Montag, 26. März 2012

Wie überlebt man sein Kind?

Wie weiterleben, wenn das Kind gestorben ist?

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber seit ich selber Kinder habe, sind mir Nachrichten über Unfälle und Verbrechen, bei denen Kinder involviert sind, unerträglich. Das Busunglück im Wallis, bei dem 22 Kinder starben und die kaltblütigen Hinrichtigungen dreier Kinder in
warfen auch in den Medien letzte Woche viele Fragen auf. Einige handelten davon, wie wir unseren Kindern solche Tragödien erklären können, ohne sie zu traumatisieren.
So wichtig das natürlich ist, so viel mehr beschäftigt mich zurzeit die Frage, wie die betroffenen Eltern den Schmerz und die Trauer überhaupt aushalten. Wie lebt man weiter, wenn man ein Kind verloren hat? Wie kümmert man sich weiterhin um ein weiteres Kind, dass ebenfalls einen Verlust – nämlich den des Geschwisters – zu beklagen hat? Wie geht man damit um, immer wieder an den verstorbenen Sohn, an die verstorbene Tochter erinnert zu werden?
Ich stelle mir vor, dass Eltern beim Verlust des einzigen Kindes schlicht und einfach selber nicht mehr leben wollen. Wofür auch? Doch ich habe zwei Kinder. Wie würde ich weitermachen, wenn ich eines davon verlieren würde? Und schon bei dem blossen Gedanken kommen mir die Tränen.
Nehmen wir das Busunglück der belgischen Schüler: Die Eltern dieser verstorbenen Kinder freuten sich auf ein Wiedersehen und darauf, von den 12-Jährigen alles über ihr Skilager zu erfahren. Stattdessen kriegen sie einen Anruf, es habe einen Unfall gegeben. Einen ganzen Tag lang wussten sie nicht einmal, ob ihr Kind noch lebt oder zu den Toten gehört. Erholt man sich von solch einem Trauma?
Oder dieser Verrückte, der in Toulouse Kinder vor der Schule hinrichtet, im Namen Allahs, dessen Religion einen solchen Akt genauso wie alle anderen verurteilt (damit das auch wiedermal gesagt ist). Schickt man sein anderes Kind jemals wieder mit ruhigem Gewissen in die Schule?
Solche Tragödien wie in den letzten Woche zeigen uns wieder einmal auf, wie kostbar das Leben ist. Und dass wir es geniessen sollen. Ich sollte vielleicht auch weniger streng zu meinen Kindern sein und mich öfter fragen, wie wichtig es wirklich ist, mit ihnen zu schimpfen, weil sie sich die Hände schon wieder nicht gewaschen haben. Und ihnen noch öfter sagen, dass ich sie liebe. Das gilt übrigens nicht nur für unsere Kinder, sondern für alle, die uns nahe stehen.
Denn sobald die Tragödien aus den Schlagzeilen verschwunden sind, geht unser Leben weiter. Wir werden diese Schicksale nach und nach vergessen. Die Eltern der getöteten Kinder nicht. Nie.

Mittwoch, 21. März 2012

Best of Mütter


Humorvolle Zitate über Mütter zu finden, erweist sich als sehr viel schwerer als bei den Vätern. Wieso nur?

Letzte Woche hatte ich Ihnen versprochen, hier ein «Best of Mütter» zu servieren. Doch fast wäre es nicht dazu gekommen. Denn wenn man Zitate über Mütter recherchiert, findet man nur schnulzige, triefende Sätze, die irgendwelche Herren vor Urzeiten einmal gesagt oder geschrieben haben sollen. Beispiel: «Eine Mutter tut mehr für ihren Sohn, als sie für ihr eigenes Leben tun würde.» Die Tochter muss halt selber schauen, oder wie? Das meinte zumindest der Herr Gotthold Ephraim Lessing. So und ähnlich klingen die meisten Zitate mit dem Suchwort «Mutter».
 

Da fragt man sich doch gleich wieder, wieso die Mutter so heilig sein soll? Weil sie so viel falsch machen und einem Kind das Leben vermiesen kann? Oder weil die alten Herren eine solche Ehrfurcht vor ihren eigenen Müttern hatten, dass sie sich nie getraut hätten, etwas Humorvolles oder gar Sarkastisches über sie zu sagen?
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die – sagen wir – etwas realistischer mit dem Thema Mutter und ihrer Beziehung zu ihr umgehen. (Ehrlich gesagt findet man sie vor allem im Ausland.) Ihre Zitate klingen vielleicht wie Graffitis, an die Wand hängen würde ich sie mir allemal:
„Der Muttertrieb ist gefährlicher als die Atombombe.“
Loriot

«Es ist nicht einfach eine Mutter zu sein. Wenn es einfach wäre, würden Väter es tun.»
Sophia aus den «Golden Girls»

«Die Rolle einer Vorstadtmutter ist die, das Kind abzuliefern: Einmal geburtstechnisch und danach täglich mit dem Auto.» 
Peter De Vries, Autor

«Der Ausdruck «Working Mother» ist redundant.»
Jane Sellman, Autorin

«Ein freudscher Versprecher ist, wenn du etwas sagst, aber eigentlich deine Mutter meinst»
Unbekannt

«Ein Pullover ist ein Kleidungsstück, das von einem Kind getragen werden muss, wenn die Mutter friert.»
Ambrose Bierce, Schriftsteller und Journalist

«Alle Frauen werden wie ihre Mütter. Das ist ihre Tragödie. Kein Mann tut es. Das ist die seine.»
Oscar Wilde in «The Importance of Being Earnest»

«Die Frauenbewegung ist eine reine Torheit. Es sind die Männer, die diskriminiert werden. Sie können keine Kinder bekommen. Und niemand wird je etwas dagegen tun.»
Golda Meir, vierte Premier-Ministerin des Staates Israel

Übrigens scheinen Juden sowieso den gewagtesten Humor gegenüber ihren Müttern zu haben. Es gibt ein jüdisches Sprichwort, das besagt, dass Gott nicht überall sein konnte, weshalb er die Mutter erschuf.
Da leider nicht jedes Kind mütterliche Liebe kennt, hier noch ein Zitat der langjährigen Mutter aller amerikanischen Talk-Show-Zuschauer Oprah Winfrey: «Die Biologie ist das Geringste, was aus jemandem eine Mutter macht.»
Nachdenklich macht dieses Zitat, dessen Autor leider unbekannt ist: «Ein schlechter Ehemann ist zuweilen ein guter Vater, aber eine schlechte Gattin ist nie eine gute Mutter.» Nun stellt sich die Frage, was eine «gute Gattin» ist... Aber dazu ein andermal.

Dienstag, 13. März 2012

Wissen vielleicht die Franzosen, wie es geht?

Mit einem 10-Punkte Programm sollen französische Unternehmen ihren gestressten Mitarbeitern mit Familie entgegenkommen. Haben die Franzosen am Ende gar die Lösung?

Obwohl immer wieder als Vorbild genannt, kennt auch Frankreich grosse Defizite in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Vor allem in Bezug auf die Work/Life Balance hapert es auch bei unseren französischen Nachbarn offenbar massiv. Gemäss eines Familienpanels sind Frankreichs Väter/Männer zu wenig in den familiären Alltag involviert, viele haben deswegen ein schlechtes Gewissen und die, die etwas tun, fühlen sich zu wenig wertgeschätzt.
Nun hat das 2008 eröffnete Observatoire de la parentalité en entreprise (Observatorium der Elternschaft in Unternehmen) ein Zehn-Punkte-Programm lanciert, welches das Problem lösen soll. Sind die ersten sechs Lösungsvorschläge vor allem den Männern gewidmet, so zielen die letzten vier darauf hin, eine menschlichere Unternehmenskultur zu fördern.

Lest die Charta auf clack.ch

Was meint ihr? Realistisch oder illusorisch?

Montag, 12. März 2012

«Im Job erhole ich mich»

 

Die viel beschworene Work/Life Balance muss nicht immer 50/50 betragen. Für diese drei Mütter sind 80/20 mehr Genuss als Muss.

«Wieso würde eine Mutter 80 Stunden pro Woche arbeiten wollen?» Eine solche Schlagzeile, wie sie die britische Dailymail gestern publizierte, bringt wohl jeden zum Grübeln, nicht nur Mütter. Wieso würde überhaupt jemand 80 Stunden pro Woche arbeiten wollen? Nach dem gestrigen negativen Abstimmungsresultat über die obligatorischen sechs Wochen Ferien, darf man vielleicht annehmen, dass die meisten Schweizer und Schweizerinnen gerne arbeiten. Daran gibt es natürlich nichts auszusetzen. Doch die Befragten Britinnen in der Dailymail geben etwas zu, was noch nicht viele hierzulande gewagt haben: Arbeiten ist weniger anstrengend als Kinder zu erziehen. Da! Es ist gesagt.

Die drei Mütter, die von der Dailymail interviewt wurden, sind erfolgreiche Frauen, die eben manchmal 80 Stunden pro Woche arbeiten. Alle haben sie Männer zu hause, die Kindererziehung und Haushalt übernehmen, um ihnen den Rücken freizuhalten. Also das Szenario, was im umgekehrten Fall der Standard ist und bei dem niemand nach dem Preis fragt, der dafür zu bezahlen ist. Wenn aber Mütter diese Art zu leben wählen, sieht die Sache anders aus. Dann machen sich «Experten» Sorgen.

Begeisterung trotz Erschöpfung
Natürlich haben sich die Frauen dieses Leben ausgesucht und der Erfolg gibt ihnen ja auch Recht. Doch so einfach ist es eben nicht, wie Dr. Gail Kinman, Professor für berufsbezogene Psychologie an der Bedforshire University, erklärt. Sie untersucht zur Zeit den jobbezogenen Stress bei Frauen und fand heraus, dass Frauen sich in Bezug auf ihre Familie aus evolutionstechnischen Gründen mehr unter Druck fühlen, als Männer dies tun. Ausserdem sind Frauen von Natur aus perfektionistischer, was zusammen mit ihrem Wunsch nach Multi-Tasking manchmal zu einem Workaholismus führt, der krank machen kann.

Doch diese Frauen scheint das nicht zu stören. Das interessante am Artikel ist nämlich, dass sich die Interviewten selber in keinster Weise beklagen, im Gegenteil. Unter all der Müdigkeit und Erschöpfung, ist die Begeisterung für ihre Arbeit und die Dankbarkeit, die damit einhergeht, unüberlesbar. Diese Frauen arbeiten gerne und sie sagen es auch. So meint Sally Fielding, 36, die eine eigene Cottage-Vermietungs-Agentur besitzt, zwar, sie würde manchmal gerne einen Gang runterschalten, doch eigentlich könne sie sich gar nicht vorstellen, nicht zu arbeiten. So weiss sie auch in den Ferien nicht viel mit sich anzufangen, weil ihre grauen Zellen weiterrotieren. «Ich finde es ehrlich gesagt erholsamer zu arbeiten, als nach den Kindern zu schauen.»

Hat nicht jede erwerbstätige Mutter genau das schon mal gedacht? Wenn die Kinder im Trotzalter sind, die Hausaufgaben gemacht werden müssen und der Staub langsam bedrohliche Ausmasse annimmt? In solchen Momenten erscheint einem Arbeit doch erholsam im Sinne von «aus dem Hause, aus dem Sinn», oder nicht? Doch es scheint kein rein räumliches Problem zu sein, denn Mütter, die zu hause arbeiten, empfinden die Zeit, in der sie sich ihrem Job widmen können, ebenfalls als erholsam.

Arbeiten = Erholung
Die Professorin Dr. Kinman findet das auch nicht weiter erstaunlich. «Beziehungen und Kinder sind viel schwieriger zu kontrollieren. Vielleicht nutzen erwerbstätige Mütter die Arbeit, um das wahre Leben nicht managen zu müssen. Bei der Arbeit kennst du die Regeln, das kannst du. Eine Familie zu managen, ist viel schwieriger.»
Arbeit als Flucht also? Tun Frauen nun das, was man Männern jahrzehntelang vorgeworfen hat? Flüchten sie vor ihren Pflichten in der Familie? Vielleicht. «Ich liebe es, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Doch arbeiten zu gehen, fühlt sich an wie eine Pause.» so Sally, die Cottage-Vermieterin.

Molly, 44, Anwältin fühlt sich am Besten, wenn sie gerade einen Fall gewonnen hat. «Ein besseres Gefühl gibt es nicht.» Auch die dritte Interviewte, Miriam, 45, die ein eigene Gesundheitsberatung führt, gibt zu: «Am Arbeitsplatz fühle ich mich so selbstbewusst, wie sonst nirgends.»

Ursprünglich lautete die Frage im Artikel, wie hoch der Preis dieser 80-Stunden-Arbeitswochen sei, für die Familie, für die Frauen selber. Leider ist die Antwort darauf nicht sehr neu: Es geht um die Balance. Doch was, wenn gewisse Frauen eine Balance von 80/20 bevorzugen, 80%Job, 20% Familie?

Viele Mütter müssen Geld verdienen, keine Frage. Doch es gibt vielleicht auch viele, die, auch wenn sie nicht müssten, eben wollen. Nicht, um sich selbst zu verwirklichen, nicht (oder nicht nur), um Karriere zu machen, sondern einfach, weil sie es gerne tun. Es gibt ihnen etwas, was die Familie ihnen so nicht geben kann. Und das darf auch mal gesagt werden.


Donnerstag, 8. März 2012

Best of Väter

Heute ist internationaler Frauentag. Doch wie Schawinski sagen würde «Who cares?!». Deshalb heute mal was über Väter.

In den Sportferien hatte ich das grosse Vergnügen «The Descendants» zu lesen. Genau, das Buch, dass dem Oscar-nominierten Film mit George Clooney als Vorlage diente. Diese Geschichte über einen Vater (Clooney, gemäss Kritikern in seiner «uncoolsten» Rolle überhaupt) und seine zwei Töchter, die er erst wirklich kennenlernt, als die Mutter nach einem Umfall im Koma liegt und er ihren Liebhaber auftreiben will, damit dieser Abschied nehmen kann. Ganz toll, wärmstens zu empfehlen, das Buch. Den Film habe ich noch nicht gesehen, werde ich mir aber mit Sicherheit ebengalls antun. 

Es ist eine rührende Geschichte, die den Leser zu tränen rührt und im nächsten Moment zum lachen bringt, hervorragend geschrieben. Mitunter manchmal auch nervenzehrend, wenn man diesem Vater zuhören muss, der sich darüber beklagt, dass seine Töchter so «komisch» sind. Denn er hat schlichtweg keine Ahnung. Weder von Frauen im Allgemeinen, noch von Mädchen im Besonderen und von der Liebe noch weniger. Meint man anfangs. Doch im Verlaufe dieser Suche nach dem Liebhaber – von dem er erst erfährt, als er schon nicht mehr mit seiner Frau darüber sprechen kann – merkt man, dass er trotz der Abwesenheit des zuviel arbeitenden Vaters eben doch einer ist, der seinen Töchtern nur das Beste geben wollte. Und jetzt erst recht will.  

Väter. So viel wird heute über sie geschrieben, darüber, ob sie genug für die Familie tun, die Hälfte des Haushaltes übernehmen, ihre Work-Life-Balance. Über Väter auf dem Spielplatz, mit Kinderwagen und Tragetuch, fütternd, badend, fussballspielend... Doch dies ist kein neues Phänomen. Wer glaubt, Väter hätten früher einfach am Rande der innigen Mutter-Kind-Beziehung gestanden und nur gerade die Brötchen verdient, die/der irrt. Väter haben schon immer sowohl die Gesellschaft, wie auch die Literatur beschäftigt.
 
„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein, dagegen sehr.“ Dies ist wohl das bekannteste Zitat über die Rolle des Vaters, und Wilhelm Busch hat auch 2012 damit Recht. Doch nicht nur er machte sich den Vater zum Thema, viele Persönlichkeiten haben sich schon Gedanken über ihre Väter oder ihre Vaterrolle gemacht. Die Aussagen reichen von schön über lustig bis hin zu zynisch, auf jeden Fall sind sie immer wahr. Hier unsere Lieblinge: 

«Das ist ein weiser Vater, der sein eigenes Kind kennt.» William Shakespeare 

«Es ist bewundernswert für einen Mann, seinen Sohn zum Angeln mitzunehmen. Doch es gibt einen besonderen Platz im Himmel für den Vater, der mit seiner Tochter shoppen geht.
John Sinor (Amerikanischer Kolumnist) 

«Ein Vater lernt schnell, dass ein Kind mit Sicherheit ins Badezimmer muss, wenn er auch gerade drin ist. Die einzige Möglichkeit, sich seine Privatsphäre zu sichern, ist das Rasieren an der Tankstelle.»
Bill Cosby 

«Väter kriegen keine Orden, doch wenn deine Tochter Stripperin ist, hast du echt versagt!»
Chris Rock 

«Was immer du bist, sei ein guter (Vater).»
Abraham Lincoln 

«Es gibt sicherlich viele Väter, die die grausamste, vernichtendste Abweisung schon erleben mussten: Wenn die Kinder die falsche (Fussball-)Mannschaft unterstützen
Nick Hornby 

«Als Vater war ich immer nur auf der Reservebank. Sozusagen die Zweitbesetzung»
George Clooney als Matt King in «The Descendents» 

Und noch einer, der von Väter und Männer gern zitiert wird:
«Ein Mann, der keine Zeit mit seiner Familie verbringt, ist kein echter Mann.»
Marlon Brando als Don Corleone in «Der Pate»

Kennt Ihr weitere Zitate über Väter? Und Mütter? Die haben wir natürlich nicht vergessen. Demnächst auf diesem Blog: Best of Mütter.

Donnerstag, 1. März 2012

Rick vereint die Frauen. Gegen sich.

Die Grand Old Party muss sich bald entscheiden, wen sie in die Präsidentschaftswahlen schicken will. Für die weiblichen Wähler ist es einfacher: Alle, bloss nicht Rick Santorum!

Im November dieses Jahres finden die Präsidentschaftswahlen in den USA statt. Auf der einen Seite stehen die Demokraten mit dem ersten schwarzen Präsidenten, der nach vier Jahren wiedergewählt werden soll. Die andere Seite - die Republikaner - haben es ungleich schwerer. Nachdem sämtliche Tea-Party-Kandidaten, Frauen und auch sonstige Figuren ausgeschieden sind, scheint sich der Kampf für die republikanische Präsidentschaftskandidatur unter Mitt Romney und Rick Santorum auszufechten.

Letzterem wurden bis anhin zwar immer weniger Chancen prophezeit, doch die Umfragen zeigen, dass Rick Santorum aus Michigan sehr wohl zum einzigen Kandidaten avancieren könnte. Ausser bei den Frauen, da schwindet der Wählerinnenanteil zusehends. Nicht nur Santorums allgemeine Fettnäpfchen gegen Homosexuelle, Alleinerziehende und natürlich die demokratische Politik, bereiten  Schwierigkeiten. Es sind vielmehr die Peinlichkeiten, die er in Sachen Frauenrechte von sich gibt.

1. Santorum ist gegen Abtreibung. Was natürlich niemanden überrascht, schliesslich ist er Republikaner und das Thema ist in den Staaten auch 2012 noch nicht vom Tisch, im Gegenteil. Nur leben auch die Amerikanerinnen nicht mehr im letzten Jahrhundert und sind überzeugt, Abtreibung sei eine Angelegenheit zwischen einer Schwangeren und ihrem Arzt. Und nichts, was die Regierung oder eine Partei zu entscheiden hat - schon gar nicht, wenn die Partei aus konservativen Männern besteht. Doch Santorum schlug im Laufe seiner Kampagne vor, Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, «sollen doch das Beste aus der Situation machen». Zynischer geht es kaum.

2.  Auch Verhütung ist nichts, was Santorum unterstützen möchte. Einer seiner Sponsoren machte kürzlich Witze darüber, die Frauen hätten früher einfach eine Aspirin-Tablette zur Verhütung benutzt. Sie hätten sie sich zwischen die Knie geklemmt und teuer sei es auch nicht gewesen. Obwohl sich Santorum von dieser Aussage distanzierte, befand er, dass die «Gefahr der Verhütung die freidenkende Sexualität sei». Dass Verhütung eine der Möglichkeiten wäre, um ungewollte Schwangerschaften und somit Abtreibungen zu verhindern, ist ihm unverständlich.

3.  Die Fruchtwasseruntersuchung einer Schwangeren, um herauszufinden, ob ihr Baby genetische Defekte hat, ist ihm ebenfalls ein Dorn im Auge. Denn es erhöhe die Abtreibungsraten, so Santorum und er bemängelt, dass es die Anzahl der Behinderten in einer Gesellschaft künstlich reduziere. Dass es dabei vor allem um die Gesundheit von Mutter und Kind geht, ignoriert er kampagnentechnisch effizient.

4.  Rick Santorum bezeichnet öffentliche Schulen als «Fabriken» und findet, es wäre den Kindern viel mehr gedient, wenn sie zu hause unterrichtet würden. Wer würde das wohl übernehmen? Die Mütter natürlich. Das trifft sich besonders gut, da Santorum auch gegen die Erwerbstätigkeit eben dieser Mütter ist. Was liegt also näher, als die Zeit mit Grammatik und Algebra zu füllen?

Die genannten Themen sind ohne Zweifel Frauenthemen. Es wäre wohl angebracht, die weibliche Wählerschaft ebenfalls auf seine Seite zu bringen, vor allem, wenn man bedenkt, dass - anders als in der Schweiz - Amerikanerinnen den Gang zur Urne weit weniger scheuen als männliche Wähler. Es verwundert also nicht, dass in Arizona doppelt soviele Frauen für Romney stimmten, als für seinen Rivalen.

Auch wenn niemand ernsthaft daran glaubt, dass Gesetzte in Bezug auf oben genannte Angelegenheiten in naher Zukunft revidiert werden, so macht es die Amerikanerinnen doch nervös, sich Rick Santorum als republikanischer Kandidat für die anstehenden Präsidentschaftswählen vorzustellen. Oder gar als Präsident.

Oder wie LEE-ANNE GOODMAN es in der U-Bahn von einer Mitreisenden vernahm: «Es ist 2012 und Männer sagen uns immer noch, was wir mit unserem Körper tun dürfen?» Hoffentlich nicht.

Dieser Artikel erschien erstmals auf clack.ch.

Kindererziehung: Eine Weltreise





Andere Länder, andere Erziehungssitten. Aber nicht immer nachahmenswert.


In Zeiten der Globalisierung und des multikulturellen Austausches fällt mir immer wieder auf, wie Eltern verzweifelt über ihre Landesgrenzen schauen. Sie erhoffen sich die Erleuchtung aus Erziehungstechniken ihrer Nachbarländer und wenn das nichts bringt, gehen sie noch weiter weg, um vielleicht einen neuen Stil zu finden, wie man den eigenen Rotzbengel zu besseren Manieren verhilft. Vor ein paar Wochen waren die Französinnen die Nummer eins in Sachen «Macht keine Könige aus euren Kindern». Vor kurzem las ich, dass die Italiener das Geheimnis des zivilisierten Restaurant-Besuches innehätten: Die Pizzeria bringt’s! (Darauf wären wir auch selber gekommen.) Selber «Mulitkulti» aufgewachsen, fiel mir als Kind schon auf, dass andere Länder andere Erziehungs-Sitten haben. Vielleicht sollten wir uns öfter eine Scheibe fremder Kulturen abschneiden. Hier ein paar Beispiele (einige unter dem Motto «Versuchen Sie das nicht zu Hause»): 

Frankreich: Abgesehen davon, dass Franzosen ihre Kinder nicht auf ein Podest stellen, sondern diese sozusagen nebenbei gross und auch gerne mal abgegeben werden, um chic essen zu gehen, kommen auch les Français nicht drum herum, ihre Kinder mal ins Restaurant mitzunehmen. Und da gibt es dann nicht etwa Chicken Nuggets mit Pommes Frites. Mais non! Der französische Nachwuchs wird dazu angehalten, dasselbe wie die Eltern zu essen, will heissen: Muscheln, Innereien, Schimmelkäse. Das führte bei mir dazu, dass ich als Sechjährige im berühmten «Fouquet’s» an der Champs Elysées meine Auster angewidert in den Teller spuckte. Die Kellner scheinen sich das aber gewohnt zu sein, ganz diskret verschwand die labberige Masse im Abfall... Leider landen auch im Land von Bocuse immer öfter «Kindermenus» auf dem schön gedeckten Restaurant-Tisch. Mit «Nügget et Frites»... 

Italien: Folgendes gilt eigentlich für alle südlichen Länder. Kinder scheinen südlich der Alpen keine festen Schlafenszeiten zu haben. Denn «Mangiare» ist nun mal wichtiger als zehn Stunden Schlaf. Und wehe, das Kind isst nicht richtig (vielleicht weil es zu müde ist?)! Dann dreht nicht nur die Mamma im «rosso», auch die Nonna, Zia und sonstige Verwandte bedrängen Jungs und Mädchen, doch bitte anständig zu essen, sonst wird es nie so gross und stark wie ... keine Ahnung, kennen Sie grosse Italiener? Die meisten Kinder schlafen dann auch auf ihrem Stuhl ein und die Eltern wundern sich, dass sie in der Schule einnicken... 

Zentralafrika: Etwas weiter weg von uns leben die aufopfersten Väter der Welt. Aka Pygmäen übernehmen dort ungefähr die Hälfte der Kindererziehung, nehmen ihre Kleinen mit zur Jagd und geben den Babies auch mal die Brust (!), wenn diese quengelig werden. Na ja, seien wir froh, gibt es bei uns Nuggis... 

Amerika: Wie immer, kommen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten die grössten Unmöglichkeiten. Denn Amerikaner wissen heute überhaupt nicht mehr, wie sie mit ihren Kindern sollen. Verunsichert von der «Tiger Mom», die ihre Kinder drillt, und den eigenen Pädopsychologen, die predigen, man müsse eben alles für’s Kind tun, sind sie dauernd hin- und hergerissen. Wenn man amerikanische Zeitungen liest, scheinen ihre grössten Probleme das Essen zu sein (Übergewicht ist in Amerika eine nationale Krankheit) und die Hausaufgaben. Amerikaner verbringen mehrere Stunden wöchentlich mit den Hausaufgaben ihrer Kinder. Nicht, dass sie ihnen dabei helfen, das Einmaleins zu lernen, vielmehr müssen sie irgendwelche Planetenkonstellationen und Vulkane für/mit ihren Kindern basteln... «Science Projects» nennen sie das. Auch hier nicht unbedingt nachahmenswert, nicht? 

Planet Erde: Für mein nächstes Beispiel gibt es kein eigentliches Land, das man nennen könnte. Überall, ausser in der «urbanen, westlichen Welt» gibt es die Maxime, dass man nämlich NICHT mit Kindern spielt. Diese Manie, seine Kinder zu unterhalten, sich zu ihnen auf den Boden zu setzen und Spiele zu spielen, die unseren Intellekt bei weitem unterfordern, ist total von unserer überinformierten Zivilisation geprägt. Kinder spielen auf der ganzen Welt untereinander und wenn sie zu klein dafür sind, eben gar nicht. Lernen tun sie auch so. DAS wiederum finde ich absolut nachahmenswert! 

Es kann sicherlich nie schaden, über den Tellerrand zu schauen, doch am Ende sollten Eltern wahrscheinlich einfach nach Gefühl handeln. Mein Gefühl sagt mir: Kein Kindermenu, keine Schularbeiten und keine öden Kinderspiele. So stimmt's für alle. 

Habt ihr auch interessante Beobachtungen im Ausland gemacht? Die würden mich nämlich sehr interessieren.

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