Freitag, 19. Februar 2010

"Weil du eine Frau bist!"

Die ewige Frage um Rollenbilder erhält ganz neue Ausmasse, wenn man Kinder hat. Katastrophale nämlich.

Die Diskussion fand beim Essen statt.
Sohn, fünfeinhalb Jahre: "Ich find' Kartoffeln selber schneiden aber nicht so lustig! Machst du mir das?"
Mutter, müde vom langen Tag: "Ich find' auch nicht alles lustig und muss es dann doch tun! Dein Zimmer staubsaugen zum Beispiel!"
Sohn: "Aber das musst du tun!"
Mutter: "Wieso muss ich das?"
Sohn: "Weil du eine Frau bist!" (!!!!!!!!!!!)
Mutter: Sprachlos (was in meinem Fall wirklich höchst selten vorkommt).
Vater: Denkt sich, Mutter kann sich selber wehren und sagt deshalb auch nichts. (Das hat er mir später erklärt, auf meine Frage, wieso er sich nicht für mich und die Emanzipation gewehrt habe.)

Die Begründung meines Sohnes, ich müsse staubsaugen, weil ich eine Frau bin, hat mich getroffen, wie eine schallende Ohrfeige. Was haben wir falsch gemacht? Wieso denkt mein Sohn, die Welt sei Stepford und Frauen seien da zum Putzen? Und was macht das aus seinem Vater?

Nun gibt sich unsereins so Mühe, den Kindern moderne Werte zu vermitteln und dann das! Mir ist schon klar, dass unsere Rollenverteilung nicht so revolutionär ist wie z.B. beim Bänz. Dennoch ist der Vater meiner Kinder einer der Männer, die mitdenken, mit anpacken und sich für keine Hausarbeit zu schade sind. Er wäscht, bügelt, putzt und wickelt und macht auch die Sachen, die klassischerweise von einem Mann erwartet werden. Natürlich macht er das alles nicht so oft wie ich. Schliesslich bin ich zur Zeit ausschliesslich Mutter und Hausfrau. Oder Familienmanagerin, wenn euch das lieber ist.

Die einzigen Punkte, die uns wirklich vom klassischen Rollenspiel unterscheiden sind die, dass er kocht und ich für die Technik im Haus zuständig ist. Deshalb käme unserem Grossen wohl nie in den Sinn zu sagen, ich müsse kochen, weil ich eine Frau bin.

Doch ich arbeite auch. Zur Zeit nicht so oft, aber immer öfter. Nur, Mama arbeitet von zu Hause aus, wenn der Kleine im Chindsgi ist. Deshalb bin ich auch immer hier, wenn er nach Hause kommt. Und das Mittagessen steht auf dem Tisch. Also kann er gar nicht darauf kommen, dass Mama zu etwas anderem taugt als zur Hausarbeit, oder?

Denn das ist eben das Einzige, was unsere Kinder sehen. Die Tochter einer Freundin meinte vor Kurzem, Mama und die kleine Schwester hätten es so schön. Sie könnten jeden Morgen zu hause bleiben und gemütlich rumhängen. Nur sie und der Papa, die Armen, müssten aus dem Haus und arbeiten bzw. zur Schule gehen. Das sei doch unfair.

Noch besser ist ein Spielkamerad meines Sohnes. Der hat mir nämlich letzthin seinen "Lebensplan" beschrieben: Er möchte mit zwei Kollegen ein Haus mit Pool, Playstation und Töggelikasten. Dort würden sie dann den ganzen Tag über spielen. Auf die Frage hin, ob er denn keine Frau und Kinder möchte, antwortete er: "Doch, aber die Kinder müssen dann bei der Frau bleiben. Ich habe ja dann keine Zeit, ich muss mit meinen Kollegen gamen."

Irgendwie ging doch mit der Emanzipation etwas schief, oder nicht?

Dienstag, 9. Februar 2010

Kinderverbot im Szene-Restaurant

Anlässlich des gestrigen Posts meiner Kollegin vom mamablog, möchte ich euch einen älteren (Mai 2008), aber nicht minder aktuellen, rabenmutter-Post nicht vorenthalten:

Hatten wir das nicht schon mal? Oder kommt es einem nur so vor? Das Szene-Restaurant L'O in Horgen empfängt abends keine Kinder unter 8 Jahren,
20 Minuten berichtete gestern darüber. "Unternehmerische Freiheit!" brüllen die einen. "Skandal!" empören sich die anderen. Tatsache ist, Kinder gehören in der Schweiz nicht ins gesellschaftliche Bild der Mehrheit.



www.rabenmutter.ch entstand vor einem Jahr unter anderem aus dem Grund, weil wir uns nicht auf das "Mami-Sein" beschränken wollten, bloss weil Kinder seit neustem unser Leben bereicherten. Dazu gehört für uns auch die Weigerung, nur noch das Migros-Restaurant und den Mac Donald's zu besuchen, wenn wir uns zusammen mit unserem Nachwuchs verpflegen möchten. Und jetzt kommt eines der schönsten Restaurants am Zürisee und will und den Spass verderben, mit unseren (nicht schreienden, anständig essenden und total in unser Leben integrierten) Kindern etwas Gourmet-Küche zu geniessen.

Unternehmerische Freiheit oder Diskriminierung?
Das ist tatsächlich unternehmerische Freiheit. Und gegen Kinderverbote in Szene-Lokalen, Szene-Badis und sonstigen gemäss "Experten" kinderuntauglichen Orten gibt es eben keine Gesetze. Afrikaner schützt das Anti-Rassismus-Gesetz. Behinderte werden von diversen Gesetzen gegen Diskriminierung ebenfalls geschützt. Alterbeschränkungen sind hingegen zugelassen.

Nun fragt sich unsereins, wann alte Menschen in Restaurants verboten werden. Schliesslich sabbern die vielleicht vor sich hin, einen Anblick, den ich jedem Szeni ersparen möchte. Ausserdem konsumieren sie weniger als DINKS (Double Income No Kids) und trinken bestimmt weniger Alkohol.

Moderne Erziehung vor dreissig Jahren
Was uns aber fast noch mehr schockiert als das Verbot an sich, sind die Reaktionen im Talkback von 20min.ch. Vor allem die dauernden Ermahnungen, wir Eltern müssten halt für ein paar Jahre "verzichten" und diese moderne Art, Kinder überallhin mitzunehmen, sei ja wohl total daneben. Meine Eltern haben jedoch bereits vor dreissig Jahren für sich entschieden, mich nicht wie einen Porzellangegenstand zu hause in der Vitrine zu lassen, sondern überallhin mitzunehmen. So durfte ich bereits mit ein paar Monaten ins Louvre und ass mit sechs Jahren meine erste Auster an den Champs Elysées im Fouquet's. War kein Erfolg zugegeben, ich spuckte das schlabbrige Ding gleich wieder aus. Aber ich lernte, mich in einem Restaurant zu benehmen und hielt nicht immer gleich Ausschau nach dem nächsten Spielplatz.

Viele Kinder sind es heute so gewohnt, dass ihre Eltern nur an kinderfreundliche Orte mit ihnen gehen, dass sie sich auch nicht mehr mit sich selber beschäftigen können. Also muss die Spielecke oder der Fernseher her. Auch ich freue mich, wenn mein kleiner an der Autobahnraststätte einen Spielplatz entdeckt und nach stundenlangem Autofahren endlich wieder rumtollen kann. Wenn wir aber essen gehen, darf er ruhig auch mal 90 Minuten mit uns am Tisch sitzen und mitreden oder mit Bierdeckeln Rollenspiele spielen.

Traurig ist einfach, dass diese Praxis viele andere schöne Restaurants, in denen es eben nicht nur nach Schnipo riecht, mit sich ziehen wird und wir immer weniger Auswahl haben werden, um unseren Kindern etwas Gourmet-Flair und Restaurant-Knigge beizubringen. Sind wir ausserdem nicht alle darum bemüht, unsere Kinder gesund zu ernähren? Das wird auswärts jedoch zunehmend schwierig, wenn uns der Eintritt in die guten Restaurants verwehrt bleibt. Denn sogenannt kindertaugliche Restaurants sind in der Schweiz leider eine Einöde des Frittierten!


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