Donnerstag, 27. November 2014

Wollen Mädchen eine realistische Barbie überhaupt?



Die neue «Barbie» hat eine normale Figur. Die Revolution im Spielwarenhandel ist ein riesiger Fortschritt. Wirft aber Fragen auf.

Es weihnachtet schon sehr, vor allem im Handel. Christbaumkugeln, Schmuck, Rezepte und vor allem: Spielsachen! Die neuen Plastik-Figuren werden überall vorgestellt und ich fühle mich wie beim Groundhog day: Alle Jahre wieder.


Doch eine Neuheit sticht mir ins Auge und mir gefällt, was ich sehe: Lammily, die «Barbie» (nicht von Mattel) mit der realistischen Figur. Will heissen: So könnte ein Mädchen tatsächlich auch aussehen. Nicht übergross, nicht extrem dünn, eine normale Taille und ein rundliches Gesicht. Ganz toll!
 
Denn auch Mattel hat versucht, ihr Flaggschiff «Barbie» zu modernisieren, mit mässigem Erfolg, der eigentlich nur noch peinlich ist. So gibt es ein Barbie-Buch mit dem Titel I Can Be a Computer Engineer. Was toll klingt – denn nachdem Barbie Mami, Bikinimodel und Krankenschwester war, wurde es an der Zeit, sie einen Beruf ausüben zu lassen, der nicht typisch für Mädchen ist –, ist in Wirklichkeit ein erschreckendes Beispiel dafür, wie sexistisch die Puppe weiterhin behandelt wird. Denn im Buch arbeitet Barbie zwar am Computer, wenn es aber darum geht, etwas zu entwickeln, muss sie an ihre männlichen Kollegen appellieren. Oder wie es eine Bewertung auf amazon ausdrückt: «Mädchen lernen in diesem Buch, wie man Jungs dazu manipuliert, die Arbeit zu erledigen.» Da haben die Jungs (oder gar Mädels?) von Mattel auf der ganzen Linie versagt. 

Deshalb wirkt die wohlproportionierte Lammily wie ein Lichtblick in der Spielwaren-Gender-Diskussion. In der Weihnachtsedition 2014 kommt sie sogar mit einem Set Sticker daher, welche Pickel, Narben, Cellulite, Tattoos und sogar Schwangerschaftsstreifen beinhaltet. Finde ich sehr, sehr cool! 

«Ja, aber würde deine Tochter so eine wollen?», fragte mich eine Freundin gestern, als ich ihr ganz begeistert davon berichtete. Dazu muss ich sagen, dass meine Tochter der dunkelhaarigen Lammily sogar ähnelt. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass sie so eine Puppe haben möchte. Doch will sie das wirklich? Wählen wir Erwachsene ebenfalls nach unserem Ebenbild? Wohl kaum. Oder wie erklären Sie sich den Erfolg einer Serie wie «Desperate Housewives», wenn nicht damit, dass diese verzweifelten Hausfrauen uns so gar nicht ähnlich sind? Ihr Leben ist nicht unseres, ihre Autos ebenfalls nicht und ihre Figur erst recht nicht! 

Wieso sollte also meine Tochter ausgerechnet auf eine Puppe stehen, die ihr ähnelt oder ähneln könnte? Ist es am Ende so, dass Lammily vor allem uns Eltern gefällt und wir endlich eine pädagogisch wertvolle Barbie-Version gefunden haben? Ähnlich wie wir damals dachten, unsere Kids sollen vor allem mit Holzklötzen spielen, bis das kinderlose Gotti ihnen ein Plastikspielzeug geschenkt hat und das Kind nichts anderes mehr wollte? 

Ich weiss es nicht, ich will meine Kleine ja mit der Puppe überraschen und werde sie deshalb auch nicht fragen. Aber der obige Video-Clip zeigt zumindest, dass die realistische Barbie bei den Kids ganz gut ankommt. Vor allem die wiederholte Aussage «Sie sieht aus wie meine Schwester» gefällt mir besonders gut. DAS hat kaum je ein Kind über Mattels Barbie gesagt, oder was meinen Sie?

Donnerstag, 13. November 2014

Liebe Afrikanerinnen: Macht doch bitte keine Kinder mehr. Besten Dank. Eure Schweiz.


So in etwa müsste sich die Ecopop-Initiative präsentieren. Wenn sie dann mal so ehrlich wäre.

Ist sie aber nicht. Unter dem Mantel des „Menschenrechtes auf Familienplanung und die Stärkung der Rechte der Frauen“ (auch wenn von diesen Rechte im Initiativtext kein Sterbenswörtchen steht), möchten die Initianten Drittweltländer dazu anhalten, bitte weniger Kinder zu produzieren. Sonst kommen die nämlich früher oder später alle zu uns und dann leidet die Natur darunter. Der Zusammenhang ist so haarsträubend, dass es eigentlich zum Lachen wäre. Wäre es nicht so traurig. Denn 10 Tage vor Abstimmung liegt das Ergebnis bei 50:50.
Zuwanderungsbeschränkung ist in diesem Land seit langem ein Thema. Das erfuhren meine Eltern schon vor über 40 Jahren, als sie in die Schweiz kamen(weil man meinen Vater aus beruflichen Gründen in dieses Land gebeten hat. So wie das heute ebenfalls sehr oft der Fall ist). James Schwarzenbach war damals der Mann, der den Schweizern erklärte, das Land müsse wieder sauber werden. Sauber vor Ausländern, die das blitzeblanke Strassenbild verschandelten. Auch wenn sich viele Ja-Stimmer noch heute nicht bewusst sind, wie viel ihnen von Ausländern abgenommen wird (oder versuchen Sie sich mal vorzustellen, alle Ausländer würden einen Tag lang die Arbeit niederlegen. Was würde passieren?), so hat eine gewisse Kontrolle und ein vernünftiges Mass sicherlich seine Berechtigung. Das ist aber nicht die eigentliche – entschuldigen Sie – Schweinerei der Ecopop-Initiative. Die geht nämlich weiter (und das wird in den meisten tendentiösen Berichterstattungen nicht speziell erwähnt):
„Der Skandal liegt in der Verbindung von Zuwanderungsbeschränkung in der Schweiz mit Geburtenkontrolle in der Dritten Welt. Offenbar reicht es nicht aus, die Ausländer zu kontingentieren, um in der helvetischen Heimat die Unversehrtheit von Wald, Weid und Alpenbrache zu bewahren. Es müssen zu diesem hehren Zweck auch aktive Anstrengungen unternommen werden, um in der Sahelzone die Geburtenrate zu senken. Globale Denatalität zum ökologischen Wohl der Heimat. Oder im Klartext: weniger Negerlein. Das ist die politische Substanz der Ecopop-Initiative. In der schönen Schweiz des Jahres 2014 könnte sie mehrheitsfähig sein.“ Besser als Daniel Binswanger im Magazin hätte ich es auch nicht sagen können.

Es ist übrigens auch nicht so, dass die „Afrikafreunde“ von Ecopop die Entwicklungshilfe erhöhen wollten, um ihre tollen Ideen überhaupt umzusetzen. Vielmehr müssten mindestens 10 Prozent eben dieser Hilfe neu für Familienplanung ausgegeben werden. Nicht für Schulen, Medizinische Versorgung oder Wasser. Sondern schlicht dafür, dass sie sich bitteschön nicht mehr vermehren.

Nun ist dieses Gedankengut nichts Neues. In braunen Programmen der Nationalsozialisten waren solche Ideen alltäglich. Genauso wie die Vernichtung von behinderten Kindern (die ja auch umgesetzt wurde) und sonstigen menschenverachtenden Massnahmen, um die Heimat „zu säubern“. Am 30. November werden nun wir Schweizer (schon wieder!) an die Urne gebeten, um faschistische Ideen umzusetzen. Wollen wir wirklich, dass unsere Kinder in einer Schweiz aufwachsen, deren einziges Ziel es ist, eben diese „sauber“ zu halten? Sollen sie in einer Schweiz leben, deren ökologisches Gewissen davon abhängt, wie viele Afrikanerinnen sterilisiert wurden? Für mich wäre das ein Grund, dieses Land, das meinen Vater und seine Familie vor über 40 Jahren geholt hat, wieder zu verlassen. Oder wie sehen Sie das?
 Mehr Infos zur Ecopop-Intitiative finden Sie hier.

Donnerstag, 6. November 2014

Was Jungs mögen...

… sollte Mädels nicht interessieren. Deshalb ist «All about the Bass» nicht so toll, wie man meinen könnte.



Es geschieht immer im Auto. Wir fahren und hören einen der x Sender, die den lieben langen Tag dieselbe Hitparadenmusik rauf- und runterspielen. Und plötzlich schreit eines der Kinder «Mami, mach lauter!». In diesem Fall meine Tochter. Das Lied? «All about the Bass» von Meghan Trainor. Für die unter Ihnen, die es nicht kennen: Meghan Trainor ist keines der spindeldürren Sternchen am Pophimmel und über genau diesen Zustand beschreibt sie auch. So singt sie über Photoshop und dass wir alle wissen, dass es nicht echt ist etc. Toll! Dachte ich erst. 

Denn – selber auf der molligen Seite des Lebens – prinzipiell begeistern mich alle jungen Mädels, die ihren Körper feiern. Egal, wie dieser aussieht. Die nicht hungern, um möglichst der gängigen Norm zu entsprechen. Die aber wissen, dass sie eben mehr sind als nur eine Figur, ein Gesicht, ein BMI. 

Leider zügelte sich meine Begeisterung für das Lied ziemlich schnell, als ich genauer auf den Text hörte. 

Yeah, my mama she told me don't worry about your size. She says, Boys like a little more booty to hold at night.

(Meine Mama sagte mir, ich solle mich um meine (Kleider)Grösse keine Sorgen machen. Jungs mögen es, nachts etwas mehr (Po) im Arm zu halten. So ungefähr.)
 
Also soll es eben doch darum gehen, was Jungs mögen? Wenn Jungs Mollige mögen, ist es okay, mollig zu sein? Bis sie es nicht mehr mögen und dann specken wir ab? 

Der Rest des Liedes ist wirklich okay, und ich mag es auch, dass meine Tochter mal junge Frauen sieht, die 1. nicht fast nackt vor der Kamera tanzen, 2. positiv zu ihrem Körper stehen und 3. nicht von muskelprotzigen Jungs umgeben sind (der einzige Junge im Video tanzt zwar genial, ein Adonis ist er aber nach gängigen Kriterien nicht und das ist sooo sympathisch!). 

Aber wäre es nicht schön gewesen, wenn die «Mama» ihrer Tochter im Song gesteckt hätte, dass es egal ist, ob man den Jungs gefällt? Dass es nicht nur am Äusseren liegt, ob man gut ankommt? (Denn, dass das wichtig ist, weiss ich noch aus eigener Erfahrung). Dass eine Ausstrahlung, die zeigt, «he, ich gefalle mir, so wie ich bin!» eben positiver wirkt, als «gefalle ich dir so?». Ich finde schon. Aber ich kann leider keine Songs schreiben. 

Was denken Sie? Ist dieses Signal okay? Oder was bringen Sie Ihren Töchtern bei in Bezug auf ihre Körper?

Samstag, 18. Oktober 2014

Eine Rabenmutter auf Reisen...

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Denn nicht alle Ferien müssen mit Kind & Kegel stattfinden. 

Carina Herrmann von pinkcompass.de hat mich zum Thema "Alleinreisende Mutter" interviewt:

Ein Kind zu Hause – und trotzdem als Alleinreisende unterwegs?
“Macht man das?” Ist das egoistisch oder sogar gesund?
Ich erlaube mir dabei kein abschließendes Urteil – denn ich habe keine Kinder. Aber eigentlich finde ich es verdammt cool!
Ich habe Nathalie dazu befragt, die trotz Kinder immer mal wieder alleine verreist…

Carina Herrmann: Liebe Nathalie, Du hast ein Kind und bist trotzdem Alleinreisende?!

Das ist sehr ungewöhnlich – wie kam es zu Deiner ersten Solo-Reise als Mutter?

Nathalie Sassine: Mein Vater – der Globetrotter – wohnt seit 3 Jahren in Japan.
Da eine solche Reise mit Familie sehr teuer ist, ich mir das aber nicht nehmen lassen wollte, habe ich mich kurzerhand entschieden, alleine zu gehen. 

So eine Reise ist für mich – als Inhaberin eines Reisebüros – auch immer gleichzeitig eine Studienreise. So lautet zumindest meine Ausrede.

Wie war es dann auf Reisen? Hast Du zuvor noch einmal mit Deiner Entscheidung gehadert?

Und wie! Beim ersten Mal wollte ich am Flughafen gar nicht mehr einsteigen.
Ich hatte plötzlich Angst, der Flieger stürze ab oder es passiere sonst was und ich egoistisches Biest setzte mein Leben auf’s Spiel und die Kinder müssten dann ohne Mutter aufwachsen und und und.
Der Upgrade in die Comfort-Class der Turkish Airlines hat dann einiges dazu beigetragen, dass ich den Flug dennoch sehr genoss…
Und einmal vor Ort, waren alle Befürchtungen vergessen.
Nach einer Woche wäre ich gerne noch etwas länger geblieben!

Das gesamte Interview lesen Sie auf pinkcompass.de


Und Reisen für Rabenmütter gibt es natürlich auf webook.ch!

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die Familienhölle



© 2014 Warner Bros.
Entertainment Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC All Rights Reserved.


Bald ist Weihnachten. Familie ist dann angesagt. Oder anders gesagt: Auf ein paar Tage konzentrierte Hölle.

Ja, ich weiss, es ist etwas früh, um über Weihnachten zu schreiben. Aber ich habe einen guten Grund dafür: "Sieben verdammt lange Tage", die neue "Familie-wird-gezwungen,-Zeit-miteinander-zu-verbringen-obwohl-sie-einandner-nicht-riechen-können"-Komödie von Shawn Levy (A night at the Museum). Basierend auf  John Troppers letztem Roman, geht es hier zwar um den letzten Wunsch des verstorbenen Patriarchen, seine Familie soll eine Woche unter einem Dach leben. Also ein ganz ähnliches Szenario wie Weihnachten bei uns Secondos...

Die Komödie lebt von den brillanten Schauspielern, die das Genre schon öfters geprägt haben. Als Mutter habe ich mich kaputtgelacht ab Jane Fonda, deren Ausschnitt (leider sehr züchtig auf dem Filmplakat), ihr Mitteilungsbedürfnis in Sachen Sex und ihre Religiosität die Kinder immer wieder zusammenzucken lässt. 

Generell ist nichts wahnsinnig Neues von dieser Hollywood-Komödie zu erwarten, die eifrig versucht, englische Pendents wie "Death at the Funeral" zu imitieren, es aber selbstverständlich nicht schafft. Dennoch ist sie einen Kinoabend wert, wenn man wieder einmal herzhaft lachen möchte.

rabenmutter.ch verlost deshalb zwei Goodie-Pakete zum Film, inkl. je 2 Tickets in einem Kino eurer Wahl. Mehr Infos auf unserer Facebook-Seite.

Montag, 29. September 2014

Baby braucht Aufmerksamkeit

 

Was passiert, wenn Mami das Baby ignoriert...


Wir sind immer da für unsere Kleinen. Ob mit oder ohne Babysprache, wir plaudern mit ihnen, spielen und lachen. Babies lernen auf diese Weise die Interaktion mit ihrer Umwelt. Dieses «Still Face Experiment» von Ed Tronick sei insofern erstaunlich, als dass das Baby nicht aufhöre, die Aufmerksamkeit zu erhaschen, obwohl die Mutter (und da frage ich mich, wie sie das so lange durchhält) einen vollkommen uninteressierten Gesichstausdruck hat. 

Die Aussage dieses Experiments ist mir dennoch nicht ganz klar: Dürfen wir unsere Kinder nie ignorieren? Dürfen wir sie ignorieren, aber müssen sie bald wieder zur Kenntnis nehmen? Und was würde passieren, wenn die Mutter noch viel länger ein «still face» machen würde? Würde das Kind irgendwann aufgeben und passiv werden? 

Auf jeden Fall ist es interessant, denn es gibt da draussen Erwachsene, die dank dieses Videos erkennen, was in ihrer Kindheit falsch lief. Und natürlich frage ich mich wieder, ob ich genug da bin für meine Kinder...

Dienstag, 23. September 2014

Der Kinder wegen?

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Mami liebt Papi nicht mehr. Scheiden oder bleiben? Ist es den Kindern wirklich lieber, wenn Eltern zusammenbleiben?

Aus aktuellem Anlass – eine Trennung im Freundeskreis, während gleichzeitig ein anderes Paar beschlossen hat, für die Kids zusammenzubleiben – möchte ich wiedermal auf das Thema «Scheidung» kommen. 

Ehen werden geschieden. Oft. Vielleicht zu oft. Doch soll man einfach bleiben, auch wenn die Liebe völlig abhanden gekommen ist? Der Kinder wegen? Ich glaube nicht. Ich weiss, dass es mir als Kind nicht gut bekam. Aber ich wurde natürlich nicht gefragt, wie die meisten Kinder von entliebten Eltern. Sie gehen davon aus, dass die Kinder lieber Mami und Papi unter einem Dach haben, auch wenn diese unglücklich dabei sind. Das wage ich aber zu bezweifeln. 

Ein paar Gedanken für Eltern, die wegen der Kinder zusammenbleiben:
Ihre Kinder sind nicht dumm. Sie haben längst gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Je nachdem, wie sie es handhaben, geht die Atmosphäre zu Hause von «erträglich» bis «ich muss hier weg». Wollen sie wirklich die Eltern sein, die ihren Kindern was vormachen? 

Ein Kind braucht Sicherheit mehr als Mami und Papi unter einem Dach. Vor allem, wenn die Eltern sich anschweigen oder gar oft streiten. Ein sicheres zu Hause «nur» mit der Mutter und das Recht, Papi zu sehen, wann immer es geht, gibt einem Kind das bessere Gefühl, als wenn am Esstisch geschmollt wird. 

Ein Kind versteht, dass Eltern es immer noch lieben, auch wenn sie einander nicht mehr lieben. Man muss es ihm erklären. Immer wieder. Aber Taten – und damit meine ich nicht mit Geschenken überschütten – zeigen einem Kind ebenfalls, dass es geliebt wird. 

Das schlechte Gewissen ist kein guter Motor für ein zufriedenes Familienleben. Das läuft im schlimmsten Fall darauf hinaus, dass man das Kind behandelt, wie wenn man geschieden wäre und es mit Geschenken überschüttet, um das Gewissen zu beruhigen. 

Ihre Kinder lieben Sie trotzdem. Solange sie weiterhin für sie da sind. Ehrlich! 

Ich bin überzeugt, Kindern ist Aufrichtigkeit wichtiger als scheinheilige Aufrechterhaltung der Familienidylle. Was meinen Sie? 

Sollten Sie sich demnächst scheiden lassen, lesen Sie auch das «Plädoyer eines Scheidungskindes».

Montag, 1. September 2014

Die Hausordnung für ein besseres Zusammenleben




Neues Schuljahr, neue Regeln? Nein, aber eine kleine Erinnerung an unsere Kinder, die das Zusammenleben einfacher machen.

 
Liebe Kinder, wenn ihr folgende Regeln beachtet, werden wir uns gut verstehen: 


Wir «schulden» euch nichts. Ihr kriegt, was ihr verdient habt. Wir reissen uns seit eurer Geburt die Ä...e für euch auf. Deshalb ist die Tatsache, dass ihr schon wieder nicht fernsehen dürft keineswegs «unfaaair»! Fernsehen, Süssigkeiten und Cola sind keine Menschenrechte, verstanden? 

Ihr «braucht» kein Smartphone. Niemand braucht ein Smartphone. Ihr kriegt ein Pre-Paid, in Fällen, in denen keine anderen Telefone zur Verfügung stehen und das ist fast nie der Fall. 

Hausarbeit wird nicht bezahlt. Wir kriegen schliesslich auch keinen Rappen, wenn wir eure Wäsche waschen, von wem auch? Deshalb wird der Tisch gedeckt, das Bett gemacht, die Kleider weggeräumt, ohne irgendeine Gegenleistung dafür zu erwarten. Für aussergewöhnliche Leistungen (Rasen mähen, Unkraut jäten oder Mama im Geschäft helfen) kann über einen Basislohn verhandelt werden. 

Macht es sofort richtig. Nicht erst nachdem wir euch zum x-ten Mal ermahnt haben, weil ihr nur halbherzig arbeitet. Denn wir werden es trotzdem nicht selber tun, ihr werdet aber viel mehr Zeit damit verlieren (und eure Freunde noch später treffen können), wenn ihr es nicht sofort richtig macht. 

Schule ist euer Job. Es ist das Wichtigste, was ihr in den nächsten Jahren zu tun habt. Genau wie Papa und Mama ihre Jobs gut machen sollten. Klagen und Seufzen nützen nichts, die Arbeit muss trotzdem getan werden. Und erst danach dürft ihr gamen, fernsehen oder Freunde treffen. Wie wir auch. 

Mit Honig fängt man Fliegen. Aber wenn ihr nur dann nett zu uns seid, weil ihr etwas wollt, klappt das auch nicht. Und wenn ihr gerade Ärger gehabt habt mit uns? Fragt erst gar nicht «darf ich?», denn in den Momenten dürft ihr gar nichts, ausser nett sein und noch etwas für uns tun. 

Alles klar? 

Welche Hausregeln würden Sie noch hinzufügen?

Montag, 28. Juli 2014

Nie wieder WWF Tipilager!





Das erste Sommerlager für unseren Grossen. Nicht nur das Wetter machte nicht mit....

Unser Grosser wollte sich diesen Sommer – nachdem wir letztes Jahr den Anmeldetermin verpasst hatten – unbedingt für das WWF-Tipilager anmelden. Wie die Indianer leben, schlafen, Werkzeug bauen und Schmuck basteln, hiess es in der schön gestalteten Broschüre.

Er freute sich seit Monaten darauf. Und wir freuten uns mit und für ihn. Einzig die Tatsache, dass sich – trotz umfangreicher Unterlagen -  die Lagerleitung mit keinem Wort vorstellte, fanden wir etwas befremdend. Für jedes der zahlreichen Lager, die mein Mann in seiner Hockey-Karriere leitete, gab er eine Liste der gesamten Leitung mit, damit die Eltern eine leise Ahnung haben, wem sie ihre Kids anvertrauen. Diese Lagerleitung befand das – trotz schriftlicher Nachfrage unsererseits – nicht für notwendig. Doch unser Grosser freute sich viel zu sehr, als dass wir ihn deswegen nicht hingeschickt hätten. Es war ja auch nicht sein erstes Lager, er war bereits mit der Tagesschule zwei Jahre hintereinander gereist. So etwas wie Heimweh kannte unser Sohn nicht. Bis jetzt. Aber der Reihe nach.

Da wir – also ich – eher neugieriger Natur sind, habe ich mit dem Lagerleiter und meinem Sohn vereinbart, dass er uns mal anrufen solle, einfach um zu hören, wie es ihm geht, was sie so unternehmen etc.

Also stieg der Sohnemann gespannt und sehr positiv eingestellt, am Sonntagmorgen in den Sammelbus. Soweit, so gut.

Da wir vereinbart hatten, er würde uns Mitte Woche anrufen, wurde ich Mittwoch schon etwas ungeduldig. Nach einem SMS an den Lagerleiter rief uns dieser an. Luc habe abends etwas Heimweh und er glaube, es sei keine gute Idee, uns anzurufen. Das mache das Heimweh nur schlimmer. Hmmm. Natürlich musste ich ihm Recht geben. Worauf ich ihn bat, den Kleinen dennoch zu fragen, ob er anrufen möchte oder lieber nicht.

Kurze Zeit später kam wieder ein Anruf (und jedes Mal hoffte ich, es sei endlich mein Kind!). Der Leiter versicherte mir, meinem Sohn ginge es besser, er wolle dennoch lieber nicht anrufen, aus Angst, es würde ihm danach wieder schlechter gehen.

Schon diese Aussage ist für eine Mutter nicht einfach, doch musste ich natürlich den Wunsch meines Kindes akzeptieren. Auch am nächsten Tag wollte er gemäss Aussage des Lagerleiters lieber nicht mit uns telefonieren, worauf wir einfach ausrichten liessen, er könne uns jederzeit erreichen, sollte er seine Meinung ändern. Ich tat mich etwas schwer damit, bis Ende Woche nichts von ihm zu hören, musste mich aber damit abfinden.

Es kam kein Anruf mehr, weder vom Kleinen, noch von der Lagerleitung. Woraus wir schlossen, dass das Heimweh vergessen war. Bis Samstag, als wir ihn endlich am Busbahnhof abholen durften. Er stieg strahlend aus dem Bus und umarmte uns stürmisch. Er sei „sooo froh, endlich daheim zu sein!“. Ob das Lager denn nicht gut gewesen sei, hakten wir nach. „Es war der Horror! Ich hatte solches Heimweh und durfte euch nicht einmal anrufen!“. Wie bitte? Wir haben doch angerufen, aber du wolltest ja nicht ans Telefon! Grosses Fragezeichen im wettergegerbten Gesicht (es hat die ganze Woche in Strömen gegossen). „Das wusste ich nicht. Niemand hat mir gesagt, dass ihr angerufen habt, der Lagerleiter hat gar nie mit mir gesprochen. Und als ich gefragt habe, sagte die 18-jährige Leiterin, ich dürfe nicht zu Hause anrufen, sonst werde das Heimweh schlimmer.

Kurz: Ich bin ausser mir. Es ist das erste Mal, dass eine Betreuungsperson mich anlügt. Es ist auch das erste Mal, dass sich mein sonst so fröhlicher und sozialer Sohn derart unwohl gefühlt vor Heimweh weint. Das erste Mal, dass ich erlebe, wie wenig Respekt einem Kind entgegengebracht wird. Das Schlimmste für ihn war aber, dass ein Gspönli sehr wohl anrufen durfte und er nicht, was erst recht keinen Sinn macht.

Da wir seither niemanden von der Lagerleitung erreichen können, habe ich bis heute kein Feedback erhalten. So muss ich davon ausgehen, dass der Leiter einen Imageschaden vermutete, wenn wir unser Kind vielleicht aus dem Lager geholt hätten. Denn darauf wäre es hinausgelaufen, der Kleine wollte gemäss eigenen Aussagen schon seit Dienstag nach Hause. Aber das hätte dann vielleicht andere Kinder animiert, das Lager ebenfalls zu verlassen. Oder wie sonst erkläre ich mir die Art und Weise, die Wünsche eines 10-jährigen und seiner Eltern derart zu ignorieren?

Der WWF organisiert anscheinend ganz tolle Lager, wir hatten wohl nur Pech. Aber riskieren würden wir es nicht mehr. Zumindest bis die Lagerleitung dieses speziellen Lagers ihren Dilettantismus abgelegt hat.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Ferienlagern gemacht? Kanntet ihr die Leiter jeweils? Durften die Kids zu Hause anrufen?




Freitag, 11. Juli 2014

Dieses Bild sagt alles über Mütter




Kim Kardashian macht es vor. Eine Mutter muss heute nämlich viel mehr sein als «nur» Mutter. 


Kim Kardashian ist mit Sicherheit kein Vorbild, zumindest nicht meins. Dass sie eine schöne Frau ist, kann man aber kaum bestreiten. Dass sie seit kurzem Mutter ist, konnten wir ebenfalls in der einschlägigen Presse lesen, und ihr Dasein als Ehefrau wurde uns in zahlreichen TV-Folgen ihrer Reality-Show präsentiert. 

Doch dieses Bild sagt noch etwas über sie – und eben auch über uns aus: Der Kinderwagen steht für ihr Muttersein. Die Brüste hingegen deuten an, dass sie eine Sexgöttin ist. Ihr silberner Eyeliner wiederum erinnert uns daran, dass sie auch ein Partyanimal ist, während ihre Frisur und ihr Blazer daran erinnert, dass Kardashian auch eine erfolgreiche Businesswoman ist. Eine "Yummy mummy" eben.

Und da sind wir auch schon beim Dilemma der heutigen Mutter: Sie soll doch bitteschön nicht nur die Kinder ernähren, sauber halten und den Haushalt führen. Einen – wenn möglich gut bezahlten – Job sollte sie schon auch vorweisen können. Diese zwei Sachen zu kombinieren, sind ja das eine. Viele von uns proben täglich diesen Spagat und scheitern mindestens so oft daran, wie es uns gelingt, die zwei «Karrieren» unter einen Hut zu bringen. 

Doch müssen heutige Mütter nicht nur super dehnbar sein, sie sollen bitteschön auch – um bei der Spagat-Metapher zu bleiben – mehr als nur zwei Beine haben. Schliesslich waren wir mal sexy und gut drauf, wieso soll das wegen ein bisschen Arbeit und Kinderbetreuung nicht mehr der Fall sein? Vermissen wir das denn gar nicht? Parties, Apéros, High heels und Small Talk? Wo bleibt die Verführerin, die ihrem Mann damals den Kopf verdrehte? Wo ist die Frau hingekommen, die direkt aus dem Ausgang ins Büro ging und ihre Pandabären-Augen auf der Büro-Toilette abschminkte? Kommt diese Frau auch bei Ihnen nur noch selten zum Vorschein? Bin ich froh! 

Kim Kardashian mag eine Traumfrau sein, für mich ist sie ein Albtraum! Denn natürlich stemmt sie das Alles nicht alleine. Für das Kind hat sie eine Nanny, im Unternehmen Mitarbeiter und den Haushalt macht sie mit Sicherheit auch nicht selber. Eigentlich darf sie weiterhin eine Sexgöttin für sich und ihren Mann sein. Mit Kinderwagen und Blazer. Und um die Sprache meines vorpubertierenden Sohnes zu bemühen: «Das ist unfair!» 

Aber hey! Den Männern geht es genauso. Das wiederum finde ich fair. Und Sie?

Donnerstag, 3. Juli 2014

"Du kriegst nix!"



Reiche Promis haben Angst, aus ihren Kinder verwöhnte Saugoofen zu machen und werden ihnen deshalb nichts vererben. Aktuelles Beispiel: Sting.

Als der Ex-Frontmann und Bassist von Police, Sting, damals «Russians love their children too» sang, wusste er wohl noch nicht, dass wir dies auch mal von ihm sagen würden. Der Multimillionär gab letzte Woche bekannt, er werde seinen Kindern wohl nichts übrig lassen, wenn er mal nicht mehr ist. In einem Interview mit dem «Mail on Sunday» bestätigte er, seine Kinder müssten arbeiten. «Ich habe ihnen gesagt, es würde für sie nicht mehr viel übrig bleiben, ich werde zu Lebzeiten das meiste ausgegeben haben», so der Arbeitgeber von immer noch über 100 Menschen. «Meine Kinder wissen das aber schon immer. Ich schätze und respektiere, dass sie praktisch nie etwas von mir verlangen.» Sting, dessen Mutter Coiffeuse und Vater Milchmann war, ist überzeugt, dass ein solches Erbe den Kindern nur schade.

Diese Aussage ist ein Echo auf die Studie von Withersworldwide, aus der die Sorge vieler reicher Unternehmer herausspricht. Viele von ihnen sehen ein grosses Erbe als charakterschädigend an und befürchten, es werde dem Gleichgewicht ihres Nachwuchses schaden. In der Tat ist Sting nicht der Einzige, der das so sieht. Folgende Persönlichkeiten möchten ihr Erbe lieber für wohltätige Zwecke gespendet wissen, als dass ihre Kinder mal durch Nichtstun reich werden:
  • Bill Gates
  • Warren Buffet
  • Michael Bloomberg
  • George Lucas
  • Ted Turner
  • Jackie Chan
  • Nigella Lawson
Alle anderen werden ihre Kinder wohl einfach mit ihrem Geld verderben, siehe Paris Hilton und Co. 

Da ich nicht wirklich weiss, wie sich ein Leben mit Aussicht auf ein Erbe anfühlt, frage ich Sie: Wie würden Sie handeln? Spenden oder vererben?

Montag, 30. Juni 2014

Generation Bumerang

Sie kommen zurück! Wenn Kinder wieder bei den Eltern wohnen. Und was man dagegen tun kann.

«Bumerang-Kinder zieht’s wieder zu Mama und Papa» titelte 20 Minuten Online letzte Woche. Klar, dass ich das lesen musste. Ich schlage mich gerade damit rum, dass mein 10-Jähriger diesen Sommer ins WWF-Lager geht. Alleine. Er kennt da niemanden. Und wir kennen seine Leiter nicht. Hiiilfe! Dennoch gehöre ich zu der Sorte Eltern, die überzeugt ist, dass es den Kindern gut tut, mal weg von zu Hause, von Mama und Papa, vom Gewohnten zu sein. Das soll sie darauf vorbereiten, dass sie später einmal ausziehen werden, ein eigenes, selbstständiges Leben führen sollen. Und jetzt kommen die von «20 Minuten» und zerstören meine Illusion! In jenem Artikel steht nämlich, dass knappe 75‘000 Elternpaare mit ihren über 25-jährigen Kindern leben. Plus über 41'000 Alleinerziehende mit Kindern in derselben Altersstufe. Das sind über fast 200‘000 Eltern, die ihre Kinder nicht loswerden! 

Das stellt auch Familiensoziologe François Höpflinger fest: «Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen.» (Anders als in Italien meint er wohl. Da gibt es die Mammoni seit einigen Jahren schon, Wirtschaftskrise sei dank.) Dafür gibt es auch plausible Gründe: «Heutzutage haben die jungen Erwachsenen eine wechselhafte Biographie» und meint damit die längere Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Reisen und häufiger Jobwechsel. Das verstehe ich alles. Aber bei seinen  weiteren Gründen läuft es mir doch ein wenig kalt den Buckel runter: «Die hohen Wohnkosten in der Schweiz schrecken viele junge Leute ab.» Ausserdem sei es nicht mehr so uncool wie früher, bei den Eltern zu wohnen. «Dank der antiautoritären Beziehung haben viele eine gute Beziehung zu ihren Eltern.» Gerade die Söhne (!) schätzten es, wenn Mama (!) das Zimmer aufräume und die Wäsche mache. Und jetzt kommt’s: «Sie wissen, dass die Freundin diese Pascha-Allüren nicht tolerieren würde. Für viele ist das Zusammenleben mit Mama attraktiver als mit der Freundin.» !!!!!
GAHT‘S NO? Muss ich euch Eltern wieder mal daran erinnern, dass euer Zuhause kein Hotel ist? Speziell euch Müttern ermahnen, euren Kindern nicht zu dienen? Muss ich wohl. Bitte sehr:
  • Kinder können ab ca. 5 Jahren ihr Zimmer weitgehend selber aufräumen.
  • Mit 9 kann man ihnen beibringen, wie die Waschmaschine, der Tumbler und ein Geschirrspüler funktioniert.
  • Wir haben keine Kinder bekommen, um aus ihnen assistierte Faulenzer zu machen. Sondern selbstständige,  selber denkende Männer und Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen (wollen).
  • Für die Eltern von Söhnen: Wer will schon einen Mann in die Welt schicken, der lieber mit Mami lebt als mit einer ihm ebenbürtigen Frau?
  • Für Eltern von Töchtern: Achtet bitte darauf, dass sie sich keinen Typen angelt, der lieber mit Mami wohnt! Oder ihm hinterherputzt, -wäscht und -kocht!
So, mit diesen Regeln sollte die Bumerang-Generation bald ausgemerzt sein, was meinen Sie?
 
Ach ja, und was uns das «20 Minuten» nahelegt: Eltern sind nicht verpflichtet, ihre Kinder zurückzunehmen. Keine Rücknahmepflicht sozusagen. Uff! Noch mal Glück gehabt, wie?

Dienstag, 24. Juni 2014

Nur Geimpfte in die Kita?



Deutsche Kinderärzte fordern eine Impfbescheinigung für den Kita-Besuch. Übertrieben?

Deutschland hat die Masern noch immer nicht ausgerottet, weil zu wenige Kinder geimpft sind. Deutsche Kinderärzte fordern nun Impfbescheinigungen als Voraussetzung für den Kita-Besuch. Das Ziel, die Krankheit in Deutschland bis 2015 auszurotten, sei nur mit zusätzlichen Massnahmen zu erreichen, so Wolfram Hartmann,  Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. «Alle Appelle an Freiwilligkeit in den letzten 20 Jahren haben nicht ausgereicht», ist in der aktuellen «Zeit» zu lesen. «Kinder sollten künftig nur mit einer Impfbescheinigung in Kindertagesstätten aufgenommen werden. Vor allem sehr kleine Kinder seien nämlich ansteckungsgefährdet. Um sie zu schützen, muss ein bestimmter Anteil in der Gesamtbevölkerung immunisiert sein. Derzeit seien aber nur 80 Prozent der Deutschen geimpft. Eine Herdenimmunität sei erst ab einer Impfrate von 95 Prozent in der Bevölkerung gegeben. Nur so lassen sich auch Menschen vor der gefährlichen Infektionskrankheit schützen, die zu schwach für eine Impfung sind oder etwa wegen seltener Allergien keine Vakzine vertragen.» 

Nun kenne ich persönlich ein solche Kind, das sich nicht impfen lassen KANN. Der Kleine wird im Sommer eingeschult und dessen Eltern müssen jetzt darum bangen, dass er sich im Kindergarten nichts einfängt. Schlimm genug, dass viele Eltern ihre Kinder trotz Krankheit (Fieber, Magen-Darm-Virus etc.) trotzdem in den Chindsgi schicken. Schlimm auch, dass es für Krankheiten wie Borreliose noch gar keine Impfung gibt. Aber wenn man sich eigentlich schützen könnte und es nicht tut, ist das einfach nur unverantwortlich! Wie leben in einer Gesellschaft, die davon lebt, dass wir kollektiv funktionieren. Wir bezahlen Krankenkassenprämien, auch wenn wir selber noch nie ins Krankenhaus mussten. Wir bezahlen Steuern, mit denen Infrastrukturen finanzieren, die wir eventuell nie benutzen werden. Und wir sollten uns impfen lassen, damit die, die es nicht können, eben auch geschützt sind! Oder gilt die elterliche Verantwortung etwa nur für das eigene Kind? Ich glaube nicht. 

Natürlich verläuft heute eine Masern-Erkrankung unter Kindern häufiger glimpflich als noch im letzten Jahrhundert, doch können infizierte Säuglinge über Jahre hinweg unter den Folgen leiden, sobald sich die Viren im Hirn einnisten. Das ist selten, bedeutet aber meist nach wenigen Lebensjahren den Tod. Ärzte sprechen von der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis. Wer eine Hirnhautentzündung im Kleinkindalter überlebt, trägt vereinzelt sogar geistige Behinderungen davon. Eine Impfung ist weit weniger gefährlich und hat deutlich seltener Nebenwirkungen. 

Wie sehen Sie das? Geht die Impfpflicht zu weit? Geht es immer nur um das eigene Kind oder sollte man vielleicht auch an die anderen denken?

Freitag, 20. Juni 2014

Co-Piloten: Klappe halten!



Helikopter-Eltern sind nicht das grösste Problem, sondern die Co-Piloten. Eltern, welche die Kinder anderer Eltern überwachen und letztere gar verzeigen. 

Ich gebe ja zu, auch ich habe schon über andere Eltern geurteilt, sei das jetzt, weil sie ihre Kinder verwöhnen, schlecht erziehen oder gar vernachlässigen. Menschen sind nicht davor gefeit, eine Meinung zu haben und diese gar zu äussern. Doch ein Fall ging mir entschieden zu weit.



Salon.com hat letzte Woche eine Geschichte gepostet, welche von einer Mutter handelt, die ihr Kind mit einem iPad im Auto sitzen liess, während sie kurz in einen Laden ging. Draussen herrschten kühle Temperaturen, 10°C, wie Salon schreibt. Gaffer – oder wie würden Sie sie nennen – dachten, es sei eine gute Idee, das Kind im Auto zu filmen und die Mutter bei der Polizei anzuzeigen wegen Gefährdung ihrer Sorgfaltspflicht.
 
Dies ist kein Einzelfall: Immer wieder liest man von Verzeigungen gegenüber Eltern, die mit ihren Kindern nicht korrekt umgehen. So berichtet der Blog «Freerangekids.com», Eltern seien bei der Polizei gemeldet worden, weil ihre Kinder draussen spielten. 
Unbeaufsichtigt. Der Vorwurf? Sie hätten ja entführt werden können!
Ja, dies ist Amerika und wir wissen alle, dass die Amis spinnen... Aber im Ernst: Wer hat sein Kind noch nie kurz im Auto gelassen, um an der Tankstelle zu bezahlen oder Brot beim Bäcker zu holen? Wer beaufsichtigt seine Kinder 24/7?
 
Was mich ausserdem auf die Palme bringt: Wer verzeigt Eltern, bevor sie mit ihnen sprechen? Das kommt mir vor, wie meine psychotische Nachbarin, als ich Studentin war, die bei jeder Grillparty die Polizei rief, anstatt mich darum zu bitten, leiser zu sein.
Und wer gibt irgendwem das Recht, sich einzumischen, solange das Kind nicht wirklich gefährdet ist? Bloss, weil es in der Tat unter Umständen vielleicht im Auto frieren oder vom bösen Mann mitgenommen werden könnte. Niemand! 

Nun wissen wir längst, dass Helikopter-Eltern ihren Kindern keinen Gefallen tun, gerade hat dies der «Tages-Anzeiger» in einem sehr guten Artikel noch mal aufgezeigt. Nun müssen aber offenbar die Eltern, welche sich gegen das ständige Überwachen entscheiden, Angst haben, dass andere Eltern das Helikopter-Fliegen übernehmen. Als Co-Piloten sozusagen. Schöne, neue Welt... 

Was meinen Sie? Einmischen oder nicht?

Donnerstag, 19. Juni 2014

Wenn Papa für Mama bezahlen muss



Der Bundesrat berät diese Woche das neue Unterhaltsrecht, welches regelt, wer nach einer Scheidung oder Trennung wie viel zahlen muss. So weit, so nötig.

Das Problem dabei ist, dass unser Bundesrat nicht gerade viel modernen Zeitgeist zeigt. So legt er dem Parlament einen Entwurf vor, der die traditionelle Rollenverteilung gerade zu zementiert: Papa arbeitet, Mama kümmert sich um die Kinder. Das soll auch bei Unverheirateten gelten. Der getrennt lebende Vater soll also nicht die Kinder, sondern auch die Ex finanziell unterstützen. Das Argument? Jedem Kind, unabhängig davon, ob es unehelich oder nicht zur Welt kam, soll «die Gewährleistung der bestmöglichen Betreuungsverhältnisse ermöglicht werden».
Mein Problem dabei? Verschiedene:
  1. Wieso pochen wir immer noch darauf, dass Mama die Einzige ist, die ihre Kinder richtig betreuen kann und so unterschwellig vermitteln, dass es den Kindern in einer Krippe schlechter geht?
  2. Was soll daran so gerecht sein, wenn Papa 100% (oder noch mehr) ausser Haus und Mama 100% (und meist noch mehr, aber ohne Lohn) zu Hause schuften muss?
  3. Wieso nicht vereinbaren, dass beide Teilzeit arbeiten und die Kinder so von beiden betreut werden können?
  4. Wichtig wäre doch vor allem, dass niemand auf dem Existenzminimum landet, weder Papa noch Mama. Aber jeder muss tun, was er kann.
Gerade zu Punkt 4 kenne ich einfach viele Mütter, die nicht mehr arbeiten wollen, auch wenn sie könnten! Papa soll halt zahlen! Verstehen Sie mich nicht falsch. Je nach Situation ist es durchaus angebracht, beispielsweise wenn er jahrelang auf ihre Kosten (will heissen, sie hat ihm den Rücken freigehalten) studiert und Karriere gemacht hat, ist es nur fair, wenn er dies auf diese Art «zurückzahlt». Aber unter «normalen» Umständen?
Die Vorlage sagt natürlich nicht, dass ausschliesslich Papa für Mama zahlen muss, so wie die Dinge aber heute stehen, läuft es darauf hinaus. Und ich gebe zu, dass dies auch (noch) der Realität entspricht, aber müsste der Bundesrat nicht mithelfen, die Gesellschaft zu verändern?
Was meinen Sie? Ist das gerecht oder hinterwäldlerisch?

Donnerstag, 12. Juni 2014

Der Jolie-Effekt


Der Medien-Coup vor einem Jahr brachte Angelina Jolies amputierte Brust an die Öffentlichkeit. Davon profitieren alle.

Sie erinnern sich bestimmt an den medialen Sturm, den Angelina Jolie vor etwa einem Jahr auslöste, als sie bekannt gab, dass sie sich die Brüste hatte entfernen lassen, da sie genetisch bedingt ein sehr hohes Risiko in sich trug, genau wie ihre Mutter an Brustkrebs zu erkranken? Die Empörung bei vielen Frauen war gross, das Risiko null gäbe es nicht und man solle doch die Natur machen lassen etc. war die meist gehörte Kritik an Jolies profilaktischen OP.

Nicht erst seither, aber durch die Berichterstattung wieder verstärkt, hatte ich mir etwas Ähnliches überlegt: Meine Mutter ist vor ein paar Jahren an Eierstockkrebs erkrankt und hat wie durch ein Wunder überlebt. Eierstockkrebs wird meist sehr spät – zu spät – entdeckt, weshalb es in den meisten Fällen tödlich endet.  Ein Ovarialkarzinom kann genetische Gründe haben, genau wie Brustkrebs. Wieso also nicht untersuchen lassen, ob der Krebs meiner Mutter genetisch bedingt und ich entsprechend gefährdet bin? Und wenn ich den Gedanken weiterspinne, war es für mich ziemlich naheliegend, dass wenn das Ergebnis der Untersuchung positiv und ich gefährdeter sein sollte als der Durchschnitt, ich mir die Eierstöcke entfernen lasse. Wer braucht die schon, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist? Die Verhütung wäre so auch gleich geklärt.

Ein Schatten seiner selbst
Bevor Sie mich jetzt dafür kritisieren, dass ich der Natur ein Schnäppchen schlagen wollte: Haben Sie schon mal miterlebt, was Krebs mit einem macht. Hautnah? Die Behandlung macht aus dem Menschen, der man war, ein Gespenst, ein Schatten seiner selbst. Die Nebenwirkungen von Chemotherapien sind für viele genauso schlimm wie der Krebs selbst. So ist beispielsweise der Haarverlust nicht nur eine Frage der Eitelkeit. Die Haare auf dem Kopf büschelweise in der Hand zu halten kommt einer Entblössung gleich, die sehr traumatisierend wirken kann. Ausserdem fallen ja nicht nur die Kopfhaare aus, auch Wimpern und Augenbrauchen sind plötzlich weg und man sieht noch kränker aus, als man sich fühlt. Ganz zu schweigen von der total fehlenden Energie und dem Lebenswillen, der einem zeitweise abhanden kommt. Ich habe das bei meiner Mutter hautnah erlebt und schätze mich glücklich, sie immer noch zu haben. Doch meine Kinder sind definitiv noch zu klein, um diese nagende Angst um Mama haben zu müssen, wenn ich es verhindern kann. Und mit einer OP könnte ich das. Ob mich eine andere Art von Krebs heimsucht, ist dann eine andere Frage, aber ein berechenbares Risiko aus der Welt zu schaffen, scheint mir nur logisch. Oder wieso tragen wir Helme und Sicherheitsgurte?


Gesagt. Getan. Den Test meine ich. Er ist negativ. Will heissen: Der Krebs meiner Mama war nicht genetisch sondern nur Pech. Ich habe die Genmutation also auch nicht und laufe nur minim mehr Gefahr, an dieser Art Krebs zu erkranken, als der Schweizer Durchschnitt. Also keine Eierstock-Entfernung.

Bewusstsein für Brust- und Ovarial-Krebs gefördert
Dennoch bin ich der Jolie dankbar. Dafür, dass sie das Thema an die Öffentlichkeit gebracht hat. Nicht nur, weil wir Frauen uns jetzt vielleicht bewusster abchecken lassen, sondern auch weil die Krankenkassen heute eingesehen haben, dass Prävention besser ist als teure Behandlungen, und die Gen-Untersuchungen bezahlen. Das war nämlich gemäss unserer Genetikerin vor zwei Jahren noch nicht der Fall. Und das sagt nicht nur sie, Onkogenetiker auf der ganzen Welt sind der Meinung, dass Jolies Aussagen dazu beigetragen haben, bei Frauen, die sich vorher nie untersuchen liessen, ein gewaltiges Bewusstsein für Brust- und Ovarial-Krebs gefördert zu haben.


Ob und wie man profilaktisch gegen eine tödliche Krankheit angehen will, ist jeder Frau selber überlassen. Die Möglichkeiten selber sollten aber nicht in die öffentliche Kritik geraten. Fragen Sie doch eine krebskranke Person, wie es ist, die Krankheit zu bekämpfen. Es wird Ihnen die Augen öffnen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Die Ferien-Friends





Warum man mit guten Freunden in die Ferien sollte. Aber nur mit denen.

„Mami, lass uns mit Müllers in die Ferien fahren! Der Kevin ist doch mein Freund!!“ Ich muss leer schlucken. Nicht, dass ich Müllers nicht mag, ich bezeichne sie sogar als unsere Freunde. Wir sehen uns regelmässig, mit und ohne Kids, wir grillieren zusammen, gehen schlitteln und manchmal sind wir alle zur selben Party eingeladen. Wir verstehen uns also eigentlich recht gut.

Aber mit ihnen in die Ferien fahren? Sie, die Mutter, die ihren Kindern auch während des Abendessens befiehlt, sich die Hände waschen zu gehen? Er, der auch bei nicht tolerierbarem Benehmen (beispielsweise, als seine Kinder sich einen Spass daraus gemacht haben, meine meine eben erst blühenden Tulpen auszureissen…!!!) immer wieder damit kommt, „es sind halt Kinder“? Eben diese Kinder, die weder grüssen, noch sich bedanken und schon gar nicht daran denken, beim Essen auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben, sondern viel lieber UNTER dem Tisch verschwinden, um uns Erwachsene an den Füssen zu kitzeln? Ich weiss nicht…

Es ist doch einfach so: Mit anderen Menschen eine solch wichtige Zeit wie die Ferien zu verbringen ist schwierig. Will ich in meinen Ferien darauf Rücksicht nehmen, dass Müllers Kinder erst um 23.00 Uhr ins Bett müssen? Oder in Kauf nehmen, dass der Vater dieser Kinder jeden Abend den Fernseher einschalten muss, um seinen Lieblingsfussballclub spielen zu sehen? Am meisten Mühe habe ich aber damit, dass Mama Müller ihren Kindern keine Essensreste zumutet, so dass für die Kinderlein jeden Tag frisch gekocht werden muss, während wir Erwachsenen die vertrockneten Überreste der Kindermenus verdrücken sollen. Auch will ich mir nicht dauernd anhören müssen, dass zu viel Süsses den Kindern schade und dass ohne Helm gar nichts läuft…

Ich sage ja, Ferien mit anderen Menschen können kompliziert sein. Auch wenn man sich zu Hause gut versteht und eigentlich befreundet ist. Die Ausnahme: Wirklich gute Freunde. Mit ihnen sind Ferien erholsam und gleichen nicht einem Nervenkrieg, nach dem man noch mehr Ferien braucht. Schliesslich kennen die einen wirklich und wissen, wann man in Ruhe Zeitung lesen will, keine Lust hat, Badminton mit dem Göttikind zu spielen und schon gar nicht gewillt ist, die 7-stündige Wanderung mitzumachen, die vorgeschlagen wurde. Gute Freunde akzeptieren einen auch in den Ferien, so, wie man ist. Das tu ich dann übrigens auch. 

Und wer's noch nicht weiss: Die Rabenmutter führt auch ein Reisebüro. Bucht eure Ferien mit Friends also am besten bei webook.ch!

(Dieser Text erschient erstmals als Kolumne im Kids Guide, Juni 2014.) 

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