Dienstag, 26. April 2011

Papa sein und Mann bleiben

«Papa steht seinen Mann» ist ein Ratgeber für Männer. Der von Frauen gekauft wird.

Vor Kurzem schrieb Frau Althaus im Blog von wir eltern «Mittlerweilen gibt es Mütter, die als Autorinnen oder Bloggerinnen das schlechte Gewissen vor sich her tragen wie ein besonderes Talent. Sie machen Karriere, bloss weil sie öffentlich gestehen, Rabenmütter zu sein und ihre Kinder gelegentlich vor dem TV zu parkieren.» Wie wahr. Aber nicht nur Rabenmütter machen mit ihrem Muttersein Schreib-Karriere, die Väter stehen dem in nichts nach. Ausser, dass sie eben keine Rabenväter sind, wenn sie am Spielplatzrand eine Zigarette rauchen oder über die Schwangerschaft ihrer Frau nicht auf Anhieb super-happy sind. Väter sind eben irgendwie cooler. So auch Sven Broder.

Mit «Papa steht seinen Mann» bringt der Beobachter-Kolumnist und Hauswart den ersten richtigen Männer-Erziehungs-Berater auf den Markt. Eigens für die Papis – oder in spe – die eben doch genauer wissen wollen, was nach dem «Pfff» passiert. Was erwartet einen Mann während der neun verrücktesten Monate im Leben einer Frau? Ist es o.k., ins Kinderbecken zu pinkeln? Und sind biertrinkende Männer eben doch cooler?

Es gibt Passagen in diesem Ratgeber, die wie eine Erleuchtung (auch oder vor allem für uns Frauen) sind: «Frau hat gegenüber Mann den Vorteil, dass sie allein ist, wenn sie über den Schwangerschaftstest pinkelt...» Schon mal darüber nachgedacht? Die armen Männer – und das meine ich ausnahmsweise nicht ironisch – sind NIE alleine, wenn sie die tolle Nachricht erfahren! Stellen Sie sich vor, Sie hätten sofort irgendeine, wenn möglich positive, Reaktion zeigen sollen, als Sie das Plus auf dem Stäbchen entdeckten! Es gibt kaum eine intimere Situation und die sollte man doch in trauter Einsamkeit erleben dürfen, oder nicht? Und da wir werdenden Mütter in dem Moment kaum ertragen würden, dass er seinen wahren Gefühlen freien Lauf lässt – auch Herr Broder rät vehement davon ab – schmecken unsere Erinnerungen an die Bekanntgabe doch meist etwas fade, nicht?

Das Buch ist eine witzig geschriebene Ansammlung von Tipps, wie Mann sich zu verhalten hat – oder eben lieber nicht. «Tuet's fescht weh?» ist im Kreisssaal beim besten Willen nicht angebracht, auch auf der Sprossenwand rumturnen ist während der Geburt ebenfalls nicht so gerne gesehen. Ausser er will rausgeschickt werden, um dem Ganzen zu entgehen (das scheint offenbar der Wunsch vieler Männer zu sein). Der Vater zweier Kinder erfindet ausserdem gerne Wörter, um unangenehmen Dingen oder unaussprechlichen Handlungen etwas Nettes abzugewinnen: «Füdlirakete», «Flötensolo» und «Arschfax» sind nur ein paar davon. Hatte ich schon erwähnt, dass seine Sprache eher derb ist? Vielleicht lesen Männer erst, wenn diverse Ausdrücke für Hintern mehrmals in einem Buch vorkommen, kann das sein?

Sehr ausführlich – und deshalb für uns Frauen Gold wert – wird der Kolumnist, wenn es um den Sex in einer Beziehung geht. Dass Männer immer wollen und auch ohne uns tun, wussten wir schon, das Wieso und Warum ist zum Teil jedoch höchst interessant und wenn nicht immer neu, so doch sehr unterhaltsam. Die Beziehung ist übrigens das Thema, das dem Autor neben Schwangerschaft und Erziehung sehr am Herzen zu liegen scheint. Eine Familie ist für ihn ein Team, das zusammenspielt, manchmal ist der eine, manchmal die andere an der Spitze, doch gewinnen und verlieren tun immer alle.

Nun wage ich es jedoch, eine Behauptung aufzustellen: Männer, die noch nie einen solchen Ratgeber gelesen haben, werden auch diesen links liegen lassen. Ihre Frauen werden ihn zwar kaufen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch auch «Papa steht seinen Mann» wird höchstwahrscheinlich auf dem Nachttisch verstauben. Denn ein Mann, der einen Ratgeber zur Schwangerschaft seiner Frau lesen möchte, liest eben auch «Glücklich schwanger von A bis Z» oder so ähnlich. Das sind dieselben, die tagein, tagaus mit dem Tragetuch umgebunden rumlaufen und die chemische Zusammensetzung von Bisphenol kennen. Und da liegt eben das Dilemma: Männer, die Ratgeber lesen sind nicht sexy. Sven Broder ist es geblieben. Leider hat er dieses Rätsel in seinem Buch nicht gelüftet.

Sven Broder, «Papa steht seinen Mann», erschienen 2011 im Beobachter Bucherverlag, CHF 33.00

Dienstag, 19. April 2011

Mädchen tun Jungs gut

Eine Studie bestätigt die Vermutung: Jungs sind in Anwesenheit vieler Mädchen erfolgreicher in der Schule.

Für Dominique Suter (Name geändert) war der erste Tag an der Kantonsschule vor 2 Jahren eine ungewöhnliche Erfahrung. Wegen seines Unisex-Namens wurde er aus Versehen in eine reine Mädchenklasse des neusprachlichen Gymnasiums eingeteilt. Der sprichwörtliche Hahn im Korb. Als er sich im Rektorat beschwerte, wurde er am nächsten Tag in eine gemischte Klasse gesetzt. Seine Gymi-Zeit verlief durchschnittlich, sein Studium hat er zweimal abgebrochen, er ist heute weder Arzt noch Anwalt.

Vielleicht wäre das anders, wäre er in jener Mädchenklasse geblieben. Eine Studie in Israel ergab nämlich, dass Klassen mit mehr Mädchen erfolgreicher sind. Vor allem die jungen Herren erzielen dank der Anwesenheit vieler weiblicher Klassenkameraden bessere Noten.

Ob, Primar-, Mittel- oder Oberstufe, die Noten steigen proportional zur Anzahl Mädchen und die Wissenschaftler wissen auch wieso: So sind Klassen mit grösserem weiblichen Anteil generell ruhiger und die Schülerbeziehungen besser. Auch ist die Beziehung Schüler-Lehrer besser und letztere weniger müde nach einem Tag mit einer „weiblichen“ Klasse.

Das alles ist nicht neu. Buben stören, sie unterbrechen häufiger, sie sind laut, das war schon immer so. Über den «Glaubens-Krieg» zwischen Buben- und Mädchen-Müttern konnte man schon viel lesen. Mädchen-Mütter stigmatisieren Jungs, die raufen, reinreden und weniger still sitzen können. Was früher die Klassen-Clowns waren, sind heute hyperaktive Störefriede, die keine anständige Erziehung geniessen und deshalb mit Ritalin ruhig gestellt werden sollen. Im schlimmsten Fall.

Die israelische Studie, die übrigens in ähnlicher Form mit fast identischen Resultaten auch in Texas durchgeführt wurde, lässt keinen Zweifel daran: Je weniger Buben in einer Klasse, desto besser die Noten. Dominique Suter wäre heute vielleicht ein renommierter Anwalt, wäre er nur in der Mädchenklasse geblieben.

Montag, 11. April 2011

Das Kochbuch für Küchenmuffel

So macht kochen sogar mir Spass! Andy Fischli hat mit "Ein Eingeklemmtes" geschafft, was nicht mal bei Jamie Oliver lange hinhielt: Die Rabenmutter kocht!

Rezepte in Form von Comics. Was anfangs etwas befremdlich klingt, entpuppt sich als wahre Unterhaltung in der Küche. Schöner Nebeneffekt: Am Ende steht etwas Leckeres auf dem Tisch und die Mundwinkel zeigen nach oben. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind, empfiehlt Andy "Fruchtbarkeit und Wollust", siehe Seite 52.

Bon Appétit!

"Ein Eingeklemmtes" von Andy Fischli im Picaverlag, CHF 38.00, hier bestellen.

Dienstag, 5. April 2011

Kriminell gestylt

Die Modebranche macht es vor, viele Mütter nach: Kleine Mädchen sollen aussehen wie Erwachsene, inkl. gefütterten BHs.

Schon als Suri Cruise mit High Heels über den Rodeo Drive stöckelte, fragte ich mich, ob das noch lange so weitergehen wird. Was würde als Nächstes kommen, Push-Up-BHs? Aber Promis spinnen nun mal, das ist weitgehend bekannt. Doch der Trend scheint nun auch in «normalen» Familien um sich zu greifen.
Eltern scheinen vermehrt den Drang zu haben, aus ihren Kindern kleine Erwachsene zu machen, allen voran die Modebranche. Kleine, sexy, Erwachsene, wohlbemerkt. Der letzte Versuch dieser Reihe stammt von Abercrombie & Fitch. Das Label verkauft kleinen Fashion Victims ab 8 Jahren einen gefütterten Bikini. Obwohl sie die Altergrenze wieder revidieren mussten (der Bikini ist jetzt ab 12 zu haben...), weil Eltern gegen die Sexualisierung ihrer Kinder rebellierten, entbrannten weltweit Diskussionen über dieses Phänomen. Nach High Heels, Tangas, Perücken, Botox jetzt also auch Bikinis für kleine Mädchen, die vortäuschen, überhaupt Brüste zu haben. Wieso tun wir das unseren Kindern an?
«Die eigene Tochter zu schminken und sie wie eine Frau anziehen, ist kriminell!» Die Vehemenz, mit der Kinderpsychiater Serge Hefez im Interview mit L’Express dies sagt, spricht Bände. «Eltern, die das tun, behandeln ihre Kinder wie Puppen und idealisieren sie übermässig. Das Kind hat keine Chance, ein eigenes Individuum zu sein und wird es schwer haben, sich aus diese Idealisierung zu lösen.»
Egal, wie man es betrachte, für das Kind werde der Übergang in sein Erwachsenenleben schwer sein. Denn entweder werde es weiterhin versuchen, die Puppe von jemandem zu spielen und dem Ideal weiter entsprechen wollen. Oder es werde dauernd dagegen ankämpfen, um die eigene Identität zu finden. Ausserdem suggeriere ein solches Verhalten unseren Kindern, es sei erstrebenswert, sexy und begehrt zu sein. Wer es also nicht ist, ist auch weniger wert.
Als ich vor ca. drei Jahren erfuhr, dass in meinem Bauch ein Mädchen heranwächst, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Nach vier Jahren Jeans und T-Shirts in braun und olivgrün, nach Autöli und Dinosauriern ohne Ende, stellte ich mir vor, wie meine süsse Tochter eines Tages in coolen Mädchenklamotten (rosa ist nicht so mein Ding), coole Mädchensachen machen würde. Ich selber musste als kleines Mädchen ins Ballett und zum Klavierunterricht, für sie hatte ich aber eher die Vision «Fussball und Schlagzeug». Wie auch immer, auch ich hatte meine Vorstellungen über die «perfekte» Tochter, ich wage einmal zu behaupten, die meisten Eltern hätten das (das gilt natürlich ebenso für Söhne).
Doch was daran so toll sein soll, wenn mein geschlechtsunreifes Kind mehr Busen zeigen soll, als wirklich da ist oder gar schon Schönheitsbehandlungen hinter sich gebracht hat, will mir nicht einleuchten. Euch etwa?

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