Freitag, 15. Oktober 2010

Naiver geht nicht!

Heute schon ein Buch gechrieben?
Wie es ist ein Buch zu schreiben, wenn man zwei Kinder, einen Job und ein Haus mit Garten hat? Na, wie wohl?

Man könnte nun erwidern, dass es gar kein Buch gäbe, wenn ich nicht eben dieses Leben führen würde. Trotzdem habe ich manchmal Schweissausbrüche beim Gedanken, dass im nächsten Mai ca. 200 gedruckte Seiten in den Läden aufliegen werden, unter die ich meinen Namen gesetzt habe. Zur Zeit scheint dieses Projekt nämlich noch etwas chaotisch.

Als ich meinem Sohn eines Abends berichtete, ich würde ein Buch schreiben, fragt der mich doch "Und? Häsch dänn hüt scho eis gschribä?". Ja klar, und morgen schreib' ich gleich noch eins! Und als er anfing zu schreiben und ich ihm erklärte, dass ich diese Fähigkeit zu meinem Beruf gemacht habe, meinte er - ganz Businessman: "Kann ich denn jetzt auch mit Schreiben Geld verdienen?"

Ich muss gestehen, in etwa die gleiche Naivität hatte ich, als ich meinem Verlag Walde Graf eine Zusage zum Projekt "Rabenmutter- Das Buch" gemacht habe. Wie naiv kann eine Frau sein, die so etwas in Angriff nimmt, gerade erst zwei Jobs angenommen (bei dem einen ist sogar der eigene Mann ihr Chef), zwei noch relativ kleine Kinder (die nur zwei Tage die Woche fremd betreut werden) und ein neues Haus hat, das zweimal so gross wie ihre alte Wohnung ist, geputzt werden will und auch noch einen Garten hat, der schon bald aussieht wie Robinson Crusoe's Frisur? Sehr naiv, sag' ich ja!

Doch es gibt kein zurück! Das Buch wurde letzte Woche an der Buchmesse in Frankfurt den Vertretern präsentiert, die fanden's toll, also muss ich jetzt auch wirklich schreiben... Bin ich froh, nicht alleine auf diesem Dampfer zu sein: Kati Rickenbach illustriert sozusagen mein Leben und sie macht das toll! Aber nun geht es eine Woche in das schöne - wenn auch streikende - Paris, wo ich hoffentlich viel Zeit und Musse zum Schreiben finden werde. Denn Spass macht es mir jeden Tag auf's Neue!

Und da tönt er schon wieder, mein täglicher Soundtrack: "Mamma!" Ich muss los!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Mütter und andere Polizisten

Die Mütterpolizei macht vor nichts halt. Schon gar nicht vor gesunder Ernährung.

Der Post im Blog von wir eltern von Ralf Martin letzten Donnerstag hat einen Kommentar provoziert, der mich ehrlich gesagt, etwas genervt hat. Ralf fragt sich, wieso Mütter sich so unter Druck setzen lassen und der Kommentar lieferte ihm sozusagen die Antwort. Im Post beschrieb der Autor die Situation, wie er auf dem Spielplatz die ungesunde Ernährung eines bereits etwas dicklichen Mädchens beobachtete. Worauf die Kommentatorin sich fragte, wieso er nur beobachte und nicht einschreite? Der fehlbaren Mutter zu verstehen gäbe, dass sie ihrer Tochter mit Chips und Süssgetränken schade, anstatt wegzuschauen? Solche Damen wurden von Ayelet Waldman in ihrem vielbeachteten Buch «Böse Mütter» als «Mütterpolizei» bezeichnet. Frauen, die sich um Angelegenheiten kümmerten, die sie nichts angingen. Das Ganze meist unter dem Mantel der «Gesundheit für's Kind».

Wir Mütter werden täglich mit diesem unsäglichen Thema «Gesundheit» konfrontiert. Unsäglich, weil wir es doch ehrlich gesagt alle nicht mehr hören können. Wir wissen – nicht zuletzt, weil uns die Medien und die Schule dauernd daran erinnern – dass zuviel Zucker, Fett und Salz ungesund sind. Unsere Kinder nehmen Broschüren nach Hause, die den einzigen wahren Z’Nüni beschreiben und das Fernsehen kämpft mittels diverser Gesundheitssendungen gegen das jugendliche Übergewicht, das in der westlichen Welt grassiert. Studien gibt es zu diesem Thema so viele wie Sand am Meer, Interpretationen davon gar noch mehr.

So kamen beispielsweise Wissenschaftler des Institutes of Child Health zum Schluss, Kinder berufstätiger Frauen seien ungesünder als die von Hausfrauen. Sie seien weniger aktiv und würden ungesundes Essen zu sich nehmen, weil ihre Mütter weniger Zeit hätten, sie zum Fussballtraining zu fahren oder bio für sie zu kochen.

Keine Studie, aber eine abstruse Theorie zum Thema liefert auch Rose Prince in der englischen Daily Mail: Schuld an der ungesunden Ernährungs-Misere seien die Feministinnen, die Kochen als Arbeit unter Leibeigenschaft degradiert hätten, weshalb diese Tätigkeit zu unterlassen sei. Also servieren diese Feministinnen der Familie Convenience-Food, der bekanntlich ungesund ist und fett macht. (Wieso in dem Fall nicht alle Feministinnen übergewichtig sind, erklärt sie jedoch nicht.) Weiter erklärt sie, Kochen zu können sei ein Muss für jeden unabhängigen Menschen, der ein selbstbestimmtes Leben führen wolle. Sie übersieht in ihrer Argumentation grosszügig, dass sie das Kochen auch 2010 noch als Frauen-Attribut sieht, schliesslich ist sie davon überzeugt, dass Frauen den grösseren Ernährer-Instinkt als Männer hätten. Und sie schliesst mit den Worten: «Seien sie erfinderisch – dann ist Kochen keine lästige Pflicht.»

Was schliessen wir aus diesen Beispielen? Eine Mami, die kocht, ist eine richtige Mami. Wenn sie sogar gerne kocht, ist sie eine richtig gute Mami. Vielleicht ahnen Sie es schon. Ich koche nicht. Und schon gar nicht gerne. Ja, bei uns zu hause gibt es mittags öfter Convenience-Food. Nicht zuletzt, weil meine Kinder Fisch am liebsten in Stäbchen und Hackfleisch gerne im Brot essen. Ernährungs-Instinkt? Klar habe ich den, aber die Nahrung darf gerne auch einmal von Findus kommen! Von wegen Frauen hätten mehr von diesem Instinkt! Wenn bei uns fein gegessen wird, sei es in der Familie oder mit Gästen, hat mit Bestimmtheit mein Mann gekocht.

Kochen ist für mich stressig und nervig, ich habe es nie richtig gelernt und das Scheitern in der Küche bringt mich auf die Palme. Verkohlter Risotto, angebrannte Rüebli und fade Saucen gehören bei mir zur Tagesordnung. Also greife ich gerne zwischendurch – o.k. vielleicht die Hälfte der Zeit – auf Fertig-Schinkengipfeli, Ofen-Pommes oder Spinat aus der Tiefkühltruhe zurück. Meine Kinder sind trotzdem weder kränklich noch übergewichtig.

Natürlich ist auch mir klar, dass wir uns nicht nur von Junkfood ernähren können und dass das frische Rüebli allemal besser ist als der Schokoriegel. Mir geht es um den gesellschaftlichen Druck, der auf uns Müttern – und eben nur auf uns Müttern – lastet. Wildfremde Menschen haben heute das Recht, die Ernährung meiner Kinder anzuzweifeln. Nebst der Still- und Krippendebatte also auch die Ernährungspolizei!

Doch meine Haltung eckt überall an. Die meisten anderen Mütter wetteifern um die neuste Biokost, die sie ihren Kindern vorsetzen und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter, wenn sie wieder mal zwei Stunden in der Küche gestanden haben, um dem Jüngsten den Kichererbsenbrei zu zaubern, den dieser danach unter den Tisch pappt. Denn Kinder sind so: undankbar. All die Mühe, die sich Mütter machen, um ihre Kinder gesund und möglich selbstgemacht zu ernähren, endet doch meist damit, dass sich der Nachwuchs zum Geburtstag eine McDonalds-Party wünscht. Da nützen auch keine Ernährungs- und Kochgurus wie Jamie Oilver, so sehr er in den letzten Jahren für urbane Birkenstockträger zum Gott mit Olivenölflasche und Knoblauchpresse mutiert ist. Bei den Kids in England ist er mit seinem Versuch, ihnen gesunde Ernährung näherzubringen, kläglich gescheitert.

Doch genau die Mütter sind es eben auch, die mir auf dem Spielplatz – auf dem ich sowieso schon selten zu finden bin – böse Blicke zuwerfen, wenn meine Kinder keine geschnittenen Apfelstückchen, sondern mal ein Kägifret zum Zvieri bekommen. Mein Bedürfnis, sie darüber aufzuklären, dass sie das nicht jeden Tag kriegen, doch heute einfach nichts mehr in der Früchteschale zu finden war, weil ich arbeite und keine Zeit hatte einkaufen zu gehen, hat sich seit dem zweiten Kind in Nichts aufgelöst. Sollen sie doch denken, was sie wollen, den Stempel habe ich ja schon, egal wie sehr ich mich rechtfertige.

Und wie das immer bei «Experten-Meinungen», Studien und besserwisserischen Spielplatzmüttern ist: Man sucht sich am Schluss einfach das, was einem am meisten entspricht. Bei mir sind es die Thesen von Udo Pollmer, Autor und Leiter des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Er predigt lustvolles Essen und ist überzeugt, dass ein gewisser Körperbau angeboren ist, der auch mittels gesunder Ernährung nicht geändert werden kann. Alles, was man über gesunde Ernährung zu wissen glaubte, wird von seinen Thesen in der Luft zerrissen. Entsprechend unbeliebt ist Pollmer bei vielen Ärzten und Gesundheitsexperten. Umso beliebter bei Frau Sassine. Die Ernährungspolizei muss ohne mich ihre Runden ziehen.

Ist gesund kochen heute ein Muss oder darf man sich auch mal gehen lassen?

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Frau von, Mutter von...

Das Forbes Magazin hat die 100 mächtigsten Frauen der Welt gewählt. Die Kriterien sind fragwürdig.

Natürlich habe ich mich über Michelle Obamas Ernennung zur mächtigsten Frau 2010 gefreut. Schliesslich haben wir im am 4. November 2009 nicht nur für Barack gefiebert, sondern auch für seine tolle Frau und die scheinbar tolle Beziehung, welche die beiden führen. (Natürlich hofften wir auch, er sei ein guter Präsident, aber sind wir ehrlich, bei Präsidentschaftswahlen geht es um Charisma.)

Das Forbes Magazin hat also die First Lady auserkoren, den Titel „Most powerful Woman in the world“ ein Jahr lang zu tragen. Was macht sie denn so powerful? Doch hoffentlich nicht die Tatsache, dass sie mit Mr. President verheiratet ist? Schliesslich hat sie selber einen Harvardabschluss und einen Doktortitel in Jurisprudenz. Aber nein, das kann ja nicht sein, andere Frauen, die auf der Liste stehen haben auch keine berühmten Männer. Oprah ist nicht verheiratet und Ellen DeGeneres hat eine GattIN. Das kann also kein Kriterium sein.

Und doch leidet die Glaubwürdigkeit des sonst sehr seriösen Forbes-Magazin, wenn man die Begründung zu dieser Wahl liest: „Als Modeikone und athletische Mutter von zwei Kindern ist sie eine Jackie Kennedy mit Juraabschluss in Harvard und Erfahrung auf den Straßen von Chicagos South Side.“

Jacky Kennedy war die hübsche - wenn auch verzweifelte - Dame im Cabrio, als der damalige Präsident erschossen wurde, erinnern Sie sich? Michelle ist also deshalb gewählt worden, weil sie hübsch, Mutter UND clever ist? Gut, dass es 2010 nicht nur auf das Aussehen ankommt, könnte man denken.

Trotzdem bin ich verstört: Die Tatsache, dass Barack dieselben zwei Kinder hat, war bei der letztjährigen Forbes-Liste der Most Powerful People kein Thema. Dass Hillary Clinton mit zwei Kriegen und dem Israelisch-Palästinensichen Konflikt fertig werden, Amerikas Image verbessern, den Iran, Nordkorea und ihren Mann zähmen muss, schon!

Was lernen wir daraus? Dass du als Frau 2010 so powerful sein kannst, wie du willst, du wirst immer danach bewertet werden, ob du dich paaren und fortpflanzen kannst.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Weil ich eine Hausfrau bin

Hausfrau sein ist extrem uncool, ausser im Fernsehen. Wieso eigentlich?

Seit ein paar Jahren wird den Hausfrauen dieser Welt mit der Serie «Desperate Housewives» eine typisch amerikanische Idylle vorgegaukelt. Diese Frauen sind schön, wohlhabend und schlagfertig. Man könnte also meinen, Hausfrau zu sein, sei hip. Falsch! Mir fällt in letzter Zeit im Gegenteil auf, dass sich keine Frau gerne als Hausfrau bezeichnet. «Auszeit» und «Babypause» sind wohl eher Ausdrücke, die gebraucht werden, um zu sagen, dass man zu Hause das Mädchen für alles mimt.

Seien wir ehrlich, wir alle verbinden das Wort «Hausfrau» entweder mit Bree Vandecamp von den Desperate Housewives oder Peg Bundy, Al Bundys zickiger Frau mit der hohen Frisur. Ich gebe es zu, auch ich kann mich mit denen nicht identifizieren. Weder mit der adretten Rothaarigen, die immer genau weiss, welches Dressing zu welcher Vorspeise passt. Und erst recht nicht mit der durchgeknallten Mutter zweier Dumpfbacken, die raucht, während sie kocht und den ganzen Tag stupide Soaps schaut.

Ganzer Post im Blog von wir eltern.

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