Montag, 20. März 2017

Wahre Männer sind Feministen



Was können Männer tun, um eine sexistische Kultur zu verändern? Ich hätte da 10 Tipps.

Es wurde viel gesagt über den Weltfrauentag letzten Mittwoch. Oft las man, es gehe um uns Frauen, um unsere Töchter und deren Zukunft. Was natürlich stimmt. Aber sind deshalb nur wir Frauen gefragt, um ein Umdenken herbeizuführen? Natürlich nicht! Umso mehr hat es mich gefreut, letzte Woche in meinem Facebook-Feed viele männliche Freunde und Bekannte zu lesen, die sich genauso für Feminismus einsetzen. Denn dafür muss man ja keine Frau sein, richtig?


Nochmal zur Erinnerung: Feminismus bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass Frauen gleiche Rechte und Pflichten wie Männer haben sollen und entsprechend behandelt werden wollen. Was in der Verfassung bereits vorgesehen ist, in der Praxis aber noch zu oft nicht gelebt wird. Letztes Beispiel nur ein paar Tage nach dem Weltfrauentag: Amal Clooney, brilliante Menschenrechtsanwältin landet in den Medien, nicht etwa, weil sie vor den Vereinten Nationen über Genozid spricht, sondern weil sie ein Babybäuchlein hat und sich Zeitungen ernsthaft fragen, ob High Heels in der Schwangerschaft gesund sein können.
Dass sich Feminismus nicht auf’s Stricken von Pussy-Hats und Demonstrationen beschränkt, ist allen klar. Feminismus beginnt zu Hause, bei sich. Wir Frauen wissen, was es zu tun gibt. Was aber können Männer konkret bewegen, damit unsere Kultur die Gleichberechtigung als gegeben erachtet? In ihrem Umfeld, zu Hause, bei der Arbeit? Ich hätte da schon ein paar Ideen:
1. 50% (oder mehr) des Haushaltes bewältigen.
Immer. Auch die unangenehmen Tasks. So, dass auch eure Kinder merken, dass Putzen, Waschen und Bügeln nichts mit Chromosomen oder Geschlechtsteilen zu tun hat, sondern dass es notwenige Übel sind, welche halt erledigt werden müssen.
2. 50% (oder mehr) der Organisation übernehmen.
Der Haushalt ist nur ein Teil der Dinge, die Frauen tagtäglich für ein funktionierendes Heim übernehmen. Es gibt tausend kleine und grosse Dinge, die ebensowenig vom Geschlecht abhängig sind, wie Wäsche zusammenlegen. Den Arzttermin vereinbaren und mit dem Kind hingehen, das Geschenk für’s Geburtstagskind (oder sonstige Verwandte) besorgen (und sich überlegen, was man schenken könnte). Den Babysitter organisieren, damit der Ausgang zu zweit wiedermal klappt. Und und und.
3. Eingreifen, wenn du Sexismus erkennst.
Wenn Arbeitskollegen sexistisch daherreden, darfst du das ruhig kritisieren und sie auf ihre Beschränktheit aufmerksam machen. Dies gilt auch für den Typen im Bus, der dieser jungen Frau einen dummen Spruch vor die Füsse wirft. Oder der eigenen Mutter, wenn sie kritisiert, die Schwiegertochter sei halt schon nicht so häuslich. Oder an einem Abendessen bei Bekannten nur Frauen die Männer bedienen. Es wird nicht einfach, aber eine Reaktion wird haften bleiben. Vor allem, wenn sie von einem Mann kommt. Auch online übrigens.
4. Sexismus anerkennen.
Oft ist das Erkennen schwierig. Wenn eine Frau dir also sagt, etwas ist sexistisch, spiele es nicht runter, sondern glaube ihr einfach.
5. Müssen wir über sexuelle Einwilligung diskutieren?
Ein nein ist ein nein. Mehr gibt es nicht zu sagen.
6. Kümmere dich (auch) um die Verhütung.
Es braucht immer zwei. Nirgends ist das so wahr wie beim Kinder zeugen oder Geschlechtskrankheiten verbreiten. Also bitte. (Und wenn wir gerade dabei sind: Lass dich gegen HPV (Gebärmutterkrebs) impfen. Nicht weil du eine hast, aber weil du den Krebs bei einer Frau verursachen könntest. Dochdoch.)
7. Ihr habt Kinder? Sei ein Vater!
Solange es keinen Vaterschaftsurlaub gibt, nimm dir Ferien, wenn das Baby kommt. Übernimm Verantwortung in der Erziehung und im Familienalltag. Wenn du viel mehr ausser Haus arbeitest als deine Frau, schau dennoch, dass du die Kinder aufwachsen siehst, mit ihnen spielst, ihnen vorliest, sie badest und all die kleinen Dinge tust, die die Beziehung zu einem Kind aufbauen. Sie ist mindestens so wichtig, wie die Beziehung zu deiner Frau (welche ebenfalls leiden wird, wenn du dich all dem entziehst.)
8. Informiere dich über weibliche Vorbilder!
Seien das Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, CEOs, Filmregisseurinnen etc. Nimm sie wahr und somit die Tatsache, dass nicht nur die berühmten und viel zitierten Männer diese Welt ausmachen!
9. Anerkenne, was Frauen in deinem Leben alles bewerkstelligen.
Deine Mutter, deine Frau, deine Tochter. Und diskutiere es mit den Männern in deinem Leben.
10. Sag offen, dass du ein Feminist bist.
Nicht nur wirst du das Thema am Laufen halten, du wirst andere Männer darin bestärken, ihren (teils noch diskreten) Feminismus auszusprechen. Und vielleicht überzeugst du sogar den einen oder anderen Sexist, dass er falsch liegt. Du wirst nie männlicher rüberkommen als jetzt!
Feminismus ist ein F-Wort, dass auch Männer immer öfter gebrauchen. Denn wie schon Simone de Beauvoir richtig bemerkte: «Niemand ist Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der sich seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.»
Dieser Text erschien am 15. März 2017 erstmals auf wireltern.ch 

Mittwoch, 8. März 2017

Liebe Mütter, feiert euch selbst!



Heute ist internationaler Tag der Frau. Nein, ich will nicht klagen, ich will Mut machen. Vor allem den Müttern.

Die Frauen sind da! An ihnen führt kein Weg vorbei. Spätestens nach Trumps Amtsantritt weiss es auch jeder Hinterste und Letzte: «So nicht!» «Nicht mit uns!» Wir haben genug davon, dass reiche, weisse, alte Männer darüber bestimmen wollen, was mit unseren Gebärmüttern, unseren Jobs, unseren Löhnen und unseren Familien geschehen soll.

Diese Themen sind aktueller denn je, überall wird plötzlich wieder darüber debattiert, ob eine Frau alleine entscheiden darf, ihren Embrio abzutreiben. Oder ob wir eigentlich gleich viel verdienen sollten wie unsere männlichen Kollegen. Und natürlich, ob wir überhaupt arbeiten sollten oder uns lieber – wie die Natur es gewollt hat – um unsere Kinder kümmern sollen. Wir werden als Emanzen beschimpft, viele – auch Frauen – sehen im Wort «Feministin» etwas, mit dem sie lieber nicht in Verbindung gebracht werden möchten, es könnte dem Image schaden.
Geht es euch auch so? Ich hatte mal das Gefühl, dass wir dies alles hinter uns gelassen hatten, dass wir gleichberechtigt waren. Ich hatte als 20-jährige nie das Gefühl, benachteiligt zu sein. Aber heute? Kommt es durchaus vor. Was sicherlich auch an meiner Rolle als Mutter – und nicht unbedingt als Frau – zu verdanken ist. Denn auf wirtschaftlicher Ebene sind es vor allem wir Mütter, die benachteiligt werden, sei das im Scheidungsrecht (je nach Fall), als auch bei der Arbeit. Einfach, weil wir auch noch einen Side-Gig haben: Unsere Kinder. (Welche ja meist auch Väter haben, aber bei denen verhält es sich ja bekanntlich anders, blabla…) Und weil wir diese nicht aus unseren Köpfen kriegen, arbeiten wir offenbar auch schlechter, weshalb uns niemand einstellen will.

Doch ich mache eben genau die gegenteilige Erfahrung: Mütter arbeiten BESSER als Väter/Männer. Sie sind effizienter. Mütter haben nicht die ganze Woche Zeit, eine Aufgabe zu erledigen. Meist beschränkt sich ihre Arbeit auf ein paar Tage die Woche und an denen müssen sie performen. Schuften, liefern und präsent sein. Anders als ihr Ruf, sind sie eben bei der Arbeit viel konzentrierter und entsprechend effizienter. So, wie sie zu Hause auch nicht lange mit den Kindern firlefanzen können. Dass Teilzeitmitarbeiter mehr leisten, ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, diverse Studien haben das bewiesen.

Deshalb mein Aufruf an alle Mütter: Traut es euch zu! Zeigt euren Arbeitgebern, was ihr drauf habt. Aber versteckt euch nicht, wenn das Kind halt mal krank ist und ihr zu Hause bleiben müsst. Denn auch das will organisiert sein. Seien wir ehrlich, die meisten Väter – (Teilzeit-Angestellte ausgeschlossen) wären doch masslos überfordert, wenn sie Job, Haushalt und Kinder unter einen Hut bringen müssten. Denn auch wenn alle behaupten, Multitasking sei nicht gut: Wir können es und können gar nicht mehr anders, richtig? Wer wird sonst das Geschenk für Levins Kindergeburtstag besorgen, der Schwiegermutter ihre Porzellanschüssel zurückbringen, der Kollegin nach ihren Ferien ein perfektes Kundendossier abgeben, das Wochenende mit den Freunden organisieren und nicht zuletzt ihre Haarwurzeln endlich wiedermal färben?
Ich weiss, dass wir alle immer so tun, als seien wir nicht perfekt und kriegten nie und nimmer alles unter einen Hut. Tun wir aber. Immer wieder. Und das muss heute gefeiert werden. Oder ihr geht demonstrieren, wie ihr wollt!
Und an die Männer: Vergesst den Muttertag, den Valentinstag: Feiert den internationalen Tag der Frau. Denn ohne sie wäre euer Leben sehr viel anstrengender. Ist so. Und ihr wisst das auch. (Und ja, euch feiern wir auch wiedermal, heute ist aber Tag der Frau. Pech.)

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