voll davon!

Ich hasse Ratgeber! Daran hätte ich auch denken sollen, als ich letzte Woche Die Zeit kaufte, in deren Magazin ein eben solcher Ratgeber zu finden war. Nicht etwa zu Erziehungs- oder Liebesfragen, sondern zu Weihnachten und dem Familienfest. Der Titel klang sehr vielversprechend: „Wie überlebe ich Weihnachten?“. Endlich! Endlich würde mir mal jemand sagen, wie ich aus der Stressfalle rauskomme, mich nicht über die quengelige Verwandschaft aufregen muss und mein schlechtes Gewissen, nie genug zu tun, loswerden kann!

Leider hat das nicht so ganz geklappt. Hier einige Beispiele aus der Zeit, die bei mir noch mehr Fragen aufgeworfen haben:

1. Darf man beschliessen, sich an Weihnachten nichts mehr zu schenken?

Ja, man darf. Vorausgesetzt, alle halten sich daran. Denn es ist nicht „herzig“, wenn die Oma doch noch mit einem „Isch nur öppis chliises“-Geschenk kommt und wir als Gastgeber nichts für sie haben! Vor allem wenn das Geschenk ein Rezept für das Weihnachtsmenue ist. Danke für den Wink!

2. Wie lange muss ich die Schwiegereltern aushalten?


Fiese Frage. Eigentlich ja nur während des Weihnachtsessens, bspw. an Heiligabend. Was aber, wenn es draussen so sehr schneit (ja, man hat sich ja weisse Weihnachten gewünscht), dass die Verwandten nicht mehr nach hause fahren können/wollen? Dann wird natürlich das Bettsofa aufgeklappt... Juhuii!



3. Meine Eltern Leben getrennt, mit wem soll ich Weihnachten feiern?

Da wünsche ich jedem einen solchen Vater wie meinen. Der schert sich seit Jahren einen Dreck um Weihnachten und ist froh, mit dem ganzen Hype nichts zu tun zu haben. So darf Mamma uns für sich haben (ausser die Schwiegereltern beanspruchen uns natürlich) und die Welt ist in Ordnung. Danke Dad!



4. Darf ich Freunde hassen, die behaupten, bei ihnen sei Weihnachten „total friedlich“?

Ich finde schon. Denn bei mir war Weihnachten noch nie einfach nur friedlich. Entweder stritten meine Eltern, nach der Scheidung waren die Festtage einfach nur traurig und seit ich verheiratet bin, gibt es Stress zwischen den Familien, weil uns alle bei sich haben möchten. „Total friedlich“... Pffff!



5. Darf man nach dem Weihnachtsessen noch mal ausgehen?


Klar! Wenn man an Heiligabend einen gewillten Babysitter findet, nach dem Gelage überhaupt noch fähig ist zu gehen und um 23.00 Uhr (vorher starten die Parties ja nicht) nicht schon auf dem Sofa eingeschlafen ist.



6. Muss man an Ritualen festhalten?

An welchen? Die meiner Mutter, meines Vaters? Künstlicher Baum mit blinkenden Lichtern und lange Gesichter? Oder die meines Mannes? Stundenlanges Singen und seliges Beisammensein? Schweizer Rituale, italienische oder deutsche? Heutige Familien sind derart heterogen, dass man seine eigenen Rituale erfinden muss. Und das ist gut so.



7. Was soll es an Heiligabend zu essen geben?

Der Einfachheit halber hätte ich immer gerne Raclette gehabt, den meisten ist das aber zu wenig festlich. Deshalb das öde Fondue Chinoise (macht keine Arbeit), jedes Jahr dieselbe Diskussion. Andererseits bin ich die Letzte, die Lust hat, den ganzen Tag in der Küche zu stehen. Geht Pizza auch?



8. Ab wann müssen die Eltern bei den Kindern feiern?

Oh du Schreckliche. Wieso sehen Eltern nicht ein, dass es für uns heute genauso ist, wie für sie damals? Irgendwann haben sie ja auch aufgehört, bei ihren Eltern zu feiern. Und jetzt sind wir dran, also bitte nicht jedes Jahr jammern, wir hätten schon lange nicht mehr bei euch gefeiert!



9. Muss es an Weihnachten friedlich sein?

Ja, muss es. Das Paradoxe ist, dass es genau an Weihnachten so viele Reibungspunkte gibt, wie sonst im ganzen Jahr nicht. Runterschlucken und nach Silvester verschieben!



10. Darf ich ein Geschenk ablehnen, weil es meinen Erziehungsprinzipien nicht entspricht?

Es gibt Grenzen. Die fangen bei den Fingerfarben an und hören bei der Gummisusi auf. Ansonsten sollten wir Eltern froh sein, wenn wir unseren Prinzipien treu bleiben und die pädagogisch unkorrekten Geschenke vom Opa kommen.



11. Muss ich mich über selbstgemachte Geschenke besonders freuen?

Irgendwie schon, siehe auch Geschenke mit Herz.



12. Darf man an Heiligabend über Politik streiten?


Und wie! Siehe auch die Giga-Patchwork-Familienfeier.



Ich hoffe, Sie hatten schöne Weihnachten und wenn nicht, haben sie jetzt 362 Tage Zeit, sich auf die nächsten einzustellen!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Frohe Weihnachten und guets Neus!

Die Zeiten ändern sich... Das Gefühl bleibt.


Ich wünsche allen Raben- und sonstigen -Müttern und Vätern eine besinnliche und erholsame Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins nächste Jahr. 2011 geht's wie gewohnt weiter auf rabenmutter.ch. 




Dienstag, 21. Dezember 2010

Nicht trotz, sondern dank der Kinder

Ohne meine Kinder gäbe es rabenmutter.ch nicht. Das geht nicht nur mir so.

Mutter? Ja. Unternehmerin? Auch. «Mompreneurs» machen nicht trotz Kind Karriere, sondern wegen ihm: Der Alltag mit dem Nachwuchs liefert ihnen erst die zündende Geschäftsidee.


Die Mama AG aus dem neusten wir eltern.

Montag, 20. Dezember 2010

Kriegerlis ist wichtig, aber out

Lange haben wir uns gesträubt, dieses Jahr haben wir nachgegeben: Das Christkind bringt unserem Grossen ein Gewehr.

Dann können wir uns immer noch rausreden "Das hat er nicht von uns!" Denn offensichtlich sind wir die einzigen Rabeneltern weit und breit. Nachdem jeder Rappen zählt 9 Millionen Schweizer Franken für Kinder im Krieg gebracht hat, fühlt man sich zumindest so...

Kinder mögen zwar gerne Kriegerlis spielen - Psychologen sagen, das sollen sie auch - geschenkt kriegen sie die Waffen gemäss 20 Minuten Online trotzdem nicht.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

"Wir lieben unsere Kinder, doch wir hassen unser Leben"

Im Magazin der Zeit erklärt Jana Hensel am ganz persönlichen und leidenschaftlich beschriebenen Beispiel das Dilemma junger Eltern in Deutschland. Schätze, in der Schweiz ist das Problem dasselbe.


Warum moderne Eltern hin und her gerissen sind zwischen Lifestyle und dem wahren Leben.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Kinder lernen von Kindern

Wusste ich's doch! Meine Kinder können von mir nichts lernen, dazu brauchen sie nämlich andere Kinder. Gewissensberuhigung pur, danke Dr. Largo!

Remo Largo im Interview mit der Frankfurter Rundschau über
isoliert lebende und auf Erfolg getrimmte Mädchen und Jungen. Und den Druck der auf Eltern und Kindern lastet.

Montag, 13. Dezember 2010

Hausgeburt mit Kind?

Kann die Anwesenheit der Kinder bei einer Geburt wirklich so romantisch sein?

Ich gebe es zu: Als ich im letzten wir eltern den Titel “Die Geburt als Familienevent” lese und die Bilder dazu überfliege, reagiere ich erst einmal empört. Als erstes fällt mir mein damals viereinhalbjähriger Sohn ein, der die Tränen unterdrücken musste und sehr eingeschüchtert war, als er mich im Krankenhaus besuchen kam, in dem ich ein paar Stunden zuvor seine kleine Schwester zur Welt gebracht hatte. Er schaute mich etwas ängstlich an, wahrscheinlich weil ich immer noch Schläuche im Unterarm habe und aussehe wie ein Zombie nach einer durchzechten Nacht. Mein erster Impuls besteht darin, ihm zu versichern, dass es Mami gut geht, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Als ich ihn beruhigt habe, da erst erkundigt er sich nach seiner Schwester, die er sogleich ins Herz schliesst und mit der er auch nach zwei Jahren noch sehr gut auskommt.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Darf man das, nur weil man's kann?

Dolly war auch machbar. Aber vertretbar?
Darf eine Frau mit 64 noch ein Kind haben? Juristisch ja. Moralisch?

Dürfen Homosexuelle Kinder haben? Paare mit unterschiedlichen Religionen, Hautfarben, Nationalitäten? Und wie ist es mit Junkies? Darf eine Frau kein Kind haben, weil man davon ausgeht, sie würde seinen zwanzigsten Geburtstag nicht mehr erleben?

Ich hatte jetzt ein paar Tage Zeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Meine erste Reaktion auf die Nachricht war dieselbe, wie die der grossen Mehrheit: Nein! Das arme Kind!

Aber ich habe ja auch eine tolerante Seite. Die flüstert mir zu, es ginge mich ja wohl nichts an, ob und wann jemand ein Kind in die Welt setzt. Und in solchen Fällen scheint das Kind zumindest ein Wunschkind zu sein, also wer bin ich, das zu verurteilen?

Trotzdem: Muss das sein? Ich bin die erste, die den Kinderwunsch nachvollziehen kann, ich hätte mir ein Leben ohne nicht vorstellen können. Nun hatte ich das Glück, im richtigen Alter den richtigen Mann kennenzulernen. Ich musste mich nie mit künstlicher Befruchtung und Hormonbehandlungen auseinandersetzen. Nie musste ich mir überlegen, ob ich vielleicht schon zu alt sei, um ein Kind auszutragen. Nicht einmal meine biologische Uhr habe ich je lauter als meinen Wecker ticken hören. Ich habe also keine Ahnung.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Die Schweiz bleibt stehen

Vaterschaftsurlaub: Switzerland, 0 Points.
Eine englische Studie stellt die Schweiz auf den letzten Platz, wenn es darum geht, auch den Vätern Teilzeitstellen und Elternurlaub zu gewähren.

Erschreckend dabei sind vor allem die Kommentare.

"Schweizer Väter tun sich schwer." 20 Minuten online

Montag, 6. Dezember 2010

Die Chlaus- und andere Lügen

Die Frage ist draussen. Nur, wie lautet die Antwort?

Jedes Jahr um diese Zeit fürchte ich sie. Die Frage aller Fragen. Die eben alles in Frage stellt, was wir bis jetzt unseren Kindern erzählt – manche würden sagen vorgelogen – haben. Dieses Jahr fiel sie ganz unerwartet vor dem Abendessen. «Mami, gäll, de Samichlaus git’s?»

Natürlich war wie immer bei solchen Fragen – Woher kommen Babies? Was ist ein Schwuler? – der liebe Papi nicht in Hörweite. Also musste ich mich alleine behelfen. «Klar gibt’s den!» Ich bin mir nicht sicher, ob mein Sohn die Bedeutung des Nicht-In-Die-Augen-Schauens schont begreift, wenn ich ihn anlüge. Was ich nicht oft tue, wirklich!

Freitag, 3. Dezember 2010

Ist Liebe realistisch?

Nach ein paar Jahren erlahmt die Liebe oder zumindest die Leidenschaft. Sind unsere Ansprüche einfach zu hoch?

Lob der Vernunft von Marcel Zufferey für clack.ch

Innerschweizerische Emanzipation

Kaiserschnitte sind was für verweichlichte, urbane Karrierefrauen, die den Termin kurz nach dem Schwangerschaftstest ihn ihrem Blackberry vermerken. Oder doch nicht?

Eine Statistik beweist das Gegenteil. Die meisten Kaiserschnitte finden im Kanton Uri statt.

Keine Lust auf diese Tortur von Bettina Weber.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Kosten-Nutzenrechnung

Wahrscheinlich können sich alle an die ominösen CHF 800'000.- die ein Kind bis zum Auszug kosten soll erinnern. Vor ein paar Jahren rüttelten die Medien mit dieser Zahl am Verstand von uns Geldbeutel-gebeutelten Eltern. clack.ch weiss es noch etwas genauer.

Die Ökonomie der Familie von Nicole Althaus.

Dienstag, 30. November 2010

"The" Realitätsverlust

Ein Klassiker unter den Erziehungsratgebern predigt die totale Bindung zum Baby. Realistisch ist das aber nicht.

Die Regale der Buchläden sind voll davon, jede von uns hat mindestens eines davon zu hause. Schlaf-, Ernährungs-, Erziehungs- und sogar Spiel-Ratgeber füllen auch unsere Büchergestelle. Die Bibel dieser Literatur nennt sich, wie es sich für eine Bibel gehört „The Baby Book“. Als gäbe es kein anderes.

William und Martha Sears predigen darin das „Attachment Parenting“. Diese Philosophie, die sich an den Naturvölkern orientiert, will, dass wir unser Baby im Tragetuch immer dabeihaben, mit ihm schlafen und wir uns ganz allgemein vollkommen seinen Bedürfnissen anpassen. Wie wir dabei auch noch Geld verdienen, den Haushalt schmeissen und überhaupt ein Leben haben sollen, sagen uns die Autoren wiederum nicht. Wahrscheinlich erwarten sie einfach, dass man reich genug ist, eben nicht arbeiten gehen zu müssen, eine Putzfrau zu haben und nur noch mit Freunden zu verkehren, die ebenfalls ihr Baby 24 Stunden am Tag vor sich hängen haben. Also ein Buch für Reiche?

Was bei diesem Ratgeber vor allem verstört, ist die Annahme, dass Mutter und Vater das alleine bewältigen sollen. Keine Grosseltern, die mal aushelfen und selbstverständlich auf keinen Fall einen Babysitter, um einmal in Ruhe zum Friseur zu gehen oder eine Art Eheleben zu fungieren.

Wenn Sie dazu die weiteren modernen Anforderungen an Eltern addieren: Selbstgemachter Babybrei, Stoffwindeln und einen dem Baby vollkommen angepassten Tagesablauf, landen Sie bei den neuen Idealen, wie Eltern zu sein haben. Alles andere wäre Gift für die Entwicklung unserer Kinder!

Nach der Ernährungspolizei kommt jetzt also auch die Fürsorgepolizei. Das Projekt Kind soll dank Tragetuch und Co-Sleeping erfolgreich über die Bühne gehen. Seit ein paar Jahren wird das Muttersein glorifiziert und wer nicht aufpasst, könne meinen, das sei etwas Positives. Ist es nicht, glauben Sie mir. Denn dabei werden nicht nur Mütter in einen goldenen Käfig gesperrt, unsere Kinder werden genauso instrumentalisiert. Moderne Eltern könnten auf die Idee kommen, ihr Kind formen zu können, wenn sie nur alles „richtig“ machen.

Kann man Kind und Mutter überhaupt gleich zufriedenstellen? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass der Chef das in Ordnung findet, wenn ich mein Baby im Tragetuch dabeihabe und mitten in der Sitzung anfange zu stillen. Und was ist mit Mittagsschlaf? Da müsste ich mich ja mit hinlegen, sonst habe ich die Pflicht des Co-Sleepings nicht erfüllt.

Bereits mit „Origins“ wird suggeriert, dass wir alleine dafür verantwortlich sind, ob unser Kind im Leben Defizite aufweisen wird oder nicht. Und zwar je nach dem wie wir uns während der Schwangerschaft verhalten. „The Baby Book“ geht noch einen Schritt weiter: Indem Eltern auf diese Art an ihr Kind gebunden werden, haben sie eine scheinbare Kontrolle in einer Welt, die sie nicht kontrollieren können. Ich kann alleine nicht verhindern, dass Menschen an Hunger sterben, ich kann aber mein Kind jahrelang stillen. Ich kann nichts gegen die wachsende Kriminalität unternehmen, nur schauen, dass der Stundenplan meines Sohnes vollgestopft ist, damit er keine Dummheiten macht.

Es ist kaum vorstellbar, dass Dr. Bill & Martha, bekannt dank über 40 Erziehungsbüchern und der Ratgebersite AskDrSears.com, das Leben mit ihren acht (!) Kindern auf die Weise gemeistert haben, wie sie es von heutigen Eltern verlangen. Ich wage zu bezweifeln, dass Dr. Sears das Tragetuch dabeihatte, als er in diversen Kinderkliniken Assistenzarzt war. Es kommt jedoch nicht von ungefähr, dass Martha der La leche Ligue angehört und sich eine „Professional Mother“ nennt. So wir ihr Buch „The Baby Book“ ist, stellt sie „The“ mother dar.

Diese Art von Literatur wirft immer wieder die Frage auf „Bin ich eine gute Mutter, ein guter Vater? Tue ich wirklich alles dafür, damit mein Kind gedeiht?“ Diese Schuldgefühle beginnen mit dem positiven Schwangerschaftstest und hören erst auf, wenn wir es beschliessen. Eltern brauchen keine Ratgeber, sie brauchen jemanden, der ihnen sagt: „Es gibt keine Regeln, tu einfach dein Bestes.“

Freitag, 26. November 2010

Big mother's watching you

Kinder können rund um die Uhr überwacht werden. Gut?

Lesenacht im Kanton Zürich. Wo Nacht drauf steht ist meist auch Nacht drin, um sechs Uhr abends ist es bereits stockdunkel. Trotzdem wollen unsere Kinder alleine in die Schule gehen. Da wir in einem sehr kleinen Dorf leben und die Beleuchtung um diese Zeit ganz o.k. ist, willige ich ein. Schliesslich geht eine ganze Gruppe Erstklässler, um sich die Geschichten von „Schnädi und Höppi“ anzuhören.Total aufgeregt zieht mein Grosser los, er soll bei seinem Freund klingeln und dann an der Ecke auf die anderen warten.

Zehn Minuten später steht eben dieser Freund bei uns vor der Türe. Ich bin keine hysterische Mutter, meistens nehme ich kleine Missgeschicke wie blutige Knie und Schlägereien sehr gelassen. Den Schulweg bin ich nur ein paar mal mit meinem Sohn gegangen, danach vertraute ich ihm voll und ganz, dass er das alleine kann.

Doch wenn es darum geht, nicht zu wissen, wo er ist, sieht die Sache vollkommen anders aus. Leichte Panik überkommt mich, wenn ich mir vorstelle, dass er an der nächsten Ecke in den Wagen eines wildfremden Mannes gestiegen ist. Oder er hat sich verlaufen und irrt ängstlich herum.



Nun wäre ich plötzlich froh, hätte mein Sechsjähriger ein Handy dabei, auf dem ich ihn anrufen könnte. Schliesslich kann ich meinen Mann auch telefonisch erreichen, wenn er sich wieder einmal zum Abendessen verspätet. „Wo bisch?“ ist doch wohl die meist gestellte Frage im Zeitalter der Überkommunikation.

Doch wir pädagogisch hoch entwickelten Eltern wollen ja unsere Kinder nicht zu sehr verwöhnen. Als mein Grosser mich fragte, wann er ein Handy haben dürfe, habe ich schlichtweg ausgelacht und vertröstet. Astrid Lindgren und Erich Kästner hätten kaum Karriere als Kinderbuchautoren gemacht, hätte es damals Handy und GPS gegeben. Die meisten spannenden Geschichten entwickelten sich früher doch eben genau deshalb, weil Eltern keine Ahnung hatten, wo sich die Kinder aufhielten.

Wäre mir mein Anliegen wirklich ernst, hätte ich heute eine immer länger werdende Liste an Hilfsmitteln, um mein Kind zu „tracken“. Handybesitzer sind sich schon lange im Klaren, dass man sie per Ortungs-Software finden kann, wenn man will. Doch auch Kinder, die eben noch kein Mobiltelefon besitzen, sind auf ihrem Schulweg vor elterlicher Aufsicht heute nicht mehr sicher.

Ion Kids Child Tracking System ist ein armbanduhrähnlicher Sender mit sicherem Verschluss, den das Kind nicht unbemerkt öffnen kann. Sollte der Bengel es doch wagen, meldet ein Sensor, dass kein Hautkontakt mehr besteht. Was das Kind selber dazu meint, wenn es wie ein Verbrecher eine Handfessel erhält, wird nirgends erwähnt. Das überlässt der Hersteller den ängstlichen Eltern.

Damit das Kind gar nicht erst erfährt, dass es überwacht wird, gibt es den Kidfinder vom Frauenhofer-Institut: Diese kleine Karte legt man in eine gängige Spielkonsole ein und schon wird das Kind über GSM oder GPS überwacht. Die Eltern erhalten bei Anfrage ein SMS und wissen so immer genau, wo sich der Nachwuchs aufhält. Auch hier werden den Eltern keine Tipps gegeben, wie sie sich zu verhalten haben, sollten die Kinder vom Schulweg abgekommen sein.

Pädagogen sind sich indes einig: Dem Kind wird es massiv an Selbstvertrauen fehlen, wenn es ständig von den Eltern überwacht wird und sie ihm zu verstehen geben, dass sie ihm nicht genug vertrauen. Doch leider scheint die Angst der Eltern in der Prioritätensetzung die Überhand zu nehmen.

Auch die Kosten scheinen Eltern nicht abzuschrecken. Die Angst um den Nachwuchs ist nämlich viel Wert, die Kinder-Finder kosten ein Vermögen! Diese Art von Marketing schlägt bekanntlich immer wieder in dieselbe Kerbe: Bisphenol-freie Flaschen, Atemüberwachungsgeräte oder Kinderleinen wie bei Hunden). Das Spiel mit der elterlichen Angst funktioniert und setzt weltweit Millionen um.

So auch bei mir. Wie sehr hätte ich mir an jenem Abend gewünscht, ein solches Kid-Finder-Tracker-Du-Kommst-Sofort-Nach-Hause-Sonst-Erfährst-Du-Was-Ein-Elektroschock-Ist-Armband zu besitzen. Ich hätte auch nicht gezögert, unser Erspartes dafür hinzublättern. Glücklicherweise konnten wir das Problem anders lösen: Meine liebe, hilfsbereite Nachbarin, die ihren Sohn im Kindergartenalter sowieso an die Lesenacht begleitete, hat mir nach zehn Minuten Bescheid gegeben, dass mein zerstreuter Sohn sicher in der Schule angekommen sei. Erleichtert atmete ich auf und war froh, ihm keine Fussfessel angezogen zu haben. Er hatte vor lauter Aufregung einfach vergessen, bei seinem Freund zu klingeln und lief schnurstracks in die Schule. Das Beste daran? Er war total stolz auf sich, dass er im Dunkeln keine Angst gehabt hatte!

Was meinen Sie? Soll man Kinder ständig überwachen können, um ihrer Sicherheit willen? Oder schadet es ihrer Entwicklung?

Donnerstag, 25. November 2010

Rechtzeitig zum Weihnachtsshopping


Zugegeben, ich shoppe gerne, vor Weihnachten sowieso. Doch bin ich deshalb zu blöd, meine Finanzen im Griff zu behalten? Wenn man die vielen Ratgeber zu diesem Thema sieht, offensichtlich schon. Und zwar bloss, weil ich eine Frau bin.

Von Ralph Pöhner für clack.ch

Von Menschen und Mäusen.

Dienstag, 23. November 2010

Die guten alten Väter

Neue Väter, wo man hinschaut! Und was ist mit den alten?

So, jetzt muss ich es mal loswerden. Ich kann es nicht mehr hören! Überall laute – oft weibliche – Stimmen, welche die sogenannten „neuen“ Väter rühmen, Loblieder singen und den Teilzeit-Familienalltag seitens der Männer als einzig wahre Lebensweise hochstilisieren. Wochentagväter, Stay-Home-Daddys, Vollzeitpapas und wie sie sonst noch genannt werden sind die neuen Frauenhelden. Michael Mittermeier schrieb sogar ein Buch über sein Leben als „Windelman“.

Wie immer bin ich der Meinung, wenn es für die Familie das richtige Modell ist, bitteschön. Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Was mich dabei stört ist die unterschwellige sehr hoch gesetzte Latte, die den „alten“ Vätern das Gefühl gibt, familientechnische Versager zu sein.

Uns Frauen geht es schon lange so. Sobald wir uns die Frage stellen, was eine gute Mutter eigentlich ist, wird uns bewusst, dass man es niemandem Recht machen kann. Und nun sind offenbar die Männer dran. Wer in den Achtzigern noch als Softie beschimpft wurde, weil er die Wäsche wusch und die Kinder zum Arzt begleitete, ist heute erst ein guter Vater.

Der Umkehrschluss ist demnach, dass ein Vollzeit arbeitender Vater, der gar Überstunden schiebt, ein schlechter Vater ist. Er verbringt ja viel weniger Zeit mit seinem Nachwuchs als er das eigentlich sollte.

Nun will ich natürlich nicht leugnen, dass es da draussen leider viele Väter gibt, die sich viel zu wenig einbringen und für die ihre Kinder lediglich eine Wochenendbeschäftigung darstellen. Aber es gibt eben auch die anderen und Sie ahnen es schon, einer von denen ist der Vater meiner Kinder.

Unser „Wochenendpapi“ ist eben kein Schoggipapi, der die Kinder in seiner Freizeit links liegen lässt oder noch schlimmer, verwöhnt. Er ist auch keiner, der die gesamte Erziehung der Mutter überlässt. Und schon gar nicht ist er einer, der zuhause nichts tut, bloss weil er mehr Lohn nach hause bringt.

Unser „alter“ Vater ist deshalb ein guter Vater, weil er

- mitdenkt, wenn es um die Organisation von familiären Angelegenheiten geht
- den Stundenplan seiner Kinder genauso gut kennt wie Mami
- schaut, dass er die Zeit, die er mit ihnen hat, auch nutzt
- jedoch immer durchgreift, wenn es nötig ist
- mit ihnen Sachen unternimmt, für die Mami weder Zeit noch Lust hat
- sich bei seiner Frau nicht selten für ihren Einsatz bedankt
- einfach die besseren Geschenke für seine Kinder aussucht
- sich sorgt
- nicht nur im Notfall hilfsbereit zur Stelle ist und wichtige Sitzungen absagt
- nicht (nur) aus Freude 100% arbeitet, sondern weil er gerne für seine Familie sorgt, eben auch finanziell
- uns täglich zu verstehen gibt, dass wir das Beste sind, was ihm passiert ist
- er der beste Vater ist, den sich Kinder wünschen können (als Ehemann ist er übrigens auch nicht schlecht).

Zu Weihnachten wünsche ich mir deshalb, dass die Gesellschaft nun nicht auch noch die Väter mit Selbstzweifeln überhäuft. Liebe Väter, wenn Sie es wirklich wollen – und Ihre Frauen Sie lassen – sind Sie mit Sicherheit gute Väter, egal, ob quantitativ oder qualitativ präsent.

Was mein ihr? Darf man heute als Vater überhaupt noch 100% arbeiten? Oder ist nur der neue Vater ein guter Vater? 


Und wie's der Zufall manchmal will: Die Wünsche der Väter im neuen wir eltern.

Wise Christmas

Für die, die es sich leisten können (nicht nur finanziell, auch familien-weihnachtsstress-technisch) vor, über oder nach Weihnachten zu verschwinden. Am besten ohne Kinder.

Ein Hotel für jeden Typ
 
Sterne allein sagen bei Hotels wenig aus, entscheidend ist der Stil. Es gilt: Sag mir, in welches Hotel du gehst, und ich sag dir, wie du bist.

Ganzer Artikel auf clack.ch

Dienstag, 16. November 2010

Die Memmen-Mutti

Multitasking war einmal. Zumindest bei mir.

Immer wieder lesen wir über XXL-Familien, Mütter mit 14 Kindern und Clans, die seit Generationen den nationalen Durchschnitt des Nachwuchses in die Höhe drücken. Erzählungen von Eltern, die den Alltag mit Bravour meistern und ihre Kinder gezwungenermassen zur Selbständigkeit erziehen, irritieren mich zuweilen. Einerseits bewundere ich diese Mütter, für die ihre Kinder nur Segen sind und Schnäppchen jagen ein spannendes Hobby darstellt. Andererseits bodigt mich die Erkenntnis, wie unfähig ich im Gegensatz zu ihnen bin. Mal ehrlich, meine zwei Kinder, ihre Erziehung, mein Beruf und mein Haushalt fordern mich management-technisch manchmal derart heraus, dass ich mich frage, wie ich es bewerkstelligen würde, wenn ich mit einem Dutzend mehr davon „gesegnet“ wäre. So ganz ohne Aufputschmittel und Supernanny.

Gerade die letzten Wochen waren besonders anstrengend: An Folter grenzenden Schlafmangel, Vater und Sohn mit Grippe im Bett, eine kleine Pestbeule mit enormem Entdeckungsdrang (unsere WC-Bürste hat es schon bis in den Garten geschafft), die Einführung in die Krippe und ein paar neue Aufträge. Das haut die beste Projektmanagerin um. Hoffe ich.

Die Überforderung kam zu einem Päckchen gebündelt eines Abends, als der Vater krankheitsbedingt einen Zwölf-Stunden-Marathon bewältigt: Ich stecke die Kinder in die Badewanne, in der Annahme, dass der sonst sehr hilfreiche Daddy bald – möglichst frisch – aufwachen wird und sich zu ihnen gesellt, während ich koche. Tut er aber nicht. Aufwachen, meine ich. Trotzdem habe ich schon angefangen zu kochen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn eigentlich bin ich ja froh, dass die Kinder im Bad stecken, so stört mich keiner in der Küche (Ich muss gestehen, ich koche nicht gerne und schon gar nicht gut. Deshalb macht mich Ablenkung nervös.). Um jedoch die totale Aufweichung meines Nachwuchses zu vermeiden und der Papa immer noch keine Anstalten macht, aufzustehen, bleibt mir nach 20 Minuten doch nichts anderes übrig, als sie völlig verschrumpelt aus dem Wasser zu holen. Und unser Abendessen der Gefahr auszusetzen, anzubrennen. Doch dann geht der Stress erst richtig los. Die Kleine krabbelt mir mit Vorliebe zwischen den Füssen herum, wenn ich in der Küche stehe. Den Grossen hat das Bad zu neuem Leben erweckt, er quasselt mich voll über Beethoven und dass er taub war und trotzdem so tolle Musik schreiben konnte (er steht auf "Freude schöner Götterfunken". Bei ihm ist die Tochter jedoch aus „Aluminium“). Völlig entnervt knalle ich ein nicht gerade ansehnliches Abendessen auf den Tisch, zudem sich der gnädige Herr hungrig hinzusetzt. Mein Knurren ist unüberhörbar.

Fazit: Meine Multitasking-Fähigkeiten schwinden zusehends. Sah ich mich früher als eine Art Supergirl im typisch weiblichen "Ich-kann-reden-zuhören-schreiben-waschen-bügeln-sexy-sein-und-das-alles-gleichzeitig", so fällt es mir heute schon schwer, die Wäsche zusammenzulegen und nebenbei meinem Mann zuzuhören, wie er von seinem Tag berichtet.

Immer wurde uns Frauen nachgesagt, wir seien die Multitasker, Männer könnten keine zwei Sachen gleichzeitig erledigen. Für Forscher stimmt das so nicht. Multitasking kann keiner gut - weder Mann noch Frau. Es schadet der Produktivität. Doch natürlich haben die ganz Schlauen auch hierfür Tipps. Am besten gefällt mir Tipp Nummer 1: Schlafen. ICH würde ja, aber meine Tochter eben nicht!

Wahrscheinlich ist die beschriebene Situation, die ja nur etwa eine Stunde dauerte für die meisten von Ihnen Pipifax. Ich war danach erschöpft. Und das ist eigentlich das Schlimmste daran: Bin ich eine Memmen-Mami? Eine Susi-Mutti? Ein Weichei also?



Dieser Post ist ebenfalls auf dem wir eltern Blog zu lesen.

Freitag, 12. November 2010

Mutter Natur letztes Wort

Wie viele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Und was, wenn Mutter Natur anderer Meinung ist als ich?

Letzte Woche wachte ich sehr früh morgens auf, weil mir unglaublich schlecht war. Ich hatte nichts Spezielles gegessen, noch war mir ein Virus bekannt, der zur Zeit die halbe Bevölkerung zur Schüssel treibt. Und da schoss mir völlig unerwartet die Möglichkeit durch den Kopf, ich könnte schwanger sein. An einschlafen war dann nicht mehr zu denken.

Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Kindern. Für mich als Einzelkind war es immer klar, nicht bei nur einem aufzuhören, mehr als zwei wollte ich mir aber auch nie antun. Zur Zeit sind die Töchter unserer Freunde bei uns zu Besuch, alles wunderbar, wir haben Spass, aber es ist auch schön, sie in ein paar Tagen wieder abgeben zu können.

Doch was, wenn uns Mutter Natur trotz sicherer Verhütung (so sicher sie halt zu haben ist) ein Schnäppchen schlägt? Wie würde ich, wie mein Mann reagieren, wenn ich wirklich wieder schwanger wäre?

Denn als Frau ist es doch so, dass man sich insgeheim freut, wenn der Körper so gut "funktioniert". Schwangerschaftstests als junge Frau machten einen zwar nervös, hinter der Erleichterung darüber, nicht mit 20 Mutter zu werden, steckte bei mir jedoch immer auch etwas Enttäuschung, dass mein Körper "versagt" hatte.

Ich war nie gegen Abtreibung. Selber hätte ich eine Abtreibung zwar nur in Betracht gezogen, wenn die Umstände untragbar gewesen wären. Meine Familie hätte mich auch als junges Mädchen unterstützt und ich war optimistisch (oder naiv) genug, um ein Leben unter erschwerten Bedingungen in Angriff nehmen zu wollen.

Nun kenne ich Frauen, die einen Schwangerschaftsunterbruch in Kauf nahmen und heute noch unter den Spätfolgen, ob physischer oder psychischer Natur, leiden. Die Gründe für den Schwangerschaftsabbruch waren vielfältig und bei allen nachvollziehbar: Zu jung, nicht verheiratet (vor zwei Generationen war das ein schwerwiegendes Kriterium) oder einfach weil der Bettgefährte als Vater nicht sehr viel versprach, hatte er sich doch bereits „am Morgen danach“ vor Sonnenaufgang aus dem Staub gemacht. Ich bin seither auf jeden Fall der Ansicht, dass jede Frau selbst entscheiden darf, ganz nach dem Feministen-Leitsatz „Mein Bauch gehört mir!“.

So haben wir uns entschieden (in unserem Fall gehört mein Bauch eben uns und nicht nur mir), uns mit zwei Kindern zu begnügen. Davon zeugt auch unser frisch gekauftes Haus, das genau zwei Kinderzimmer hat. Das Büro/Gästezimmer, welches massgeblich zum Kauf des Hauses beitrug, wollen wir eben auch in den nächsten Jahren als solches nutzen, bevor wir zu altersschwach sind, die Treppe zu meistern. Ich weiss selber, wie oberflächlich das klingt, aber ein weiteres Kind hätte bei uns sprichwörtlich keinen Platz.

Dennoch... Eine Abtreibung, wenn man bereits zwei Kinder in die Welt gesetzt hat? Zwei wunderbare Kinder, die einen täglich zum Schmunzeln bringen, zu Tränen rühren und ja, auch, zum Wahnsinn treiben? Kinder, die einem beigebracht haben, das Leben ganz anders zu sehen und die einen jede Sorge für fünf Minuten vergessen lassen, weil sie einfach das wunderbarste Lachen haben? Die einen ziemlich anderen Menschen aus mir gemacht haben, in dem Moment, indem ich ihnen zum ersten Mal in die Augen blicken durfte?

Könnte ich ein weiteres Kind einfach nicht austragen, weil es nicht mehr in unser Lebenskonzept passt? Ich bezweifle es. Und doch bin ich froh, dass mir seither nicht mehr schlecht war.

Mittwoch, 10. November 2010

Die Frage ohne Antwort

Eltern hoffen, sich diese Frage nie stellen zu müssen: "Wohin mit den Kindern, wenn uns etwas passiert?"

Diesen Sommer durften wir unsere Beziehung wieder einmal als richtiges Paar wahrnehmen. Nur er und ich. Ohne Kinder, ohne Beruf, ohne Alltag. Wunderbar! Fünf Tage, vier Nächte - wie früher.

Nur dass eben nichts mehr so ist wie früher. Denn früher waren wir zu zweit, heute sind wir zu viert, auch wenn wir als Paar unterwegs sind. Wie man es auch dreht, die Kinder sind immer dabei. Denn wenn sie Nachwuchs bekommen, werden Eltern einer Verletzlichkeit ausgesetzt, die sie nicht mehr loslässt.

Die kleinen Wesen wollen beschützt werden, sie sollen nur das Beste bekommen. Und das Beste sind wir - die Eltern. Wir sorgen für ein Dach über dem Kopf, den vollen Teller, Ausbildung und vor allem geben wir diesen Kindern diese unbeschreibbare Liebe, von deren Existenz wir vorher gar nichts wussten. Was also, wenn uns Eltern auf dem Weg in unser egoistisches, romantisches Wochenende etwas passiert?

Diese Frage, die ich mir unter normalen Umständen nicht stelle, kriecht eines Nachts langsam und fies in mein Bewusstsein. Und wird sogleich in die Abgründe meines Gewissens verdrängt. Doch sie bleibt hartnäckig und kommt immer wieder an die Oberfläche, um mich daran zu erinnern, welche Verantwortung Kinder mit sich bringen.

Was doch alles passieren könnte: Das Flugzeug stürzt ab, wir landen mit dem Mietauto am Fusse eines bretonischen Felsen, die Austern sind vergiftet, wir werden überfallen und getötet. Der Fantasie sind in solchen Momenten keine Grenzen gesetzt.

Was, also, wenn wir nicht mehr wären? Ich will jetzt nicht die pathetische Diskussion führen, wie unsere Kinder den Verlust beider Eltern verarbeiten würden, sonst kommen mir die Tränen und ich sehe nicht mehr, was ich schreibe. Bleiben wir also sachlich: Wen würde ich auswählen, um meine Kinder in Zukunft zu betreuen, zu erziehen, kurz – zu lieben? Bei wem würden meine Kinder wohnen?

Die Grosseltern sind zu alt, Gotten und Göttis haben selbst fast alle Kinder und schlichtweg keinen Platz, um deren Anzahl zu verdoppeln. Ausserdem müsste man sie aus ihrem gewohnten Umfeld reissen, was der Trauerphase nicht gerade förderlich wäre.

Vielleicht haben Sie mich durchschaut. Ich suche nach Ausreden, um die eigentliche Frage nicht stellen zu müssen: Wer würde die Kinder genauso lieben wie wir? Und wen würden Sie genauso lieben wie uns? Kann man diese Frage beantworten? Kann sich eine Mutter, ein Vater überhaupt vorstellen, dass ihre/seine Kinder einmal die Kinder von jemand anderem werden? Dass sie Sonntagmorgens in ein anderes Ehebett steigen, um mit anderen Eltern zu schmusen? Jeden Abend einem anderen Vater mit „Papiiii!“ entgegenrennen? Und einer anderen Mutter ihren Kummer erzählen?

Vor ein paar Jahren, schickten wir ein Freundespaar in Urlaub und übernahmen ihre damals vierjährige Tochter und den dreijährigen Sohn für eine Woche. Dieses damals ebenfalls junge Paar scheute sich, im Gegensatz zu mir nicht, diskutierte die Frage zu Ende und beantwortete sie in einem Testament.

Das Internet steht natürlich auch hierfür mit Rat und Tat zur Seite. Uns Eltern wird geraten, ein formal korrektes Testament aufzusetzen, in welchem der Vormund festgelegt wird. Doch die Frage, wie ich einen geeigneten Vormund auswähle, beantwortet mir auch das World Wide Web nicht.

Bevor mein Mann und ich diesen Sommer wegfuhren, hätten wir vernünftigerweise ebenfalls ein Testament schreiben sollen. Doch wir konnten die Diskussion einfach nicht führen, da wir, beim Gedanken an unsere Kinder die fortan ohne Mami und Papi leben müssten, einen Kloss im Hals bekamen und nicht weiterreden konnten. Also liessen wir es darauf ankommen und hatten Glück, keine Un- oder Überfälle, keine vergifteten Schalentiere, alles ging gut. Gesund und munter durften wir sie fünf Tage später glücklich in die Arme schliessen. Bis auf ein nächstes Mal...

Was meinen Sie? Wie entscheidet ein Elternpaar, welche Personen gut genug für ihre Kinder sind? Gibt es überhaupt andere Menschen, die uns Eltern ersetzen können? Welchen Kriterien müssen sie gerecht werden? Könnten Sie diese Frage beantworten? 

Einen juristisch interessanten Kommentar findet ihr auf dem Blog von wir eltern.

Mittwoch, 3. November 2010

Pimp my kid

Es ist nie zu früh, das Projekt "Kind" zu fördern...
Wieviel Förderung überfordert?

Huch! Denke ich und schaue dabei meiner zweijährigen Tochter zu, wie sie sich immer wieder im Kreis dreht und ziemlich betrunken in die Gegend schaut, wenn sie stehen bleibt. Und noch mal. Sie geniesst es, dieses Gefühl, keine Kontrolle über sich zu haben. Mmmh... Klingt ja nicht gerade nach fördernder Aktivität, die mein Kind darauf vorbereitet, mit unserer sich ständig verändernden Welt schritthalten zu können.

Weil es wahrscheinlich nicht nur mir so geht, wirbt das Programm von FasTracKids mit eben solchen Fragen. Das gemäss Homepage in über 50 Ländern vertretene Franchise-Lernprogramm (die Schweiz ist noch nicht dabei), arbeitet mit der Angst der Eltern, das wichtigste Zeitfenster der Gehirnentwicklung Ihres Kindes ungenutzt verstreichen zu lassen. In Zeiten von PISA, HARMOS und Frühenglisch ein Leichtes. Niemand will, dass sein Kind in der Schule das Schlusslicht bildet. Also tun wir Eltern einiges dafür, dieser Falle auszuweichen.

Und tappen so in die nächste: FasTracKids (Überholspurkinder) ist ein Lernprogramm, dass „ein Leben lang für Vorsprung sorgen wird“, so das Versprechen der Veranstalter. Dabei legen sie „unabhängige Forschungsergebnisse“ vor, die besagen, dass kleine Kinder eine besondere Art der Synapsenvernetzung besitzen, die es unbedingt zu nutzen gilt, bevor es zu spät ist!

Tatsache ist, dass wir alle nicht davor gefeit sind, uns zu fragen, ob wir genug für unsere Kinder tun. Ernähren wir sie gesund? Verwöhnen wir sie zu sehr? Lieben wir sie genug? Mit diesen Ängsten zu spielen, scheint ein neues Business zu sein.

Viele Eltern sehen ihre Aufgabe heute darin, ihre Kinder auf schulischen – und später beruflichen – Erfolg zu trimmen. Obwohl es wissenschaftlich umstritten ist, inwiefern die Erziehung Einfluss auf unseren Erfolg in der Ausbildung haben. Langzeitstudien mit Adoptivkindern haben gezeigt, dass Vererbung eine viel grössere Rolle spielt als solche Lernprogramme.

Heisst das, egal was wir tun, unseren Kindern ist der schulische Erfolg durch ihre DNA vorbestimmt? Erfolgreiche Eltern = erfolgreiche Kinder? Nicht ganz. Da sind sich Lernforscher – zumindest die seriösen – offenbar einig: Kinder lernen in den ersten Jahren tatsächlich sehr viel, aber lediglich nach dem Prinzip „Learning by doing“. Feuer ist heiss, Schnee ist kalt. Anfassen, fühlen, erleben.

Das „Zickzackverfahren“, das unter anderem bei FasTracKids angewendet wird, gleicht hingegen einer totalen Reizüberflutung. Mit der Erklärung, die Aufmerksamkeitsspanne eines Vorschulkindes reiche nicht über zweieinhalb Minuten, soll die Konzentrationsfähigkeit durch wechselnde Impulse erhöht und somit eine „hervorragende Basis“ für die schulische Bildung geschaffen werden. Was diese Methode mit dem zitierten Slogan „Spass am Lernen“ zu tun hat, ist nicht nur mir, sondern auch Neurobiologen schleierhaft.

Wenn man durch die Homepage klickt, stösst man auf Slogans wie „We live in exponential times“, „“Love of learning“, „Preparing children for the future“, die offensichtlich unsichere Eltern werberisch anspornen sollen. Und kommt nicht umhin zu denken, dass es bei der ganzen Übung wohl darum geht, ehrgeizige und vielleicht auch gelangweilte Mütter und Väter glücklich zu machen. Schliesslich hat man viel in das „Projekt Kind“ gesteckt. Mami hat den Beruf aufgegeben, Papi den Sportwagen. Das soll sich nun bitte auch lohnen.

Wieviel Förderung halten Sie für richtig? Und braucht es dafür Kurse? Reicht es heute nicht mehr, mit seinem Kind zu spielen und spazieren zu gehen, um es auf die Zukunft vorzubereiten? 

Post und Kommentare auf dem Blog von wir eltern.

Freitag, 15. Oktober 2010

Naiver geht nicht!

Heute schon ein Buch gechrieben?
Wie es ist ein Buch zu schreiben, wenn man zwei Kinder, einen Job und ein Haus mit Garten hat? Na, wie wohl?

Man könnte nun erwidern, dass es gar kein Buch gäbe, wenn ich nicht eben dieses Leben führen würde. Trotzdem habe ich manchmal Schweissausbrüche beim Gedanken, dass im nächsten Mai ca. 200 gedruckte Seiten in den Läden aufliegen werden, unter die ich meinen Namen gesetzt habe. Zur Zeit scheint dieses Projekt nämlich noch etwas chaotisch.

Als ich meinem Sohn eines Abends berichtete, ich würde ein Buch schreiben, fragt der mich doch "Und? Häsch dänn hüt scho eis gschribä?". Ja klar, und morgen schreib' ich gleich noch eins! Und als er anfing zu schreiben und ich ihm erklärte, dass ich diese Fähigkeit zu meinem Beruf gemacht habe, meinte er - ganz Businessman: "Kann ich denn jetzt auch mit Schreiben Geld verdienen?"

Ich muss gestehen, in etwa die gleiche Naivität hatte ich, als ich meinem Verlag Walde Graf eine Zusage zum Projekt "Rabenmutter- Das Buch" gemacht habe. Wie naiv kann eine Frau sein, die so etwas in Angriff nimmt, gerade erst zwei Jobs angenommen (bei dem einen ist sogar der eigene Mann ihr Chef), zwei noch relativ kleine Kinder (die nur zwei Tage die Woche fremd betreut werden) und ein neues Haus hat, das zweimal so gross wie ihre alte Wohnung ist, geputzt werden will und auch noch einen Garten hat, der schon bald aussieht wie Robinson Crusoe's Frisur? Sehr naiv, sag' ich ja!

Doch es gibt kein zurück! Das Buch wurde letzte Woche an der Buchmesse in Frankfurt den Vertretern präsentiert, die fanden's toll, also muss ich jetzt auch wirklich schreiben... Bin ich froh, nicht alleine auf diesem Dampfer zu sein: Kati Rickenbach illustriert sozusagen mein Leben und sie macht das toll! Aber nun geht es eine Woche in das schöne - wenn auch streikende - Paris, wo ich hoffentlich viel Zeit und Musse zum Schreiben finden werde. Denn Spass macht es mir jeden Tag auf's Neue!

Und da tönt er schon wieder, mein täglicher Soundtrack: "Mamma!" Ich muss los!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Mütter und andere Polizisten

Die Mütterpolizei macht vor nichts halt. Schon gar nicht vor gesunder Ernährung.

Der Post im Blog von wir eltern von Ralf Martin letzten Donnerstag hat einen Kommentar provoziert, der mich ehrlich gesagt, etwas genervt hat. Ralf fragt sich, wieso Mütter sich so unter Druck setzen lassen und der Kommentar lieferte ihm sozusagen die Antwort. Im Post beschrieb der Autor die Situation, wie er auf dem Spielplatz die ungesunde Ernährung eines bereits etwas dicklichen Mädchens beobachtete. Worauf die Kommentatorin sich fragte, wieso er nur beobachte und nicht einschreite? Der fehlbaren Mutter zu verstehen gäbe, dass sie ihrer Tochter mit Chips und Süssgetränken schade, anstatt wegzuschauen? Solche Damen wurden von Ayelet Waldman in ihrem vielbeachteten Buch «Böse Mütter» als «Mütterpolizei» bezeichnet. Frauen, die sich um Angelegenheiten kümmerten, die sie nichts angingen. Das Ganze meist unter dem Mantel der «Gesundheit für's Kind».

Wir Mütter werden täglich mit diesem unsäglichen Thema «Gesundheit» konfrontiert. Unsäglich, weil wir es doch ehrlich gesagt alle nicht mehr hören können. Wir wissen – nicht zuletzt, weil uns die Medien und die Schule dauernd daran erinnern – dass zuviel Zucker, Fett und Salz ungesund sind. Unsere Kinder nehmen Broschüren nach Hause, die den einzigen wahren Z’Nüni beschreiben und das Fernsehen kämpft mittels diverser Gesundheitssendungen gegen das jugendliche Übergewicht, das in der westlichen Welt grassiert. Studien gibt es zu diesem Thema so viele wie Sand am Meer, Interpretationen davon gar noch mehr.

So kamen beispielsweise Wissenschaftler des Institutes of Child Health zum Schluss, Kinder berufstätiger Frauen seien ungesünder als die von Hausfrauen. Sie seien weniger aktiv und würden ungesundes Essen zu sich nehmen, weil ihre Mütter weniger Zeit hätten, sie zum Fussballtraining zu fahren oder bio für sie zu kochen.

Keine Studie, aber eine abstruse Theorie zum Thema liefert auch Rose Prince in der englischen Daily Mail: Schuld an der ungesunden Ernährungs-Misere seien die Feministinnen, die Kochen als Arbeit unter Leibeigenschaft degradiert hätten, weshalb diese Tätigkeit zu unterlassen sei. Also servieren diese Feministinnen der Familie Convenience-Food, der bekanntlich ungesund ist und fett macht. (Wieso in dem Fall nicht alle Feministinnen übergewichtig sind, erklärt sie jedoch nicht.) Weiter erklärt sie, Kochen zu können sei ein Muss für jeden unabhängigen Menschen, der ein selbstbestimmtes Leben führen wolle. Sie übersieht in ihrer Argumentation grosszügig, dass sie das Kochen auch 2010 noch als Frauen-Attribut sieht, schliesslich ist sie davon überzeugt, dass Frauen den grösseren Ernährer-Instinkt als Männer hätten. Und sie schliesst mit den Worten: «Seien sie erfinderisch – dann ist Kochen keine lästige Pflicht.»

Was schliessen wir aus diesen Beispielen? Eine Mami, die kocht, ist eine richtige Mami. Wenn sie sogar gerne kocht, ist sie eine richtig gute Mami. Vielleicht ahnen Sie es schon. Ich koche nicht. Und schon gar nicht gerne. Ja, bei uns zu hause gibt es mittags öfter Convenience-Food. Nicht zuletzt, weil meine Kinder Fisch am liebsten in Stäbchen und Hackfleisch gerne im Brot essen. Ernährungs-Instinkt? Klar habe ich den, aber die Nahrung darf gerne auch einmal von Findus kommen! Von wegen Frauen hätten mehr von diesem Instinkt! Wenn bei uns fein gegessen wird, sei es in der Familie oder mit Gästen, hat mit Bestimmtheit mein Mann gekocht.

Kochen ist für mich stressig und nervig, ich habe es nie richtig gelernt und das Scheitern in der Küche bringt mich auf die Palme. Verkohlter Risotto, angebrannte Rüebli und fade Saucen gehören bei mir zur Tagesordnung. Also greife ich gerne zwischendurch – o.k. vielleicht die Hälfte der Zeit – auf Fertig-Schinkengipfeli, Ofen-Pommes oder Spinat aus der Tiefkühltruhe zurück. Meine Kinder sind trotzdem weder kränklich noch übergewichtig.

Natürlich ist auch mir klar, dass wir uns nicht nur von Junkfood ernähren können und dass das frische Rüebli allemal besser ist als der Schokoriegel. Mir geht es um den gesellschaftlichen Druck, der auf uns Müttern – und eben nur auf uns Müttern – lastet. Wildfremde Menschen haben heute das Recht, die Ernährung meiner Kinder anzuzweifeln. Nebst der Still- und Krippendebatte also auch die Ernährungspolizei!

Doch meine Haltung eckt überall an. Die meisten anderen Mütter wetteifern um die neuste Biokost, die sie ihren Kindern vorsetzen und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter, wenn sie wieder mal zwei Stunden in der Küche gestanden haben, um dem Jüngsten den Kichererbsenbrei zu zaubern, den dieser danach unter den Tisch pappt. Denn Kinder sind so: undankbar. All die Mühe, die sich Mütter machen, um ihre Kinder gesund und möglich selbstgemacht zu ernähren, endet doch meist damit, dass sich der Nachwuchs zum Geburtstag eine McDonalds-Party wünscht. Da nützen auch keine Ernährungs- und Kochgurus wie Jamie Oilver, so sehr er in den letzten Jahren für urbane Birkenstockträger zum Gott mit Olivenölflasche und Knoblauchpresse mutiert ist. Bei den Kids in England ist er mit seinem Versuch, ihnen gesunde Ernährung näherzubringen, kläglich gescheitert.

Doch genau die Mütter sind es eben auch, die mir auf dem Spielplatz – auf dem ich sowieso schon selten zu finden bin – böse Blicke zuwerfen, wenn meine Kinder keine geschnittenen Apfelstückchen, sondern mal ein Kägifret zum Zvieri bekommen. Mein Bedürfnis, sie darüber aufzuklären, dass sie das nicht jeden Tag kriegen, doch heute einfach nichts mehr in der Früchteschale zu finden war, weil ich arbeite und keine Zeit hatte einkaufen zu gehen, hat sich seit dem zweiten Kind in Nichts aufgelöst. Sollen sie doch denken, was sie wollen, den Stempel habe ich ja schon, egal wie sehr ich mich rechtfertige.

Und wie das immer bei «Experten-Meinungen», Studien und besserwisserischen Spielplatzmüttern ist: Man sucht sich am Schluss einfach das, was einem am meisten entspricht. Bei mir sind es die Thesen von Udo Pollmer, Autor und Leiter des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Er predigt lustvolles Essen und ist überzeugt, dass ein gewisser Körperbau angeboren ist, der auch mittels gesunder Ernährung nicht geändert werden kann. Alles, was man über gesunde Ernährung zu wissen glaubte, wird von seinen Thesen in der Luft zerrissen. Entsprechend unbeliebt ist Pollmer bei vielen Ärzten und Gesundheitsexperten. Umso beliebter bei Frau Sassine. Die Ernährungspolizei muss ohne mich ihre Runden ziehen.

Ist gesund kochen heute ein Muss oder darf man sich auch mal gehen lassen?

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Frau von, Mutter von...

Das Forbes Magazin hat die 100 mächtigsten Frauen der Welt gewählt. Die Kriterien sind fragwürdig.

Natürlich habe ich mich über Michelle Obamas Ernennung zur mächtigsten Frau 2010 gefreut. Schliesslich haben wir im am 4. November 2009 nicht nur für Barack gefiebert, sondern auch für seine tolle Frau und die scheinbar tolle Beziehung, welche die beiden führen. (Natürlich hofften wir auch, er sei ein guter Präsident, aber sind wir ehrlich, bei Präsidentschaftswahlen geht es um Charisma.)

Das Forbes Magazin hat also die First Lady auserkoren, den Titel „Most powerful Woman in the world“ ein Jahr lang zu tragen. Was macht sie denn so powerful? Doch hoffentlich nicht die Tatsache, dass sie mit Mr. President verheiratet ist? Schliesslich hat sie selber einen Harvardabschluss und einen Doktortitel in Jurisprudenz. Aber nein, das kann ja nicht sein, andere Frauen, die auf der Liste stehen haben auch keine berühmten Männer. Oprah ist nicht verheiratet und Ellen DeGeneres hat eine GattIN. Das kann also kein Kriterium sein.

Und doch leidet die Glaubwürdigkeit des sonst sehr seriösen Forbes-Magazin, wenn man die Begründung zu dieser Wahl liest: „Als Modeikone und athletische Mutter von zwei Kindern ist sie eine Jackie Kennedy mit Juraabschluss in Harvard und Erfahrung auf den Straßen von Chicagos South Side.“

Jacky Kennedy war die hübsche - wenn auch verzweifelte - Dame im Cabrio, als der damalige Präsident erschossen wurde, erinnern Sie sich? Michelle ist also deshalb gewählt worden, weil sie hübsch, Mutter UND clever ist? Gut, dass es 2010 nicht nur auf das Aussehen ankommt, könnte man denken.

Trotzdem bin ich verstört: Die Tatsache, dass Barack dieselben zwei Kinder hat, war bei der letztjährigen Forbes-Liste der Most Powerful People kein Thema. Dass Hillary Clinton mit zwei Kriegen und dem Israelisch-Palästinensichen Konflikt fertig werden, Amerikas Image verbessern, den Iran, Nordkorea und ihren Mann zähmen muss, schon!

Was lernen wir daraus? Dass du als Frau 2010 so powerful sein kannst, wie du willst, du wirst immer danach bewertet werden, ob du dich paaren und fortpflanzen kannst.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Weil ich eine Hausfrau bin

Hausfrau sein ist extrem uncool, ausser im Fernsehen. Wieso eigentlich?

Seit ein paar Jahren wird den Hausfrauen dieser Welt mit der Serie «Desperate Housewives» eine typisch amerikanische Idylle vorgegaukelt. Diese Frauen sind schön, wohlhabend und schlagfertig. Man könnte also meinen, Hausfrau zu sein, sei hip. Falsch! Mir fällt in letzter Zeit im Gegenteil auf, dass sich keine Frau gerne als Hausfrau bezeichnet. «Auszeit» und «Babypause» sind wohl eher Ausdrücke, die gebraucht werden, um zu sagen, dass man zu Hause das Mädchen für alles mimt.

Seien wir ehrlich, wir alle verbinden das Wort «Hausfrau» entweder mit Bree Vandecamp von den Desperate Housewives oder Peg Bundy, Al Bundys zickiger Frau mit der hohen Frisur. Ich gebe es zu, auch ich kann mich mit denen nicht identifizieren. Weder mit der adretten Rothaarigen, die immer genau weiss, welches Dressing zu welcher Vorspeise passt. Und erst recht nicht mit der durchgeknallten Mutter zweier Dumpfbacken, die raucht, während sie kocht und den ganzen Tag stupide Soaps schaut.

Ganzer Post im Blog von wir eltern.

Dienstag, 28. September 2010

Grosi kann auch anders

Nicht nur die Rolle der Mutter hat sich (etwas) verändert. Heutige Grossmütter haben Besseres zu tun als Enkel zu hüten.

Als ich zum ersten Mal schwanger war, behauptete meine Mutter, sie wolle auf keinen Fall «Nonna» genannt werden, das klinge ihr zu alt und erinnere sie an ihre eigene Nonna, die mit dem Dreitagebart und den Hexenwarzen. Da meine Mutter sehr kokett ist und darauf bedacht, ihr Äusseres nicht zu schnell altern zu lassen, nahm ich ihr das ab und beauftragte sie, einen neuen Begriff für ihre Enkel zu erfinden. Doch dann wurde sie pensioniert und ihr Lebensinhalt bestand aus einem kleinen Menschen: Meinem Sohn. Und ja, er sagt Nonna zu ihr, was ihr nach sechs Jahren immer noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Für dieses «Nonna» bekocht sie ihn, sie spielt mit ihm Fussball (!) und putzt ihm Zähne und Fudi, obwohl er das längst selber kann.

Sie ist nicht die einzige: Marian Robinson, die Grossmutter im weissen Haus, hat sich frühzeitig pensionieren lassen, um ihre Enkeltöchter zu hüten, während Mister President und seine First Lady ihren Pflichten nachgehen.

Ganzer Artikel hier.

Freitag, 17. September 2010

Plädoyer eines Scheidungskindes

Die Hälfte aller Ehen werden geschieden. Die betroffenen Kinder kommen selten zu Wort. Damit ist jetzt Schluss.

Sämtliche Medien berichten in regelmässigen Abständen über neue Statistiken in Sachen Scheidung, über die armen Väter, die ihre Kinder nicht besuchen dürfen und über die noch ärmeren Mütter, die keine Alimente erhalten. Das sind alles relevante, ernst zu nehmende Probleme und die hohe Scheidungsquote in der Schweiz ist eine Tatsache, die einer Mutter wie mir Angst und Bange werden lässt. Doch heute lassen wir diese Mutter einmal beiseite. Auch den Vater ignorieren wir, vielmehr geht es heute um die Kinder. Scheidungskinder.

Ganzer Artikel auf dem Blog von wir eltern.

Dienstag, 14. September 2010

Regeln des normalen Lebens


Vor kurzem war eine Freundin zu Besuch, die gerade erst Mutter wurde. Vor der Geburt hatte sie sich geschworen, dieselbe zu bleiben, was wir Mütter natürlich mit einem kleinen Schmunzeln zur Kenntnis nahmen. Keine von uns hätte geglaubt, Sätze wie «Häsch Pipi gmacht?» je zu sagen oder im Mc Donald's die Rohr-Rutsche runterzurutschen um den eigenen Nachwuchs zu retten, der stecken geblieben war. Ich gestand ihr, dass ich vor den Kindern genau dieselbe Arroganz wie sie besass, nämlich, dass sich mein Leben überhaupt nicht verändern würde. Und schon gar nicht gewisse Prinzipien, auf denen ich ritt, lange bevor ich Kinder überhaupt in Betracht zog. Meine mentale Liste sah in etwa so aus:

Regeln für das glimpfliche Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern


* Regel Nr. 1:
Auf keinen Fall zulassen, dass sie in unmöglichen Farbkombinationen
rumlaufen, bloss weil mir die Diskussionen bezüglich guten Stils
morgens um sieben zu anstrengend sind. Mein Kind zieht gefälligst an, was ich sage!

* Das wahre Leben:
Mein Sohn steht darauf, sein T-Shirt in die Hose zu stopfen und sich den Hosenbund möglichst über den Bauchnabel zu ziehen. Dazu Socken in den Sandalen. Na ja, vielleicht kann man seine Gene nicht leugnen und bei ihm melden sich eben die seines deutschen Grossvaters. Oder der keimende Wunsch, eines Tages «Polizischt» zu werden.



* Regel Nr. 2:
Nie, unter keinen Umständen, zu denken, geschweige denn zu sagen «mein Sohn nervt mich» oder «meine Tochter ist eine solche Zicke». Es sind doch nur Kinder, das gehört nun mal dazu!

* Das wahre Leben:

Ich habe schon so viel Schlimmeres gedacht, dass dies hier mit Sicherheit zensuriert werden würde.

Ganzer Artikel auf dem Blog von wir eltern.

Montag, 13. September 2010

Das Buch zum Blog


Die Rabenmutter geht off-line!
Es gibt Leute, die denken, ihre Gedanken müssten unbedingt für alle zu lesen sein. Solche Leute bloggen. Früher hätten sie ein Buch geschrieben. Die Rabenmutter tut beides.

Diesen Sommer wurde ich Verlag WaldeGraf angefragt, ob ich die Rabenmutter-Thematik nicht als Buch rausbringen möchte. !!!! Fragt doch eine Schreibwütige, ob sie eventuell ein Buch veröffentlichen möchte. "Nö, du, heute nicht!" Wohl kaum!

Ihr dürft also gespannt sein, nächsten Sommer (ja, so lange müsst ihr euch noch gedulden) erscheinen die gesammelten Werke. Wobei diese Bezeichnung falsch ist, da es sich um neue Texte handelt, die wie immer unseren Alltag behandeln: Fiese Mütter, noch fiesere Kinder, Schlaf- und Sexmanko und die tägliche Action und Langeweile. Kein Ratgeber, eher eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns.

Ich freue mich auch riesig, dieses Buch nicht ganz alleine zu schreiben: Kati Rickenbach, die schon für etliche Magazine und Zeitungen gearbeitet hat, illustriert mein Buch in ihrer unverkennbaren ironischen Art.

Das entstehen des Buches werde ich ebenfalls hier dokumentieren, denn in einem vierköpfigen Haushalt, in dem das eine Kind noch in die Windeln macht und das andere dauernd tausend Fragen hat, werde ich dieses Werk wohl nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln...

Dienstag, 7. September 2010

Alles Mütter oder was?

Nachwuchs da, Freundschaft weg?
Alle meine Freundinnen sind Mütter. Oder ist es andersrum? Sind Frauen ohne Nachwuchs einfach nicht mehr meine Freundinnen? Huhn oder Ei?

Wenn ich mich mit Freundinnen treffe, geht es uns in erster Linie darum, dem (Mutter)-Alltag zu entfliehen. Es wird erst beim Digestif über Kinder gesprochen – wenn überhaupt. Das ist eine unausgesprochene Regel zwischen uns. Als wären Kinder das Letzte, was uns verbindet. Dies trifft jedoch nur teilweise zu.

Die meisten meiner Freundinnen kenne ich schon aus der Zeit vor dem Mutterglück. Als wir noch ein Leben hatten, in dem Theater ohne Kasperlis, Kino ohne grünen Oger und Restaurants ohne Spielecken auskamen. Ergo zieht das Argument "Mütter verkehren nur mit Müttern" bei uns nicht.

Ganzer Artikel auf dem Blog von wir eltern.

Montag, 6. September 2010

Die Rabenmutter bloggt fremd

Ab sofort findet ihr mich auch auf dem Blog von wir eltern. Gesellschaftskritisch, sarkastisch, ironisch und vor allem ehrlich. Viel Spass!

Montag, 23. August 2010

Nein, wir wissen nicht, wie das ist, Bänz!

Meine verehrte, von mir viel zitierte Putzsusi Bänz Friedli hat mich heute auf die Palme gebracht: Nein Bänz, wir wissen nicht, wie du dich fühlst. Denn wir sind normal! Ein offener Brief.

Lieber Bänz

Du liest mit deinem bespuckten Finger Stäubchen und Brösmeli vom Boden auf. Und schämst dich bei Besuch, wenn es nicht picco bello sauber ist im Haus. Doch damit nicht genug, es kommt sogar noch schlimmer: Du kriechst auf dem Boden rum, um den Abfall deiner Kinder beim Fussballspiel aufzusammeln. Unsereins würde dazu doch einfach finden "Sälber ufläse, Saugoofe!"

Mein lieber Friedli, du machst mich fertig. Liegt es daran, dass du ein Mann bist, oder wieso musst du als Hausfrau immer so perfekt sein und uns Normalsterbliche aussehen lassen wie die letzten Messis?

Ich finde Hausarbeit extrem uninteressant, um es einmal milde auszudrücken. Mutter zu sein bringt viele Freuden mit sich und ich würde nie wieder ohne Kinder sein wollen. Doch was die Bezeichnung Mutter eben mit sich bringt, nennt sich auch Raumpflegerin, Reinemachfrau, Zugehfrau, Haushälterin und all die anderen fiesen Wörter, die uns allzusehr an Heidi in Frankfurt erinnern.

Aber ich weiss von anderen Hausmännern, dass es nicht so sein muss, Bänz. Die lassen ihre Socken an ihrem Papi-Tag trotzdem rumliegen und versuchen nicht, Mami beim Putzen zu übertrumpfen. Wenn sie den Müll rausbringen, ist der Haushalt für sie erledigt!

Was mich am meisten aufregt? Dass ich nicht einfach den Hut ziehen kann vor einem Mann, der denkt wie eine Frau (aus dem letzten Jahrhundert, zugegeben, aber immerhin). Wieso regt mich das auf? Bin ich neidisch? Finde ich dich unsexy mit deinem Fimmel?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich dich eigentlich ziemlich cool finde und diese Seite von dir so gar nicht auszuhalten ist. Bitte, bitte, sei wieder ein cooler Papi, Linker und Musikkritiker und erzähl mir nichts mehr von deinen Putzmittelparties! Sonst muss ich mich auch noch anmelden und mit anderen Super-Hausfrauen über iPad-vernichtende Mitteli fachsimpeln, um nicht mehr das Gefühl zu haben, als Hausfrau total versagt zu haben.

Danke und alles Gute

Deine Rabenmutter

Bänz Friedli jeden Montag im Migros Magazin, zum Lesen und Aufregen. Oder auch nicht.

Donnerstag, 19. August 2010

Teilzeit Mutter

Sind berufstätige Mütter immer noch Aliens?
Nach der Babypause wieder zu arbeiten erscheint heutzutage zwar logisch, ist aber für die meisten Frauen noch mit einem schlechten Gewissen verbunden. Warum eigentlich?



Baby. Pause. Zumindest für uns Frauen werden neun Monate Schwangerschaft durch eine mehr oder weniger lange Babypause „belohnt“. Anfangs ist das auch nützlich und wichtig. Die drei B’s müssen berücksichtigt werden: Bonding, Beckenbodentraining und Brustentleerung. Nach ein paar Monaten allerdings sieht frau oft ein, dass die sogenannte Belohnung eher einem vergifteten Geschenk gleicht. Aus den drei B’s wird nämlich zusehends ein ganzes Alphabet, das es abzuhaken gibt. Von A wie „Ach du Scheisse, wie krieg ich die Kilos wieder runter?“ bis Z „Wo Zum Teufel ist mein Still-BH?“ besteht unser Alltag aus lauter nervigen, stressigen, langweiligen Momenten, die uns den geliebten Beruf vermissen lassen.

Mir ging es auf jeden Fall so. Nun ist die Pause vorbei und ich stelle mit enormer Erleichterung fest: „Ich bin keine Hausfrau mehr!“ Denn Mutter bleibe ich ja, also hat sich meine Bezeichnung von „Hausfrau und Mutter“ auf Mutter gekürzt. (Wer sich jetzt darüber aufregt, dass ich solch altbackene Ausdrücke statt „Familienfrau“ gebrauche, dem sei gesagt, dass ich keine Frau kenne, die durchaus gerne für ihre Familie da ist, jedoch nicht liebend gerne den Hausfrauen-Part sausen lassen würde. Die Bezeichnung Familienfrau verschweigt blumig, dass wir eben auch Putzfrauen sind.) Leider macht sich der Haushalt jetzt nicht von selber, lediglich die Bezeichnung gefällt mir besser.

Ich bin also wieder eine berufstätige Mutter. Klingt gut. Klingt nach Doppelbelastung, aber im positiven Sinn. Positiv, da ich es mir aussuchen kann. Im Gegensatz zu den meisten, die arbeiten müssen, tue ich dies sozusagen zum Spass. Denn ich habe das Glück, einen Beruf zu haben, der mir Spass macht. „Und die Kinder etwa nicht?“ werden jetzt die einen oder anderen entgegnen. Doch natürlich. Spass ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich liebe sie. Über alles. Aber meine grauen Hirnzellen verlangen eben manchmal nach mehr als „Was git’s hüt?“ und „Dä Kevin isch sones A....!“.

Ob ich manchmal ein schlechtes Gewissen habe? Ich gebe zu, ich frage mich schon gelegentlich, ob mich meine kleine Tochter den ganzen Tag vermisst und ob mein Sohn am Mittagstisch auch mag, was er vorgesetzt bekommt. Aber das – egoistische? – Gefühl, endlich wieder arbeiten zu dürfen, mit Leuten über anderes als Schule und Schoppen zu reden, schlägt das schlechte Gewissen mit einem lauten „Attackeeee!“-Schrei in die Flucht.

Denn ich habe es satt, mir von der Gesellschaft immer mehr Vorschriften zum Muttersein machen zu lassen: Länger stillen, gesünder kochen und zu hause bleiben, damit die Kinder nicht traurig sind. Es ist ja nicht so, dass ich zweimal die Woche einen Wellnesstag einlege. Oder shoppen gehe. Auch wenn mir mein Job Spass macht, gratis würde auch ich nicht arbeiten gehen. Also tu ich dies doch genauso für die Familie, wie alles andere auch.

Ehrlich gesagt hätte ich diese Problem nicht, würde ich noch in der Stadt leben. In unserem Dorf ist es jedoch so, dass die meisten Mütter Vollzeitmütter sind (auch eine bescheuerte Bezeichnung, als wäre so etwas wie Teilzeitmutter überhaupt möglich). Und ich mich immer wieder rechtfertigen muss, wieso und wie oft ich arbeiten gehe. Worauf ich mich fühle wie Alf bei den Tanners: Von einem anderen Planeten.

Und schon wieder eine Mutter, die ihre Wahl rechtfertigt.... Sind wir am Ende selber schuld, dass wir nicht selbstbewusster auftreten?

Sonntag, 15. August 2010

You are not alone...

Das beste, ehrlichste, intelligenteste Buch, das ich seit langem gelesen habe: Ayelet Waldmanns "Böse Mütter". Denn sie gibt alles zu. Die Langeweile, die Verblödung, den Zickenterror, den Egoismus, aber auch die zahlreichen Glücksmomente als Mutter. Inspirierend!

Mit ihrer Aussage, sie liebe ihren Mann mehr als ihre Kinder, hat sie Amerika vor ein paar Jahren in einem Essay in der New York Times empört. Die Krimiautorin und ehemalige Strafverteidigerin hat es gewagt, das unaussprechliche zu sagen. Dass ihre Kinder ihren Mann nie ersetzt haben und deshalb keine Pole Position einnehmen. So! Und das reicht eben schon, um aus ihr eine böse Mutter zu machen. Schliesslich sind unsere Kinder ALLES und nichts, nicht einmal deren Vater hat das Recht, ihnen diese Platz streitig zu machen.

Sie erklärt wunderbar ehrlich und ohne Rücksicht auf die "Mütterpolizei" (denn die kritischsten Stimmen kommen leider aus den eigenen Rängen), wieso sie immer noch gerne Sex mit ihrem Mann hat (weil er im Haushalt genau so viel macht, wie sie) und wieso sie nach einer Woche Vollzeit-Mutter fast verrückt wurde.

Dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht in die Rubrik "Freche Frauen" gehört, deren Abteil in der Bücherei vor pinken Umschlägen, High-Heels und Cocktailgläsern schon von weitem zu sehen ist. Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Mutter, die es bereut hat, ihre erfolgreiche Karriere aufzugeben, um "für ihre Kinder da zu sein". Denn unsere Kinder brauchen keine anwesenden, aber unglücklichen Eltern. Sondern zufriedene Eltern, die ihr Leben selber definieren, auch wenn sie nicht jedes neue Wort oder kleine Bobo mitkriegen.

Fazit: Es soll eben jeder so, wie er will und kann. Die Mütterpolizei hat ausgedient.

Freitag, 13. August 2010

Kaninchen à l'americaine

Eine etwas zweifelhafte Studie behauptet, 50% der amerikanischen Frauen lieber Sex aufgeben würden, als ein paar Kilos zuzulegen. Wen wundert's?

Die Studie ist aus mehreren Gründen zweifelhaft: Erstens wurde sie vom Gewichtskontroll-Programm "Nutrisystem" aufgegeben. Ha! Wäre der Pharmakonzern Pfizer (Hersteller von Viagra) wohl auf dasselbe Resultat gekommen? Eben!

Zweitens erfährt man erst im Lauftext der Studie, dass es beim Verzicht auf Sex nur um die Zeitspanne des Sommers geht. Nun sagt sich die zweifache Mutter: "Einen Sommer lang keinen Sex, dafür darf ich essen was ich will, ohne zuzunehmen? Ein Klacks!"

Ausserdem ist es doch so: Je fetter, desto unsexier. Das Gefühl meine ich, nicht den Sex Appeal. Also ich fühle mich nach zehn abgespeckten Kilos erfahrungsgemäss attraktiver als wenn ich gerade eine Pizza mit Bier vertilgt habe.

Meine erste Reaktion auf die Studie war jedoch vor allem, dass es mich nicht wundern würde, wenn Amerikanerinnen den Sex gerne aufgeben würden. Und zwar wegen der männlichen Gattung, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bewohnt. Nicht, dass ich wahnsinnig viel Erfahrung mit US-Männern hätte. Ihr Ruf eilt ihnen jedoch voraus: Sie wollen viel Sex, am liebsten jeden Tag und möglichst kurz. Und da sag'ich mir einfach, wenn ich Kaninchen will, dann bitte mit Polenta und nicht im Bett!

Aber der Sommer ist ja bald vorbei und die Bikini-Figur tritt wieder in den Hintergrund. Dann darf die Libido wieder mitreden...

Dienstag, 10. August 2010

Auf ein Gläschen Me Time

Ein paar Strassen vom Strandhaus entfernt, das wir in Amerika zusammen mit Schwestern, Onkeln, Grosseltern, Cousinen, Schwägerinnen und Schwagern gemietet hatten, gab es eine kleine Apéro-Bar, in der man vorzügliche Margaritas geniessen konnte. Die Bar war stets voll und ganz nach meinem Geschmack. Bis auf den Namen: Sie hiess «Me Time».



Von Nicole Althaus für den Mamablog

Nicht, dass ich etwas gegen die Zeit auszusetzen hätte, die man sich für sich selber nimmt. Im Gegenteil. Die Vorzüge der Me-Time sind nicht zu überschätzen. Vorab für Eltern. Doch die Karriere des Wortes verhält sich leider umgekehrt proportional zur Me-Time, die Menschen sich heute auch tatsächlich noch gönnen. Vorab Eltern. Vorab in den USA.

Das Me-Time- Glaubensbekenntnis hat mich die letzten drei Wochen in Amerika auf Schritt und Tritt verfolgt. Die Werbewelt und vorab die Babyindustrie hat den Terminus vollkommen vereinnahmt und ihn bis zur Sinnlosigkeit entleert:

Ein Stück Me-Time für jeden Tag – verspricht die Werbung für ein Duschgel. Ein Glas Grüntee ist neuerdings nichts weniger als koffein- und kalorienfreie Me-Time. Das Zeitungsabo wird zur Me-Time, die sich jeder leisten sollte. Das richtige Babybett verspricht den Eltern geruhsamere Me-Time in der Nacht. Und nach der Snuggle Time mit Baby darf Mama ihren müden Beinen in einem Bad die wohlverdiente Me-Time angedeihen lassen. Fehlt eigentlich nur noch der ungestörte Gang auf die Toilette! Me-Time par excellence!

Seit wann, fragte ich mich, sind ganz normale Tätigkeiten wie Lesen, Duschen, Teetrinken oder Baden zur Freizeitaktivität geworden? Zu Auszeiten, die man sich bewusst gönnen muss, wenn die Kinder grad bei Oma sind oder bereits schlafen? Ist die tägliche Dusche oder das Lesen einer Tageszeitung wirklich so ungeheuer, dass wir dafür unsere Freizeit oder Me-Time dafür opfern müssen? Hat uns der Nachwuchs so sehr im Griff, dass eine Margarita den fast schon verwegenen Höhepunkt eines Erwachsenenurlaubs darstellt? Haben Eltern irgendwann im letzten Jahrzehnt Aufzucht mit Selbstaufgabe verwechselt?

Offenbar. Am Strand vor dem Haus jedenfalls wurden die Sandburgen von einem metergrossen Alleinherrscher regiert und von mindestens drei erwachsenen Sklaven jeden Alters gebaut. Mütter fütterten ununterbrochen, mahnten, putzten, lobten und rieben ihre Jungschar mit Sunblocker ein. Bücher lesen sah man ausschliesslich Kinder oder Kinderlose. Und mich. Ich gönnte mir doch tatsächlich 455 Seiten Me-Time und fühlte mich kein bisschen asozial.

Ich glaube nämlich nicht, dass meine Töchter verdursten, wenn ich ihnen nicht permanent mit einer Wasserflasche nachspringe. Ich glaube nicht, dass ich den Bau jeder einzelnen Sandburg begleiten und auf Video dokumentieren muss, damit die Kinder sich dereinst an die Ferien erinnern. Ich glaube, dass Ferien auch für Mütter und Väter tatsächlich und wirklich Auszeit bedeuten, und nicht bloss auf ein Gläschen Margarita und ein Bikini-Waxing rationierte Me-Time. Und ich glaube, dass sich Kinder allein beschäftigen können und ab einem gewissen Alter, das doch beträchtlich unter der Volljährigkeit liegt, auch mal aus dem elterlichen Blickfeld verschwinden dürfen.

Das liegt wohl daran, dass ich Europäerin bin, dachte ich. Bis ich gestern abend den Stapel Post öffnete, der sich in unserer Abwesenheit auf dem Tisch angesammelt hatte. Darunter eine Werbebroschüre eines neuen Coiffeurgeschäfts. Am Zürichsee. «Kinderhaarschnitt – Cüpli und ein paar ruhige Minuten fürs Mami inklusive», stand da.

Jetzt macht mal Pause, bitte! Aber keine, die in einem Glas serviert wird.

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