Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ihr Kinderlein wartet...

Späte Elternschaft hat angeblich gravierende Konsequenzen. Sind die Kinder erst einmal da, ist die Frage «Was wäre gewesen, wenn?» aber ohnehin müssig, wie eine aktuelle Debatte zeigt.

«Im letzten halben Jahrhundert hat Elternschaft eine simple und gleichzeitig grundsätzliche Veränderung erfahren, so dass wir erst beginnen, deren Ausmass zu begreifen. Wir bekommen unsere Kinder heute viel später als das früher der Fall war.» So beginnt Judith Shulevitz’  Leitartikel in der Dezember-Ausgabe des «The New Republic». Der Titel «How Older Parenthood Will Upend American Society», gibt bereits den Pathos des Inhaltes vor.


Klar, späte Elternschaft ist nicht nur in den USA eine Tatsache, die sich statistisch belegen lässt. Die Eltern sind älter denn je und Shulevitz zählt in ihrem Text auch die Gründe dafür auf, warum sie das für alarmierend hält. Etwa, weil Ehepaare ab einem gewissen Alter auf Methoden der Fruchtbarkeitsmedizin zurückgreifen, bei denen die Langzeitwirkungen noch ungeklärt sind. Sie erwähnt auch, dass vermehrt Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern auftreten, was gemäss gewissen Wissenschaftlern am fortgeschrittenen Alter der Eltern und einer damit auftretenden Chromosomenabnormität liegen könnte. Frischgebackene Mütter und Väter jenseits der 40 riskieren zudem, sich als typische Vertreter der «Sandwich-Generation» fühlen zu müssen. So werden jene Menschen bezeichnet, die sich gleichzeitig um einen Säugling und die eigenen Eltern kümmern müssen. Ah ja und nicht zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass alte Eltern sterben könnten, bevor das Kind volljährig ist.

Shulevitz hat recherchiert und die ganzen wissenschaftlichen Belege sind beeindruckend, wenn auch nicht neu. Zu Gute halten muss man der Autorin, dass sie eine der ersten ist, die nicht alleine die Mütter für die gesundhetlichen Risiken der späten Geburt verantwortlich macht, sondern auch auf die Rolle der Väter verweist. Seit diesem Jahr weiss man schliesslich, dass auch ältere Väter ein gesundheitliches Risiko für das Ungeborene darstellen, das mit dem Alter exponentiell steigt. 

«Was wäre gewesen, wenn?»Spannend ist die Debatte, die sie damit ausgelöst hat. Der Grundtenor: Was bringt das Wissen um die zahlreichen Risiken? Soll man sich nun dauernd hinterfragen «Was wäre gewesen, wenn?». Das der Tenor der Kommentare in vielen Blogs und meinungsmachenden Medien zu Shulevitz’ Artikel. Ausgeblendet wird von ihr nämlich die Tatsache, dass die Entscheidung, ein Kind in die Welt zu setzen, in den meisten Fällen keine wirkliche Entscheidung ist, sondern vielmehr eine Frage der Umstände.

Die Gründe für das Aufschieben sind meist ganz praktischer Art: Die Suche nach dem richtigen Partner, die finanzielle Absicherung, die Fruchtbarkeit, die Karriere. Manchmal ist es schlicht und einfach die Zeit, die so schnell vorbei geht oder die eigene Jugendlichkeit, die das biologische Alter vergessen lässt. Es gibt viele Gründe, für eine frühe Elternschaft, doch irgendwann ist die Diskussion darüber müssig, weil es schlicht und einfach nicht hat sollen sein. 

Späte EinsichtenSo schreibt die «Slate»-Autorin Alison Benedikt: «Ich wünschte, wir hätten früher angefangen, Kinder zu kriegen, sagen wir, fünf Jahre früher, so dass wir mit 40 keine falsche Trennwand mehr zwischen unserem und dem Kinderzimmer bräuchten.» Sie hat sich nämlich ausgerechnet, dass sie erst wieder für eine grössere Wohnung sparen könne, wenn die Kinder eingeschult und somit die Betreuungskosten wegfallen. Früher konnten sie nicht, weil sie noch zu wenig verdienten, heute, weil die Kinder das Budget strapazieren.

Immer wieder wird über den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen diskutiert und auch wenn das Alter ohne Zweifel ein wichtiger Aspekt ist, so ist es mit Sicherheit nicht der einzige. «Sich dauernd zu hinterfragen, ob man nicht lieber früher oder später Kinder gehabt, Single geblieben oder geheiratet, den Job angenommen oder abgelehnt hätte, ist ein unnötiges Trauern um eine Person, die man vielleicht geworden wäre, wenn man nur «richtig» entschieden hätte», so Noah Berlatskys Antwort auf die «Was wäre gewesen, wenn»-Debatte im «The Atlantic».

Und was das Umkrempeln der amerikanischen Gesellschaft angeht, wie sie Judith Shulevitz ähnlich einer Maya-Vorhersehung prophezeit, gilt es klaren Kopf zu bewahren. Die Gesellschaft wird sich wegen der paar älteren erstwerdenden Eltern noch lange nicht grundlegend verändern. In den USA liegt die durchschnittliche Quote der Erstgebärenden bei 25, in der Schweiz bei 31.4 Jahren. Ja, viele Frauen und Männer werden heute mit knapp 40 Eltern, doch ist das noch lange nicht die Mehrheit. Das mag am Ticken der biologischen Uhr oder an den hohen Kosten einer Hormon-Behandlung liegen. Vielleicht entscheiden sich aber nach wie vor viele aus dem Bauch heraus für Kinder. Früher oder später.

 

 

Montag, 17. Dezember 2012

Vor laufender Kamera





Wie trauert man um ein ermordetes Kind? Privat oder öffentlich?

Newtown. Der Begriff für den absoluten Horror. Wie «Tsunami» oder «911». Das Städtchen in Connecticut erlebte am Freitag den Weltuntergang, eine Woche vor dem des Mayakalenders.

Auch für uns, auf der anderen Seite des Atlantiks, ist es schwierig, die Bilder der traurigen Kinder und bestürzten Eltern sind kaum auszuhalten. Doch wir zappen nicht weg. Nicht, dass es etwas nützen würde, aber das Gefühl, den verwaisten Eltern auf diese Weise zur Seite zu stehen, ist irgendwie tröstlich. Wir bleiben auf Sendung, sozusagen.
 
Bis zu dem Zeitpunkt, wenn der erste Vater ans Mikrophon kommt. Jeder, der selber Kinder hat, kann sich – wenn auch nur theoretisch – vorstellen, was es heisst, eben diese zu verlieren. An einen psychisch gestörten Amokläufer. Grausam. Auch darf sich wohl niemand anmassen, zu sagen, wie man diesen Verlust betrauern soll.

Dennoch. Geht es nur mir so, oder hat es immer etwas dubioses, wenn nur Stunden nach einer solchen Tragödie der erste Vater, die erste Mutter, vor die Kameras tritt und seiner Trauer vor der gesamten Welt Ausdruck verleiht? Es ist wunderbar, wie Robbie Parker seine verstorbene Emilie beschreibt. Natürlich war sie ein fröhliches Mädchen, ein Sonnenschein, intelligent und geliebt. Auch ist es beeindruckend, dass der Dreissigjährige an die Familie des Täters denkt, für die es nicht minder schwer ist, das Ganze zu verkraften. Doch warum vor laufender Kameras? Warum nicht beispielsweise als Brief in einer nationalen Zeitung? Und sind die persönlichen Familienbilder nötig, um die Tragik dessen, was geschehen ist, zu messen? Ich will damit nicht sagen, dass er nicht wirklich trauert, doch ich kann nicht anders, als bei solchen Szenen – seine Rede geht zur Zeit um die Welt – an Andy Warhol zu denken. Der sagte angeblich: «Jeder wird eines Tages 15 Minuten Ruhm erfahren haben.»
Könnten Sie an die Öffentlichkeit treten, gerade einmal 48 Stunden nach einer solchen Tragödie? Ich nicht.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Kinder kriegen, Finanzen regeln



Wollt ihr wissen, was Budgetplanung ist? Werdet schwanger, dann lernt ihr es von alleine!

In diesen Tagen wird viel Geld ausgegeben, das perfekte Geschenk ist oft nicht das Günstigste. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber wir mussten eine Art Weihnachts-Geschenke-Budget machen, damit das Geldausgeben nicht ausartet. Früher war das kein Thema. Rückblickend könnte man sogar sagen, wir hätten meist über unsere Verhältnisse gelebt, nur war das nicht so schlimm. Wir waren ja nur für uns selber verantwortlich. Seit wir Eltern sind, ist alles anders. Auch in Sachen Buchhaltung.

Wenn man also lernen will, mit Geld umzugehen, muss man nur Kinder in die Welt setzen. Nicht, dass Kinder wahnsinnig teuer wären, das kommt ganz auf die Einstellung der Eltern und deren Möglichkeiten an. Dennoch musste ich portemonnaie-technisch einiges dazulernen, seit ich Kinder habe:
  1. Ausgehen ist Luxus. Windeln nicht. Die Prioritäten ändern sich. Drastisch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
  2. Die Kinder werden so schnell gross! So gerne ich früher schon Schuhe kaufte, für mich selber waren es dann doch nicht sechs Paar pro Jahr. Jetzt schon. Mal zwei! Ganz zu schweigen von Jacken, Hosen und so weiter und so fort.
  3. Einkaufen ohne Liste kommt viel teurer. Vor allem, wenn die Kinder dabei sind. «Mami, darf ich ein Brötchen?», «Wir hatten schon lange keinen Lachs mehr!» Doch nicht nur die Kleinen, auch ich selber shoppe mehr nach Lust und Laune, wenn ich meine Liste – wieder mal – zu Hause liegen gelassen habe. Eltern sein bedingt auch hier eine gewisse Planung, um nicht bankrott zu gehen.
  4. Ein kleines Polster schafft ruhigere Nächte. Notfälle, die es zu berappen gilt, kommen mit Kindern einfach häufiger vor. Von der Zahnspange bis zum neuen Velo, weil das alte gestohlen wurde: Ein paar Franken im Monat zu sparen, ist ein Muss, um ruhiger schlafen zu können.
  5. Kein schlechtes Gewissen haben. Natürlich sollte man nicht die ganze Miete für ein Wellness-Weekend ausgeben. Aber eine Massage oder ein Magazin-Abonnement sollte drin liegen. Wenn die Eltern mal abschalten können, tut das doch der ganzen Familie gut, oder nicht? Hierfür gibt es ja mittlerweile genug Websites mit vergünstigten Angeboten, damit das schlechte Gewissen gar nicht erst aufkommt.
  6. Das Bedürfnis, die eigenen Kinder zu verwöhnen, ist riesig! Um diese Jahreszeit muss ich immer besonders aufpassen, die Versuchung ist einfach zu gross. Natürlich hat man erzieherische Prinzipien, aber wenn man in der Spielwarenabteilung steht... Also unbedingt dagegen ankämpfen und nur wenige, dafür wirklich gewünschte Geschenke kaufen. Das Lächeln der Kleinen an Heiligabend wird uns Recht geben.

Und was haben Sie für Ihre Finanzen gelernt, als die Kinder da waren?

Sonntag, 9. Dezember 2012

Wie die böse Schwiegertochter



Die Kritik an Valérie Trierweiler im «Magazin» ist unangebracht. Ein Kommentar.

«Sie hat Hollandes Ruf beschädigt.» Dies die Worte von Elizabeth Day, Journalistin beim «The Observer», im «Magazin» von Samstag. Die Rede ist von Valérie Trierweiler, Frankreichs First Lady, die diese Rolle einerseits widerwillig, andererseits berechnend eingenommen hat.

Miss Day hätte vielleicht nicht nur vermeintliche Biografien und Wahlprotokolle in Buchform lesen sollen, das Gespräch mit ein paar Franzosen zu suchen, wäre ebenfalls angebracht gewesen.

Man mag Dame Valérie nämlich vieles vorwerfen, beispielsweise dass sie ihre beiden Rollen – die der Journalistin und die der Première Dame – nicht trennen kann. Oder auch, dass sie Mühe hat, beides unter einen Hut zu bringen, je nach dem, was man bevorzugt. Dass sie verwantwortlich für «Flambis» sinkende Popularität verantwortlich sein soll, ist jedoch schlicht nicht wahr.

«Flambi» soll es richten
Ohne den Anspruch auf politische Analyse erheben zu wollen: Nicht wegen Trierweilers angeblicher Dominanz haben die Franzosen ihm den Spitznamen eines "Wackelpuddings" gegeben, sondern wegen der hohen Erwartungen, welche die Grande Nation nach jeder Wahl an den neuen Präsidenten stellt. Alles muss SOFORT besser und einfacher werden. Und mit ALLES meint le Français: Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, Umwelt, Armut, Bildung. ALLES halt. Nun ist François Hollande seit etwas mehr als einem halben Jahr im Amt und arbeitet an den diversen Versprechen, die er während seines Wahlkampfes gegeben hat. Dies zur grossen Unzufriedenheit der an staatliche Assistenz gewöhnten Bevölkerung, welche sich von einer sozialistischen Regierung noch viel mehr Unterstützung erhofft hat, ungeachtet der finanziellen Krise, in der das Land seit Jahren steckt. Hollande hinkt den Erwartungen hinterher und seine – im Vergleich zum seinerzeit impulsiv und teils überstürzt handelnden Sarkozy – eher lasch wirkende Persönlichkeit machen aus ihm keinen Publikumsmagneten, soviel steht fest. Dass er inkonsequent in seinen Aussagen ist (er befürwortet die Homo-Ehe, gibt aber an, ein Bürgermeister, der das nicht will, muss keine gleichgeschlechtlichen Paare zu trauen) und seinen Apparat), so scheint es, in PR-Sachen nicht immer im Griff hat, steht ebenfalls ausser Frage. So skandierte sein Innenminister Mannuel Valls vor Kurzem im Parlament, der grassierende Terrorismus im Land sei das Werk der rechten Parteien.

Zu behaupten, seine Lebensgefährtin habe wegen ihres Charakters und eines unangebrachten Tweets seinem Ruf geschadet, kann man deshalb so nicht stehen lassen. Die Franzosen haben weit grössere Probleme als die Frage, ob die First Lady ihre First Choice wäre. Dass Valérie Trierweiler ihren Job behalten hat und nicht nur ihrem Président zudienen will, entspricht wiederum der Einstellung vieler gebildeter Französinnen, die sich in ihr wiedererkennen. Dieser Entscheid macht aus ihr nämlich eine Frau wie jede andere. Die Aussage, «Sie hat Hollandes Ruf beschädigt» klingt hingegen wie die Kritik einer Schwiegermutter an ihrer Schwiegertochter.

Erschienen heute auf clack.ch.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Worüber Kate und William reden sollten



Bevor das königliche Baby kommt, sollten die Royals ein paar Punkte klären. Alle anderen werdenden Eltern übrigens auch.

Kate und William erwarten ein Baby und die Welt freut sich. Wieso man sich über eine königliche Geburt mehr freuen soll als über irgendeine andere, ist jedem selber überlassen. 

Doch wenn wir zurückdenken an die Zeit vor der Geburt und daran, wie es dann wirklich war, möchten wir dem jungen Paar doch ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. So ist im Falle des Elternwerdens Reden viel mehr wert als Silber und Gold zusammen. Es ist das A und O einer funktionierenden Beziehung und wenn ein Baby da ist, noch um einiges wichtiger. 

Denn wer zum Beispiel vor der Geburt dachte, es komme nie und nimmer in Frage, dass das Baby im Ehebett schläft, muss das vielleicht noch mal überdenken. Spätestens wenn die kleine Nervensäge nur dann nicht weint, wenn es bei Mama und Papa liegen darf. Am schlimmsten ist es natürlich, wenn es für Papa vollkommen in Ordnung ist (ja, er sich sogar darüber freut) und Mama derweil kaum ein Auge zukriegt. 

Deshalb möchten wir Kate und William klar sagen, worüber sie sich VOR der Geburt einig sein müssen, damit das mit dem Kind kein täglicher Kampf wird. Schliesslich haben sie noch ein paar Monate Zeit, gewisse Punkte auszudiskutieren. Natürlich gilt Folgendes nicht nur für königliche Eltern:
  1. Die Geburt
    Der Buckingham Palace mag sich für vieles eignen, für eine Hausgeburt wohl weniger. Ausserdem sollte das Paar sich über die Art der Niederkunft einigen, ob Kaiserschnitt, natürlich, mit oder ohne Schmerzmittel und ob sie einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen sollen. (Was im Falle der Royals ein guter PR-Gag wäre.)
  2. Namen
    Und zwar ohne die Queen oder Charles vor der Geburt darüber zu informieren. So ersparen sie sich Diskussionen darüber, ob George (der eigentlich Albert hiess) nicht ein schlechtes Omen wäre, schliesslich hat der gestottert, erinnern Sie sich? (Lesen Sie dazu «The Kid's Speech».)
  3. GeldBei den Royals kaum ein Thema. Für alle anderen: Ein Kind kann viel kosten, am besten spart man schon während der Schwangerschaft und einigt sich darüber, wie das Geld – und falls ein Elternteil weniger arbeitet, weil jetzt das Kind da ist, erst recht – im Haushalt aufgeteilt werden soll. Was gut funktioniert: Ein gemeinsames Konto für die Familie, Taschengeld für jedes Elternteil, Kindergeld auf ein Jugendkonto. Wenn es die Finanzen denn erlauben.
  4. Stillen
    Die Unterstützung des Vaters ist wichtig, er darf sogar nachts mal aufstehen, um der Mutter das Baby zum Stillen zu bringen. Wenn’s aber für beide zu mühsam ist: Lasst es sein! Schliesslich gibt es genug Pulvermilch, die das Baby frei von Stress ernähren kann. Auch darüber sollten sich die Eltern einig sein.
  5. Religion: Gerade zurzeit ein wichtiges Thema. Sollten die Eltern verschiedene Glaubensrichtungen haben, müssen sie wissen, wie sie in der Erziehung damit umzugehen gedenken.
  6. ErziehungNatürlich hat man anfangs keine Ahnung, wie das Kind sein wird und welche Erziehung wirklich angewendet werden soll. Doch über die Grundsätze – laisser faire, streng, intuitiv etc. – sollte man sich schon einig sein. Das vereinfacht es später und vermindert die Diskussionen vor dem Kind.
  7. ErnährungIst es okay, wenn das Kleinkind bei Oma Süsses bekommt oder gar nicht? Darf Papa immer nur Tiefkühlpizza servieren, wenn Mami ausgeht? Es muss nicht immer Bio und hausgemacht sein, ein paar Abmachungen schaden aber nie.
  8. VerantwortungsaufteilungWer arbeitet ausser Haus, zu wie viel Prozenten? Wer betreut die Kinder: Oma, Krippe, Nanny? (Lesen Sie dazu: «Krippe, Tagesmutter oder Grosi?»)Und nicht vergessen: Das kann sich immer wieder ändern, je nach Alter des Kindes und Jobsituation der Eltern. Egal, wie viel abgemacht wurde, man muss flexibel bleiben.
  9. Familienbett
    Unbedingt ausfechten, ob und wie lange das Kind im Ehebett schlafen darf! Oder im Gästezimmer eine gute Matratze bereithalten.

  10. SexAuch das sollte vor der Geburt schon besprochen werden. Denn in den meisten Fällen schwindet das Interesse daran, wenn das Baby erst einmal da ist. Darauf kann man sich vorbereiten, damit die intimen Momente nicht von unausgesprochenen, negativen Gefühlen ausgefüllt werden. Und so darauf hinarbeiten, dass das Verlangen wieder kommt.
Was würden Sie werdenden Eltern zudem empfehlen, was vorher diskutiert werden muss?

Montag, 3. Dezember 2012

Teilzeitmann? Rabenvater?





Für Väter liest man vermehrt Begriffe, die einen falschen Eindruck vermitteln oder gar vollkommen sinnfrei sind. Ein Überblick.


Rund um die Diskussion zur Rolle der «Neuen Väter», die letzte Woche auch im «Club» diskutiert wurde, stolpert man in letzter Zeit über fragwürdige Begriffe, die man mir wirklich einmal erklären sollte. Ob ein Mann mehr oder weniger arbeitet, mehr oder weniger Zeit mit den Kindern verbringt, ob er den Haushalt macht oder nicht, oder eben lieber am Wochenende nur Zeitung liest, das alles macht aus einem Mann doch keinen anderen Mann. Aus einem Vater wird doch nicht ein anderer Vater. Was also bedeuten folgende Begriffe:

Teilzeitmann
Dieser ist so bezeichnend, wenn man die heute herrschenden Verhältnisse anschaut: Ein Mann, der «nur» Teilzeit erwerbstätig ist, ist eben auch nur teilweise ein Mann. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich hier.

Teilzeitvater
Was unterscheidet ihn vom Vollzeitvater? Die Scheidung? Der Job? Ist ein Vater, der 60 Prozent seiner Zeit nicht bei den Kindern verbringt, nur noch ein 40-prozentiger Vater? Ist er denn im Büro kein Vater mehr, denkt er etwa nie an die Kinder oder geht ans Telefon, wenn es zu Hause brennt? Diese Frage stellt man sich bei den Müttern übrigens genauso. Welche Mutter würde sich selber als Teilzeitmutter bezeichnen?

Wochentagspapi
Das ist mein Lieblings-Begriff. So bezeichnen sich Väter, die nicht nur am Wochenende zu Hause sind, sondern während der Woche auch einen «Papi-Tag» haben. Oder mehrere. Das sind dann die Super-Helden. Sind Sie auch ein Wochentagsmami? Und brüsten Sie sich damit? Eben.

Hausmann
Der berühmteste unter ihnen macht es vor: Er ist gar nicht «nur» Hausmann. Er ist nämlich Journalist, ein Beruf, den man eben auch von zu Hause aus ausüben kann. Etwas, was vielen Hausfrauen nicht möglich ist, was der Bezeichnung «Hausfrau» nun mal eine ganz andere Note gibt als dem Bänz Friedli. Selber kenne ich keinen richtigen Hausmann, leider. Doch für mich ist klar: Ein waschechter Hausmann ist nur dann einer, wenn er die gesamte Palette an Langeweile, Sisiphus und Glücksmomenten kennenlernt wie all die Hausfrauen, die diesem Land regelrecht dienen. Sonst ist und bleibt es eben eine schöne Bezeichnung für einen Mann, der ausnahmsweise mehr Hausarbeit übernimmt als die Frau. Mehr nicht.

Familienvater
Was denn sonst? Ein Vater kann doch nichts anderes sein als ein Familienvater. Ohne Familie, kein Vater. Einer, der sich gar nicht um die Kids kümmert oder markant zu wenig, ist kein Vater. Ein Erzeuger vielleicht, wenn ich ganz schlecht drauf bin, ein Samenspender. Mit Vater sein hat das aber nichts zu tun.

Rabenvater
Der musste ja kommen. Wo Rabenmütter sind, folgen auch die Rabenväter, zumindest sprachlich. Ähnlich der Rabenmutter, ist ein Rabenvater ein karrieregeiler Erzeuger. Sage nicht ich, sagt die Gesellschaft. Da gilt aber natürlich dasselbe wie für Vollzeit arbeitenden Mütter: Bloss, weil ein Vater fünf Tage die Woche finanziell für seine Familie sorgt und «nur» am Wochenende zu Hause ist, macht das aus ihm noch lange keinen karrieregeilen Rabenvater. Sondern einen verantwortungsbewussten Familienmenschen, der seinen Liebsten einen gewissen Wohlstand ermöglichen möchte. Und nicht zu vergessen, dass die meisten gar keine Wahl haben, nicht alle sind Journalisten oder haben sonst einen Beruf, den sie Teilzeit ausüben können. Ganz zu schweigen vom fehlenden Geld.

Das haben sogar feministische Organisationen verstanden, wie der Auftakt zu den diesjährigen «16 Tagen»* zeigt: «Wo sind die karrieregeilen Rabenväter?» lautete der Slogan in Bern.

Ja, wo sind sie nun? Überall oder nirgends? Was haltet ihr  von solchen Begriffen?

*Während 16 Tagen werden diverse Themen rund um Rollenbilder besprochen. Die einzelnen Veranstaltungen sehen Sie hier.

Donnerstag, 29. November 2012

«Ich liebe dich, aber ich muss jetzt den Kleinen füttern»



Die Prioritäten einer Mutter liegen bei den Kindern. Hier ein paar Tipps, damit die Beziehung trotzdem nicht einschläft.

Als Mutter kann es durchaus vorkommen, dass man vergisst, Ehefrau zu sein. Viele Mütter – vielleicht die meisten – vernachlässigen ihren Partner und ihre Beziehung. Gestohlene Küsse, angeregte Gespräche, Sex an ungewöhnlichen Orten, Sex überhaupt, romantische Spaziergänge.... Das alles kommt zu kurz, sobald Kinder da sind. Kurze Nächte, lange Tage und die kindlichen Bedürfnisse haben in den ersten paar Jahren Priorität. Wie könnte man es einer Mutter verdenken? Wenn das Baby schreit, muss Papa halt warten! 

Nun beobachte ich in letzter Zeit immer mehr Menschen, die das schon hinter sich haben und Neulingen erklären, das sei nur eine Phase, es gehe vorbei. Von alleine? Wirklich? Dann hatten diese Mütter und Väter aber grosses Glück. Oder waren zu müde, um zu merken, dass ihre Beziehung keine mehr war. Gratuliere! 

Nur noch Mami und Papi
Doch bei den meisten ist die Gefahr doch sehr gross, dass aus Frau und Mann Mami und Papi werden – und das für immer. In der Schweiz gehen immer noch fast 50 Prozent der Ehen in die Brüche, viele davon in den ersten paar Jahren, nachdem die Kinder da sind. Der Zusammenhang scheint klar. 


Freunde von uns haben eine süsse kleine Tochter, die aber einiges an Aufmerksamkeit fordert. Wenn sie etwas will, dann sollen Mami und Papi gefälligst alles stehen und liegen lassen und sich um sie kümmern. Wenn man sich nun zum gemütlichen Abendessen trifft, ist es für besagte Eltern eben selten gemütlich. «Könntest du bitte auch mal schauen?» «Aber ich habe sie gerade gewickelt!» «Und ich ihr den Schoppen gemacht!» Kennen Sie das? Die unsichtbare Liste, die man im Hinterkopf führt? Darüber, wer was tut und was nicht und wer jetzt dran wäre? 

Es geht vorbei
Da erstaunt es doch kaum, wenn man keinen Kopf mehr für die Beziehung hat. Geschweige denn für’s Epilieren, Haare waschen und verstohlene Zungenküsse. Was wiederum noch weniger Lust macht auf den anderen. Der klassische Teufelskreis. Auch die Eltern der fordernden Kleinen bestätigten mir das: Die Partnerschaft muss hinten anstehen. 


Der geht zwar vorbei, aber nur, wenn man ihn auch erkennt und etwas dagegen tut. Es hilft sicherlich, zu wissen, dass die Beziehung wieder an Priorität gewinnt, wenn die Kinder grösser sind. Doch bis dahin vergehen vielleicht drei Jahre und da kann viel passieren.
Gerade jetzt in der Adventszeit leidet die Beziehung am meisten. Zu viel los, zu wenig Zeit, weshalb Intimität gerade jetzt wichtig scheint. Hier ein paar Tipps aus einer amerikanischen Studie, um die Partnerschaft nicht erlahmen zu lassen: 

1. Machen Sie klare Ansagen. Der Partner kann keine Gedanken lesen, gerade in Stresszeiten noch weniger. Frauen neigen dazu zu denken: «Das müsste er doch verstehen!» Tut er nicht. Also sagen Sie klar, was Sie wollen. Und was nicht. 

2. Sie sind die Lösung. Erwarten Sie nicht vom anderen, etwas zu ändern, damit Sie mehr Lust auf ihn haben. Wenn Sie sich mehr Hilfe von ihm wünschen, damit sie weniger müde sind, wird er wiederum erwarten, dass sie etwas weniger mürrisch sind, damit er ihnen hilft. Das hört nie auf. Womit wir wieder bei Punkt 1 wären. 

3. Erfinden Sie Neues. Sex im Ehebett, nachdem die Kinder darin gestillt und gewickelt wurden, geschlafen und gekotzt haben, ist wenig prickelnd. Immer dasselbe Restaurant, in dem Sie immer denselben Fisch bestellen, ebenso wenig. Wagen Sie Neues, es muss ja nicht gleich Bungy Jumping sein. 

4. Bleiben Sie in Blickkontakt. Anziehung spielt sich vor allem über Blicke ab. Vergessen Sie also nicht, Ihrem Partner ab und zu in die Augen zu schauen. Nicht nur dann, wenn er den Müll wieder einmal nicht rausgetragen hat und Sie ihn böse anfunkeln. 

5. Denken Sie mit. So, wie Sie von ihm erwarten, dass er Ihnen mehr im Haushalt hilft (ich bemühe hier das Cliché), so dürfen Sie nicht vergessen, dass er auch gearbeitet hat. Zwar ohne Kindergeschrei und Auf-Lego-Steine-Treten-Schmerz, aber vielleicht war sein Tag auch nicht besonders toll. Wenn wir wollen, dass der andere anerkennt, was wir den ganzen Tag tun, sollten wir das eben auch. 

Und wie halten Sie Ihre Ehe in Schwung? Weitere Tipps nehmen wir gerne entgegen!

Freitag, 23. November 2012

Advent, Advent, nicht eine Mutter pennt...





Oder was macht ihr nachts? In der Vorweihnachtszeit sind die Nächte kurz. Und die To-do-Listen lang. 


Es ist neun Uhr abends. Erschöpft liege ich auf dem Sofa und schaue irgend etwas im Fernsehen, an das ich mich nächstentags nicht mehr erinnern werde. Das hat einerseits mit der grausigen Qualität der meisten Sender zu tun, andererseits aber vor allem damit, dass ich nicht ganz anwesend bin. Das wiederum hat einerseits damit zu tun, dass ich einfach zu hundemüde bin, um mich für die Heldin im Film und ihre Sorgen zu interessieren. Vor allem aber damit, dass ich selber Sorgen habe. Luxus-Sorgen, wohlgemerkt, aber Sorgen halt.

Zurzeit arbeite ich nämlich dauernd an einer To-do-Liste. Diese beinhaltet sämtliche Tätigkeiten, die in den nächsten sechs Wochen bis Weihnachten erledigt werden müssen. Und ein paar für Januar. Nicht nur to-dos, auch to-buys, to-fix, to-learn, to-read und – das ist zwar das ganze Jahr hindurch so – to-write.
 
Tagsüber Listen zu führen, ist ja nichts Weltbewegendes, alle tun das, sogar unsere Kinder. Mühsam wird es dann, wenn wir nachts aufwachen und die mentalen To-dos weiterführen. Und entsprechend nicht mehr einschlafen. Eine Umfrage im Bekanntenkreis ergab, dass ich nicht die einzige Mutter bin, deren Liste immer länger und vorwiegend nachts ergänzt wird.
 
1. Geburtstag Tochter- Zutaten Kuchen
- Geschenk einpacken
- Deko: Alles Samstagabend vorbereiten, damit sie Sonntagmorgen die Überraschung erlebt.
- Hoffen, das an besagtem Tag alles gut geht, sie höflich danke sagt und alle happy sind. 


2. Besuchstag Schule Sohn- Babysitter für Tochter organisieren
- Artikel vorschreiben, da an besagtem Tag keine Zeit. - Haare am Abend vorher waschen, morgens zu stressig 


3. Adventskalender organisieren (ja, das ist schon schuurig bald!)
 
4. bis XXX Einladungen, Apéros, Arztbesuche, Verwandtendiskussionen, Chauffeur spielen und so weiter, und so weiter.
 
Schon für Weihnachten alleine könnte ich drei A4-Seiten mit To-dos und To-Think-Abouts füllen! 
 
Einfach eine Nacht durchschlafen, wäre wiedermal nett. Aber dann könnt ihr sicher sein, dass unsere Kleine einen Alptraum hat und unbedingt bei Mami und Papi schlafen muss. Quer im Bett liegend, versteht sich. Na dann, gute Nacht!
 
Wie handhabt ihr eure Listen? Schön eins nach den anderen? Alles im Kopf oder auf ausgetüftelten Excel-Files? Oder lasst ihr euch gar nicht stressen von der Vorweihnachtszeit?

Donnerstag, 15. November 2012

Das aktive Kind



Müssen Kinder Hobbies haben? Und wenn ja, wieviele?

Der Klassiker. Mein Sohn wollte Fussball spielen, nicht erst seit der EM, aber seit es den Film «Die wilden Kerle» gab. Sprich: Schon immer! Also meldeten wir ihn im Nachbardorf beim Fussballclub an. Die grosse Aufregung! Das Outfit musste her (ich weiss, es heisst im Fussball nicht Outfit, aber was ist es anderes als die passende Kleidung? Eben!), die Schuhe, es wurde rund um das Training rumorganisiert. Wer bringt in wann, wer holt ihn ab, wann hat er Zeit, um etwas zu essen, was machen wir mit der kleinen Schwester währenddessen etc.?

Denn bereits Erstklässler bzw. Junioren F haben zweimal die Woche Training. Ganz ehrlich? Wenn ich das beim Anmelden gesehen hätte, hätten wir es sein lassen. Denn neben Schule, Flöte, Hausaufgaben und Freunde treffen, waren zwei Trainigseinheiten pro Woche viel. Zu viel, wie sich herausstellte. Nach dreiviertel Jahr mussten wir den kleinen Grossen wieder abmelden. Nicht nur, weil Mami keine Lust mehr hatte, den gestressten Sohnemann vier Mal die Woche hin- und herzufahren und sich andere «Soccer-Moms» anzutun. Auch - und vor allem – weil bei ihm ziemlich bald total die Luft raus war.
Sein Montag sah nämlich beispielsweise wie folgt aus: Schule bis Mittag, nach Hause kommen, essen, nachmittags wieder in die Schule. Kaum wieder zu hause, z'Vieri, eine halbe bis eine Stunde Hausaufgaben (je nach Tagtraumpegel), danach gleich ins Fussball-Trikot stürzen und weiter ins Training. Abends erst um 19 Uhr wieder zu hause, duschen, essen und ab ins Bett. Die zweite Trainingseinheit fand jeweils am Mittwoch statt, nach einem freien Nachmittag, den wir nie wieder auswärts verbringen konnten, schliesslich musste er bereits wieder um 17 Uhr auf dem Platz stehen.

Kinder sollten fertigbringen, was sie angefangen haben, so das Erziehungsmantra. Die Angst, unsere Kleinen zu faulen Erdenbürgern heranzuziehen, die sich nicht «durchbeissen», ist bei uns Eltern gross. Schliesslich liest man überall, Kinder bräuchten Freizeitbeschäftigungen, damit sie nicht vor dem Computer vereinsamten, dick und aggressiv würden. Weshalb auch wir uns die Frage stellen: Was nun? Soll er einen anderen Sport in Angriff nehmen, damit er «etwas tut»? Einen Sport, der uns ein Mehrfaches der Mitgliedschaft im Fussballclub kosten wird (denn Fussball ist immer noch eines der günstigsten Kinderhobbies)? Doch tut er sonst wirklich nichts?

Die Schule bietet dreimal die Woche Sportunterricht, einmal alle paar Wochen gehen sie schwimmen, in den Pausen und in der Freizeit wird Fussball gespielt und den Rest der Zeit verbringt unser Sohn auf dem Velo oder mit dem Trotti. Einmal die Woche wird die Natur der Umgebung erkundet. Ist das nichts? Kaum ein Erwachsener wird sich so viel bewegen, richtig?

Nun haben wir das Glück (zumindest in diesem Bereich), auf dem Land zu wohnen. Unsere Kinder müssen ein Treffen nicht telefonisch vereinbaren, damit wir Mütter immer genau wissen, wo sie sich befinden. Bei uns gehen die Kids – wie wir damals – einfach bei einem Freund vorbei und wenn dieser da ist, wird gespielt, gefahren, geplaudert. Wenn nicht, «Nächster!».

Trotzdem fühlen wir uns unter Druck gesetzt, spätestens wenn wir Leute treffen, die uns fragen: «Und, macht der Kleine etwas?». Ganz viel, aber reicht das?

Was denken Sie, wie viel Freizeitaktivitäten sollte ein Kind haben? Und müssen diese immer organisiert sein?

Dienstag, 13. November 2012

Sex? Nein, danke!

In unserer hypersexualisierten Zeit können Frauen und Männer im Bett tun, was sie wollen. Verdächtig ist erst, wenn sie im Bett nur schlafen.

«Suche Partner für platonischen Austausch. Sexuell Interessierte bitte gar nicht erst melden.» Ein Inserat, das keinen Seltenheitswert hat. Nicht einmal im sinnesfreudigen Frankreich, dessen Bewohner in Sexumfragen regelmässig zu den Europameister gehören und es gut und gerne dreimal pro Woche tun.  Einer Umfrage des französischen Dating-Services parship.fr zufolge, könnte jeder vierte Befragte ohne Probleme auf Sex verzichten. Darunter erwartungsgemäss etwas mehr Frauen.

Ist in unserer hypersexualisierten Gesellschaft vielleicht Abstinenz der neue Trend? Die  Verkaufszahlen von Sophie Fontanels eben auf deutsch erschienenem Buch «Das Verlangen» könnte das suggerieren. Immerhin führte ihr  Bericht über eine zehnjährige sexuelle Auszeit wochenlang die französischen Bestsellerlisten an. Das Buch muss einen Nerv getroffen haben.

Nicht nur für Kleriker
Und weckte erstaunliche Reaktionen: «Danke, Sophie!», «So wahr!» oder «Endlich!» konnte man letztes Jahr gleich nach Erscheinen der französichen Ausgabe von «L’Envie» auf ihrem Blog lesen. Offenbar teilen viele Franzosen das «Schicksal» der 50-jährigen Journalistin und Bloggerin, die kein bisschen langweilig oder verbittert wirkt: Sex ist nicht das einzig Wahre, man kann auch darauf verzichten und trotzdem glücklich sein.

Abstinenz, das zumindest zeichnet sich ab, ist im neuen Jahrtausend nicht mehr Klerikern oder Einsiedlern vorbehalten. Sie ist auch nicht mehr eine Frage des Alters oder der (negativen) Erfahrung. Ob temporär, chronisch oder langfristig, die Absenz von Sex gibt es überall, wenn auch diskret gelebt. Denn noch immer gilt: kein Sexualleben zu haben, oder - noch schlimmer - gar keines zu wollen, ist das letzte Tabu unserer hypersexualisierten Zeit.
Sextoys, SM, bi-, poly- oder homo-amoureuse Beziehungen gehören zu modernen Gesellschaften, wie Autos, Handys und Mikrowelle. Aber ein Leben ohne Sex? Unvorstellbar! So musste sich Fontanel mehr als einmal anhören, ob mit ihr alles o.k. sei, ob sie vielleicht lesbisch sei oder sich sogar von einem Fernsehmoderator vorwerfen lassen, sie habe wohl kaum freiwillig auf Sex verzichtet, wahrscheinlich wollte sie einfach keiner haben. Sie hätte sogar Liebhaber «erfunden», damit ihre Freunde nichts merkten, wie sie in ihrem Buch gesteht.
Asexuelle gab es schon immer
Das Unverständnis im Umfeld ist gross, wenn jemand es wagt, sich als sexlos lebend zu outen: Im besten Fall wird einem der Prüderie-Vorwurf gemacht, im schlimmsten Fall aber, gilt vorab Frau als Heuchlerin, die den Mangel an Sexpartner zum freiwilligen Verzicht hochstilisiert. Dabei ist Asexualität die vierte sexuelle Orientierung neben der hetero-, der homo- und der bisexuellen. Und ähnlich wie Schwule und Lesben müssen Asexuelle als Minderheit um Anerkennung kämpfen. So beschrieb es zumindest der Sexualforscher Volkmar Sigusch letztes Jahr in der NZZ.
Im übrigen  ist Asexualität nichts Neues. Bereits Alfred C. Kinsey stellte dieses «Phänomen» in seinem berühmten Rapport vor mehr als 50 Jahren fest. Doch diese sexuelle Orientierung wurde gerade in den folgenden, freizügigen Sechzigern komplett ignoriert. Betroffene suchten die Schuld bei sich selber oder in der Beziehung. Erst nach 1990 brachte das Internet erste private Seiten zum Vorschein, auf denen Menschen sich zu «No Sex» bekannten. Doch Namen wie «Leather Spinsters» (Lederne Jungfern) oder «Heaven for the Human Amoeba» (Der Himmel für die menschliche Amöbe) geben Einblicke in ein soziales Denken, das Asexualität immer noch als etwas Seltsames ansah. Seither findet ein regelrechtes Coming-Out statt, wenn auch nur ein sehr langsames.
So stellt das 2001 gegründete Internetforum AVEN ((«Asexuality Visbility and Education Network») Menschen, die auf Sex verzichten, bis heute eine Plattform für Diskussion und Austausch zur Verfügung. AVEN macht auch medial auf die vierte sexuelle Orientierung aufmerksam. Genau wie  Sophie Fontanel wehren die Initianten sich gegen die Abwertung des sexlosen Lebens in einer platonischen Beziehung. Und somit gegen das letzte Tabu.

Geschrieben für clack.ch

Freitag, 9. November 2012

Die wunderbarsten zwei Stunden



Was tun, wenn man spontan zwei Stunden für sich alleine hat? 

Heute erzähle ich Ihnen etwas, wofür ich mich eigentlich etwas schäme. Doch irgendwie habe ich die wage Vermutung, dass ich nicht die Einzige bin, die so was tut. Letzte Woche geschah etwas, was nicht oft vorkommt. Meine Tochter wurde von der Grossmutter abgeholt, um ganze 24 Stunden dort zu verbringen. Alle freuten sich darüber, sie, ich und die Nonna. Wunderbar! 

Nun habe ich ja zwei Kinder. Und einen ganzen Nachmittag lang nur den Sohn zu haben, ist auch mal schön. Für ihn bedeutet es immer, «wie früher» zu sein und mit Mami zu reden, ohne dauernd von der nervigen kleinen Schwester unterbrochen zu werden. Auch wunderbar! 

Aber wissen Sie, was noch wunderbarer war? Als er zum Sport musste und ich volle zwei Stunden ganz für mich alleine war! 120 Minuten Me-Time! 7'200 Sekunden, in denen niemand etwas von mir will, ich ganz alleine mit mir selber, «wie früher»! Wunderwunderbar! 

Ganz früher nämlich, als ich jeden Tag tun und lassen konnte, was ich wollte, wie ich wollte und mit wem ich wollte. Zugegeben, damals habe ich ausser Haus gearbeitet, so frei war ich gar nicht. Aber ich war eben nur ich. Ausser bei der Arbeit erwartete niemand etwas von mir, keine Mittagessen kochen, keine Räben schnitzen, keine Hausaufgaben überprüfen. Ich, verantwortlich nur für mich. 
Nun könnte man meinen, ich hätte die zwei Stunden weiss ich wie toll ausgenutzt. Doch wenn Sie jetzt denken, ich hätte in der Zeit ein neues Buch zu schreiben angefangen, Pilates geübt oder gar endlich das Fotoalbum unserer Hochzeit vor 12 Jahren fertiggestellt, irren Sie sich. Bekannt dafür, ein Champion in der Disziplin «Extrem-Abhängen» zu sein, habe ich mir eine Flasche Wein aufgemacht (es war immerhin «schon» 17.30 Uhr), auf unser Sofa gesetzt und den kultigen Film «Singles» geschaut, den ich bereits vor zwanzig Jahren toll fand, als ich eben dies noch war: ein Single. Wunderwunderwunderbar! 

Übertreibe ich nun masslos, wenn ich sage, diese 120 Minuten waren für mich wunderbar, weil selten? Hätten Sie die Zeit besser genutzt? Das ist nämlich die vage Vermutung, von der ich sprach: Ich glaube, vielen Müttern und Vätern ginge es ganz ähnlich, wenn sie spontan zwei Stunden für sich hätten. Sie würden sie verplempern und einfach nur die Zeit geniessen, nichts tun zu müssen, nur zu dürfen. Oder irre ich mich?

Dienstag, 6. November 2012

Wie im Film





Kinderproduktionen sind meist dilettantisch. Und - seien wir ehrlich - langweilig. «Miss Biancas Abenteuer» ist anders.


Fussballturnier, Flötenkonzert, Musical. Wenn die eigenen Kinder ein Hobby haben, das sie an einem solchen Event vorführen können, schauen wir uns das an. Manchmal nur, weil das Kind das von uns erwartet und es sich so freut, uns sein Können auf einer Bühne oder einem Sportplatz zu präsentieren. Natürlich gehen wir da hin, sind manchmal stolz, manchmal weniger. 

Wenn man an eine solche Vorstellung eingeladen wird, ohne dass ein eigenes Kind mitmacht, wird es schon schwieriger. So ging es mir vor Kurzem, als mein Sohn mich bat, ins Theater zu gehen, um die Produktion «Miss Biancas Abenteuer» zu sehen. 150 Kinder und Jugendliche würden da auf der Bühne stehen, unter anderem seine Freundin. Da wir letztes Jahr schon versagt hatten, versprach ich ihm hinzugehen, und besorgte mir Karten. 

Das verschneite Wochenende lud nicht gerade dazu ein, das Haus zu verlassen, um in ein Theater zu sitzen. Vor allem nicht, wenn die Produktion mit Sicherheit mittelmässig ausfallen würden. Oder was konnte man sonst von 150 Halbwüchsigen erwarten? 

Sehr viel, wie sich herausstellte. Das Musical – das Original zur Disney-Verfilmung «Bernhard und Bianca» – ist an sich schon wunderbar. Die Geschichte und die Musik erinnern an Fred Astair und Ginger Rogers. Dass die Kinder dabei ebenfalls steppen, überrascht und gefällt. 

Was Claudia Corti mit ihrer Tanzschule da im Winterthurer Stadttheater auf die Beine gestellt hat, ist wirklich einmalig. Diese Kids sind richtig gut! Sie haben dafür viel gearbeitet und das sieht man auch. Die Kostüme sind der Hammer und jede Altersgruppe hat – der Klasse entsprechend – tolle Auftritte. Von den graziösen Ballerinas auf Spitzenschuhen, über die süsse kleine Libelle, bis hin zu den kleinsten Knöpfen, den Schnecken, die über den Bühnenboden kriechen, als hänge die ganze Show von ihnen ab. Wir haben gelacht, geklatscht und geweint, als Penny ihr Waisenkind-Lied sang. Man sitzt im Publikum und wähnt sich in einem Disney-Film in Grossformat. 

Was ich damit sagen will? Hingehen, anschauen, weinen, lachen, klatschen. Unbedingt! 

Weitere Infos erhalten Sie hier.

Donnerstag, 1. November 2012

Französische Erziehung in der Schweiz





Franzosen erziehen besser. Möchten wir ja auch, aber schliesslich sind wir nicht alleine.


«Mamiiii, dürfen wir jetzt endlich raus in den Schnee? Und wo sind meine Skihosen? Ich finde nur einen Handschuh!!!» Aaaahhhhh!! Ja, es ist Wochenende und es hat zum ersten Mal geschneit. Meine Kinder standen bereits um 7.00 Uhr stramm und wollten raus. Da sie mir nicht garantieren konnten, draussen nicht vor Freude rumzukreischen, bat ich sie noch etwas zu warten und nahm mir genüsslich das neue «Magazin» im Tages Anzeiger vor. Kaffee schlürfend las ich Miklòs Gimes’ Artikel über die Franzosen und ihre Erziehungsmethoden.
Denn Franzosen erziehen anders. Besser. So zumindest der Tenor in vielen Artikeln, die – wie das «Magazin» auch – Pamela Druckermans Buch «French Children Don’t Throw Food» kommentieren.  Gemäss Druckermann werfen französische Kinder nicht nur nicht mit dem Essen, Französinnen erlangen nach der Geburt auch ihr Vorgeburtsgewicht wieder. Und  jene vorschwangerschaftliche Identität. Maman ist eben nicht nur Mutter, sondern Frau geblieben.

Wo kann ich bitte unterschreiben? Bin sofort dabei! Einerseits bin ich selber so aufgewachsen (in Frankreich geboren und in frankophonen Gefilden gelebt), meine Mutter hat noch nie einen Spielplatz von Nahem gesehen. Andererseits versuchen wir selber, unsere Kinder auf diese Art zu erziehen. Wir sind nicht nur ihre Eltern, wir sind auch Mann und Frau. Und nicht nur, wenn die Kinder ausser Haus sind. Doch oft bleibt es beim Versuch, gelingen tut es uns nicht immer. So zum Beispiel nicht, wenn ich am Telefon bin und nicht merke, dass mich meine Tochter im Minutentakt unterbricht, um mir irgendwelchen Mist zu erzählen, der mich ehrlich gesagt nicht die Bohne interessiert! Oder wenn mein Sohn mich sonntagmorgens weckt, um mir etwas gaaaanz Wichtiges mitzuteilen und dann auch noch beleidigt ist, wenn ich ihn fluchend rausschmeisse. 


Die Erziehung ist das Eine – wir arbeiten daran. Das andere ist aber das Umfeld. Ich kann noch lange meine Kinder dazu erziehen, bei Tisch nicht reinzureden und um Acht ins Bett zu gehen. Wenn wir aber Gäste haben und die sehen das nicht genauso, dann geht die französische Erziehung flöten. Zumindest sind wir da nicht konsequent genug, wie mir scheint. 

Eine Einladung ohne Kinder?
Denn in der Schweiz ist es doch so: Wir laden Freunde mit Kindern zum Essen ein. Diese Freunde hatten wir schon vor den Kindern und damals verbrachten wir nette Abende mit viel Wein und guten Gesprächen. Heute schleppen die ihre Kinder an, der Abend wird laut und hektisch, weil der Eine dies, die Andere das nicht mag, in ein fremdes Bett wollen sie auch nicht und bleiben entsprechend solange auf, bis die Eltern sich irgendwann entschliessen, nach Hause zu fahren. Oder noch schlimmer: Die Eltern richten sich nach den Bettzeiten der Kinder und verlassen uns um 20.30 Uhr bereits wieder... Da ist nix mit tollen Gesprächen, von viel Wein kann schon gar nicht die Rede sein. 


Nun habe ich mir mal überlegt, es zu wagen, unsere Freunde ohne die Kinder einzuladen. Doch darf man das überhaupt? Das käme wohl sehr schlecht an, oder nicht? In der Schweiz ist man ja schon entrüstet, wenn eine Einladung zum 40. ins Haus flattert, auf der es heisst, man solle die Kinder doch bitte lieber nicht mitbringen. Da sind die meisten Eltern doch persönlich beleidigt, als hätte man sie gebeten, an der Party bitte nicht zu stinken. Ein Abendessen mit erwachsenen Freunden ohne Kinder? Vergessen Sie’s! 

Wenn Sie nicht wissen, was ich meine: Schauen Sie sich den französischen Film «Le Prénom» im Kino an. Fünf alte Freunde treffen sich zum Abendessen und besprechen den Vornamen des Kindes, das demnächst auf die Welt kommen soll. Was mir an diesem Film am besten gefiel (Abgesehen von der Story und den sensationellen Schauspielern)? Die Gäste kamen erst, als die Kids der Gastgeber schon im Bett waren. Oder zumindest auf ihren Zimmern. Kein Gequengle, kein «darf ich noch ein Dessert?», keine Gute-Nacht-Geschichte. Wie früher, wissen Sie noch? 

So, jetzt muss ich meiner Tochter endlich zuhören, die seit Minuten «Maaamiiii» schreit, sie hat mir etwas gaaaanz Wichtiges zu erzählen... 

Wie handhaben Sie solche Einladungen? Mit oder ohne Kinder? Und wie lange bleiben Ihre Gäste?

Dienstag, 30. Oktober 2012

Work-Life-Balance, neu definiert

Die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwinden – und für viele ist dies sogar das Geheimnis des eigenen Erfolgs.

Man nennt sie die «Googliness». Diese Arbeitsatmosphäre, die mit Sitzsäcken, Ping-Pong-Tischen und Turnschuhen in Verbindung gebracht wird – aber bloss nicht mit harter Arbeit. Die lockere Art eines Unternehmens – Google war das erste dieser Art –, das seinen Mitarbeitern gestattet, Pause zu machen, wann immer sie wollen, privat zu telefonieren und sich am kostenlosen kulinarischen Angebot der Kantine zu bedienen. Klingt wie im Schlaraffenland? Vielleicht.

Doch trotz aller Googliness – oder gerade deswegen – wird viel erwartet von den Mitarbeitern. Überstunden sind an der Tagesordnung, Socializing gehört genauso in die Stellenbeschreibung wie Fachwissen. Der Einwand, Socializing sei doch nichts Negatives, schliesslich verbringe man viel Zeit mit den Kollegen, gilt dennoch immer weniger. Denn auch sozialer Druck ist Druck. Facebook-Friend mit der gesamten Abteilung zu sein, regelmässig abends ein Bier zusammen zu trinken und am Wochenende mit dem Team auf die Paintballfarm zu müssen, trägt nicht unbedingt zu einer idealen Work-Life-Balance bei. Denn das Privatleben – das echte, möchte man meinen – kommt dabei zu kurz.

Mit dem Panzer ...
Unternehmen, die diese Firmenkultur vermehrt leben, haben nicht unbedingt einen Flipperkasten im Korridor oder gar Sofas, auf denen gearbeitet wird. Doch sie sind in der Freizeit ihrer Mitarbeiter ebenfalls präsent, sie machen aus dem Privatleben sozusagen einen Zweitjob. So erzählt die Titelgeschichte der aktuellen «Zeit» (online nicht verfügbar) von Arbeitgebern, die Panzerfahrten mit ihren Mitarbeitern organisieren, um diese als Team zusammenzuschweissen. Dass sie dabei von ihnen verlangen, auch am Wochenende für die Firma da zu sein, könnte man auf den ersten Blick als ausschliesslich positiv werten – vor allem auf Arbeitgeberseite. Für Arbeitnehmer kann dieses «Blending», das Vermischen von Privat- und Arbeitsleben, bald zum Problem werden.

Auch Psychologen beklagen diesen Zustand zusehends. Mitarbeiter, die nach Feierabend dem Chef zur Verfügung stehen sollen, seien weit mehr Burn-out-gefährdet als solche, die das Wochenende mit Freunden und Familie verbringen dürfen. «Bestand im Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert vor allem die Gefahr der Entfremdung von der Arbeit und der Fremdausbeutung, droht mittlerweile in der Dienstleistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts plötzlich das Gegenteil: die Selbstausbeutung», so Bärbel Kerber in ihrem Buch «Die Arbeitsfalle».

Einerseits gibt es keine Stempeluhr mehr, andererseits weiss jeder Arbeitnehmer, was er zu leisten hat. Was eben dazu führt, dass er Arbeit mit nach Hause nimmt oder einen Conference Call mitten in den Ferien ansetzt. Entsprechend wurden noch nie so viele Überstunden gemacht wie heute.

Was ist denn nun mit der Work-Life-Balance? Die ist passé, denn sie birgt nur Stress, meinte erst letzte Woche der Organisationsguru Rosh Ashkenas auf Forbes.com. In seinem Artikel erzählte er, wie er mitten in seinen Ferien einen Conference Call organisierte und sich dabei pudelwohl fühlte. Denn erstens schaffe er so das ständige schlechte Gewissen ab, zu wenig zu arbeiten. Ausserdem sei er nach dem Telefonat ja wieder ganz für die Familie da gewesen. Zweitens sei man viel produktiver, wenn man seine Zeit nicht strikt in «Arbeit» und «Privat» einteile.

... oder gar nicht
Das leuchtet ein, nur mag es nicht jeder, seine freie Zeit mit den Arbeitskollegen zu verbringen, schliesslich hat man Freunde und Familie, die auch Ansprüche haben. Manche verzichten deshalb gar ganz auf die Karriere, um dem Privatleben den Vorrang zu lassen. Die sogenannten «Karriereverweigerer» sind zwar (noch) keine wirkliche Bewegung, doch ein Artikel diesen Sommer auf «Spiegel online» zeigt, wie aktuell das Thema ist: Innert kürzester Zeit kommentierten Hunderte von Lesern den entsprechenden Text. Tenor: Sie würden auch gerne kürzertreten, die Karriere sei ihnen eigentlich nicht so wichtig, sie würden viel lieber Zeit mit der Familie verbringen. So berichteten letzte Woche Studienabgänger und Laufbahnberater in der Sendung «Kulturzeit» von einer Generation, der die althergebrachten Jobmühlen nicht mehr genügen. Ihre Work-Life-Balance tendiere ganz klar in Richtung «Life».

Führungskräfte, die ihren Top-Job aufgeben, um eine Kita zu leiten, sind zwar immer noch rar, dennoch zeigt auch eine Studie des «Deutschen Führungskräfteverbandes», dass die Generation Y gar nicht mehr Chef sein will. Und das bereits ab der Ausbildung. Viel mehr möchten sich Hochschulabsolventen wirklich mit ihrer Arbeit identifizieren können, wenn es geht, sogar Gutes tun. Das grosse Geld und der lederne Chefsessel nehmen an Wichtigkeit wieder ab.

Diese «Luxusfrage», welcher Trend sich durchsetzen wird – Googliness oder Karriereverweigerung –, können sich natürlich nur Länder mit niedriger Arbeitslosenquote stellen. Überall sonst ist man einfach froh um einen Job, ob im Sitzsack oder auf der Holzbank.

Links

(Dieser Artikel erschien ursprünglich auf clack.ch)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Sponsored Video: The dancing cash machine



Was tun, wenn man Cash braucht und es ist keins im Haus?

Kennt ihr das? Ihr braucht dringend Geld für den Postboten oder den Montag-Morgen-Hütedienst im Dorf, doch ihr habt keinen Rappen Cash im Haus? Was macht ihr da? Pumpt ihr die Nachbarn an, lasst aufschreiben oder macht ihr es wie ich? Bis vor Kurzem plünderte ich nämlich Juniors Kässeli...

Ja, ja, ja, ich weiss, geht gar nicht! Weshalb ich ja jetzt auch eine neue Taktik habe: Ich pumpe ihn ganz offiziell an. Schliesslich kriegt er jetzt Taschengeld und er soll ja lernen, damit umzugehen. Wenn ich ihm also zehn Franken abluchse, dann muss er mich daran erinnern, sie ihm zurückzugeben. Gut, nicht? Geldsorgen mit Erziehung verbinden ist eine ganz neue Strategie, auf die selbst Pädopsychologen noch nicht gekommen sind. Übrigens vergisst er nie, mich zu mahnen. Ziel erreicht!

Ich könnte natürlich auch einfach zum Bankomaten gehen... Da der aber kein Tänzchen macht, wenn ich Geld abheben will – im Gegenteil – bleibe ich lieber bei meiner Variante des Anpumpens!

(Gesponserter Artikel)




Dienstag, 23. Oktober 2012

Mama ist zu alt





Der Wiedereinstieg ist für viele Mütter ein Problem. Nicht nur wegen der langen Abwesenheit. Auch das fortgeschrittene Alter erschwert die Jobsuche.


Dass der Mutterschaftsurlaub nicht mit Urlaub zu tun hat, hatten wir schon. Das erklärt wohl auch den Wunsch vieler Mütter, nach ein paar Monaten oder Jahren wieder in einen Beruf einsteigen zu wollen, um ihre Hirnzellen anders einzusetzen. Oder einfach, um aus dem Haus zu kommen. Oder sie haben gar keine Wahl, weil ein Einkommen einfach nicht ausreicht.


Aus welchem Grund auch immer, viele Mütter suchen früher oder später wieder einen Job, der ihren Qualifikationen entspricht. Und zurzeit sehen die Jobsites gar nicht so schlecht aus. Auf den ersten Blick scheint es ziemlich viele Angebote zu geben, sogar manche in Teilzeit.


Begriffe wie «erfahren», «verantwortungsbewusst», «belastbar» oder «teamfähig» lassen das Mutterherz schneller schlagen in der Hoffnung, wir hätten eine Chance. Schliesslich haben wir Erfahrung, sowohl in unserem Beruf (den wir meist bis zur Mutterschaft ausgeführt haben und der uns im besten Fall Spass machte) als auch im Leben. Verantwortung tragen wir jeden Tag für unsere Familie. Sie sind warm angezogen, haben immer was zu essen und ein Dach über dem Kopf. Belastbar sind wir spätestens seit jener Nacht, als wir in die Notaufnahme rasten, weil die Kleine 40°C Fieber hatte. Oder seit wir die Polizei haben kommen lassen, weil der Grosse während fast zwei Stunden verschwunden blieb. Belastbar? Abgehakt! Und über «teamfähig» brauchen wir gar nicht erst zu reden, oder? Schliesslich ertragen wir stoisch den Papa, der unsere Kinder ohne jegliche Ahnung von Style kunterbunt anzieht und jeden Abend kurz vor dem zu Bett gehen aufputscht, als müssten sie die Tour de France gewinnen. Wir unterstützen seine väterlichen Tätigkeiten, weil wir eben teamfähig sind und nicht alles selber entscheiden und schon gar nicht tun wollen.


Angenommen, die fachlichen Fähigkeiten stimmen ebenfalls, ist das Stelleninserat mit all diesen Begriffen also wie für uns gemacht. Ganz aufgeregt überlegt Mami sich schon, wie sie die Bewerbung schreiben wird, welche Erfahrungen sie besonders hervorheben und wie sie dem zukünftigen Arbeitgeber etwas Honig um den Mund streichen wird. Und dann liest sie sie. Die ominösen Zeilen: «Max. 20- bis 30-jährig». Autsch!


In einer Zeit, in der Mütter immer später ihr erstes Kind bekommen, ist die Altersfrage keine belanglose mehr. Ehrlich gesagt, ist es mir schon oft passiert, dass ich das Alter völlig überlesen habe, einfach weil ich mich noch nicht so alt fühle. Und weil Worte wie «Erfahrung» einfach ein gewisses Alter voraussetzen. Könnte man zumindest meinen. Ist aber nicht so, nicht für einen potentiellen Arbeitgeber, der sich scheut, zu viel Lohn und Pensionskassenbeiträge zu bezahlen.


Die Erfahrung soll zwar langjährig sein, die Haut aber bitte nicht. Die Belastbarkeit soll erprobt sein, aber bitte bereits aus dem Sandkasten heraus. Und die Verantwortung ist gefälligst nicht aus Erfahrung, sondern als Charakterzug bereits aus der Wiege mitzubringen.


Man liest immer wieder, wie schwer der Wiedereinstieg für Mütter ist, Politiker und -innen schreiben sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gross auf ihre Fahnen. Aber niemand spricht davon, dass man irgendwann einfach zu alt für einen Neustart ist. Babypause hin oder her.


Wie ist es bei Ihnen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Status als Mutter und Ihrem Alter bei der Jobsuche?

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ist es o.k., Linkshänder zu sein?





Dieser beeindruckende Clip vergleicht Linkshänder mit Homosexuellen. Denn niemand sollte ausgeschlossen werden, weil er ist, wie er ist.


Dienstag, 16. Oktober 2012

Das würde ein Kind nie sagen. Leider.





Kinder reden viel und wiederholen sich. Zehn utopische Dinge, die man von ihnen gerne hören würde.


Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht, doch meine Kinder reden viel. An manchen Tage sehr viel. Oft im falschen Zeitpunkt, in zu hoher Lautstärke und in einem Tonfall, der irgendwie gar nicht geht. Vieles versuche ich dann auszublenden, aber meistens falle ich doch wieder in das Muster «Schon hundertmal diskutiert und doch nicht gespeichtert» hinein. So höre ich mich mehrmals am Tag sagen, sie sollen bitte still sein, wenn ich telefoniere, wenn ich mit der Nachbarin spreche, wenn ich lese etc.

Kurz, ich wiederhole mich. Ständig. Und meine Kinder? Die auch. Täglich. «Mami, darf ich einen Rock anziehen?», «Mami, wo ist (hier beliebig etwas eintragen)?», «Mami, darf ich etwas Süsses?» und so weiter. Worauf ich mir überlegt habe, was ich denn eigentlich gerne von ihnen hören würde, wenn sie schon so viel sprechen müssen. Meine Liste sähe wie folgt aus. Und ja, ich bin mir bewusst, dass all diese Sätze utopisch sind, aber träumen darf man ja mal...

1. Mami ist am Telefon, ich werde mich jetzt schön still selber beschäfitgen.

2. Ich weiss genau, wo meine Schuhe sind, ich werde sie jetzt selber anziehen und später ganz alleine wegräumen.

3. Ich gehe jetzt in mein Zimmer und spiele mit meinen vielen Spielsachen. Ich bin ja so dankbar, so viele Spielsachen zu besitzen.

4. Was gibt es zum Zmittag? Spinat? Mmmhhh, so fein!

5. Ich gehe nach draussen spielen und werde nicht irgendwohin verschwinden, wo mich keiner mehr sieht.

6. Ich gehe jetzt pinkeln, damit ich nicht muss, sobald wir im Auto sitzen.

7. Genug iPad gespielt, ich höre jetzt auf und gehe nach draussen!

8. Mami, darf ich ins Bett? Ich bin müde.

9. Auch wenn meine Freunde Süsses vor dem Abendessen essen dürfen, nehme ich lieber ein Rüebli.

10. Mami, bist du auf dem Klo? Dann warte ich mit meiner unwichtigen Frage, bis du fertig bist...

 Was wünschen Sie sich im täglichen Verbaldurchfall Ihrer Kinder?

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Das furzende Fräulein



Der neuste Gag der Spielzeugindustrie ist eine furzende Puppe. Ein schlechter Einfluss auf unsere Kinder?

Als ich den Clip zur furzenden Puppe sah, dachte ich mir, es würde Proteste regnen von Seiten prüder, humorloser Eltern, die überzeugt sind, solche Spielsachen übten einen schlechten Einfluss auf unsere Kinder aus. Und natürlich war es auch so. In den Kommentare diverser Sites wurde Kong Suni, die Puppe mit Blähungen, kritisert.


Ja, die Puppe mutet etwas eklig an, wenn man sie auf den Bauch drückt und sie einen fahren lässt. Aber wissen Sie was? Die meisten Kinder sind mindestens genauso eklig! Mit einem Achtjährigen im Haus sind wir (immer noch) in der Fudi-Gaggi-Bisi-Humor-Phase. Furzen ist nämlich uuuuh luschtig! Genauso wie Rülpsen. Ach ja, auch nach Raclette stinkende Füsse sind zum Totlachen!

Natürlich müssen wir unseren Kindern beibringen, dass man gewisse Dinge nur im Badezimmer tun soll. Andererseits habe ich immer Hemmungen, meinen Kindern das Ausweichenlassen von Gasen zu verbieten, bloss weil wir beim Essen sitzen. Ich will ja nicht, dass sie Bauchschmerzen kriegen! Auch das obligate und sehr laute «Ich muss go Gaggimache!» meiner Vierjährigen bevorzuge ich im trauten Heim und nicht unbedingt im Restaurant.

Aber: Furz happens. Uns allen! Wir wissen einfach, diskreter damit umzugehen, und ich vertraue darauf, dass auch meine Kinder lernen werden, ihre Verdauung eines Tages nicht mehr laut auszuleben und zu kommentieren. Aber übt eine solche Puppe nun einen schlechten Einfluss auf die Erziehung unserer Kinder an, weil sie suggeriert, Furzen sei lustig? Ich glaube nicht. Schliesslich ist es der Puppe offenbar auch peinlich, sie läuft rot an. Also doch ein Erziehungstool? Auf jeden Fall ist es ein Vehikel, um den Kindern die Freude ihrer Abgase noch etwas zu lassen, bevor sie Teenager und somit zu cool werden, um irgendwelche natürlichen Ereignisse ihrer Körper in der Öffentlichkeit zuzulassen. In Südkorea ist das Bäbi auf jeden Fall der Renner.

Was meinen Sie? Witzig oder überflüssig?

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