Die Babyausstattung und das Loch im Portemonnaie

Für das neue Baby wollen Eltern nur das Beste und das Neuste. Dabei ginge es auch anders.




Den Weg zum Babycenter konnte ich schon bald im Schlaf. Damals – ich war gerade mal im zweiten Monat schwanger – fuhr ich fast wöchentlich in die Agglo-Industrie, um mir Kinderwagen anzuschauen. Und Autositze. Mobiles. Und Nuggis. Ach ja, und Schoppen braucht es. Und Lätzli. Bettwäsche. Babyliege. Schlafsack. Wickeltasche (gaaaanzwichtig). Und so weiter und so fort.


Man braucht ja sooo viel am Anfang, schliesslich hatte man vorher ein Leben mit Home-Deko, Restaurant und Duftkerzen und plötzlich zieht da jemand ein, der braucht Krabbeldecke, Plastik-Geschirr und Windeleimer. 

Und ich weiss nicht, wie das bei Ihnen war, aber ich hatte das Gefühl, mein zartes, frisches Neugeborenes könne UNMÖGLICH in gebrauchten Sachen schlafen, sitzen oder gar essen. Alles musste neu sein. ALLES. Nicht, dass wir uns das hätten leisten können. Ich brachte den Kindsvater damals zur Weissglut, wenn ich schon wieder mit einer neuen Broschüre nach Hause kam, die behauptete, dieses Produkt sei für das Baby absolut unabdingbar, wenn man nur halbwegs gute Eltern sein wolle. Und wollten wir denn keine guten Eltern sein? Hä? Hää? Eben.

Also kauften wir alles neu: Kinderwagen, Kindersitz, Hochstuhl... (siehe oben). Einzig das Gitterbett war bereits gebraucht. Ja, wir gaben ein Vermögen aus. Über den Daumen gepeilt, gingen da bestimmt CHF 2'000.- drauf! Für Sachen, die nach spätestens neun Monaten zu klein, kaputt waren oder sich herausgestellt hatte, dass wir Schrott – teuren Schrott – gekauft hatten.

Das ist aber zehn Jahre her. Die heutige Generation Eltern steht nämlich auf gebraucht. Sorry, «Vintage». Die Studie «Sharity» vom Gottlieb Duttweiler Institut offenbart: Second Hand ist bei der jungen Generation im Trend. Eine Generation, die immer mit dem Neusten aufgewachsen ist, findet Gegenstände mit Geschichten heute spannender. Second Hand ist auch Lifestyle: Stichwort Nachhaltigkeit. Mit Second Hand zeigt man sich als rücksichtsvoller Konsument mit Bewusstsein für die Umwelt. Und vielleicht man der Oma den Gefallen, ihre alte Wiege – «da lag mein Grosser schon drin» – wieder in Gebrauch zu nehmen.

Ein treibender Faktor für den aktuellen Boom von Second Hand ist auch das Internet. Denn dort finden sich die meisten Anbieter von Secondhand-Babyware. Oder man verkauft auf Facebook in eigens dafür kreierten Gruppen seine Sachen für einen kleinen Preis.
So hat tutti.ch eine Babyerstausstattung mit zehn Produkten für werdende Eltern zusammengestellt und die Preise auf ihrer Plattform mit den Preisen im Fachmarkt am verglichen. Die Berechnung ergab eine Einsparung von über CHF 1‘200.-. Das entspricht mehr als der Hälfte der Originalpreise zusammen und freut somit die Familienkasse. Insbesondere Maxi Cosis sind aus zweiter Hand so gut wie neu, da sie durchschnittlich neun Monate gebraucht werden. Der Preisvergleich hat gezeigt: Für einen gebrauchten Maxi Cosi in Topzustand zahlt man auf tutti.ch CHF 89.- weniger als beim Online-Fachhändler.

Fazit: Die neue Generation Eltern ist schlauer, als wir es waren. Und am Ende vielleicht auch wohlhabender...

Kommentare

Lorelai hat gesagt…
Viele dieser Dinge braucht es auch gar nicht. Den Kinderwagen kann man durch ein gebrauchtes Tragetuch ersetzen, man kann windelfrei praktizieren u/o mit Stoffwindeln wickeln und spart in beiden Fällen viel Geld. Stillkissen und Wickelkommode sind nicht zwingend nötig, es geht auch ohne bzw. am Boden. Laufgitter kann man sich in den meisten Fällen genau so sparen wie eine Babywippe/-schaukel... meine Kinder waren dort drin meist keine 3min zufrieden... und das eigene Babyzimmer muss auch nicht sein wenn das Kind im Elternbett (evtl. mit Babybalkon) schläft...
Melisande Alexandra hat gesagt…
Wir haben alles gebraucht gekauft. Zum Glück, der KiWa war sein grösster Feind, so habe ich ihn sowieso nur im Tragetuch getragen, den Buggy haben wir auch gebraucht gekauft. Eine Wickelkommode, neh wir haben auf dem Tisch für die Wäsche gewickelt :-) So haben wir shcon sehr viel geld gespart :-) Kleider holen wir auch immer in der Börse :-)nur mut zum secondhand :-)
Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Stimmt, viele Dinge braucht es tatsächlich nicht bzw. können auch gut Occasion sein, wobei auch wir das eine oder andere für das erste Kind gekauft bzw. geschenkt gekriegt haben. Für uns als sehr nützlich erwies sich sowohl der Kinderwagen wie das Tragetuch, später die Tragehilfe (Ergo) und vor allem das Stillkissen. Einen Windeleimer haben wir geschenkt gekriegt, hätten diesen aber wohl eher nicht gekauft. Wortwörtlich stinknormale "Chräschuseckli" tuns nämlich auch ;). Und wie Melisande tragen die Kinder neben neuen Kleidern auch gut erhaltene Teile aus Kleiderbörsen.
Anonym hat gesagt…
Dazu kommt noch, dass Babysachen meist überteuert sind. Mütter lasst euch nicht von TV und Werbung manipulieren. Alles was euer Kind braucht ist Liebe und Zuneigung. Britte von maxis-babywelt
Nathalie hat gesagt…
Wie wahr, wie wahr! Ich habe mich direkt wiedererkannt und darüber herrlich gelacht :-)
Stefficel hat gesagt…
Hallo, toller blog gefällt mir über Babyausstattung
Liebe Grüße
Stefanie
D2505K hat gesagt…
Hallo, sehr schöner Block. Gefällt mir gut

Gruß Dennis von Babyphone25

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