Donnerstag, 27. November 2014

Wollen Mädchen eine realistische Barbie überhaupt?



Die neue «Barbie» hat eine normale Figur. Die Revolution im Spielwarenhandel ist ein riesiger Fortschritt. Wirft aber Fragen auf.

Es weihnachtet schon sehr, vor allem im Handel. Christbaumkugeln, Schmuck, Rezepte und vor allem: Spielsachen! Die neuen Plastik-Figuren werden überall vorgestellt und ich fühle mich wie beim Groundhog day: Alle Jahre wieder.


Doch eine Neuheit sticht mir ins Auge und mir gefällt, was ich sehe: Lammily, die «Barbie» (nicht von Mattel) mit der realistischen Figur. Will heissen: So könnte ein Mädchen tatsächlich auch aussehen. Nicht übergross, nicht extrem dünn, eine normale Taille und ein rundliches Gesicht. Ganz toll!
 
Denn auch Mattel hat versucht, ihr Flaggschiff «Barbie» zu modernisieren, mit mässigem Erfolg, der eigentlich nur noch peinlich ist. So gibt es ein Barbie-Buch mit dem Titel I Can Be a Computer Engineer. Was toll klingt – denn nachdem Barbie Mami, Bikinimodel und Krankenschwester war, wurde es an der Zeit, sie einen Beruf ausüben zu lassen, der nicht typisch für Mädchen ist –, ist in Wirklichkeit ein erschreckendes Beispiel dafür, wie sexistisch die Puppe weiterhin behandelt wird. Denn im Buch arbeitet Barbie zwar am Computer, wenn es aber darum geht, etwas zu entwickeln, muss sie an ihre männlichen Kollegen appellieren. Oder wie es eine Bewertung auf amazon ausdrückt: «Mädchen lernen in diesem Buch, wie man Jungs dazu manipuliert, die Arbeit zu erledigen.» Da haben die Jungs (oder gar Mädels?) von Mattel auf der ganzen Linie versagt. 

Deshalb wirkt die wohlproportionierte Lammily wie ein Lichtblick in der Spielwaren-Gender-Diskussion. In der Weihnachtsedition 2014 kommt sie sogar mit einem Set Sticker daher, welche Pickel, Narben, Cellulite, Tattoos und sogar Schwangerschaftsstreifen beinhaltet. Finde ich sehr, sehr cool! 

«Ja, aber würde deine Tochter so eine wollen?», fragte mich eine Freundin gestern, als ich ihr ganz begeistert davon berichtete. Dazu muss ich sagen, dass meine Tochter der dunkelhaarigen Lammily sogar ähnelt. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass sie so eine Puppe haben möchte. Doch will sie das wirklich? Wählen wir Erwachsene ebenfalls nach unserem Ebenbild? Wohl kaum. Oder wie erklären Sie sich den Erfolg einer Serie wie «Desperate Housewives», wenn nicht damit, dass diese verzweifelten Hausfrauen uns so gar nicht ähnlich sind? Ihr Leben ist nicht unseres, ihre Autos ebenfalls nicht und ihre Figur erst recht nicht! 

Wieso sollte also meine Tochter ausgerechnet auf eine Puppe stehen, die ihr ähnelt oder ähneln könnte? Ist es am Ende so, dass Lammily vor allem uns Eltern gefällt und wir endlich eine pädagogisch wertvolle Barbie-Version gefunden haben? Ähnlich wie wir damals dachten, unsere Kids sollen vor allem mit Holzklötzen spielen, bis das kinderlose Gotti ihnen ein Plastikspielzeug geschenkt hat und das Kind nichts anderes mehr wollte? 

Ich weiss es nicht, ich will meine Kleine ja mit der Puppe überraschen und werde sie deshalb auch nicht fragen. Aber der obige Video-Clip zeigt zumindest, dass die realistische Barbie bei den Kids ganz gut ankommt. Vor allem die wiederholte Aussage «Sie sieht aus wie meine Schwester» gefällt mir besonders gut. DAS hat kaum je ein Kind über Mattels Barbie gesagt, oder was meinen Sie?

Donnerstag, 13. November 2014

Liebe Afrikanerinnen: Macht doch bitte keine Kinder mehr. Besten Dank. Eure Schweiz.


So in etwa müsste sich die Ecopop-Initiative präsentieren. Wenn sie dann mal so ehrlich wäre.

Ist sie aber nicht. Unter dem Mantel des „Menschenrechtes auf Familienplanung und die Stärkung der Rechte der Frauen“ (auch wenn von diesen Rechte im Initiativtext kein Sterbenswörtchen steht), möchten die Initianten Drittweltländer dazu anhalten, bitte weniger Kinder zu produzieren. Sonst kommen die nämlich früher oder später alle zu uns und dann leidet die Natur darunter. Der Zusammenhang ist so haarsträubend, dass es eigentlich zum Lachen wäre. Wäre es nicht so traurig. Denn 10 Tage vor Abstimmung liegt das Ergebnis bei 50:50.
Zuwanderungsbeschränkung ist in diesem Land seit langem ein Thema. Das erfuhren meine Eltern schon vor über 40 Jahren, als sie in die Schweiz kamen(weil man meinen Vater aus beruflichen Gründen in dieses Land gebeten hat. So wie das heute ebenfalls sehr oft der Fall ist). James Schwarzenbach war damals der Mann, der den Schweizern erklärte, das Land müsse wieder sauber werden. Sauber vor Ausländern, die das blitzeblanke Strassenbild verschandelten. Auch wenn sich viele Ja-Stimmer noch heute nicht bewusst sind, wie viel ihnen von Ausländern abgenommen wird (oder versuchen Sie sich mal vorzustellen, alle Ausländer würden einen Tag lang die Arbeit niederlegen. Was würde passieren?), so hat eine gewisse Kontrolle und ein vernünftiges Mass sicherlich seine Berechtigung. Das ist aber nicht die eigentliche – entschuldigen Sie – Schweinerei der Ecopop-Initiative. Die geht nämlich weiter (und das wird in den meisten tendentiösen Berichterstattungen nicht speziell erwähnt):
„Der Skandal liegt in der Verbindung von Zuwanderungsbeschränkung in der Schweiz mit Geburtenkontrolle in der Dritten Welt. Offenbar reicht es nicht aus, die Ausländer zu kontingentieren, um in der helvetischen Heimat die Unversehrtheit von Wald, Weid und Alpenbrache zu bewahren. Es müssen zu diesem hehren Zweck auch aktive Anstrengungen unternommen werden, um in der Sahelzone die Geburtenrate zu senken. Globale Denatalität zum ökologischen Wohl der Heimat. Oder im Klartext: weniger Negerlein. Das ist die politische Substanz der Ecopop-Initiative. In der schönen Schweiz des Jahres 2014 könnte sie mehrheitsfähig sein.“ Besser als Daniel Binswanger im Magazin hätte ich es auch nicht sagen können.

Es ist übrigens auch nicht so, dass die „Afrikafreunde“ von Ecopop die Entwicklungshilfe erhöhen wollten, um ihre tollen Ideen überhaupt umzusetzen. Vielmehr müssten mindestens 10 Prozent eben dieser Hilfe neu für Familienplanung ausgegeben werden. Nicht für Schulen, Medizinische Versorgung oder Wasser. Sondern schlicht dafür, dass sie sich bitteschön nicht mehr vermehren.

Nun ist dieses Gedankengut nichts Neues. In braunen Programmen der Nationalsozialisten waren solche Ideen alltäglich. Genauso wie die Vernichtung von behinderten Kindern (die ja auch umgesetzt wurde) und sonstigen menschenverachtenden Massnahmen, um die Heimat „zu säubern“. Am 30. November werden nun wir Schweizer (schon wieder!) an die Urne gebeten, um faschistische Ideen umzusetzen. Wollen wir wirklich, dass unsere Kinder in einer Schweiz aufwachsen, deren einziges Ziel es ist, eben diese „sauber“ zu halten? Sollen sie in einer Schweiz leben, deren ökologisches Gewissen davon abhängt, wie viele Afrikanerinnen sterilisiert wurden? Für mich wäre das ein Grund, dieses Land, das meinen Vater und seine Familie vor über 40 Jahren geholt hat, wieder zu verlassen. Oder wie sehen Sie das?
 Mehr Infos zur Ecopop-Intitiative finden Sie hier.

Donnerstag, 6. November 2014

Was Jungs mögen...

… sollte Mädels nicht interessieren. Deshalb ist «All about the Bass» nicht so toll, wie man meinen könnte.



Es geschieht immer im Auto. Wir fahren und hören einen der x Sender, die den lieben langen Tag dieselbe Hitparadenmusik rauf- und runterspielen. Und plötzlich schreit eines der Kinder «Mami, mach lauter!». In diesem Fall meine Tochter. Das Lied? «All about the Bass» von Meghan Trainor. Für die unter Ihnen, die es nicht kennen: Meghan Trainor ist keines der spindeldürren Sternchen am Pophimmel und über genau diesen Zustand beschreibt sie auch. So singt sie über Photoshop und dass wir alle wissen, dass es nicht echt ist etc. Toll! Dachte ich erst. 

Denn – selber auf der molligen Seite des Lebens – prinzipiell begeistern mich alle jungen Mädels, die ihren Körper feiern. Egal, wie dieser aussieht. Die nicht hungern, um möglichst der gängigen Norm zu entsprechen. Die aber wissen, dass sie eben mehr sind als nur eine Figur, ein Gesicht, ein BMI. 

Leider zügelte sich meine Begeisterung für das Lied ziemlich schnell, als ich genauer auf den Text hörte. 

Yeah, my mama she told me don't worry about your size. She says, Boys like a little more booty to hold at night.

(Meine Mama sagte mir, ich solle mich um meine (Kleider)Grösse keine Sorgen machen. Jungs mögen es, nachts etwas mehr (Po) im Arm zu halten. So ungefähr.)
 
Also soll es eben doch darum gehen, was Jungs mögen? Wenn Jungs Mollige mögen, ist es okay, mollig zu sein? Bis sie es nicht mehr mögen und dann specken wir ab? 

Der Rest des Liedes ist wirklich okay, und ich mag es auch, dass meine Tochter mal junge Frauen sieht, die 1. nicht fast nackt vor der Kamera tanzen, 2. positiv zu ihrem Körper stehen und 3. nicht von muskelprotzigen Jungs umgeben sind (der einzige Junge im Video tanzt zwar genial, ein Adonis ist er aber nach gängigen Kriterien nicht und das ist sooo sympathisch!). 

Aber wäre es nicht schön gewesen, wenn die «Mama» ihrer Tochter im Song gesteckt hätte, dass es egal ist, ob man den Jungs gefällt? Dass es nicht nur am Äusseren liegt, ob man gut ankommt? (Denn, dass das wichtig ist, weiss ich noch aus eigener Erfahrung). Dass eine Ausstrahlung, die zeigt, «he, ich gefalle mir, so wie ich bin!» eben positiver wirkt, als «gefalle ich dir so?». Ich finde schon. Aber ich kann leider keine Songs schreiben. 

Was denken Sie? Ist dieses Signal okay? Oder was bringen Sie Ihren Töchtern bei in Bezug auf ihre Körper?

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