Donnerstag, 28. Februar 2013

Wer hat hier Ferien gesagt?



Wie viel «Ferien» finden während der Ferien statt? Für Zuhause-Gebliebene gleichen die zwei Wochen eher einem Vollzeitjob.

Sportferien. Toll. Für die, die Wintersport betreiben. Also nicht für uns. Die Kleine ist noch zu klein, der Grosse mag nicht Skifahren, Wintersportferien sind sehr teuer, und wir haben schliesslich nicht beliebig viele Freitage, die wir beziehen können.
Also bleibt die Mutter mit den Kindern zu Hause, arbeitet weiter, als ob nichts wäre, obwohl keine Betreuung weit und breit zu sehen ist und merkt nach zwei Wochen, dass sie jetzt eines wirklich braucht: Ferien. Von den Kindern, vom Job, vom Haushalt (der immens viel anstrengender ist, wenn alle immer zu Hause sind und brösmeln, fötzeln, kurz: ein Puff machen). Auch war ihr nicht mehr bewusst, was es heisst, jeden Tag zweimal kochen zu müssen. Ein Graus!

Nun würde Mami gerne ein paar Tage weg und ist wirklich neidisch auf Freunde, die a) eine Ferienwohnung in den Bergen haben oder b) zwei ganze Wochen auf einer thailändischen Insel verbringen dürfen. Neid. Blanker, purer Neid.

Denn wir haben hier zwar tolle Schneeverhältnisse und die Kids könnten jeden Tag schlitteln gehen. Wollen sie aber nicht. Zu kalt, niemand da, mit dem sie spielen können, und die Kleine muss man sowieso noch begleiten und Mami hat eben auch nicht immer Lust auf Schlitteln. Kino wäre eine Variante, die Kleine ist aber noch zu klein... Alle zusammen etwas unternehmen, erweist sich dieses Jahr als besonders schwierig, Altersunterschied der Kinder sei dank.
Kurz: Ich brauche Ferien von den Ferien!

Wie machen das andere bloss? Kaum jemand kann sich für alle 13 Wochen Schulferien Ferien ausser Haus leisten, oder? Was läuft bei euch während der Ferien? Berge? Sonne? UHU (Um’s Huus ume)?

Donnerstag, 21. Februar 2013

Die doppelte Rabenmutter



Wie der Skandal um das Innenleben der Lasagne Auswirkungen hat auf das Innenleben einer Mutter hat.

Sie war immer für mich da. Seit ich Kinder habe, konnte ich mich darauf verlassen, dass sie im Keller auf mich wartete. Und dafür sorgen würde, dass meine Kinder nicht verhungerten. Sie war da, um mich davor zu bewahren, im Pyjama in den Supermarkt zu hetzen, weil nichts zu essen im Haus war. Sie war auch da, als ich (nur einmal, ich schwöre es), so tat, als seien die Canelloni hausgemacht... Die Rede ist von Tiefkühlkost. Seit wir einen grossen Gefrierschrank haben, konnte ich jeweils gross einkaufen, diesen füllen und mir sicher sein, dass meine Kinder immer eine warme Mahlzeit bekämen, auch wenn Mama bis fünf vor Zwölf (das meine ich jetzt im wörtlichen Sinne) gearbeitet und die Zeit vergessen hatte. Sie waren da, die gekühlten Mahlzeiten, wenn die Nonna (die eben nur so klingt, als würde sie gerne kochen) spontan die Kinder hüten musste. (Nicht, dass sie die Tiefkühl-Was-auch-immer nicht trotzdem ausgiebig kritisiert hätte.)  Auch waren sie da, die Fischstäbli, Hamburger, Lasagne und Pizze, wenn Mama schlicht und einfach keine Lust hatte, selber etwas Leckeres für ihre Familie zu kochen. Sie waren da. Für sie. Und mich.

Nicht, dass ich nicht schon damals ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, als Mutter schleppt man dieses sowieso die ganze Zeit mit sich rum. Geschweige also, wenn man nicht einmal richtig für seine Kinder kocht. Eine Rabenmutter war ich vorher schon. Und jetzt das. Der Skandal. In Tiefkühlkost ist Pferdefleisch. Ich will ja niemanden beleidigen, Pferde schmecken gut, keine Frage. Nur, wenn wir bis anhin nicht wussten, dass das «Rind» eigentlich ein Gaul war, wie sollen wir heute sicher sein, dass das Pferdefleisch auch wirklich dessen Fleisch ist? Und nicht seine Augen, Hufe, Innereien? Ganz abgesehen von den offenbar schrecklichen Verhältnissen, in denen die Tiere gehalten wurden.

Es ist nicht (nur) die Schuld der Supermärkte, ganz viele Verbrecher hatten hier die Finger im Spiel. Schuld sind die laschen Gesetze, unser Konsumgverhalten und die Zwischenhändler. Aber am meisten Schuld habe natürlich ich. Schon wieder. Vielleicht ging die Etikette «Pferd» zwischen Rumänien und der Schweiz verloren. Die Etikette «Rabenmutter» hingegen haftet nun doppelt an mir.

Müssen Sie Ihren Menuplan auch etwas ändern, oder kamen Tieflühl-Was-auch-immer für Sie sowieso nie in den Gefrierschrank?

Montag, 18. Februar 2013

Sponsored Post: Der Spion, der aus der Küche kam



Die Hälfte der Eltern haben einen Facebook-Account, um ihre Kinder auszuspionieren.

Seid ihr «Friends» mit euren Kindern auf Facebook? Wieso? Ganz ehrlich jetzt! Nicht, um zu wissen, was euer Baby den ganzen Tag auf dem Netz so treibt, mit wem es befreundet ist, ob es Tierschutzorganisationen oder doch lieber Nachtclubs «liked»? In unserer digitalen Welt, in der es immer schwieriger wird, unsere Kinder «im Griff» zu haben, scheint dies tatsächlich eine gute Lösung.

Und wir sind nicht allein! Gemäss der Education Database Online checken 43 Prozent der Eltern das Profil ihrer Kinder täglich. Speziell interessiert sie dabei die Statusmeldungen und die getaggten Fotos. Die Kids sind also gut beraten, ihre samstagabendlichen Exzesse nicht unbedingt fotografisch festzuhalten oder gross zu kommentieren.

Früher bauten wir auch Mist, manche von uns sogar ziemlich oft. Und ja, es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dass die eigenen Kinder auch einmal betrunken in der Club-Ecke einschlafen oder schlimmeres anstellen. Die Versuchung, das zu kontrollieren - wenn schon nicht zu verhindern - ist riesig.

Nun sollten Eltern genau dies ihren Kindern mitteilen. Vielleicht würden sie auf diese Art merken, dass die digitale Identität ganz einfach auch von Dritten missbraucht werden kann, wie oben stehendes Video der «Groupe Mutuel» zeigt. So ist das einloggen per Facebook in der Tat eine Vereinfachung der mühsamen Passwortkontrolle für X verschiedene Seiten und technisch gesehen clever. In Sachen Sicherheit ist es mitunter das Dümmste, was man tun kann.

Auch ich gehöre zu denen, die die digitale Gefahren runterspielen. Doch die Meldestellen verzeichnen immer mehr Betrugsversuche. Die Vorstellung, dass wegen meiner Unachtsamkeit unser Bankkonto geleert wird und ich meiner Familie erklären muss, dass es daran liegt, dass ich mich digital dumm verhalten habe, lässt aber auch mich leer schlucken. Im Falle von Facebook-Daten geht es mit wiederum mehr um meine Kinder, ihren Ruf, ihre Privatsphäre (meine sind ja noch zu klein, aber nicht mehr lange und auch sie werden digital unterwegs sein). Ganz zu schweigen von dem ganzen Cybermobbing, das eine Kindheit ruinieren kann.

Interessant ist, dass gemäss einer GFK-Studie zwei Drittel der Schweizer die digitalen Risiken wie Hacking, Phishing oder Skimming kennen, und bereits rund zehn Prozent gar schon selbst von Hacking- und Phishing-Attacken betroffen waren. Einen Schutz davor gibt es nicht, ausser in unserem eigenen Verhalten. So weiss gemäss derselben Studie auch ein Viertel der Schweizer nicht, wie sie sich im Schadensfall benehmen sollen, an wen sie sich richtgen können. Weshalb die «Groupe Mutuel» eine Rechtsschutzversicherung geschaffen hat, die  aktiv wird, wenn es zu Streitigkeiten im Zusammenhang mit Internetnutzung und elektronischen Transaktionen kommt.

Versicherung hin oder her, auch ich werde mit meinen Kinder auf Facebook «befreundet» sein wollen, wenn es mal so weit ist. Schliesslich darf ich schon noch ein paar Järchen wissen, was bei ihnen läuft, oder etwa nicht?



Der weltweit gültige Rechtsschutz «Legisdigit@» der Groupe Mutuel bietet Versicherten Hilfe durch IT- Experten, um missbrauchte E-Mail-Konten wieder zu übernehmen oder ein falsches Internetprofil zu löschen. Die Schadensregulierung und Risikoübernahme erfolgt durch Assista Rechtsschutz AG. Die Monatsprämie von maximal 6 Franken ist auch für Jugendliche erschwinglich.
Auf rundumgeschuetzt.ch erfahrt ihr mehr.



Donnerstag, 14. Februar 2013

Rabatt für gut erzogene Kinder?






Der Restaurant-Besuch mit Kindern ist häufig ein Spiessrutenlauf. Doch manchmal lohnt er sich regelrecht.
 

Eine solche Restaurant-Quittung wird den wenigsten Eltern mit kleinen Kindern vergönnt sein. Dieser Reddit-User erhielt für seine Kinder, die sich in der Beiz anständig benahmen nicht nur ein anerkennendes Kopfnicken. Offenbar war der Kellner des italienischen Restaurants von den Kids (2, 3 und 8 Jahre) so begeistert, dass er den Eltern einen Rabatt gewährte! Die Ausrede «meine Kinder sind halt noch zu klein» kann also nicht mehr akzeptiert werden, es geht nämlich  offensichtlich auch dann.



Zugegeben, ich war ja nicht dabei und vielleicht hat das Personal so extrem schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie schon halbwegs gutes Benehmen als lobenswert erachten. Doch wenn man die Tipps beachtet, die diese Wahnsinneltern geben, kann eigentlich nichts mehr schief gehen (wobei ich nicht mit allem einverstanden bin, siehe Klammern):


  • Gehen Sie mindestens zweimal monatlich mit Ihren Kindern ins Restaurant (McDonalds gilt nicht, das Budget lässt grüssen).
  • Geben Sie Ihnen vorher einen Snack, damit sie nicht vor Hunger quengeln (oder werfen Sie das Geld gleich zum Fenster raus, weil die Kinder dann überhaupt keinen Hunger mehr haben).
  • Gehen Sie nur auswärts essen, wenn die Kids gesund und ausgeruht sind (also fällt der gesamte Winter weg. Ausserdem: Die Eltern müssen wohl auch gut drauf sein, oder nicht?).
  • Geniessen Sie die Zeit mit den Kindern im Restaurant (oder mindestens die ersten fünf Minuten davon, bis der Erste aufstehen will, auf die Toilette muss oder sonst gelangweilt rummäkelt).
Obwohl ich mich bei unserem ersten Kind immer geweigert habe, es künstlich zu beschäftigen (weil ich die Illusion hatte, ein Kind müsse sich gefälligst von alleine zu benehmen wissen), versuche ich bei einem Restaurant-Besuch heute auch an Folgendes zu denken:


  • Farbstifte und Papier mitnehmen.
  • VOR dem Essen aufs Klo gehen, sonst fällt es den Kleinen mit Sicherheit genau dann ein, wenn der Kellner den Hauptgang bringt.
  • Andere Kinder einladen, falls bekannt ist, ob die sich benehmen können bei Tisch. So sind sie untereinaner beschäftigt.
  • Den Lautstärkenregler bei der Tochter finden. Dringend.
Was tut ihr für ein schönes Essen im Restaurant? Lasst ihr es lieber gleich bleiben? Oder gehört ihr zu den Eltern, die einen Benimm-Rabatt erhalten?

Dienstag, 12. Februar 2013

Fiese Eltern



Eltern lügen ihre Kinder an. Wie heftig, ist nun auch wissenschaftlich erwiesen.

Mit dem Titel «Müttergeheimnisse» wagte ich vor einiger Zeit zu behaupten, wir alle würden unsere Kinder ab und zu anlügen oder ihnen etwas verschweigen. Die Welle der Empörung, die über mich schwappte, war erstaunlich. Von «das geht gar nicht» bis zu «die armen Sassine-Kinder sollte man zur Adoption freigeben» war so ziemlich alles vertreten. Ein paar Kommentatoren stimmten mir aber auch zu und beichteten über ihre eigenen Eltern-Lügen.

Und jetzt das: «Fast alle Eltern belügen ihre Kinder» titelte der «Spiegel» kürzlich und berichtete über eine Studie aus China und den USA. Darin gaben 84 Prozent der Amerikaner und 98 Prozent der Chinesen an, ihre Kinder schon einmal belogen zu haben zwecks Beeinflussung ihres Verhaltens. Und für die, die dachten, mein schlimmstes Vergehen sei, zu behaupten, ich würde die Probleme meines Kindes verstehen, obwohl das Gegenteil der Fall ist: Die schlimmste Lüge in besagter Studie, lautet «Wenn du dich nicht benimmst, werfen wir dich den Fischen zum Frass vor!» 21 Prozent der chinesischen Eltern hätten schon damit gedroht! (Die Amerikaner waren humaner, nur gerade vier Prozent gaben an, so etwas ähnliches schon einmal gesagt zu haben.)

Natürlich kann man jetzt sagen, wir Europäer hätten andere Erziehungsmaximen und ich bin absolut der Meinung, dass andere Länder halt andere Sitten haben. Trotzdem finde ich es interessant (und erschreckend) zu sehen, was den Kindern alles angedroht wird. Da erscheint mir meine damalige kleine Liste der beliebtesten Lügen ziemlich harmlos.

Gemäss der Studie lügen Eltern ihren Kindern noch einige mehr vor:
  • Folgen: «Wenn du jetzt nicht mitkommst, dann lasse ich dich hier allein.»
  • Benehmen: «Wenn du nicht leise bist und dich benimmst, wird die Frau dort drüben / die Polizei böse.»
  • Einkaufen: «Ich habe heute kein Geld dabei. Wir kaufen das Spielzeug ein andermal.»
  • Falsches Lob: «Du hast so schön Klavier gespielt / gemalt / getanzt.»
  • Süssigkeiten: «Wir haben nichts mehr im Haus.»
«Die weite Verbreitung von Elternlügen ist insofern auffällig, als dass Eltern in den USA und China Kindern versuchen beizubringen, dass die Wahrheit ein wichtiges kulturelles Gut ist.» schreiben die Psychologen in ihrer Studie. Gleichzeitig erzählen Eltern aus beiden Ländern ihren Kindern, ihre Nase würde länger werden, wenn sie lügen. Schön zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die inkonsequent agiert.

Unklar bleibt aber, wie diese Lügen das Kind beeinflussen, so die Forscher. Moralische Fragen müssten noch geklärt werden. Indes lügen Mama und Papa munter weiter. Wie unsere Eltern das auch taten.

Jetzt mal ehrlich: Haben Sie Ihr Kind noch nie angelogen?

Donnerstag, 7. Februar 2013

Die Mär der Familienmanagerin



Wieso die Babypause uns keine Managerfähigkeiten verleiht, im Gegenteil.

Erinnern Sie sich an die Werbung, in der eine Mutter und Hausfrau beim Vorstellungsgespräch ihre Qualifikation beschreibt, mit «Ich führe ein kleines, erfolgreiches Familienunternehmen!»?. Die Firma Vorwerk stellt Haushaltsgeräte her, was sonst?

Seit es nicht mehr besonders «in» ist, Mutter und Hausfrau zu sein, wurde der Begriff Familienmanagerin ge- und missbraucht. Der soll nämlich implizieren, dass der Alltag eigentlich gleichzusetzen ist mit dem eines Business-Managers, der ein paar Mitarbeiter führt. Und das mit Erfolg (sofern die Kinder nicht unterernährt oder schlecht erzogen sind, versteht sich).


Jetzt kommt aber eine Harvard-Professorin und zerstört den schönen Traum. «Nein», meint Rosabeth Moss Kanter in der «Harvard Business Review» vernichtend, «Mütter/Hausfrauen haben nicht die Qualitäten eines Managers, eine Familie zu führen wird Ihnen nicht helfen, ein Business zu leiten.» Wer sich jetzt also ausgemalt hat, der Wiedereinstieg ins Berufsleben könne doch nicht so schwer sein, schliesslich habe sie nun eine 4-jährige Erfahrung mit der Familie, hat sich offenbar geschnitten. (Na ja, die meisten hatten's auch schon früher gemerkt.)

In Theorie sieht ein solches Curriculum mit folgenden Kompetenzen sicherlich toll aus: Prioritäten setzen, andere schulen, komplexe Logistik und Terminpläne organisieren und interpersonelle Sensibilität walten lassen, um mitunter schwierige menschliche Probleme zu lösen.

Kanter betont: «Die Fähigkeiten, die eine Mutter zu Hause besitzen muss, sind absolut bemerkenswert. Sie sind aber nur übertragbar, wenn die Mitarbeiter sehr jung, verwundbar und abhängig sind. Ansonsten hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.»  Und weiter «Zeit mit Menschen zu verbringen, die einen  limitierten Wortschatz haben, fördert strategisches Denken nicht gerade.»

Die Stunden, die ich damit verbracht habe, Bauklötzchen aufzutürmen, Milchpulver in der richtigen Dosierung mit Wasser zu vermischen und Diskussionen über Sandalen im Winter sollen meine Business-Kompetenzen nicht gefördert haben? Pfff! Na ja, vielleicht hat sie Recht. Ein bisschen.


Deshalb plädiert die mehrfache Autorin für neue, kreative Mechanismen, um Familienmanagerinnen zu helfen, ihre Business-Kompetenzen aufrechtzuerhalten, während sie gleichzeitig ihre Kinder aufziehen können. Dies sei besonders in der heutigen Zeit zentral, da sich die Arbeitswelt rapide verändert. «Es ist zwar etwas anderes, eine Familie zu managen, als ein Business zu führen, dennoch sollte es einfacher sein, vom einen zum anderen zu wechseln. Den Wiedereinstieg zu planen, ist die nächste Form der Investitionen in die eigene Zukunft.»

Auch das haben wir am 3. März in der Hand: Bei der Abstimmung über den Familienartikel geht es nämlich nicht nur darum, die Kinder «auf Staatskosten» unterzubringen. Es geht darum, Müttern und Vätern ein Berufsleben zu ermöglichen, dass nicht nur auf Zufall basiert, sondern  die Investitionen, die in die eigene Bildung getätigt wurden, trotz Kindern sinnvoll sind. DANN reden wir von einem «erfolgreichen Familienunternehmen.» Vorher kann davon nicht die Rede sein.

Montag, 4. Februar 2013

Senza una donna

Italien kämpft mit der kriselnden Wirtschaft. Nun seien die Frauen gefragt, rufen Ökonomen. Wenn man sie denn liesse.

Fragt man Italienerinnen, wie das Leben einer erwerbstätigen Mutter ist, hört man mitunter die Antwort: «Unmöglich!» War es noch vor 20 Jahren gang und gäbe, nach der Geburt eines Kindes weiterzuarbeiten und die Betreuung der allzeit bereiten Nonna zu übergeben, so haben sich sogar in Italien die Zeiten geändert. Die Grosseltern sind nicht immer bereit oder geographisch verfügbar, um den Nachwuchs zu hüten.

Das ist aber nur einer der Gründe, wieso Italien in der OECD-Studie über erwerbstätige Frauen mit 46.5 Prozent den drittletzten Platz einnimmt. Nur Griechenland und die Türkei schneiden noch schlechter ab. Mit 12 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt stellt sich die Frage: Wieso kriegt Italien seine Frauen nicht zurück an den Arbeitsplatz?

Job oder Familie
Nicht, dass der Mangel an erwerbstätigen Frauen in italienischen Medien trotz hoher Arbeitslosenquote (12 Prozent) eine besondere Erwähnung verdient hätte. Man muss schon nach England schauen, um etwas Aufschlussreiches darüber zu lesen. So interviewte der «Guardian» letzte Woche Italienerinnen zum Thema und der rote Faden zieht sich durch alle Aussagen durch: Italienische Vorgesetzte (egal ob weiblich oder männlich) goutieren eine erwerbstätige Mutter offenbar auch 2013 nicht. Als sie aus organisatorischen Gründen den Arbeitsplatz verlassen musste, kriegte Enza Miceli zu hören, sie müsse sich «halt zwischen Familie und Beruf entscheiden». Woraus sie sich, wie die meisten – nicht zuletzt aus Mangel an Betreuungsplätzen – für die Familie entschied und ihren Job an den Nagel hängte.

Eine Ausnahme in der medialen Wüste stellt einzig der «Corriere della Sera» dar: Italien nutze eines Grossteil seines humanen Kapitals nicht – nämlich Frauen – konnte man diesen Monat auf der Frontseite lesen. «Es ist ein kolossaler Verlust für die Wirtschaft. Die nächste Regierung wird die Frage der weiblichen Arbeitskräfte ins Zentrum ihre Programms stellen müssen.» Die Kritik kam nicht etwa von feministischer Seite – eine Bewegung, die in Italien kaum zu hören ist, seit Berlusconi abgetreten ist – sondern von den Wirtschaftswissenschaftlern Alberto Alesina und Francesco Giavazzi. Zwei Männern.

Traumjob «Velina»
Die Frage ist also längst keine emotionale oder feministische mehr, sondern eine soziale und gesellschaftsökonomische. Für junge Frauen in Italien gilt – Privatfernsehen sei dank – der Job einer «Velina» (eine spärlich bekleidete Assistentin vor der Kamera) als absoluter Traum. Ein bisschen tanzen, nett lächeln und Kurven zeigen.

«Silvio Berlusconi war nicht nur für das Image unseres Landes und die Wirtschaft das Schlimmste, was uns in den letzten 20 Jahren passieren konnte. Auch für das Selbstbild der Frau und unsere Kultur war es eine schädliche Periode.» ist Michela Cella, Ökonomin und Mutter überzeugt.

Doch der Status Quo wird weiterhin verteidigt: Italienerinnen würden die Wirtschaft mit ihrer Rolle als ultimative Pflegerinnen (von Kindern, Ehemännern und Greisen). Weil es gesellschaftliche nach wie vor akzeptiert ist, dass eine Mutter zu hause bei den Kindern bleibe, argumentieren rechte Politiker damit, diese Mentalität erleichtere das Kinderkriegen. Sowohl die Krise, wie auch die im europäischen Vergleich tiefe Rate von 1.4 Kindern pro Frau haben indes gezeigt wie falsch und antiquiert diese Argumente sind.

In einem Monat sind Wahlen in Italien, eine neue Regierung könnte die Situation verändern. Die Schritte dazu sind dieselben, die auch in Nordeuroopa diskutiert werden (und die eine deutsche Regierungsstudie bestätigt): Mehr Betreuungsplätze schaffen, Steuern senken, um die Motivation und die Möglichkeiten der Frauen zu erhöhen, wieder ins Erwerbsleben einzusteigen.

Automatische Kündigung
Bevor sich aber etwas ändern kann, müssten Auswüchse wie die Praxis der «Blanco-Kündigung» aufgehoben werden. Bei der Arbeitsvertragsunterzeichnung wird in Italien gleichzeitig eine Kündigung unterschrieben, die zum Zuge kommt, um eine Entlassung bei Bedarf zu vereinfachen. Diese vollkommen illegale Praxis wird jedoch nur selten bekämpft, da viele auf den Job angewiesen sind. Das Italienische Institut für Statistik (ISTAT) glaubt, dass 800'000 Frauen alleine 2011 ihren Job auf diese Weise verloren. Meist während oder nach einer Schwangerschaft. Einzig Romano Prodi hatte 2007 versucht, den Blanco-Check zu beseitigen, wurde aber von der Wiederwahl Berlusconis 2008 daran gehindert mit dem Argument, es sei zu kompliziert und bürokratisch. Auch über solche illegalen Phänomene erfährt man in den italienischen Medien übrigens nur selten etwas.

Mario Montis technokratische Regierung hat das Gesetz gegen diese Praxis zwar wieder in Angriff genommen, doch sei es zur Zeit sehr einfach, es zu umgehen, wie Juristen bestätigen. Die am 25. Februar gewählte Regierung wird sich dem Problem definitiv annehmen müssen. Doch auch die nächste Legislaturperiode wird – ob mit oder ohne Berlusconi - kaum die Mentalität vieler Italiener verändern. Nämlich, dass es ohne die Mamma am Herd nicht geht.

Artikel erschien heute auf clack.ch

Freitag, 1. Februar 2013

Es geht auch unbürokratisch


Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Stressfaktor, den der Familienartikel beseitigen möchte. Doch es geht auch anders, behauptet die «Zeit» und liefert einen Ideenkatalog.

Je näher der Abstimmungs-Termin rückt, desto mehr gibt der Familienartikel zu reden. Das wurde auch Zeit. Die Diskussionen reichen von SVPs «Staatskinder», die an dunkle DDR-Zeiten erinnern, bis hin zu «Subventionsmonstern», welche der Artikel hervorrufen könnte. Fest steht, dass wir am 3. März 2013 «nur» über einen Verfassungsartikel stimmen werden und die entsprechende Gesetzgebung, die zwingend folgen wird, vieles – zu vieles – offen lässt.

Weshalb die aktuelle Schweizer Ausgabe der «Zeit» zu mehr Vernunft aufruft, um gewisse Regeln und bereits bestehende Gesetze pragmatisch umzusetzen. Die meisten Vorschläge sollten Politiker sich in der Tat genauer ansehen:
  • Statt einen neuen Verfassungsartikel zu kreieren, müsse man nur den bestehenden Gleichstellungsartikel konsequent umsetzen. Wenn Frauen für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekämen, könnten Familien frei entscheiden, wer zu hause bleiben will/kann/soll.
  • «Massiv höhere Kinderabzüge, dafür seltener gezielte Subventionen.» denn im Steuersystem werde nicht unterschieden, wie viele Kinder eine Familie hat, womit die Öffentlichkeit sogar für den gut verdienenden Mittelstand Krippenplätze subventioniere. (Leider berücksichtigt diese Idee den Umstand nicht, dass genau dieser Mittelstand Ende Monat oft ins Minus gerät, unter anderem weil die Kinderbetreuung zu teuer ist.)
  • Einfachere Personal-Qualifikationen und baurechtliche Massnahmen sollen die Kreation von Krippen und Horte erleichtern.

Auch die Unternehmen sollten sich überlegen, was sie besser machen könnten. Die Zweifel sind natürlich gross, dass folgende Ideen in der Schweizer Privatwirtschaft umgesetzt würden, doch lesenwert sind sie allemal:

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