Donnerstag, 24. November 2011

Kinder wollen's wissen

Sexualisierung der Schule, wo man hinblickt. Eltern habe ihre liebe Mühe damit. Und die Kinder?

Ob Sexboxen im Kindergarten (nicht am Sihlquai) oder Lehrer, die «pornographische» Literatur unterrichten, überall liest man, die Schule werde sexualisiert. Die Kinder würden zu früh mit dem Thema konfrontiert und überhaupt sei es Sache der Eltern, ihren Nachwuchs aufzuklären.

Nun haben die Franzosen beispielsweise keine Sexboxen im Kindergarten. Ob sie Lehrer haben, die anrüchige Texte lehren, kann ich nicht sagen, gehe aber davon aus, dass wenn wir Schweizer Kinder 37,2° le matin von Philippe Djian lesen mussten, es den kleinen Franzosen kaum vorenthalten wird.

Eine Studie ergab indes, dass die Anzahl Abtreibungen bei jungen Französinnen in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt ist. «Die meisten hatte man vermeiden können, wenn die Mädchen besser aufgeklärt wären.», so Dr. Israël Nisand des Uni-Spitals in Strassburg.

Befragt man die Schüler anlässlich einer Infoveranstaltung an diversen französischen Schulen, so trauen sich die meisten schlicht nicht, mit ihren Eltern darüber zu reden. Sei das jetzt aus religiösen Gründen oder einfach weil das kein Thema ist, dass sie mit Mama und Papa besprechen wollen. An der Infoveranstaltung selber sind die Kinder nach anfänglicher Scheu hingegen sehr gesprächig. Die Mädchen erzählen, dass viele Jungs ihnen ewige Treue schwören und deshalb nicht unbedingt verhüten möchten. Den Jungs hingegen ist das Überstreifen eines Kondoms nur peinlich. Und die, die verhüten, wissen oft nicht ganz wie es geht und nehmen die Pille auch einmal ein paar Tage nicht.

Nun setzen sich französische Politiker von rechts bis links für einen frühen Sexualunterricht in der Schule ein. Und werden wohl bald über dieselben Hindernisse stolpern, wie wir in der Schweiz. Oder sie sind schlauer und fragen eben auch einmal die Kinder. Denn die sind neugierig und wollen wissen, wie es läuft. Auch die ganz jungen schon. Oder haben ihre Kinder noch nie gefragt, woher Babys kommen? Und wie das Baby bitteschön in Mamas Bauch gelangt ist?

Ein schönes Beispiel für die unerschöpfliche kindliche Neugier ist dieses Gespräch zwischen Frau Mutter und ihrem Fünfjährigen:

Wo die kleinen Babys herkommen

Irgendwann kommt sie, die unangenehme Unterhaltung über die Bienchen und die Blümchen mit Deinem 5jährigen Kind. Man sollte möglichst ehrlich und unverkrampft an die Sache gehen und die Bienen und Blumen beim Namen nennen.
Bei uns ist das vor Kurzem so abgelaufen:

«Mami, wie war das, als das Baby aus Deinem Bein rausgekommen ist?»
«Nein, also weisst Du, das Baby kam ZWISCHEN meinen Beinen raus!»
«Häääää?»
«Ja, also ein Baby kommt aus der Vagina der Mama raus, zwischen den Beinen sozusagen.»
«Das DARF das Baby nicht! Ausserdem hat Papa ja Deinen Bauchnabel aufgemacht und dann ist das Baby da reingesaust.»
«Mhh, also, ja, äh… Weisst Du, so ein Baby entsteht aus dem Ei der Mama und dem Samen des Papas. Beide kommen zusammen und dann ensteht ein Baby.»
«Wo wohnt der Samen?»
«Der wohnt ….im Pipimann. Also quasi da in der Nähe… rechts….äh… also hinter dem Pipimann im …Nebenhoden, glaube ich» (hier hatte ich zwischenzeitlich Wikipedia zu Rate gezogen).
«Wo wohnt das Ei?»
«Im Bauch von Mama.»
«Der Pipimann wohnt in der Unterhose, das weiss ich!»
«Richtig, da hat er es sich gemütlich eingerichtet!»
«Wie kommt der Samen aus der Unterhose in den Bauch von der Mama?»
«Äh, …also…., das schafft der schon, also… mhh…der bahnt sich schon seinen Weg…der ist sehr schlau.»

«Und dann isst das Baby im Bauch den Blutkuchen auf!»
«Den MUTTERkuchen!»
«Sind da Smarties drauf?»
«Nein, natürlich nicht!»
«Da war das Baby bestimmt traurig!»

Hier habe ich die Konversation abgebrochen, vielleicht kann ja der Kindergarten die Aufklärung übernehmen.


Das finde ich eben auch. Und Ihr?


Frau Mutter
nennt sich "eine mütterliche Satirikerin und eine satirische Mutter". Sie findet, dass man der Lebensaufgabe der Kinderaufzucht am besten mit Humor begegnet und schreibt in ihrem Blog über den alltäglichen Wahnsinn. Frau Mutter wohnt im Berliner Südwesten, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

Mittwoch, 23. November 2011

"Die spinnt doch!"

Eine Frau erwartet ihr 20. Kind. Mir fehlen die Worte. Aber nicht ganz.

Sagt euch der Name Michelle Duggar etwas? Die Dame hat zusammen mit ihrer Familie eine US-TV Show und bereits ein paar Bücher veröffentlicht. Soweit nichts aussergewöhnliches, bleibt dem Zuschauer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja kaum etwas an Reality erspart. Das besondere an den Duggars? Sie sind 21. Mitglieder. Zwei Eltern, 19 Kinder. 19!!!
Und damit nicht genug: Die konservative baptistische 19-fache Mutter aus dem Bundesstaat Arkansas erwartet ihr zwanzigstes Kind.
20 Kinder. Das sind (zusammen mit den Eltern) zwei Fussballmannschaften. Eine Schulklasse. Ein voller Monat in Arbeitstagen. Als ich diese Nachrichten las, dachte ich als allererstes: „Die spinnt doch! Sind 19 Kinder wirklich nicht genug?“ Sieht man sie reden, revidiert man diese Meinung, sie ist nämlich eine dieser netten Amerikanerinnen, denen man irgendwie nicht böse sein kann. Und doch...
Wenn ich mir überlege, dass sie praktisch 21 Jahre ihres Lebens (sie ist heute 45) schwanger war, denke ich schon wieder „Die spinnt doch!“. Auch wenn man annehmen kann, dass sie ein paar Jahre Pause hatte, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie als Nicht-Schwangere ihre Füsse auf den Tisch gelegt, Soaps geschaut und sich mit Süssigkeiten vollgestopft hat. Als gute Christin war sie wohl mit backen (für Weihnachten), basteln (für Ostern UND Weihnachten) und mit singen (wann immer sich die Gelegenheit bietet) beschäftigt. Im Ernst, die Kinder waren  Arbeit genug, so etwas wie Freizeit hat sie wohl kaum gekannt.
Wenn ich mir überlege, womit sie die letzten 21 Jahren gekämpft hat, wird mir etwas schwindlig:

-    Blähungen, unbeabischtigten Rülpsern, überdimensionalen Brüsten und elefantöse Waden (all diese Symptome werden mit den Jahren ja nicht besser).

-    Sie musste über zwei Dekaden lang Umstandskleider tragen, die seit 1991 sicherlich hübscher geworden sind. Aber so hübsch auch wieder nicht. Irgendwas mit Gummizug hatte sie zumindest immer an.

-    Sie wechselte mindestens 69'000 Windeln, stillte im Minimum während 55'000 Stunden. Meine Brüste bräuchten bereits nach zwei Kindern ein Lifting, wie ist das bloss bei 18 weiteren?

-    Wäsche waschen: Das kann ich gar nicht erst ausrechnen... Und vom Wäsche falten sprechen wir gar nicht erst!

-    Kochen. Schon bei zwei Kindern brauche ich 45 Minuten zum Kochen, 20 Minuten für's Essen und danach räume ich eine Stunde auf. Und die vielen Teller? Wie kocht man für so viele? WAS kocht man für all die verschiedenen Geschmäcker? Macht sie ein Buffet? Wenn die sich alle noch höflich den Kartoffelgratin (stellen Sie sich mal die Ofenform vor!) reichen müssen, schmeckt der doch beim 19. Kind nach Scheibenkleister!

-    Hausarbeit. Nachdem sie gestillt, gewickelt, gewaschen und gekocht hat: Hat der Tag da überhaupt noch Stunden? Ich gehe natürlich schwer davon aus, dass die grossen Kinder helfen, aber diese Organisation!

-    Pausen? Lesen, fern sehen, stricken, Sex? Den hatte sie offensichtlich, aber vielleicht auch nur einmal im Jahr, dann war sie ja schon wieder schwanger! Von der Lust ganz zu schweigen. Nachdem sie 19 Kinder bemuttert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie abends als erstes ihren Jim-Bob bespringen möchte.

-    Und ach ja, wie sich das für religiöse Familien in den USA gehört, werden die Kinder natürlich ge-home-schoolt. Sie bringt ihnen den Schulstoff bei und die Kids sind somit IMMER daheim!

-    Flippt die Frau auch mal aus? 19 Kinder und ein Mann müssen sie doch manchmal auf die Palme bringen? Ich käme nie wieder runter von dem Baum!

-    Ich hab’s! Sie schläft nicht! Diese Frau schläft nie!
Nicht vergessen: Dies alles tat sie während 20 Schwangerschaften!

Es gibt Tage, da fühle ich mich vollkommen unfähig. Als Mutter, Hausfrau, Ehefrau, im Job. Nach diesen Zeilen ist unfähig nicht mehr das richtige Wort. Ich setz’ mich jetzt mal.

Montag, 21. November 2011

Weihnachts-Ideen #1

Wenn ihr nicht total blind und blöd seid, habt ihr wohl bemerkt, dass Weihnachten naht. Und da die Rabenmutter es nicht so mit dem Basteln hat, werde ich euch hier in loser Abfolge ein paar Tipps für Weihnachtsgeschenke geben: Für Kind, Kegel, Mann oder euch selber. Ok? Gut. Hier mein erster Tipp:




Moshiki-Wickelröcke

Jeder Wickelrock ist ein Unikat, jede Stoffkombination kommt nur einmal vor. Tragbar über Hosen, Jeans, Leggins oder einfach so.
Die Wickelröcke sind so konzipiert, dass sie, aufgrund der variablen Druckknöpfe, auf fast alle Grössen passen ( Gr. 36-44).
Die Röcke sind aus 100% Baumwolle und in einer hohen Qualität gefertigt.

Die Wickelröcke aus der Reihe Mocha und Caramel sind aufwändig vernäht mit unterschiedlichen Stofmustern. Die seitlich angebrachte Tasche lässt sich mit dem praktischen Klettverschluss öffnen und schliessen.

Die Wickelröcke können auch in Dättlikon angeschaut und probiert werden. 

Bestellen bei hits4kids.ch

Samstag, 19. November 2011

Sind Homos egoistischer als Heteros?

Aus aktuellem Anlass (die Petition wurde von der Rechtskomission des Ständerates ohne Gegenstimme angenommen):

Der Kinderwunsch bei Lesben und Schwulen gilt oft als egoistisch. Wieso?

Nicht erst seit Elton John (63) letzte Woche Vater wurde, wird Kritik laut. Kritik an immer älteren Vätern, Kritik an der Reproduktionsmedizin (John und sein Partner hatten eine Leihmutter) und vor allem hören wir vermehrt Kritik an homosexuellen Paaren, die Kinder wollen. Sie seien egoistisch, denn für das Kindeswohl sei es im Zweifelsfalle schädlich, gleichgeschlechtliche Eltern zu haben. Die EVP-Nationalrätin Maja Ingold meinte in der NZZ letzten Sommer, die «männlich-weibliche Doppelstruktur» sei Voraussetzung für die gesunde mentale Entwicklung eines jungen Menschen.

Die Politik verhilft Schwulen und Lesben nicht nur in der Schweiz zu einem schlechten Ruf in Sachen Kinderkriegen. Mit seinen Äusserungen über die Familienplanung schwuler und lesbischer Paare hat auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kurz vor Weihnachten in Deutschland für Empörung gesorgt. Er hatte der «Berliner Zeitung» gesagt, er «glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen». Die Bedürfnisse homosexueller Paare müssten in diesem Punkt hinter dem Kindeswohl zurückstehen.

Letztes Jahr fand das Thema auch im Film Anklang: «The kids are allright», der Ende 2010 in den Schweizer Kinos lief, wies einige egoistische Züge auf: Bis zu ihrer Volljährigkeit wussten die Kinder nicht, wer ihr Vater ist und den beiden Müttern wäre es am liebsten gewesen, wenn das so geblieben wäre. Sie wollten ihre Kinder für sich, und nur für sich.

Tatsache ist, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, Kinder zu wollen. Weder bei Heteros noch bei Homos. Und schon gar nicht geht es beim Kinderwunsch darum, es für das Kind zu tun. Jeder Kinderwunsch ist an sich egoistisch. Die Gründe sind vielfältig: Meine biologische Uhr tickt, ich bin in einer Grossfamilie aufgewachsen und will deshalb auch Kinder, ich bin ein Einzelkind und will eine grosse Familie oder ich habe endlich den perfekten Vater für mein Kind. Es läuft immer auf dassselbe hinaus: Ich, ich, ich!

Es ist die Natur, die uns den Kinderwunsch diktiert, in erster Linie uns Frauen. Also kommt es vor, dass wir uns von einem Tag auf den anderen in dieses Jöh-Monster verwandeln, das bei jedem Kinderwagen feuchte Augen kriegt und nur noch schwangere Frauen sieht. Hormone lassen sich nun mal schlecht steuern.

Und nun meine Frage: Wieso sollte das bei Schwulen und Lesben anders sein? Wieso erachten wir ihren Wunsch nach Nachkommen als egoistisch und unterstellen ihnen, das Kindeswohl zu vernachlässigen? Haben sie eine andere Biologie, weil sie mit Gleichgeschlechtlichen koitieren? Sollten wir als Gesellschaft und der Staat als Gesetzgeber nicht einfach dafür sorgen, dass Kinder zu ihrem Recht kommen und auch Homosexuelle als «echte» Eltern angesehen werden, anstatt sie zu verurteilen? Was meinen Sie?

Donnerstag, 17. November 2011

Grossmutter, na und?

«Was, du bist schon Grossmutter?» Das scheint eine Frage zu sein, die unsere Mütter und Schwiegermütter immer öfter vernehmen, obwohl sie doch so jung aussehen und fit unterwegs sind. Der Fragende scheint ja ziemlich erstaunt zu sein und die Grossmütter scheinen darauf ziemlich stolz zu sein.
Was ich davon halte? Nicht sehr viel, ehrlich gesagt.

Genausowenig wie von  „Ich bin ein Wochentagspapi“ oder «Ich bin Vollzeit-Mutter». Scheint es mir nur so, oder hören sich solche Aussagen in letzter Zeit an wie «Ich bin Astronaut bei der NASA» oder «Ich bin Friedensnobelpreisträger»?

Vor Kurzem sprach mich meine Nachbarin an: Eine sehr belesene, interessierte und interessante 82-jährige Grossmutter. «Frau Sassine, ich habe Ihr Buch gelesen. Schon interessant, was ihr Eltern euch heute alles fragt. Damals haben wir einfach Kinder in die Welt gesetzt und die wuchsen halt nebenbei auf. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Ratgeber gelesen.» Was war ich neidisch auf diese kluge Frau! Schon das kleine Wort «nebenbei» im Zusammenhang mit Kindern und Erziehung! Wer würde das heute noch wagen?

Doch leider sind eben nicht alle Grossmütter so «cool», schon gar nicht die jüngeren unter ihnen. So wie Mütter und Väter sich in den letzten Jahren immer eingehender mit ihrer Rolle beschäftigt haben, so scheint dieser Trend jetzt auch auf die Grossmütter übergegangen zu sein. «Die GrossmutterRevolution» nennt sich das Netzwerk, die Plattform, der Thinktank. «Die Grossmütter von heute liegen nicht krank im Bett wie einst bei Rotkäppchen und getrauen sich kaum aus dem Haus. Sie sind gut gebildet, haben sich emanzipiert, sind berufstätig, politisch und kulturell interessiert.» liest man da beispielweise. Also bitte schön, das waren meine Grossmütter auch schon. Und das Argument «berufstätig» ist so ziemlich das arroganteste, was die Revolution zu bieten hat. Die Generation unserer Grossmütter hatte ja meist gar keine andere Wahl, als zu arbeiten, und jetzt soll das ein Attribut der «modernen» Grossmutter sein?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Grossmütter sind eine wunderbare Sache. Für die Kinder und für uns Eltern. Den Kindern geben sie ein Verständnis für Generationen, sie verwöhnen sie und schenken ihnen die Zeit, die Mami und Papi weniger erübrigen können. Für uns Eltern sind sie ein Segen, wenn sie die Kinder hüten. Ohne meine Mutter hätte ich den Wiedereinstieg ins Berufsleben nie so rund über die Bühne bringen können, mein Buch wäre nie geschrieben worden. Ich bin ihr sehr dankbar für ihr Grossmutter-Sein.
Doch habe ich meine liebe Mühe damit, wenn man sich dies so wahnsinnig gross auf die Fahne schreiben und sie so grossartig schwenken muss. Das Tückische daran ist, dass dieses «Ich bin die tolle, moderne Grossmutter!» für uns Eltern eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Es ist mehr als einmal vorgekommen, dass ich den Grossmüttern die Kinder «zur Verfügung» gestellt habe, weil sie wieder einmal einen Nachmittag Super-Granny spielen wollten. Obwohl ich vielleicht selber gerne mit den Kindern in den Zoo gegangen wäre. Es ging schon so weit, dass mich das Hüten-Lassen meiner Kinder mehr Aufwand gekostet hat, als dass es mir etwas brachte. Gleichzeitig wird aber natürlich grosse Dankbarkeit und wenn man die Kinder abholt, viele «Aaaah»’s und «Ooooh»’s erwartet ab den wunderbaren Bastelarbeiten, die einem vorgeführt werden. Bei mir hinterlässt das ganze einen faden Beigeschmack, wenn etwas so Normales wie Grossmutter-Sein immer ein «Bin ich nicht ein tolles, modernes Grosi?» mit sich bringt. Von den Grossvätern spricht ja auch keiner und auch sie sind toll und modern und «gut gebildet, haben sich emanzipiert, sind berufstätig, politisch und kulturell interessiert.» Oder etwa nicht?

Montag, 14. November 2011

Nie wieder Single!

Sollte man sich trennen, wenn die Leidenschaft die Beziehung verlässt? Oder ist das noch schlimmer? Ein paar Argumente gegen eine Trennung.

Vermehrt lesen wir in letzter Zeit, dass es sich durchaus lohnen, sich zu trennen. Obwohl die Scheidungsraten bereits millionenfach bewiesen haben, dass eine Beziehung nichts für die Ewigkeit ist, scheint dies ja offensichtlich keine Abschreckung darzustellen, sonst würden nicht etliche Paare den Bund für’s Leben wagen. Siehe auch letzten Freitag, dem 11.11.2011...,

Doch nun weht ein neuer Wind. „Singlesein ist der erstrebenswerte Zustand“ will uns beispielweise ein neues Buch weismachen. „Endlich Single“ von Robert Macia und Julien Péluchon, rechnet uns unter anderem vor, das Leben als Single sei günstiger, lustiger und freiheitskonformer. Eine Beziehung wird mit den Jahren vielleicht langweilig. Huch, das ist ja schrecklich, wer hätte das gedacht?... Im Ernst, ich glaube nicht, dass irgendwer heiratet in der Annahme, die anfängliche Verliebtheit (die hoffentlich zum Zeitpunkt der Eheschliessung schon verflogen und ernsthafteren Gefühlen Platz gemacht hat) dauere ewig an und Männlein und Weiblein hätten während der gesamten Ehe bis zu ihrem Lebensende täglich leidenschaftlichen Sex. Eben.

Doch diverse neue Bücher und Medien wollen uns weismachen, getrennt lebe es sich besser: Die „Huffington Post“ stellt den „Beginner’s Guide to Breaking Up“ vor, die New York Times spricht vom „Good Divorce“ und im Bekanntenkreis glaubt frau an eine wieder gewonnene Freiheit, wenn frau sich vom langjährigen Partner – der am Bauch angesetzt hat, was ihm an Haaren fehlt – trennt.

Ganz persönlich glaube ich einfach nicht an ein besseres Leben nach einer Trennung. Ausser man leidet unter der Beziehung, fühlt sich ungeliebt oder liebt nicht mehr. Aber nur weil eine Beziehung etwas eintönig geworden ist oder die Leidenschaft auf der Strecke blieb, ist eine Trennung meines Erachtens nicht die Lösung. Auf die Gefahr hin, hier wieder einmal als herzlos zu gelten (denn es ist wohl logisch, dass ich mich in erster Linie nicht trenne, weil ich meinen Mann noch liebe), ein paar Gründe, wieso ich nie wieder Single sein möchte:

-    Mein Mann ist mein bester Freund. Auch wenn wir mal alt und lustlos werden, würde ich meinen besten Freund sehr vermissen. Wahrscheinlich mehr als meinen Liebhaber und Vater meiner Kinder.

-    Als Single ist auch mein Körper wieder single. Um also auf dem Markt eine klitzekleine Chance zu haben, müsste ich a) die schwangerschafts- und stillgeplagten Brüste wohl operativ auf Vordermann bringen, b) überhaupt 20 Kilo abnehmen und c) mich regelmässig epilieren. (Obwohl, will man der letzten annabelle glauben, so sollte ich dies alles jetzt schon tun, damit mir mein Mann nicht davonläuft...)

-    Als Single müsste ich mich mit anderen Singles treffen. Nur dumm, dass ich zwei Kinder habe und gar keine Zeit, mich in irgendwelchen Single-Bars rumzutreiben. Und mich dafür zu epilieren. Und Lust noch weniger.

-    Die Auswahl an Single-Männern wird immer kleiner, bzw. uninteressanter. Die Suche nach Mr. Right macht mich müde, bevor ich überhaupt damit angefangen habe.

-    Wenn ich mir vorstelle, dass ich beim Online-Dating meine Vorzüge in ein paar Sätzen präsentieren soll, überkommen mich grosse Zweifel an meinem „Marktwert“. Was soll ich denn schreiben? „Ungeduldig“? (Was im Vorstellungsgespräch wie ein verstecktes Kompliment an sich selbst klingt, in meinem Fall aber tatsächlich ein sehr negatives Attribut ist.) „Scharfzüngig“? (Wer bitte kennt einen Mann, der sich gerne über’s Maul fahren lässt?) Und wenn ich dann zugeben soll, dass ich einen Hang zum Chaos und grösstes Untalent im Kochen aufweise, dann wird sich wahrscheinlich nur noch ein Messy mit einer Vorliebe zu Fast Food und Dominaspielen (oder noch schlimmer „DominOspielen“) finden lassen, oder nicht?

-    Ich lese immer wieder, dass Ganzkörper-Epilation der neuste Trend ist. Das ist eklig und ich will mir das einfach nicht antun (auch will ich keinen vollkommen epilierten Mann sehen. Nie.)

- Smalltalk. Können Sie sich an erste Dates erinnern? Wenn man ausgiebig über das Essen, das Wetter oder den letzten gesehenden Film spricht, weil man sich sonst nichts zu sagen hat? Bis dann endlich the one and only Seelenverwandte auftaucht, hat man eine Menge solcher erster Dates hinter sich bringen müssen.

-    Sollte ich mich aus all den genannten Gründen entscheiden, Single zu bleiben, sprich eben KEINEN neuen Mann zu suchen, da wären immer noch meine Kinder, denen ich diese Verantwortung nicht antun möchte. Und Weihnachten alleine feiern, stelle ich mir auch nicht so witzig vor.


Deshalb sind mir eigentlich Artikel und Bücher zum Thema „Wie halte ich meine Beziehung in Schwung?“ viel lieber, wenn auch weniger trendy. Doch nachdem Sie meine Gründe kennen, verstehen  Sie vielleicht, dass ich meinen alten Kochtopf eben doch lieber noch lange benutze, bevor ich mir einen neuen Steamer kaufe.

Oder wie sehen Sie das? Lieber alleine Party als zu zweit pantoffelig?

Freitag, 11. November 2011

Das Gewissen putzt mit

Mütter haben ein schlechtes Gewissen, soweit nichts Neues. Erstaunlich aber ist, WAS ihnen Kopfweh beschert.

«What Moms Choose», so heisst eine Studie des amerikanischen Working Mother Research Institute, in der knappe 4000 Frauen zu ihrer Situation als Frau und Mutter befragt wurden. Vieles ahnten wir schon, einiges ist überraschend. Davon ausgehend, dass eine solche Studie in unseren Breitengraden nicht viel anders ausfallen würde, hier ein paar Zahlen, die Sie beim nächsten Raclette im Pfännchen servieren können:
  • 55% der (ehemals) karriere-orientierten Vollzeitmütter, würden lieber arbeiten.
  • 71% der erwerbstätigen Mütter tun es nur wegen der Bezahlung.
  • 51% der erwerbstätigen Mütter haben ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen.
  • 55% der erwerbstätigen Mütter fühlen sich schuldig, ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.
  • 55% der Vollzeitmütter gaben Schuldgefühle, weil sie nichts zum Einkommen beitragen.
  • 44% der Vollzeitmütter fühlen sich schuldig ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.
Ausserdem fühlen sich erwerbstätige Mütter am meisten verurteilt in Sachen:  
  1. Haushalt
  2. Sorge für sich selbst
  3. Zeit mit den Kindern
Vollzeitmütter hingegen glauben, es werde in folgenden Belangen über sie geurteilt:
  1. Fehlendes Einkommen
  2. Haushalt
  3. Ungenutzte Bildung
Man kann es nicht ignorieren: Moderne Frauen messen sich noch immer an ihrem Haushalt. Seltsam, nicht? In Zeiten der vertauschten Rollenbilder und Vollzeit-Hausmänner, glauben wir Frauen immer noch, es sei von Bedeutung oder es sage etwas über uns aus, ob unser Haus sauber und aufgeräumt ist. Oder eben weniger. Warum ist das so?
Mein Haus ist sauber. Und zwar genau während der drei Stunden, die dem Putzen folgen (und nur deshalb, weil die Kinder dann noch nicht zu hause sind). Danach leben wir halt weiter und entsprechend sieht es auch aus. Aber ich muss selber zugeben, dass ich aufräume, wenn Besuch kommt, irgendwie scheine auch ich (und glauben Sie mir, ich bin alles andere als die perfekte Hausfrau) mich mit einem aufgeräumten Wohnzimmer besser zu fühlen. Aber Schuldgefühle habe ich deswegen keine. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Mann und Kinder für die Unordnung verantwortlich mache, wenn ich alleine wohnen würde, wär’s nämlich viel besser. 

«Das Handbuch für die gute Hausfrau» von 1955 scheint in den Köpfen immer noch hochaktuell zu sein. Dort wurde der Hausfrau allen Ernstes empfohlen, ihren Ehemann nach Feierabend mit einem Cocktail, den Pantoffeln, einer warmer Mahlzeit und natürlich einem piccobello aufgeräumten Heim zu empfangen. Der Traum eines jeden Mannes! Heute klingt es mehr so: «Bringst du bitte den Müll raus und kannst du die Kinder baden und übrigens, ich gehe aus, bitte kümmere dich um’s Abendessen!» Oder so ähnlich. 

Und jetzt meine Frage: Gäbe es ein «Working Dad Institute», wie stünde es da um das schlechte Gewissen der Männer bezüglich ihrem Haushalt? Wahrscheinlich gibt es deshalb keines: Weil wir die Antwort darauf schon kennen.

Mittwoch, 9. November 2011

Doktorspiele oder sexuelle Belästigung?

Eine amerikanische Studie zeigt dise Woche auf, dass fast die Hälfte der Kinder - wenn auch mehr Mädchen als Jungs - in der Schule "sexuell belästigt" werden. Ich schäme mich ein bisschen, diesen Ausdruck in Anführungs- und Schlusszeichen zu setzen, denn es liegt mir fern, ein solches Fehlverhalten zu minimieren.

Doch meine erste Reaktion auf die Studie war erst einmal: Die Amis sind wiedermal hysterisch, früher nannte man das einfach Doktospiele! Oder einfach Geblödel vorpubertierender Kids, die glauben zu wissen, was sie tun.

Die Wahrheit sieht etwas besorgniserregender aus: Denn seit es auch die Cyber-Belästigung gibt, wollen viele Kinder am liebsten gar nicht mehr in die Schule, weil sie sich schämen oder den Gerüchten aus dem Weg gehen möchten.

Und nun meine Frage an euch: Was sind eure Erfahrungen mit dem Thema? Haben eure Kinder schon mal etwas erzählt? Und wie war das bei euch als ihr klein wart?

Ich mache mal den Anfang: Unsere Schule hatte die tolle Idee, eine Statue einer nackten Frau vor dem Haupteingang aufzustellen. Da ich eine der ersten war, die einen BH brauchten, wurde mir dieser während der Turnstunde aus der Garderobe geklaut und ich fand ihn an besagter Statue wieder. Natürlich habe ich mich geschämt. Natürlich hätte ich mich am liebsten verkrochen. Doch würde man diesen dummen Streich heute auch unter "sexueller Belästigung" laufen lassen?

Gerne würde ich ein paar Erfahrungsberichte aus der Schweiz und Europa sammeln, um der Problematik ein Gesicht zu geben. Bitte kommentiert diesen Post doch einfach, auch anonym. Oder auf Facebook.

Herzlichen Dank für eure Hilfe.

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